Kuba beschreitet neue Wege in der Landwirtschaft

Auf Kuba sollen künftig gleiche Bedingungen für alle landwirtschaftlichen Produzenten herrschen, um die Produktion von Lebensmitteln anzukurbeln und Importe einzusparen (Quelle: Granma)

Mit einer weitreichenden Reform will Kubas Regierung künftig die Autonomie der rund 5.000 Agrarkooperativen des Landes steigern und damit die Produktion von Lebensmitteln ankurbeln. Ziel ist es, „gleiche Bedingungen für alle Produzenten herzustellen“, wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtet. So dürfen die Genossenschaften künftig nach Erfüllung der Verträge mit dem Staat ihre Überschüsse frei vermarkten und erhalten größere Freiheiten im Management, Kleinbauern hingegen werden erstmals permanent neue Arbeitskräfte einstellen können.

Die neuen Rahmenbedingungen für Kubas Landwirtschaft sind bereits seit längerer Zeit in der Mache. Nach einer ersten gescheiterten Freigabe der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Jahren 2015/16, versucht Kubas Regierung nun einen zweiten Anlauf. Erklärtes Ziel der Agrarreform ist es, die Lebensmittelproduktion auf der Insel deutlich zu steigern, um teure Importe einzusparen und günstige Preise für die Verbraucher zu ermöglichen. In den vorangegangenen Jahren wurden bereits mehrere kleine Reformschritte auf Seiten der Produzenten unternommen, welche nun unter dem neuen „Gesetzesdekret 365 [Download]“ vereinheitlicht werden. Auch die Festpreise, die der Staat den Bauern für bestimmte Produkte bezahlt, wurden seitdem mehrfach angehoben. Begleitend dazu werden ab diesem Sommer in drei Provinzen die Preise für viele Agrarprodukte freigegeben.

So dürfen Landwirtschaftskooperativen künftig Arbeitskräfte unter Vertrag nehmen, auch wenn diese nicht Teil der Genossenschaft sind. Ebenso sollen auch private Kleinbauern, welche heute vor allem vom Staat gepachtete Flächen bewirtschaften, ihre Produktion mittels Vertragsarbeitern erweitern können. Alle Produzenten, egal ob Kooperative oder Kleinbauernhof, werden ihre Überschüsse dann an staatliche oder private Firmen sowie natürliche Personen direkt verkaufen können, ohne den bisherigen Umweg über die staatliche Abnahmefirma „Acopio“ oder andere Zwischenhändler. Traktoren und Maschinen sollen zudem unbürokratisch durch alle Akteure untereinander verliehen werden können.

Die Verträge mit dem Staat werden weiterhin die Grundlage für das gros der landwirtschaftlichen Produktion bilden. Diese sollen nun allerdings „auf Augenhöhe“ mit den staatlichen Agrarunternehmen ausgehandelt werden. Über die Höhe der Gewinnfonds sowie andere wirtschaftliche Entscheidungen soll in allen Kooperativen künftig ausschließlich durch die Genossenschaftsversammlung und „ohne jedwene externe Einflussnahme“ befunden werden, wie der Leiter für die Entwicklung des Genossenschaftswesens beim kubanischen Agrarministerium, Ricardo Monzón Novoa, am Dienstag im kubanischen Fernsehen erklärte. Bisher galten in den drei verschiedenen Genossenschaftstypen UBPC, CPA und CCS in dieser Hinsicht verschiedene Regeln. Besonders im Fokus stehen die ab 1960 entstandenen Kooperativen vom Typ CCS („Genossenschaften für Kredit und Dienstleistung“, span. „Cooperativas de Créditos y Servicios„), welche zu den produktivsten landwirtschaftlichen Erzeugern Kubas gehören. Sie sollen künftig von allen Funktionen entbunden werden, die nicht ihrer Hauptaufgabe“, also der Produktion von Lebensmitteln, dienen.

