Havannas neue Sammeltaxis kommen aus Russland

Wie angekündigt trafen Ende der letzten Woche 450 neue Minibusse zur Verstärkung des öffentlichen Nahverkehrs in der kubanischen Hauptstadt ein. Die russischen Fahrzeuge der Marke „GAZ“ bieten Platz für 12 Passagiere und werden die US-Oldtimer maßgeblich beim Sammeltaxi-Transport ablösen. Sie sollen demnächst entlang der 23 Routen eingesetzt, welche im Zuge der Neuordnung von Havannas ÖPNV mit festen Haltepunkten eingerichtet wurden, wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtete. Die Anschaffung der russischen Busse wurde bereits im Sommer 2016 geplant.

 

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Russischer Fahrzeughersteller erwägt Produktion in Kuba

Diana-Bus

Kleinbus vom Typ „Diana“, der seit 2013 auf Basis einer GAZ-Karosse in Kuba hergestellt wird (Quelle: Visiondesdecuba)

Der russische Fahrzeughersteller GAZ erwägt derzeit, einen Teil seiner Produkte in Kuba oder Venezuela herzustellen, um von dort aus an ganz Lateinamerika liefern zu können. Ein Sprecher der Unternehmens erklärte neulich gegenüber der russischen Zeitung Izvestia, es sei „kurzfristig weniger wahrscheinlich“, dass man eine Niederlassung in Venezuela eröffnen werde, weshalb Kuba wieder in den Fokus rücken dürfte.

Die Firma GAZ wurde 1932 als „Gorkier Automobilwerk“ gegründet und hat ihren Sitz in Nischni Nowgorod, das bis 1990 noch Gorki hieß. GAZ ist heute der führende Hersteller kommerzieller Nutzfahrzeuge in Russland, mit einem Marktanteil von 58 Prozent bei mittelschweren Lastwagen und 50% bei Leichtlastwagen. Der Hersteller ist vor allem für seine LKWs, Busse und andere Nutzfahrzeuge bekannt, die vor allem in ehemalige Sowjetrepubliken exportiert werden.

Das steigende Interesse an ausländischen Marken innerhalb der Russischen Föderation macht GAZ jedoch zu schaffen. Im ersten Halbjahr gingen die Verkäufe in Russland um 26 Prozent zurück. Nur noch 23.400 Fahrzeuge konnten im Binnenmarkt abgesetzt werden, während bis zum Ende des Jahres 25.000 Einheiten in den Export gehen sollen. Angesichts der sinkenden Umsätze versucht GAZ durch die Expansion nach Lateinamerikas neue Exportmärkte zu erschließen.

Mit Kuba arbeitet der Hersteller schon länger zusammen. Bereits in den 1970er Jahren lieferte GAZ mehr als 15.000 Chassis vom Modell PAZ-672 nach Kuba, wo diese als Kleinbus „Girón“ bis heute häufig anzutreffen sind. 2013 begann Kuba mit der Modernisierung seiner Kleinbusflotte um die Transportsituation im interurbanen und ländlichen Raum zu verbessern. Hierzu wurde ein neuer Bus mit dem Namen „Diana“ auf Basis des PAZ-32053 Chassis entwickelt. Noch im selben Jahr wurden 210 Chassis geliefert, allein in diesem Jahr sollen über 400 Diana-Busse produziert werden.

Konkrete Details über das geplante Engagement von GAZ in Kuba sind noch nicht bekannt, jedoch gehen Beobachter davon aus, dass die Eröffnung einer Fabrikationslinie für Kleinbusse und andere Fahrzeuge in der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone bei Mariel zu den möglichen Optionen zählt. Neben GAZ hat bereits im letzten Jahr der chinesische Fahrzeughersteller Geely die Eröffnung einer Fahrzeugfabrik in Mariel in Erwägung gezogen.

Fidels Limousinen wurden Taxis

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ZIL-Limousine in Havanna, heute im Dienst von Cubataxi (Quelle: BBC)

Wie die BBC berichtet, sind inzwischen in Kuba einige ältere Fahrzeuge aus dem Regierungsfuhrpark an die staatliche Firma „Cubataxi“ weitergegeben worden. Wie andere Regierungschefs hatte auch Fidel Castro während seiner Amtszeit eine Reihe von Fahrzeugen zu seiner offiziellen Verfügung, die meisten davon sowjetische Modelle vom Typ GAZ und ZIL. Die sowjetischen Autohersteller waren unter anderem für die Produktion „repräsentativer“ Fahrzeuge verantwortlich. Seit 2012 stellt ZIL wieder die Modelle für den russischen Präsidenten her.

Vor fünf Jahre wurden 14 dieser Staatskarossen, die sich großer Beliebtheit unter den sozialistischen Regierungschefs erfreuten, in den öffentlichen Taxibetrieb entlassen. Immerhin 10 von ihnen sind noch im Einsatz. Bei den Modellen handelt es sich meist um großräumige und gepanzerte Limousinen, speziell für diplomatische Anlässe. Sie kamen zum Transport ausländischer Würdenträger sowie bei Militärparaden zum Einsatz, während Fidel Castro selbst bevorzugt in einem olivgrünen Militärjeep durchs Land reiste.

