Drei Monate nach Matthew – Ostkuba im Aufbaumodus

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Zeichen des Wiederaufbaus: Der Río Toa, welcher Baracoa von der Nachbarprovinz Holguín trennt, ist wieder auf dem Landweg querbar (Quelle: Granma)

Drei Monate nachdem Hurrikan „Matthew“ den Ostzipfel der Insel in der Provinz Guantánamo verwüstet hat, zog man auf Kubas Bilanz über das genaue Ausmaß der Schäden und den Stand des Wiederaufbaus. Während vieles in den betroffenen Gebieten bereits repariert werden konnten, klaffen an anderer Stelle noch Lücken. Mit der Eröffnung der provisorischen Landbrücke über den Río Toa Mitte Dezember wurde jedoch ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Über 70 Prozent der Wohngebäude beschädigt oder zerstört

Nachdem „Matthew“ in der Nacht des 4. Oktober im östlichsten Zipfel Kubas auf Land traf, verwüstete der Hurrikan die Gemeinden Baracoa, Maisí, San Antonio del Sur und Yateras mit voller Wucht. Sie alle sind Teil der östlichen Provinz Guantánamo. Die Nachbarprovinzen Holguín und Santiago kamen diesmal glimpflich davon. Eine Woche nach dem Sturm stattete Präsident Raúl Castro den Gemeinden einen Besuch ab. Rund drei Monate später besucht Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel die Gegend. In diesen Tagen wurden dann erstmals neue Zahlen zum Wiederaufbau gemeldet.

So sind in den fünf betroffenen Ortschaften insgesamt 42.338 Gebäude beschädigt worden, 72 Prozent aller Wohneinheiten sind betroffen. Von den beschädigten Gebäuden wurden 8.413 als Totalverluste gemeldet, 6.552 gelten als teilweise zerstört. 27.373 Gebäude verloren ihr Dach teilweise oder ganz. Bis Ende Dezember konnten allerdings bereits 54 Prozent der Häuser wieder aufgebaut werden. Neben 19.451 reparierten Wohngebäuden wurden rund 2.000 neue errichtet. Von den 2.168 beschädigten staatlichen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Büros, etc.)  sind bereits 1.993 wieder aufgebaut.

Subventionen, Kredite, Plattenbauten

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Kubas Erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel (2.v.r.) besucht die betroffenen Regionen in Guantánamo (Quelle: Cubasi)

Um neuen Wohnraum für die Hurrikanopfer zu schaffen sind in der Umgebung von Baracoa über 100 neue Wohnanlagen in Großblockbauweise geplant, die meisten mit vier oder fünf Stockwerken. Sie werden derzeit in den Stadtteilen Hoyos de Sabanilla, dem Barrio Bohorque, La Bacanera, Van Van, El Turey und dem Viertel La Alegría errichtet.

Der Wiederaufbau der meisten Häuser erfolgt nicht zuletzt durch die Eigeninitiative der Bevölkerung. Der Staat stellt in vielen Fällen die Baumaterialien zu günstigen Konditionen bereit. Insgesamt wurden für diesen Zweck 6.631 Kredite im Wert von 32 Mio. CUP ausgegeben. Gleichzeitig wurden 1.092 Subventionen im Wert von 47,6 Mio. Pesos bewilligt.

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Die Wiederherstellung von Strom-, Telefon- und Internet gehörte zu den ersten Aufgaben nach dem Hurrikan (Quelle: Granma)

In den ersten Tagen nach dem Sturm erschwerten vor allem der Zusammenbruch der Stromversorgung den Anwohnern den Alltag. Insgesamt wurde die Stromversorgung von 51.517 Kunden unterbrochen, allerdings konnten alle Anschlüsse innerhalb von 20 Tagen wieder versorgt werden.