Darüber hinaus wird für die Kooperativen ein staatlicher Entwicklungsfond aufgelegt werden, der diese schrittweise rekapitalisieren soll. Ziel ist es, die Kooperativen künftig auch finanziell auf solide Füße zu stellen. Über die zu bildenden Rücklagen soll die Vollversammlung der Mitglieder entscheiden. Mit der steigenden Autonomie soll zugleich die kooperative Kultur in den Genossenschaften verstärkt werden, hierzu sollen entsprechende Schulungen Werte wie „Freiwilligkeit, gegenseitige Hilfe, ökonomische Selbstständigkeit, und Genossenschaftsgeist“ vermitteln. Im Rahmen der Digitalisierung von Verwaltung und Steuerprüfung werden die Genossenschaften dazu angehalten, ihre Verkäufe künftig über Bankkonten abzuwickeln.

Wie die „Granma“ betont, werden mit dem neuen Gesetz 365 wichtige Regeln der „International Co-operative Alliance (ICA)“ auf Kuba implementiert. Es soll 180 Tage nach der Veröffentlichung, also diesen November in Kraft treten. Viele Einzelmaßnahmen der letzten Jahre wurden darin zusammengefasst. Die schon seit längerem geplante Erweiterung der Autonomie für Kooperativen könnte noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Dass das auch positive Auswirkungen auf die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte haben könnte, zeigt das Beispiel der CCS-Genossenschaften, welche als Zusammenschluss von Kleinbauern traditionell über die größte Autonomie verfügen und heute zu den wichtigsten Produzenten gehören. Noch muss Kuba rund 80 Prozent seines Lebensmittelbedarfs importieren. Schrittweise allen natürlichen und juristischen Personen des Agrarsektors gleiche Bedingungen und gleichen Zugang zu Inputgütern zu garantieren, könnte sich als genau der richtige Schritt erweisen, um an diesem Zustand mittelfristig etwas zu ändern.

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Kuba gibt Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse frei

Ab August dieses Jahres dürfen die meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Havanna, Artemisa und Mayabeque wieder frei gehandelt werden (Quelle: Cubadebate)

Fünf Jahre nach Beginn des abgebrochenen Experiments zur freien Vermarktung von Lebensmitteln in Havanna und den zwei angrenzenden Provinzen Artemisa und Mayabeque, gibt Kubas Regierung erneut den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte frei. Anders als vorher sieht legt das neue Gesetz jedoch einen größeren Schwerpunkt auf den Verbraucherschutz.

2013 begann in Havanna, Artemisa und Mayabeque ein bisher einzigartiges Experiment in der kubanischen Landwirtschftspolitik: praktisch alle Erzeugnisse, mit wenigen Ausnahmen, durften in den drei Provinzen nach Erfüllung der staatlichen Abgabequote frei gehandelt werden. Damit sollte die Produktion von Lebensmitteln angekurbelt werden. Dies gelang auch zunächst, allerdings mit dem negativen Effekt steigender Preise.

In den darauffolgenden Jahren nahmen Angebot und Qualität auf Havannas Bauernmärkten spürbar zu, gleichzeitig wurde jedoch auch mehr gehortet, der Markt erwies sich als dysfunktional. Horrende Preise zwangen Kubas Regierung im Januar 2016 schließlich dazu, die Notbremse zu ziehen und das Experiment abzubrechen. Seitdem gelten auf den Märkten wieder Festpreise, wobei die hochwertigeren Produkte nach wie vor unter der Hand auf Basis von Angebot und Nachfrage gehandelt werden. Keine Dauerlösung also, um das leidige Thema der Lebensmittelproduktion auf Kuba zu verbessern.

Wie die Tageszeitung „Juventud Rebelde“ berichtet, wird mit dem „Decreto 355“ direkt an das damalige Experiment angeknüpft und der Idee der freien Vermarktung von Lebensmitteln eine neue Chance gegeben. Im Unterschied zu damals allerdings legt das neue Gesetz deutlich mehr wert auf Verbraucherschutz und Transparenz, zudem sind bestimmte Produkte wie Milch, Rindfleisch und Honig vom Handel ausgenommen. Sämtliche staatlichen und genossenschaftlichen Produzenten dürfen ihre Produkte in den drei Provinzen künftig wieder untereinander sowie an die Bevölkerung verkaufen.

