Kubas „alte Garde“ stärkt Díaz-Canel den Rücken

Der Daumen zeigt nach oben: Miguel Díaz-Canel, Raúl Castro, Ramiro Valdés und Machado Ventura (von links) am 26. Juli in Bayamo (Quelle: Cubadebate)

Der 26. Juli ist ein besonderer Tag auf Kuba. Der gescheiterte Angriff auf die Moncada-Kaserne 1953 in der östlichen Metropole Santiago markiert den Beginn der kubanischen Revolution, welche am 1. Januar 1959 das Ende der Batista-Dikatur einläutete. Traditionell gehört dieses Datum deshalb den Veteranen der Revolution. Doch nicht in diesem Jahr. 

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Kuba feiert 100. Jahrestag der Oktoberrevolution

Politbüromitglied Machado Ventura bei der Eröffnungsrede zur Festgala anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution am 7. November in Havanna (Quelle: Granma)

Mit einer festlichen Gala in Havannas Karl-Marx-Theater hat Kubas Führung am Dienstag den 100. Jahrestag der sozialistischen Oktoberrevolution begangen, mit der „eine neue Etappe in der Menschheitsgeschichte begann“, wie Politbüromitglied José Machado Ventura in der zentralen Eröffnungsrede erklärte. Auch Präsident Raúl Castro, der zuvor ein Grußschreiben an die Kommunistische Partei Russlands übermittelte, nahm an der Veranstaltung teil.

„100 Jahre danach ist es unmöglich den immensen Beitrag und das Erbe der bolschewistischen Revolution zu leugnen“, sagte Ventura in seiner Rede. Kuba werde auch weiterhin einen sozialistischen Entwicklungsweg in der Tradition der Oktoberrevolution beschreiten, bekräftigte der 87-Jährige, der als „Cheftheoretiker“ der regierenden kommunistischen Partei Kubas (PCC) gilt. Die Festgala endete mit der Aufführung von Tschaikowskys Ouvertüre „1812“.

In Moskau legte eine kubanische Delegation indes Blumen am Grab des unbekannten Soldaten sowie am Lenin-Mausoleum nieder. „In der Welt, die wir wollen, und die es geben wird, müssen wir an diese Zeit der Revolution erinnern“, sagte José Ramón Balaguer, Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) und Leiter seiner Abteilung für Internationale Beziehungen auf einer Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien in der nordrussischen Stadt St. Petersburg.

Raúl Castro wandte sich in seinem Telegramm anlässlich des Jubiläums indes nicht an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, sondern richtete seine Karte an KP-Generalsekretär und Oppositionsführer Gennady Zyuganov. „Anlässlich des 100. Jahrestags der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution übermitteln wir Ihnen die aufrichtigsten Glückwünsche der Kommunistischen Partei Kubas“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Die Ideale, welche die Arbeiter, Bauern und Soldaten im Aufbau des ersten sozialistischen Staates unter der Führung Lenins und der bolschewistischen Partei bewegten, behalten ihre volle Gültigkeit.“

Das Ende der USA-Fahne auf Kuba?

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Bald verschwunden? US- und Kuba-Fahne in kubanischem Taxi (Quelle: CollinsFlags)

Im Taxi hängt sie, auf T-Shirts prangt sie und seit gut einem Jahr weht sie im Garten von Washingtons Botschaft: Die Rede ist von der US-Fahne auf Kuba. Seit der Annäherung zwischen Havanna und dem Nachbarn im Norden fand ein regelrechter „Boom“ der Stars-and-Stripes Fahne auf dem Inselstaat statt. Immer stärker prägte die US-Fahne in den letzten Jahren den öffentlichen Raum. Sie am Körper zu tragen wurde zur Mode, nicht nur bei jungen Kubanern. Doch das könnte sich jetzt bald ändern.

Dieser Trend wurde von Kubas Regierung, zur Überraschung vieler ausländischer Journalisten, über viele Jahre hinweg stillschweigend geduldet. In der Annahme, dass damit offenbar kein politisches Bekenntnis einhergehe, haben Regierungsvertreter die Bedeutung dieses Symbols als sehr gering eingeschätzt, Kubas Medien haben das Phänomen weitgehend ignoriert.