Ähnlich schnell ging die Wiederherstellung der Internet- und Mobilfunkversorgung. Es kam zu Schäden im Glasfaserkabel auf einer Länge von 21 Kilometern, rund 66 Kilometer Kupferleitungen wurden stellenweise unterbrochen. Neben der Wiederherstellung der Leitungen wurde auch eine neue Satellitenverbindung zwischen Guantánamo, Maisí, Baracoa und anderen Städten der Region aufgebaut die in Zukunft helfen soll, falls die Glasfaserleitung wieder ausfällt. Neue Sendemasten in Los Guineos, Nibujon (Baracoa) und Sierra Verde (Maisí) sollen den Mobilfunkempfang verbessern und versorgen die Region erstmals mit Digitalfernsehen.

Der Río Toa, wieder ohne Fähre passierbar

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Miniindustrien sollen helfen, vor Ort für die Produktion von Baumaterialien zu sorgen (Quelle: Granma)

Probleme gibt es weiterhin bei den Straßen. Die Strecken Los Calderos-Explanada de Duaba (Gemeinde Imías) sowie Alto de La Zona-Viento Frío (San Antonio del Sur) sind noch immer nicht befahrbar. Dafür ist der Fluss Toa auf der Strecke zwischen Baracoa und Moa erstmals seit Oktober wieder auf dem Landweg querbar. Ende Dezember wurde eine provisorische Zementkonstruktion einige hundert Meter Stromabwärts von der zerstörten Brücke eröffnet. Damit ist die Verbindung zur Nachbarprovinz Holguín wiederhergestellt. In den Monaten zuvor war der Fluss lediglich mittels einer Fähre passierbar.

Auf den Streckenabschnitten Neblina-Cayo Güín und Yumurí-Jobo Claro werden derzeit neue Straßen errichtet, die Vía Mulata wird zwischen Paso del Toa und Neblina asphaltiert. Ziel ist es, die Gemeinden Baracoa und Maisí wieder besser miteinander zu verbinden und den gefährlichen Bergpass La Boruga zu vermeiden.

Um den Wiederaufbau zu beschleunigen wurden in den betroffenen Gemeinden über 30 „Mini-Fabriken“ aufgebaut. Dabei handelt es sich um kleine Anlagen, die zeitweise zur lokalen Produktion von Brot, Asphalt, Zement und anderen Baumaterialien beitragen bis die beschädigte Industrie wieder in Schwung kommt. Probleme gibt es nämlich noch genug. Noch immer leben viele Menschen in Notunterkünften und von den 70.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche die vom Sturm beschädigt wurden, konnten nur 12.000 gerettet werden.

Insgesamt scheint der Wiederaufbau in den fünf betroffenen Gemeinden jedoch den Umständen entsprechend gut zu funktionieren. Bereits jetzt sind alle Orte wieder auf dem Landweg erschlossen und dank Strom und Mobilfunk mit dem Rest des Landes verbunden. Das beliebte Reiseziel Baracoa empfängt unlängst wieder Touristen. Nicht zuletzt auch Dank der Hilfen aus Ecuador, Venezuela und der Vereinten Nationen konnte Kuba abermals sein bewährtes Krisen- und Aufbaumanagement bei Naturkatastrophen unter Beweis stellen.

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Hurrikan Matthew: Raúl Castro besucht betroffene Gebiete, Regierung kündigt Hilfsprogramm an

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Raúl Castro am Montag, den 10. Oktober in der schwer verwüsteten Gemeinde Maisí (Quelle: Granma)

Rund eine Woche nachdem Hurrikan Matthew in der kubanischen Provinz Guantánamo schwere Schäden hinterlassen hat, sind die Aufbauarbeiten in vollem Gange. Am Wochenende startete Präsident Raúl Castro eine mehrtägige Visite in die am schwersten betroffenen Gebiete Baracoa und Maisí. „Es war ein schlimmer Schlag, aber wir werden uns davon erholen“, versicherte Kubas Präsident am Montag den Anwohnern der stark verwüsteten Gemeinde Maisí.