Kuba muss derzeit noch immer 60 bis 80 Prozent der benötigten Lebensmittel importieren. Aufgund der schwierigen wirtschaftlichen Situation mussten jedoch zuletzt  viele Importe eingeschränkt werden, was zu zeitweisen Knappheiten in der Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Eier, Fleisch und Speiseöl geführt hat. Mit dem neuen Gesetz will die Regierung neue Anreize für die Produktion von Lebensmitteln im Land schaffen. In Kraft treten soll die Reform 120 Tage nach Veröffentlichung des Gesetzes, also im August dieses Jahres. Sollte sich das Modell in den drei Provinzen beim zweiten Anlauf als erfolgreich erweisen, könnte die Initiative im ganzen Land Schule machen.

„Wo gibt’s …?“ – neue App soll Einkäufe auf Kuba erleichtern

Der Dienst ist auch über die Website erreichbar (Quelle: Dondehay/CIMEX)

Mit einer neuen App will Kubas Handelskette CIMEX ihren Kunden den Einkauf erleichtern. „Donde hay …?“ – „Wo gibt’s …?“ heißt der Titel der neuen Software. Sie soll die Suche nach Produkten in den staatlichen Geschäften erleichtern, indem deren Verfügbarkeit samt Preisen, Ort und Vorratsbestand in Echtzeit abgebildet wird.

Die App, welche mehr Transparenz und schnellere Besorgungen verspricht, ist am Freitag erschienen. Kunden können darin mittels Textsuche gezielt nach bestimmten Produkten suchen und erhalten genaue Angaben über die Vorratsbestände der einzelnen Läden sowie eventuelle Rabatte. Die Resultate lassen sich nach Ort und Ortsteilen filtern und werden in einer übersichtlichen Ansicht mit Karte und weiteren Informationen wie Öffnungszeiten und Kontaktdaten der Filiale aufgelistet. Für Cubacel-Kunden ist der benötigte Internetzugang der App mittels aktiver Mobildaten kostenlos.

Unter der Webseite dondehay.cimex.com.cu lässt sich der Dienst auch ohne Smartphone-App über den normalen Browser erreichen. Wie CIMEX bekannt gab, „beginnt der Dienst mit einer Testphase und wird konstante Weiterentwicklungen und Verbesserungen erfahren, so dass neue Funktionen hinzukommen werden.“ Die Handyapp befindet sich aktuell in der Version 1.1 und ist für Android-Betriebssysteme ab Version 4.0 geeignet. Sie lässt sich direkt von der Webseite des Herstellers „Datacimex“ herunterladen. Probleme und Vorschläge können an die Entwickler unter atencionalcliente@cimex.com.cu gemeldet werden.

Kuba stärkt den Verbraucherschutz

Kubas Regierung will mehr Transparenz und mehr Rechte für den Verbraucher in den Handel einführen (Quelle: Granma)

Mit einem neuen Gesetz will Kubas Regierung die Rechte von Verbrauchern auf der Insel stärken. Mit der Resolution 54 vom 4. Mai sollen die Rechte und Pflichten von Käufern und Verkäufern auf der Insel erstmals in Gesetzesform definiert werden. Betrügerische Praktiken wie fehlerhafte Preis- und Gewichtsangaben von Produkten können künftig im staatlichen genauso wie im privaten Handel empfindliche Strafen nach sich ziehen. Darüber hinaus hat das Ministerium für Binnenhandel eine neue Beschwerdehotline eingerichtet.

Einkaufen kann sich auf Kuba manchmal als kafkaeskes Erlebnis entpuppen. Neben der schwierigen Verfügbarkeit mancher Produkte sind Praktiken wie falsches Abwiegen oder überhöhte Preise, die nichts mit den Listenpreisen zu tun haben, keine seltene Erscheinung. Immer wieder schreiben Leser in ihren Briefen an die Redaktion der „Granma“ über derartige Vorkommnisse. Eine Mutter berichtete beispielsweise erst von einer solchen Absurdität: Ein Spielzeug, welches sie für ihrem Sohn für 32,95 CUC kaufte, kostete wenige Tage später in dem selben Laden auf einmal 56 CUC.