Doch das hat sich jetzt geändert. Kubas „Komitees zur Verteidigung der Revolution“ (CDRs) durchlaufen gerade Wochen der „antiimperialistischen Debatte„. Bei einer großen Veranstaltung in Havanna ergriff auch der Koordinator der Organisation, Carlos Rafael Miranda, das Wort. Wie Radio Rebelde berichtet, verurteilte der Funktionär die Verwendung der nordamerikanischen Flagge „in Form von Kleidung und anderen Artikeln.“

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T-Shirts mit US-Flagge sind auf Kuba keine Seltenheit (Quelle: NYT)

Rückendeckung hielt er von Machado Ventura, dem ehemaligen Stellvertreter Raúl Castros und „Chefideologen“ der Partei. In einer Tagung der Landwirtschaftsgewerkschaft erklärte er: „Man muss mit den Jugendlichen über die Symbole reden, die sie auf ihrer Kleidung tragen, damit sie die Bedeutung einer nordamerikanischen Flagge im aktuellen Kontext verstehen.“

Die schrillen Töne des designierten Präsidenten Trump zusammen mit der schwierigen Zeit nach Fidels Tod könnten Kubas Regierung zum Umdenken gebracht haben, was die Verbreitung der Flagge der Supermacht angeht. Diese wird nun als „ideologische Subversion“ gedeutet. Auch wenn gerade in Krisenzeiten die Reihen geschlossen gehalten werden: ein generelles Verbot der US-Flagge ist dennoch unwahrscheinlich. „Wir wollen sie nicht kritisieren, sondern zum nachdenken zu bringen“, fügte Ventura seinem Ratschlag über die Gespräche mit Jugendlichen hinzu.

UJC wählt neue Vorsitzende

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Die neue UJC-Vorsitzende Susely Morfa González (links) zusammen mit ihrer Amtsvorgängerin Yuniasky Crespo Baquero (Quelle: Granma / Trabajadores)

Der Jugendverband der regierenden Kommunistischen Partei Kubas, die „Unión de Jóvenes Comunistas“ (UJC), traf vergangenen Samstag zu einem Sonderplenum in Havanna zusammen. Dabei wählten Kubas Jungkommunisten eine neue Vorsitzende. Die bisherige erste Sekretärin Yuniasky Crespo Baquero wurde von ihrer Aufgabe befreit, als ihre Nachfolgerin wurde nun die 34-jährige Vizechefin Susely Morfa González gewählt, die den Verband künftig leiten wird.

Morfa González stammt aus aus der Provinz Cienfuegos und hat Psychologie studiert. Einem größeren Publikum bekannt wurde sie im Rahmen der von der Regierung geförderten Proteste gegen Oppositionelle während des Panama-Gipfels 2015. In ihrer Rede setzte sich die frischgebackene UJC-Präsidentin für eine Verstärkung der ideologischen Arbeit ein. Diese müsse auch in den sozialen Netzwerken erfolgen.

Die ehemalige Vorsitzende Yuniasky Crespo Baquero stammt aus der östlichen Provinz Las Tunas und studierte Marxismus-Leninismus. Sie wurde im Jahr 2012 im Alter von 35 Jahren als Erste Sekretärin des 368.000 Mitglieder zählenden Verbandes gewählt und wird jetzt „andere Aufgaben in der Partei“ wahrnehmen. Als neuer zweiter Sekretär wurde Ronal Hidalgo Rivera gewählt.

Bei der Tagung, die in der zentralen Parteihochschule Antonio “Ñico” López in Havanna stattfand, nahmen unter anderem auch Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel sowie der zweite Sekretär der PCC, José Machado Ventura teil.

Die neue Führung der PCC – auf dem Weg in die Militärdiktatur? (Teil III)

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José Machado Ventura, Fidel und Raúl Castro sowie Miguel Díaz-Canel (von links) auf dem Schlussplenum des VII. Parteitags (Quelle: Cubadebate / Flickr)

Am Morgen des 20. April traf sich der Parteitag zu seinem Schlussplenum im „Palacio de las Convenciones“, Havannas 1976 errichtetem Veranstaltungspalast, in dem bis auf eine Ausnahme alle Parteikongresse der PCC tagten. Unter dem Jubel der Delegierten sprach an jenem Tag zuerst Fidel Castro, „vielleicht eines der letzten Male“, wie er selbst sagte. „Jedem schlägt seine Stunde, aber die Ideen der kubanischen Kommunisten werden bleiben“, bekräftigte der 89-jährige. Seinen Worten folgte donnernder Applaus. Im Anschluss stellte sein Bruder Raúl das neue Politbüro vor, das Tags zuvor von den Delegierten gewählt wurde und dem Fidel seit dem letzten Parteitag schon nicht mehr angehört.