Strom für alle in einem Monat

Castros Visite begann vergangenen Samstag in Baracoa, wo er an einer Sitzung des kommunalen Verteidigungsrates teilnahm um die Schäden zu evaluieren. Nach ersten Berichten sind in Baracoa über 9.000 Wohngebäude beschädigt oder zerstört worden, was etwa 70 Prozent des Bestands betrifft. Über 90 Prozent der Strommasten und Transformatoren wurden als irreparabel beschädigt gemeldet.

Die Schäden in der Landwirtschaft werden für die Gemeinde Baracoa auf 35 Millionen US$ geschätzt. In der Gegend um Baracoa befindet sich der größte Teil der Kaffee- und Kakaoplantagen des Landes. Über 3.365 Hektar der Kakao-Anbaubauflächen wurden schwer beschädigt. Die Kaffee-Ernte für dieses Jahr wird sich wohl auf lediglich 11 Tonnen belaufen, die in den vergangenen Tagen vom Boden eingesammelt wurden. Der Hurrikan hatte alle Pflanzen verwüstet.

Der Wiederaufbau ist indes in vollem Gange. Seit Freitag ist die Stadt wieder auf dem Landweg erreichbar, auch wenn die Straßenschäden längst nicht behoben sind. Nachdem Festnetz und Mobilfunk wieder funktionieren, wird derzeit an der Wiederherstellung der Stromversorgung gearbeitet. Mehr als 100 Hilfsbrigaden aus den westlichen Landesteilen und Nachbarprovinzen sind derzeit im Einsatz. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft UNE rechnet damit, dass es mindestens 15 Tage dauern wird, um die Stadt selbst wieder zu erleuchten – und 30 Tage, bis auch in jedem der umliegenden Dörfer wieder das Licht brennt.

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Raúl Castro (vorne) zusammen mit General Ramón Espinosa Martín vor der zerstörten Brücke am Río Toa (Quelle: Cubadebate)

Castro besuchte ebenfalls die Überreste der einstigen Brücke über den Río Toa, deren Straße in die angrenzende Provinz Holguín führt. Die wichtige Verbindungsstraße Moa-Baracoa ist ohne die Brücke unterbrochen. Die kleineren Ortschaften in der Umgebung konnten bisher erst nach und nach von den Rettungskräften erreicht werden. Die einst 200 Meter lange Brücke zählte neben der ebenfalls beschädigten Paßstraße „La Farola“ zu den sieben Wundern der kubanischen Ingenieurskunst und ist eine wichtige Verbindungsader im Ostzipfel der Insel. „Wir werden all diese Schäden beseitigen müssen“, sagte Castro in einem Bericht des kubanischen Staatsfernsehens.

In Maisí traf Castro ebenfalls auf Anwohner, die ihn mit „Viva Fidel!“ und „Viva la Revolucíon!“ rufen begrüßten. Viele der Bewohner lobten die schnelle Katastrophenhilfe, obwohl hier rund 90 Prozent der gut 12.000 Häuser stark betroffen sind und viele Basisdienstleistungen noch immer nicht wiederhergestellt sind. „Ich beglückwünsche euch, weil ihr tapfer, gefasst und sehr revolutionär seid. Ich bin stolz auf die Kubanerinnen und Kubaner im ganzen Land, aber vor allem auf euch, weil ihre eine sehr schwere Prüfung bestehen musstet“, sagte Castro den Anwohnern.

Dass offenbar nicht jeder dieser Prüfung gewachsen ist, zeigt ein Fall aus Guantánamo, wo letzte Woche zwei Männer wegen „Spekulation, Hortung und Taschendiebstahl“ verurteilt wurden. Die Männer hätten versucht, sich an der schwierigen Situation nach dem Sturm zu bereichern. Einer der beiden stahl einer kubanischen Bürgerin offenbar in einem Laden das Mobiltelefon, er wurde mit 6 Jahren Freiheitsentzug bestraft. Die lokalen Behörden riefen in den vergangenen Tagen immer wieder zu diszipliniertem Verhalten auf.