Andere Fälle berichten von Einzelhandelsangestellten, welche Produkte direkt an private Zwischenhändler zuschanzen um sich selbst damit etwas hinzuzuverdienen, manchmal werden Preissenkung von den Angestellten im staatlichen Einzelhandel auch schlichtweg nicht umgesetzt. Auf den freien Bauernmärkten hingegen sind „ungefähre“ Gewichtsangaben keine Seltenheit, freilich zu Gunsten des Verkäufers. „Wie lange noch wollen wir diese wirtschaftlichen Angriffe ertragen?“ frägt die Leserin in der „Granma.

Mit dem neuen Gesetz will Kubas Ministerium für Binnenhandel mehr Klarheit schaffen. Es sei die „erste Auflistung der Rechte und Pflichten des Käufers in Gesetzesform“, so das Ministerium. Neben dem Anspruch auf die angegebene Qualität und Quantität haben Kubas Kunden auch ein Rückgaberecht. Das alles ist theoretisch schon längst etabliert, jedoch noch nicht in dieser Deutlichkeit. Neu ist, dass das Gesetz einige Vorgaben zur Preisbildung macht: vor allem Produkte des täglichen Bedarfs müssten in „angemessenem Preis-Leistungsverhältnis“ angeboten werden.

Neben der genauen Regulierung des Rückgaberechts können sich Konsumenten nun auch gegen falsche Werbung zur Wehr setzen. Kunden könnten eine „transparente, korrekte, nicht-diskriminierende, gleichwertige und nicht missbräuchliche Behandlung“ in Bezug auf die Kategorien „Quantität, Qualität, Gewicht, Volumen und Preis“ jedwenes Produkts und jeglicher Dienstleistung erwarten.

Die Verbraucherschutzbehörde des Ministeriums bearbeitet nach eigenen Angaben jeden Tag zwischen 70 und 80 Beschwerden, wovon rund 60 Prozent mit Problemen bei Produkten zu tun hätten. Unter den neuen Nummern 78683549 und 78683536 können Verbraucher nun ihre Beschwerden rund um die Uhr loswerden. Per eMail ist die Verbraucherschutzbehörde unter consumidor@aguiar.mincin.cu erreichbar.

„Spar“ versorgt Supermarkt in Cienfuegos

Spar-Produkte im Supermarkt „Imago“ in Cienfuegos (Quelle: 5 de septiembre)

Die Handelskette „Spar“ hat in der kubanischen Stadt Cienfuegos die Belieferung eines staatlichen Devisengeschäfts übernommen. Der frisch renovierte und modern eingerichtete Supermarkt wurde Anfang des Monats von Vertretern der Provinzverwaltung feierlich eröffnet, wie lokale Medien berichten. In den letzten Monaten schloss der Staat zahlreiche neue Verträge mit internationalen Handelskonzernen, die ihre Produkte inzwischen vielerorts auf der Insel vertreiben.

Der Supermarkt „Imago“ in der Provinzhauptstadt Cienfuegos verkaufte früher „von allem ein bisschen“, erklärte die Leiterin der Einrichtung Tania Llanes Flores gegenüber der Lokalzeitung „5 de septiembre„. Nach der Generalsanierung sieht der Laden modern und freundlich aus, doch nicht nur das Erscheinungsbild hat sich geändert: Inzwischen werden die Produkte von der niederländischen Handelskette „Spar“ geliefert. Der staatliche Handelskonzern CIMEX bleibt jedoch weiterhin der Betreiber, und auch der alte Name bleibt erhalten, wie die Zeitung berichtet.