„Allmählicher und geordneter Übergang“

Von vielen internationalen Beobachtern wurden im Vorfeld des Parteitags prominente Neubesetzungen an den Schaltstellen der Partei erwartet. Insbesondere über einen bevorstehenden Rücktritt des zweiten Sekretärs, José Machado Ventura, wurde häufig spekuliert. Obwohl dieser seinen Staatsposten als Stellvertreter Raúl Castros im Präsidentenamt schon vor drei Jahren an den 1960 geborenen Miguel Díaz-Canel abgab, wurde der 85-jährige als stellvertretender Generalsekretär der Partei bestätigt. Für viele war dies eine herbe Enttäuschung und stand im Widerspruch zum angekündigten Kurs einer schrittweisen Übergabe der wichtigsten Parteiämter an die nächste Generation. Andere sahen in der Entscheidung einen Kompromiss zum Erhalt der Einheit der Partei, da der langjährige Chefideologe Machado Ventura im Unterschied zu Díaz-Canel und anderen als reformkritisch und orthodox marxistisch gilt. Sieht man nämlich vom Fall Ventura ab, gibt der Parteitag einige Hinweise auf die Auswahl der künftigen Führungsriege des Landes.

Bereits auf dem letzten Kongress 2011 hatte Raúl Castro auf die dringende Notwendigkeit einer Verjüngung der Partei hingewiesen. Auf dem nun stattgefundenen Parteitag erfolgte die Kandidatenauswahl zum ersten Mal auf Basis der neu eingeführten Altersbeschränkungen: 60 Jahre als maximales Eintrittsalter für das Zentralkomitee, 70 Jahre für das Politbüro. In Übereinstimmung mit der vorgeschlagenen Amtszeitbeschränkung von zwei mal fünf Jahren wird Raúl Castro im Jahr 2018 sein Amt als Präsident niederlegen. Das kommende Jahrfünft bis zum nächsten Parteitag, der im Jahr 2021 stattfinden wird, sei laut Castro entscheidend für einen „allmählichen und geordneten Übergang der Hauptverantwortlichkeiten des Landes an die neuen Generationen.“ Bis dahin dürfte der 84-jährige seinen 2011 angetretenen Posten als Generalsekretär der Partei behalten.

Fünf neue Mitglieder im Politbüro

Beleuchten wir jedoch zunächst einmal die Unterschiede zum vorherigen Politbüro. Bis auf zwei Ausnahmen wurden alle Mitglieder des alten Politbüros wiedergewählt. Der 78-jährige Abelardo Colomé Ibarra trat im Oktober 2015 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten als Innenminister und Mitglied des Politbüros zurück. Auch Transportminister Adel Izquierdo Rodríguez, der 2014 das Wirtschaftsministerium an Marino Murillo abgab, stand nicht mehr auf der Kandidatenliste. Dafür wurde das bisher 14-köpfige Politbüro auf 17 Sitze erweitert. Alle fünf der neu gewählten Mitglieder sind jünger als 60 Jahre, drei von ihnen weiblich. In ihrer Zusammensetzung zeigt sich, welche Art von Funktionären das neue Kuba leiten sollen.

Drei der neuen kommen aus der Wissenschaft. Miriam Nicado beispielsweise ist studierte Mathematikerin und arbeitet seit einigen Jahren als Rektorin der UCI, Kubas größter Informatikuniversität in Havanna. Marta Ayala hat Biologie studiert und arbeitete am Institut für Gentechnik und Biologie (CIGB) an der Krebsforschung. Sie ist Mitglied des Provinzkomitees der PCC in Havanna und wurde kürzlich zur Vizedirektorin des Instituts befördert. Der Mediziner Roberto Morales ist seit sechs Jahren Gesundheitsminister Kubas, er arbeitete lange Zeit als Arzt in einer Poliklinik.