Kredite für den Wiederaufbau

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Einkaufen unter freiem Himmel – Maisí wenige Tage nach dem Sturm (Quelle: Cubadebate)

Castros Besuche im Oriente wurden von den staatlichen Medien genau verfolgt. Einen Tag vor dem Besuch in Baracoa kündigte die Regierung ein Hilfsprogramm an, um die Bewohner beim Wiederaufbau zu unterstützen. So werden die Kosten für Baumaterialien für betroffene Einwohner ab sofort zu 50 Prozent vom Staatshaushalt übernommen. Für den restlichen Anteil gibt es günstige Kredite mit langer Laufzeit und  niedrigem Zinssatz.

Falls ihr Einkommen nicht für einen Kredit ausreicht, können betroffene Personen einen Antrag beim kommunalen Verteidigungsrat stellen, der gegebenenfalls weitere Ermäßigungen gewähren kann. Der Verkauf der Baumaterialien soll bereits begonnen haben. Diese Maßnahmen sind indes nichts neues, bereits 2012 wurden Baumaterialien zu den selben Konditionen verkauft, als Hurrikan Sandy die Metropole Santiago verwüstete. Damals waren knapp 180.000 Häuser beschädigt oder zerstört worden.

Auch für die Reparatur von beschädigten Küchengeräten soll gesorgt werden. Reiskocher, Kühlschränke und Herdplatten würden bei Bedarf ausgetauscht, erklärte eine Funktionärin der technischen Dienste gegenüber der Lokalzeitung „Venceremos„. Die zuständigen Reparaturwerkstätten konnten in Baracoa, San Antonio del Sur und Imías wieder in Betrieb genommen werden. Man verfüge über eine materielle Reserve für Katastrophenfälle. Das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit wird zudem Kredite zur Deckung der Reparatur- und Austauschkosten ausgeben.

Ankunft der ersten Lieferung mit Baumaterialien in Baracoa (Quelle: Cubadebate)

Hurrikan Matthew zog vergangenen Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern über Ostkuba hinweg. Am schwersten betroffen sind die Städte Maisí, Baracoa, Imías, Yateras und San Antonio del Sur. In Moa und Santiago de Cuba kam es zu kleineren Schäden. Der Bus- und Zugverkehr konnte indes im gesamten Oriente wieder aufgenommen werden. Trotz der schweren Verwüstungen und noch unbezifferten Sachschäden wurden keine menschlichen Verluste gemeldet.

Obwohl Kuba selbst bereits eine Medizinerteam in das von Matthew noch weitaus schlimmer betroffene Haiti entsandt hat, sind nach jüngsten Meldungen auch in Kuba erste internationale Hilfslieferungen angekommen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schickte Reis-, Bohnen- und Sojarationen für 180.000 Menschen. Als erster Staat beteiligte sich Venezuela am Wiederaufbau. Die Regierung Maduro schickte vor kurzem mehrere Schiffe mit Baugeräten nach Kuba.

Kuba wird von der internationalen Gemeinschaft für seinen vorbildlichen Katastrophenschutz immer wieder als beispielhaft für andere Entwicklungsländer hervorgehoben. Vor wenigen Tagen lobte die UNO-Vertreterin Myrta Kauland die Evakuierungen der Regierung im Vorfeld des Sturms sowie die umfassende Berichterstattung der kubanischen Medien.