Für die Kunden soll mit dem neuen Lieferanten vor allem die Qualität und Auswahl der Produkte steigen und auch die Versorgungsstabilität verbessert werden. „Ein schöner Laden mit großer Auswahl“, kommentierte eine der ersten Kundinnen nach der Wiedereröffnung. Doch es hagelte auch Kritik, vor allem am hohen Preisniveau, welches der „Kuba-Spar“ mit den anderen staatlichen Läden gemeinsam hat. Einige der Produkte seien „lächerlich teuer“, urteilt ein Kolumnist der Zeitung. So kostet eine Flasche Olivenöl der Spar-Eigenmarke beispielsweise 5,30 CUC, etwa 4,20 €. Einige der Preise seien „höher als in den reichsten Städten des Planeten.“

Im Juni 2017 eröffnete Kubas erster Samsung-Store in Havannas Stadtteil Playa (Quelle: Radio Habana)

Auch andernorts haben in letzter Zeit internationale Handelskonzerne auf Kuba Fuß gefasst. So öffnete der südkoreanische Elektrokonzern „Samsung“ im Juni 2017 sein erstes Geschäft auf Kuba welches sich in Havannas Stadtteil Playa befindet. Auch der Modekonzern „Mango“ betriebt inzwischen einen Shop im Einkaufsbereich des neu eröffneten Luxushotels „Manzana Gómez“ in Havannas Altstadt. Dort können Luxusprodukte internationaler Marken wie Gucci, Adidas oder Lacoste erworben werden. Seit Anfang des Jahres vertreibt auch die spanische Handelskette „El corte inglés“ ihre Produkte inzwischen in zwei Lebensmittelmärkten der kubanischen Hauptstadt.

Seit der Auflösung der Sowjetunion betreibt Kuba ein staatliches Netz aus Devisengeschäften welches das Angebot der rudimentären Bodegas (kleinere Geschäfte für basale Artikel) ergänzt. Auch die Handelskette Spar zählt schon länger zur festen Lieferantenliste der staatlichen Importfirmen. In den letzten Jahren kamen jedoch viele neue Verträge hinzu, welche das Angebot im Einzelhandel stabilisieren sollen. Neben den hohen Preisen zählen Sortimentslücken und das ständig wechselnde Angebot zu den größten Kritikpunkten der Bevölkerung am staatlichen Einzelhandelsnetz.

Vor allem in Havanna und Cienfuegos werden derzeit einige der neue Vertriebs- und Liefermodelle mit den Handelskonzernen getestet. Zuletzt eröffnete erst im Oktober 2017 ein neues Haushaltswarengeschäft unter dem Namen „Agua y Jabón“ (deutsch: Wasser und Seife) in Cienfuegos, welches exklusiv von der italienischen Handelskette „Italsav“ beliefert wird. Firmenvertreter Nicolás Oleaga Herrera erklärte damals: „alle Produkte stammen aus der Europäischen Union und unterliegen hohen Qualitätsstandards“. Zudem habe die Firma die Sanierung des Geschäfts übernommen.

Das neu eröffnete Haushaltewarengeschäft „Agua y Jabón“ in Cienfuegos (Quelle: 5 de septiembre)

Samsung eröffnet erstes Geschäft auf Kuba

Das erste Samsung-Geschäft in Havannas Stadtteil Playa (Quelle: Radiohabana)

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hat vergangene Woche seinen ersten Laden im sozialistischen Kuba eröffnet. Das Geschäft befindet sich im Kaufhaus „3ra y 70“ in Havannas Stadtteil Playa und stellt eine Auswahl aus dem aktuellen Portfolio des Konzerns aus. Neben Handys, Tablets und Fernseher können auch Kühlschränke, Klimaanlagen und Waschmaschinen erworben werden.

„Noch vor 10 Jahren hatte Marketing eine geringe Bedeutung auf Kuba. Aber die Kunden haben heute ein Interesse an Marken gewonnen während die Wirtschaft auf Kuba sich entwickelt, also haben wir einen Markenshop eröffnet um die Kubaner mit Samsung vertraut zu machen“, sagte ein Sprecher der Firma gegenüber dem südkoreanischen Medium Hankyoreh.

Die Eröffnung eines eigenen Shops für ausländische Hersteller ist keineswegs neu auf Kuba. Auch andere bekannte Marken wie Adidas und Nike betreiben schon seit längerem Geschäfte auf Kuba. Zuletzt haben in der Mall des jüngst fertiggestellten Hotels „Manzana Gómez“ Geschäfte der Edelmarken L’Occitane, Mont Blanc und Lacoste eröffnet. Auch der Internetriese Google stellt schon seit einigen Jahren auf dem Gelände des Künstlers „Kcho“ seine Produkte aus, zusammen mit kostenlosem Internetzugang.