Die meisten dieser Fahrzeuge wurden zwischen 1960 und 1980 hergestellt, unter ihnen befindet sich auch der ein spezieller  ZIL-111, der ein persönliches Geschenk von Nikita Chruschtschow war. Auch er kann in Kuba jetzt von jedem benutzt werden. „Wenn ich den Fahrgästen erzähle woher das Auto stammt, strecken sie auf dem Sitz hinten ihre Beine aus sagen: ‚Ich kann das nicht glauben!'“ berichtet einer der Fahrer.

Nachrichtenüberblick: Solarparks, Busse und ungewisser Ausblick nach Norden

In den letzten Wochen blieb auch in Kuba die Zeit nicht stehen – die nächsten Schritte in der Aktualisierung ihres Wirtschaftsmodells hat die Regierung allerdings schon diskutiert und beschlossen, nun ging es vor allem um die Details ihrer Umsetzung. Deshalb im folgenden ein kurzer Nachrichtenüberblick:

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Kubanische Eigenproduktion (links) im Vergleich zum weißrussischen Originalmodell, das seit über 20 Jahren produziert wird.

  • 6. November: Kuba stellt eigenen Bus vor. Um das Transportproblem der Insel langsam zu lösen, hat Kuba in Zusammenarbeit mit Weißrussland den sieben Meter langen Bus „Diana“ entwickelt. Der Name ist eine Anspielung auf die griechische Mythologie. Das Vehikel basiert auf dem bewährten Modell PAZ-32053 des Herstellers GAZ und kommt vor allem im urbanen und inter-urbanen Gebiet zum Einsatz, aufgrund seiner Größe kann der Bus auch im Gebirge eingesetzt werden. Die ersten 250 Fahrzeuge sind bereits in einigen Provinzen des Landes, darunter auch Camagüey und Holguín unterwegs. In der Hauptstadt und in den östlichen Provinzen ist das Transportproblem des Landes am schwerwiegendsten.
    Im Laufe dieses Jahres werden 330 Chassis importiert, wobei über 60 Prozent der Teile selbst hergestellt werden können, was die Produktionskosten um etwa 25 Prozent gegenüber einem importierten Bus verringert. Auch Ersatzteile können im Land selbst hergestellt werden. Im Vergleich zum Originalfahrzeug wurde das Design zudem merklich aufgehübscht. Kuba modernisiert damit seine „Girón“-Flotte, die den selben Einsatzzweck der neuen Diana-Busse hat. Von diesen Modellen wurden in den 1970er und 80er Jahren etwa 15.000 Stück produziert, sie basierten ebenfalls auf einer Kooperation mit GAZ, damals kam das Chassi des PAZ-672 zum Einsatz. Die Vorstellung des neuen Modells erfolgte im Rahmen der internationalen Handelsmesse in Havanna.
  • 08. November: Obama kündigt Änderung seiner Kubapolitik an. In einer Rede bei Miami sagte der US-Präsident: „Keep in mind that when Castro came to power I was just born, so the notion that the same policies that we put in place in 1961 would somehow still be as effective as they are today in the age of the Internet, Google and world travel doesn’t make sense“. Unter der Hand werden die aktuellen Entwicklungen in Kuba schon seit längerem von US-Diplomaten begrüßt, ein offizielles Statement blieb bisher allerdings aus. Es bleibt dennoch fraglich, in welchem Rahmen und Umfang die USA ihre seit 1961 bestehende Embargopolitik gegenüber Kuba zurückfahren werden.
  • 20. bis 24. November: Kuba führt das Militärmanöver „Bastión 2013“ durch, bei dem die Verteidigungsfähigkeit des Landes geübt werden soll. Neben taktischen Übungen der Teilstreitkräfte zielt das Manöver vor allem darauf ab den „Krieg des gesammten Volkes“ zu trainieren, um sicherzustellen, dass im Angriffsfall auch ein großteil der Zivilbevölkerung in der Lage ist das Land zu verteidigen. Das Manöver fand zum ersten Mal 1980 statt und wurde seitdem unregelmäßig ausgetragen, die letzten Male waren 2004 und 2009. Die ursprünglich für 2012 angesetzte Übung wurde wegen der Hurrikanschäden im Osten der Insel verschoben. Im Anschluss fanden am 23. und 24. November die nationalen Verteidigungstage statt, bei denen Sanitär- und Rettungsmissionen im Rahmen von Naturktatastrophen geübt wurden.

Insgesamt 14.100 Panele: Einer der beiden leistungsfähigsten Solarparks des Landes ging dieses Jahr in der Provinz Cienfuegos ebenfalls ans Netz. Die Anlage liefert eine Kapazität von 2,6 Megawatt.