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Erstversorgung aus der Luft in der Provinz Guantánamo, wenige Tage nach Matthew (Quelle: Venceremos)

Kuba bereitet sich auf Hurrikan „Matthew“ vor – Raúl Castro in Santiago

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Prognose des kubanischen Wetterdienstes vom 2. Oktober 12h Mittags zu Hurrikan Matthews weiteren Verlauf (Quelle: met.inf.cu)

Fünf der 16 kubanischen Provinzen haben bereits den Alarmstatus des Zivilschutzes ausgerufen. Der tropische Wirbelsturm „Matthew“ bewegt sich derzeit auf die Insel zu, mit Windgeschwindigkeiten von 240 km/h handelt es sich bei Matthew um einen Hurrikan der Kategorie 4. Vor wenigen Tagen erreichte der Sturm zeitweise sogar die Kategorie 5 und gilt damit als bisher schwerster Sturm der Karibik seit Hurrikan Felix im Jahr 2007. Es wird damit gerechnet, dass Matthew zwischen Montag und Dienstag im Ostteil der Insel auf Land treffen wird.

In Kuba starten derweil die Vorbereitungen auf den bevorstehenden Landgang des Wetterphänomens. In allen fünf östlichen Provinzen, beginnend mit Camagüey, gilt derzeit der Alarmzustand. Präsident Raúl Castro traf am Samstag zusammen mit mehreren Ministern in der östlichen Metropole Santiago de Cuba ein, um die Vorbereitung des Katastrophenschutzes persönlich zu überwachen.

Im Jahr 2012 wurde die Stadt bereits von Hurrikan Sandy schwer verwüstet. Damals starben 11 Menschen, mehr als 600.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Die Sachschäden werden auf über 4 Milliarden US-Dollar beziffert. Auch Matthew droht vor allem in den Provinzen Santiago de Cuba und Guantánamo die schwersten Schäden anzurichten. „Dies ist ein Hurrikan, auf den man sich vorbereiten muss, als ob er doppelt so stark wie Sandy wäre“, sagte Kubas Präsident Raúl Castro am Samstag.

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Gebäudeschutz in der Provinz Holguín (Quelle: Cubadebate)

Man müsse aus den Erfahrungen von Sandy lernen und sich gut auf den Sturm vorbereiten, ermahnte Castro, der derzeit auch dem Rat für Zivilschutz von Santiago temporär vorsteht. Die Vorbereitungen laufen unterdessen in allen betroffenen Provinzen auf Hochtouren: Unter Koordinierung des Zivilschutzes werden Wasservorräte angelegt, Notunterkünfte bereitgehalten und Gebäude gesichert. Ziel der Maßnahmen ist es, menschliche Verluste so gering wie möglich zu halten, die wirtschaftlichen Schäden zu minimieren und die Versorgung der Bevölkerung in den Tagen nach dem Sturm zu garantieren.

Freiwillige gehen derzeit in den betroffenen Provinzen von Haus zu Haus, um die Bevölkerung vor dem Sturm zu warnen. „Wir müssen intensiv arbeiten“, betonte Lázaro Expósito, der erste Parteisekretär der Provinz Santiago de Cuba. Alle öffentlichen Einrichtungen, beginnend von Partei- und Regierungsgebäuden stünden als Notunterkünfte zu Verfügung. Die Anwohner werden dazu aufgerufen, Vorräte anzulegen und ihre Häuser baulich zu sichern. Auch der öffentliche Raum wird präpariert: lose Äste werden von den Bäumen entfernt, da diese bei hohen Windgeschwindigkeiten gefährlich werden können. Ampeln, Schilder und andere gefährdete Teile werden demontiert, um sie vor Schäden zu bewahren.

Ein weiterer Vorsorgeschwerpunkt bildet die Landwirtschaft. Durch Sandy waren zuletzt große Teile der Ernte im Osten Kubas zerstört worden, viele Nutztiere verendeten an den Folgen des Sturms. Durch die Evakuierung der Tiere und das frühere Einbringen der Ernte versucht das Landwirtschaftsministerium die erwartbaren Schäden zu minimieren. Durch das Verteilen von Kochgeräten die ohne Strom funktionieren soll zudem die Ernährungssituation stabil gehalten werden. 2012 war die Stromversorgung in Santiago und anderen Städten für mehrere Wochen lang ganz oder teilweise unterbrochen, auch die Wasserpumpen waren davon betroffen.