Die Eröffnung solcher Geschäfte ist an die Zusammenarbeit mit staatlichen kubanischen Handelskonzernen geknüpft. Samsung, genauso wie die anderen genannten Marken, kooperieren dabei mit der Einzelhandelskette „TRD Caribe“, welche von den kubanischen Streitkräften betrieben wird und rund 50 Prozent des Markts für Elektrogeräte auf der Insel kontrolliert. Die Eröffnung des Samsung-Geschäfts wurde bereits auf der Handelsmesse FIHAV vergangenen November angekündigt.

Viele Kubaner nahmen die Eröffnung des Geschäfts offenbar positiv auf, da Samsung-Produkte einen guten Ruf auf der Insel genießen. Die Preise, welche sich auf international überdurchschnittlichem Niveau bewegen, dürften jedoch auf viele potentielle Kunden abschreckend wirken und eher eine kleine Käuferschaft ansprechen.


Der neue Samsung-Laden in Havanna:

Essen, um zu überleben

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Cafeteria der Universität Havanna (eigene Aufnahme)

Seit meiner Ankunft in Havanna habe ich hier so manche Gewohnheit ablegen müssen. In Bezug auf seine Küche erweist sich Kuba für mich jedoch als ungeahnte Herausforderung. Denn obwohl es hier allerlei Nahrungsmittel zu kaufen gibt, ist eine abwechslungsreiche und wohlschmeckende Ernährung eine anspruchsvolle Aufgabe die vor allem von drei Faktoren abhängt: der Zeit, dem Geld und der Gelegenheit.

Günstig und verfügbar: Die Peso-Gastronomie

Die einfachste Option hier satt zu werden ist mit Sicherheit eine der zahlreichen Cafeterias und Peso-Restaurants aufzusuchen, die für umgerechnet weniger als einen Euro die immer gleichen Standardgerichte anbieten: Reis mit Bohnen und Avocado, als Beilage gibt es oft fades Hühnchen- oder Schweinefleisch. Darüber werden dort fast immer Pizza, Spaghetti, Fruchtsäfte, Burger und Sandwiches angeboten. Der Vorteil dieser kleinen Cafeterias ist, dass sie praktisch immer und überall verfügbar sind und meist die konstant gleiche Qualität bieten. Der Nachteil besteht in eben jener Qualität.

Was auf den ersten Blick nach einer soliden Auswahl klingt, entpuppt sich in der Praxis oft als eine Odyssee für den Gaumen: Während die Spaghetti so weichgekocht sind, dass sie auf der Zunge zergehen, besteht die omnipräsente American-Style Pizza hier aus öligem Teig mit Käseersatz, dazu gibt es zuckrige Tomatensauce und mittelmäßigen Schinken. Da Milchprodukte hierzulande knapp und teuer sind, müssen natürlich auch die Spaghetti mit Ersatzkäse auskommen. Zwar hat man meistens die Auswahl zwischen Guaven, Mango und Tamarindensaft für lediglich zwei bis drei Peso Cubano – diese sind jedoch oft übermäßig gezuckert und schmecken daher wenig natürlich. Auch die Reis- und Fleischgerichte sind nun wirklich keine Gaumenfreude, da sie meist jegliche Sauce vermissen lassen.