Informatik, Biotechnologie und Medizin – drei innovative Zukunftssektoren der kubanischen Wirtschaft sind nun mit wichtigen Entscheidern im Politbüro vertreten. Die anderen beiden Neumitglieder, Ulises Guilarte und Terese Amarelle, sind Leiter des Gewerkschaftsverbands CTC bzw. der Frauenförderation FMC. Mit der Einbeziehung von zwei bedeutenden Massenorganisationen will Castro offenbar sicherstellen, dass die Partei „die Ohren offen und die Füße fest auf dem Boden“ hat, wie er in der Eröffnungsrede forderte.

Doch was verbindet diese Personen? Castro sagte über die neuen Mitglieder: „Sie sind einfacher Herkunft, haben an der Basis gearbeitet, waren politische Anführer auf verschiedenen Ebenen, bis sie mit ausgezeichneten und tief greifenden Erfahrung an die oberste Führung der Partei gelangten.“ Ihr Aufrücken sei „weder unvorhergesehen noch improvisiert.“ Castro bekräftigte den meritokratischen Anspruch der Partei und formulierte konkrete Bedingungen für die künftigen Entscheidungsträger des Landes: „Es muss an der Basis gearbeitet werden, es darf keine vorbestimmten Anführer geben. Jeder Absolvent sollte mindestens fünf Jahre an der Basis und in dem Fachgebiet arbeiten, für das er an die Universität gegangen ist, und je nach seinen Fähigkeiten nach und nach aufsteigen, ohne jemals mit dem Studium aufzuhören.“

Das neue Politbüro: dunkler, jünger und weiblicher 

Das Politbüro ist seit dem Parteitag deutlich weiblicher, dunkler und jünger als zuvor. Die Auswahl der neuen Mitglieder zeigt, dass Castro offenbar vor allem auf Wissenschaftler und Funktionäre mit Berufserfahrung setzt, weniger auf charismatische Ideologen wie beispielsweise der einst von Fidel Castro protegierte und 2009 wegen Korruption verurteilte Felipe Pérez Roque. Der Kometenhafte Aufstieg vieler junger Kader, die ab Ende der 1990er Jahre von Fidel gefördert wurden, wurde in der Geschwindigkeit nur noch von ihrer Amtsenthebung wegen Korruption übertroffen. Sie alle galten als beliebt, charismatisch und 120-prozentige „Fidelistas“. Raúl scheint mehr Wert auf einen integren Lebenslauf und Fachwissen als auf rhetorische Stärke und Sendungsbewusstsein zu legen.

Interessant ist auch die Zusammensetzung des neuen Zentralkomitees, das von 116 auf 142 Sitze erweitert wurde. Ein Viertel der alten Mitglieder wurde ersetzt, 55 neue kamen hinzu – ebenfalls alle jünger als 60 Jahre. 98 Prozent der Mitglieder verfügen über einen Hochschulabschluss. Das Durchschnittsalter beträgt 54,5 Jahre, womit das Zentralkomitee heute ebenfalls jünger ist als das 2011 gewählte. Der Frauenanteil wurde im Vergleich zu 2011 von 41,7 Prozent auf 44,4 Prozent gesteigert. Auch der Anteil der Afrokubaner hat sich von 31,3 auf 35,9 erhöht. Zum Vergleich: 1997 waren lediglich 13,3 Prozent der ZK-Mitglieder weiblich und nur 10 Prozent hatten afrokubanische Wurzeln.

Ebenfalls aufschlussreich ist die berufsmäßige Zusammensetzung. Den größten Anstieg gab es, analog zum Politbüro, bei den Wissenschaftlern, Ökonomen und Funktionären von Massenorganisationen. Während Ökonomen und Wissenschaftler nun 23,2 Prozent (2011: 19,8) der ZK-Mitglieder ausmachen, stellen Regierungs- und Verwaltungsbeamte mit 52,2 Prozent nach wie vor die größte Gruppe (2011: 50,9). Der Anteil der reinen Parteifunktionäre hat sich von 31 auf 32,4 Prozent leicht erhöht. Zurück ging hingegen der Anteil der Vertreter von Streitkräften und Sicherheitsorganen. Nur noch 7 Prozent der ZK-Mitglieder sind Vertreter der Armee (2011: 10,3), während sich der Anteil der Mitglieder des Innenministeriums von 3,4 auf 2,1 Prozent reduziert hat.