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Auch Ampeln werden vorsorglich abmontiert, wie hier in der Provinz Las Tunas (Quelle: Cubadebate)

Um die Erstversorgung nach dem Sturm zu garantieren, werden darüber hinaus zusätzliche Nahrungsrationen ausgegeben und Tanklastwagen vorbereitet, die im Falle eines Zusammenbruchs der Trinkwasserversorgung übernehmen können. Die Schüler und Lehrer der Landschulen wurden unterdessen bereits nach Hause geschickt. Auch der Transport steht still: Der gesamte Zugverkehr wurde heute in den östlichen Provinzen bis auf weiteres unterbrochen, wie die kubanische Bahn FCC heute bekannt gab. Der Zivilschutz rief die Bevölkerung dazu auf, die Medien genau zu verfolgen und sich verantwortungsvoll und diszipliniert zu verhalten.

Auch in anderen Ländern bereitet man sich auf Matthew vor. In Haiti, wo bereits schwere Regenfälle auftreten, wurden bereits erste Gebiete evakuiert. In Jamaica wurden einige Tausend Notunterkünfte von der Regierung bereitgestellt. Die USA evakuierten derweil den Großteil des Personals auf ihrer Marinebasis in Guantánamo Bay. Die wenigen verbliebenen Soldaten finden in speziellen Schutzunterkünften auf der Basis Unterschlupf.

Aktuelle Infos zu Hurrikan Matthew sowie die letzte Prognose finden Sie hier. Die letzten Warnungen des kubanischen Wetterdienstes können auf dieser Seite aufgerufen werden.

Venezuela und Kuba leisten humanitäre Hilfe in Nepal

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Nach der jüngsten Erdbebenkatastrophe bat die nepalesische Regierung um internationale Unterstützung (Quelle: Nydailynews)

Caracas. Die Regierung Venezuelas hat am vergangenen Freitag eine „technisch-humanitäre Mission“ nach Nepal geschickt. Das Ziel der Mission ist die Kooperation bei der Beurteilung und der Befriedigung der Bedürfnisse der nepalesischen Bevölkerung. Nepal kämpft derzeit mit den Folgen des schweren Erdbebens, welches das asiatische Land am 25. April erschütterte und nach Angaben der Behörden von Montag mittlerweile über 7.500 Todesopfer gefordert hat.

Laut der regierungsamtlichen Mitteilung des venezolanischen Innen- und Justizministeriums besteht die Mission aus einem Ärzteteam, zwei Forensikern und drei technischen Spezialisten. Während 20 Tagen wird die Delegation den Bedarf der nepalesischen Bevölkerung auswerten, damit der venezolanische Staat in den nächsten Tagen Lieferungen medizinischer Produkte sowie lebensnotwendiger Güter bewerkstelligen kann.

Wie der venezolanische Vizeminister für Risikoanalyse und Bevölkerungsschutz, Ángel Martínez, verlauten ließ, ist noch für diese Woche der Abflug einer ersten Ladung humanitärer Hilfe vorgesehen.

Wie der nepalesische Gesundheitsminister Khem Karki bekannt gab, schickt Kuba ein Ärzteteam. Eine mobilie Klinik werde eingerichtet, in der kubanische Ärzte Patienten behandeln können. Das Erdbeben habe viele Krankenhäuser getroffen, es herrsche ein Notstand bei der Versorgung.

Das Epizentrum des Erdbebens mit einer Stärke von 7,9 auf der Richterskala befand sich 75 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kathmandu. Laut der nepalesischen Regierung handelt es sich um die schlimmste Naturkatastrophe seit 80 Jahren.

von Martin Kohler / Amerika21