Die nächste Alternative könnte in der staatlichen Cafeteria der Universität bestehen – doch dort wird exakt das selbe wie in den privaten Cafeterias verkauft, nur etwas billiger und schlechter als im Privatsektor. Ein Sandwich kostet dort beispielsweise 5 Peso (etwa 20 Eurocent), was sich auch in der Qualität der verwendeten Zutaten niederschlägt: Billiges Fleisch zusammen mit fettigem Käseersatz und luftigem Weißbrot machen zwar satt, mehr aber auch nicht. »In Kuba fragst Du nicht nach den Zutaten«, sagte mir eine Freundin die ein halbes Jahr hier verbracht hat, »Du isst hier nicht wegen des Geschmacks, sondern weil Du musst. Du musst essen, um zu überleben.«

Knappes Sortiment im Einzelhandel

Bis auf wenige Ausnahmen zieht sich diese traurige Bestandsaufnahme durch große Teile der kubanischen Peso-Gastronomie. Nach einigen Wochen fing mein Magen an zu rebellieren und ich habe versucht meine bescheidenen Kochkenntnisse einzusetzen, um für etwas Abwechslung zu sorgen: Zumindest vernünftige Spaghetti mit Tomatensauce sollten drin sein, dachte ich mir. Selbst Kochen entpuppt sich in Kuba jedoch als mitunter teure Angelegenheit, zumindest wenn man nicht auf die übliche Reis-Avocado-Bohnen-Rezeptur zurückgreifen möchte: Während die Spaghetti mit etwa 90 Eurocent ähnlich teuer sind wie bei uns, sind fast alle anderen Fertiglebensmittel deutlich teurer. Pesto habe ich bisher noch nirgends gefunden und auch »richtiges« Brot scheint hier nicht erhältlich zu sein.

Das Sortiment in den staatlichen Lebensmittelschäften variiert von Woche zu Woche, wobei bevorzugt günstige Produkte von schlechter Qualität importiert werden. Neben Keksen aus Mexiko und Apfelsaft aus Spanien findet man allerlei – jedoch oft nicht das, was man sucht. In vielen fällen führt der Laden dieses oder jenes Produkt nicht, bzw. es ist gerade ausverkauft. Letzten Endes bleibt einem dann nichts übrig, als sein Glück auf der Straße zu versuchen oder zum nächsten Laden zu ziehen. Bedingt durch die Folgen der US-Blockade zu der noch eine saftige staatliche Importsteuer kommt, vergeht einem ohnehin meist die Lust auf viele Produkte: Statt importierter Schokolade für 3-4€ greift man im Zweifelsfall lieber zur heimischen, die zwar schlechter schmeckt, aber für ca. 1€ erhältlich ist.

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Staatliche Lebensmittelgeschäfte weisen oftmals ein recht monotones Sortiment auf

Ohne fortgeschrittene lokale Kochkenntnisse und einen tieferen Einblick in das mitunter eintönige Sortiment der kubanischen Läden und Bauernmärkte wird die Suche nach gesunder und abwechslungsreicher Ernährung hier zur zeitraubenden Aufgabe. Glücklicherweise wird in meiner Casa regelmäßig und viel gekocht, so dass ich öfter umsonst mitessen kann. Kubanische Hausmannskost besteht im Prinzip aus den selben Reis-Bohnen-Avocado-Gerichten wie in den Caféterias, unterscheidet sich jedoch in einem wichtigen Punkt von denselbigen: Die Frische und die Qualität der Zutaten lässt die Gerichte zu einer angenehmen Abwechslung werden.

Und gerade da stellt sich mir die Frage, woher die immer gleiche Komposition der Menükarten herrührt, welche sowohl staatliche als auch private Pesoküchen ihren Kunden anbieten? Mit den verfügbaren Zutaten ließen sich abwechslungsreiche Gerichte zaubern und nur einige wenige Änderungen könnten aus einem schlechten Essen zumindest ein akzeptables werden lassen: Würden all die tausenden Cafeterias hier die Spaghetti früher aus dem Topf nehmen, die Pizzen länger im Ofen lassen, eine Sauce zum Reis anbieten, Fruchtsäfte auch ungezuckert verkaufen, ein paar »exotische« Gerichte zum Speiseplan hinzufügen – die gastronomische Landschaft hier wäre eine andere.

Licht am Ende des Tunnels

Dabei ist es ein Mythos, dass man in Kuba nicht gut essen kann. Neben der grundsoliden Hausmannskost wartet Havanna auch mit einer Vielzahl erstklassiger Restaurants auf, die neben lokaler auch internationale Gastronomie auf Spitzenniveau anbieten. Das einzige Problem: Man benötigt mehr Zeit oder mehr Geld. Doch bereits ab 4 € kann man in so manchem privaten Devisenrestaurant eine wahre Gaumenfreude erleben, die den mit Reis und Bohnen gefüllten Magen für kurze Zeit aufatmen lässt.