  • 21. November: Kuba eröffnet neuen Solarpark in Pinar del Río. Nach der Eröffnung von Kubas ersten drei Solarparks in Havanna (1,5 MW), Cienfuegos (2,6 MW) und Santa Clara (1 MW) hat sich die solare Energieproduktion auf der Insel mehr als verdoppelt. Die neue Anlage im Westen Kubas wird zu Beginn über eine Kapazität von 2,6 MW verfügen, diese soll schrittweise auf 15 MW erweitert werden. Der Betrieb von großen Solarparks ist ein Novum für Kuba, bisher wurden Solarzellen vor allem zur dezentralen Energieversorgung in ländlichen Regionen eingesetzt. Derzeit befinden sich zwei weitere Parks in Las Tunas (50 MW) und Guantánamo (2,6 MW) in Bau. Damit bekennt sich die Insel zum Ausbau erneuerbarer Energien, ihr Anteil soll bis 2030 mindestens zehn Prozent ausmachen. Die Reduzierung des CO2 Ausstoßes, nachhaltiges Wirtschaften und die Bekämpfung der Folgen der globalen Erwärmung spielen für Kuba eine bedeutende Rolle, zwischen 1951 und 2010 hat sich die Durchschnittstemperatur auf der Insel um 0,9 Grad erhöht, auch der steigende Meeresspiegel macht den Küstenorten bereits zu schaffen.
  • 22. November: Neues Experiment in kubanischen Staatsunternehmen läuft an. 14 ausgewählte kubanische Staatsunternehmen dürfen ab sofort bestimmte Produkte auf Marktbasis an den Großhandel verkaufen. Dies ist der erste Schritt in der Umsetzung der für 2014 vorgesehenen Unternehmensreform. Nach Erfüllung ihrer Verträge mit dem Staat dürfen die Unternehmen ausgewählte Produkte wie Metall, Aluminiumteile, Salz und Zement sowohl in CUP als auch in CUC an juristische Einheiten weiterverkaufen. Damit sind vor allem die neuen Kooperativen außerhalb des Agrarsektors gemeint, die dadurch eine zusätzliche Möglichkeit zum Erwerb ihrer Inputgüter erhalten. Die staatlichen Unternehmen wiederum sollen damit ihre Bilanz verbessern, um sich zu rekapitalisieren und höhere Löhne auszahlen zu können.
  • 26. November: Neue Regeln für Kubas Touristenhäfen. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität zu steigern, hat die kubanische Regierung die Gesetze für ausländische Yachtbesitzer vereinfacht, diese dürfen ihre Boote nun für bis zu fünf Jahre in kubanischen Häfen belassen. Zudem soll der Onlineservice der Häfen verbessert werden. In den kommenden Monaten wird Kubas größter Yachthafen, die „Marina Gaviota“ in Varadero mit 400 Liegeplätzen eröffnen. In den folgenden Jahren soll der Hafen auf knapp 1.300 Plätze erweitert werden, womit Kuba dann über den größten Yachthafen der Karibik verfügen wird.
  • 26. November: ETECSA nimmt Selbstständige unter Vertrag. Mit Beginn des Jahres 2014 wird der Beruf des privaten Telekommunikationshändlers unter Lizenzierung des staatlichen Monopolisten ETECSA ermöglicht werden. Die dafür lizenzierten Cuentapropistas dürfen nicht nur Sim-Karten verkaufen, sondern auch ihre eigenen Telefone zur Fremdnutzung gegen Gebühr anbieten, was unter der Hand schon lange geschieht.
  • 26. November: Kuba schränkt Konsularservice in den USA ein. Aufgrund der Embargobestimmungen war es für die Interessensvertretung Kubas in Washington (da beide Länder offiziell keine diplomatischen Beziehungen unterhalten existiert keine Botschaft) zuletzt immer schwieriger Banken zu finden, die ihnen die notwendigen Bankdienstleistungen zu Verfügung stellen. Deshalb wird sich das Angebot künftig auf elementare Dienstleistungen im humanitären Fällen beschränken. Ein Statement aus Washington steht noch aus.

So sieht der erste, speziell für den kubanischen Markt entwickelte Fernseher aus.

  • 27. November: Im Rahmen der schrittweisen Einführung des digitalen Fernsehens bis zum Jahr 2021 wird Kuba einen eigenen LCD-Fernseher in Zusammenarbeit mit China herstellen. Der erste Prototyp wurde am Mittwoch durch den Hersteller Empresa Industria Electrónica (EIE) vorgestellt. Er verfügt über ein LCD-Panel mit LED Hintergrundbeleuchtung und ist damit auf dem neuesten Stand der Technik. Er soll nicht nur die Lebensqualität der Haushalte verbessern helfen, sondern zugleich auch den Stromverbrauch des Landes senken. Mit einer Leistungsaufnahme von 40 Watt bei voller Helligkeit würde er hierzulande vermutlich eine herausragende Wertung im Bereich Energieeffizienz erhalten. Der Name des Herstellers „Haier“ auf der Vorderseite, verweist auf die chinesische Unternehmensgruppe, die bereits seit längerem mit Kuba kooperiert, unter anderem wurden schon Kühlschränke und LED-Straßenbeleuchtung für Kuba entwickelt.