Kuba auf dem Weg zur „roten Militärdiktatur“?

Im Unterschied zu vielen Analysten, wonach die Revolution in Zukunft nahtlos in eine „rote Militärdiktatur“ übergehen würde, scheint sich dieser Trend gerade nicht zu bestätigen. Obwohl die Armee wichtige Schlüsselindustrien kontrolliert, hat ihr oberster Befehlshaber Raúl Castro immer wieder das Primat der Partei und ziviler Institutionen betont. Mehr als 90 Prozent der Armeeangehörigen sind Parteimitglieder, lediglich ein geringer Teil der 670.000 Parteimitglieder gehört jedoch der Armee an. Die Vertretung der Streitkräfte im 17-köpfigen Politbüro beschränkt sich auf fünf Generäle, Raúl Castro eingeschlossen. Alle haben entweder in der Revolution gekämpft oder sind Veteranen aus den Afrika-Missionen der 1970er und 1980er Jahre. Mit dem Rücktritt Ibarras hat zudem das Innenministerium seine Vertretung im Politbüro verloren.

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Grafik 1: Prozentualer Anteil der Vertreter von Militär und Innenministerium im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Kubas, 1965 – 2016 (Quelle: Progreso Semanal)

Gegen die These einer „Militarisierung“ der kubanischen Politik spricht zudem, dass bereits seit mehreren Jahrzehnten ein Rückgang der Militärs in den Reihen des Zentralkomitees zu beobachten ist (siehe Grafik 1). Die Anzahl der Mitglieder von Innenministerium und Streitkräften ist seit 1965 rückläufig, lediglich 1997 kam es zu einem kurzfristigen Anstieg. Der US-amerikanische Historiker und Kuba-Experte William M. LeoGrande, auf dessen Material die Daten unter anderem basieren, bezeichnet die Sicherheits- und Militärorgane als „die großen Verlierer der Erneuerung des Zentralkomitees.“

Auch die Theorie einiger Beobachter, wonach eine Familiendynastie des Castro-Clans in Zukunft die Geschicke des Landes übernehmen wird, scheint unwahrscheinlich. Weder der Sohn Raúl Castros, Alejandro Castro Espín, der eine wichtige Rolle im Sicherheitsapparat spielt, noch seine Tochter Mariela Castro, Leiterin des Instituts für Sexualaufklärung CENESEX, wurden ins Zentralkomitee gewählt. Fidel Castros gleichnamiger Sohn, der Atomphysik in der Sowjetunion studierte, spielt ebenfalls keine Rolle in der Parteihierarchie. Gemeinsam haben die Castro-Nachfahren, dass sie zwar auf dem Kongress zu Gast waren, dort jedoch für kein Parteiamt zur Wahl standen. Stattdessen rückten fünf relativ unbekannte Leute ins Politbüro auf, die sich in etwa im selben Alter wie die Castro-Kinder befinden.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Zentralkomitee und Politbüro nach dem Parteitag eine stärkere wissenschaftliche und technokratische Ausrichtung bekommen haben. Obwohl einige altgediente Kader weiterhin mit im Boot sind, fand eine umfassende Verjüngung statt. Viele der jungen Köpfe dürften den derzeitigen Wirtschaftsreformen positiv gegenüberstehen und wenig von der „obsoleten Mentalität“ zeigen, die Castro für das langsame Vorankommen verantwortlich gemacht hat. Auch der Anteil der Frauen und Afrokubaner hat sich unter Raúl Castro im Verlauf der letzten Jahre systematisch erhöht. Mit ihrer neuen Führung gibt die PCC ein Beispiel für eine Partei, „die sich mit Blick auf die Zukunft aktualisiert, ohne ihre Vergangenheit zurückzuweisen“, wie LeoGrande richtig analysiert.

Dies ist Teil III der Analyse des Parteitags. Hier geht es zu Teil I und Teil II