Insbesondere das von der spanischen Gesellschaft (Asociación Asturiana) betriebene Restaurant »Los Nardos« sticht hier mit seiner hochwertigen Küche bei hervorragendem Preis-Leistungsverhältnis hervor. Das stadtbekannte Restaurant bietet allerlei spanische und kubanische Gerichte für umgerechnet 4 bis 8 €, was zahlreiche Kubaner dazu motiviert, an besonderen Anlässen hier zu speisen. Entsprechend lang ist die Schlange: Mindestens eine halbe Stunde Wartezeit sollte man einplanen, um in den Genuss von Paella, Camarrones und anderen Gerichten kommen zu können.

Doch auch die Peso-Gastronomie bietet mittlerweile ein paar Lichtblicke: Das in der Avenida Salvador Allende angesiedelte »Don PP« überzeugt mit umfassendem Speiseplan, hervorragendem Service und anständiger Qualität – bei den selben Preisen wie die mittelmäßige Konkurrenz. Bereits ab 35 Peso Cubano (ca. 1,30€) bekommt man dort ein Hauptgericht in üppiger Portionsgröße. Sogar Cordon Bleue für 45 Peso kann man dort bestellen: Eine der seltenen Möglichkeiten für wenig Geld an paniertes Fleisch zu kommen.

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Viel Eis für wenig Geld bietet die „Coppelia“

In Sachen Nachtisch sorgt der Staat weiterhin für ein grundsolides Angebot: In jeder kubanischen Provovinzhauptstadt bietet die staatliche Eisdielenkette »Coppelia« Becher für einen Peso pro Kugel an. Wie bei allem was hier gut und günstig ist übersteigt die Nachfrage das Angebot. Doch trotz der Hitze sind die Habaneros bereit eine halbe Stunde und mehr für eine dieser Köstlichkeiten anzustehen, die sich vor der teuren Eiscreme in Europa nicht verstecken muss. Wer Zeit hat, braucht nicht auf gutes Eis zu verzichten. Und wer Geld hat, für den gibt es einen Verkaufsstand in Devisen bei dem die Kugel für ca. 0,40€ ohne Wartezeit erhältlich ist.

Bis vor wenigen Jahren war es für die meisten Kubaner ungewöhnlich, Geld für ein Essen in einem Lokal auszugeben. Damals dominierten noch die einst zahlreichen staatlichen Peso-Restaurants das Feld. Sie waren jedoch dermaßen schlecht ausgestattet und langsam, dass man sich die Zwanzig Peso lieber für die eigene Küche gespart hat. Bei vielen Gerichten hieß es damals: »No hay« – gibt es nicht, während die verfügbaren Speisen nur mit einer gewissen Gleichgültigkeit genießbar waren. Heute haben (zumindest in Havanna) nur noch wenige Überbleibsel dieser Ära der Notgastronomie geöffnet, während die meisten Lokale mittlerweile an genossenschaftliche Restaurants und private Cafeterias verpachtet sind.

Obwohl Orte wie »Don PP« noch die Ausnahme bilden, ist es mittlerweile keine Neuigkeit mehr, dass sich die kubanische Gastronomie im Umbruch befindet. Fast jede Woche sprießt irgendwo eine neue Cafeteria aus dem Boden, entsteht ein neues Devisenrestaurant oder erweitert sich das Angebot von diesem oder jenem Straßenimbiss. Immer mehr Habaneros sind in der Lage, ihr Mittagessen auf der Straße einzunehmen und erwarten auch entsprechende Qualität. Die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Lokalen wächst und mit ihr verbessert sich langsam auch das Angebot. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich vernünftige Gerichte zu erschwinglichen Preisen in Kuba durchsetzen werden. Bis dahin heißt es noch ein wenig: Kreativ sein und essen, um zu überleben.