2. Oktober 2022

Reiseinfo: Geld (abheben) und Wechselkurs auf Kuba

In letzter Zeit häufen sich die Berichte von Reisenden, die über das hohe Preisniveau auf Kuba klagen. Der Grund liegt in den zwei Wechselkursen, die sich mit der Währungsreform auf Kuba herausgebildet haben und mit denen die Infos aus vielen Reiseführern zum Thema Geld auf Kuba obsolet wurden. Ein aktueller Überblick:
(Stand: August 2022)

Info: Seit dem 4. August kauft der kubanische Staat Devisen zu einem attraktiven Wechselkurs an. Dieser beträgt aktuell 117:1 für den Euro, 122:1 für Schweizer Franken und 110:1 für US-Dollar. Damit ist ein legaler Rahmen entstanden, der die Nutzung des informellen Marks für Reisende obsolet macht. Umgetauscht werden kann in Bankfilialen und CADECAs (Wechselstuben). Der tagesaktuelle Kurs findet sich auf den Seiten der Zentralbank (BCC). Seit dem 9. August kommt der neue Kurs auch bei Abhebungen an Bankautomaten zum Tragen. Man braucht nun also nicht mehr die gesamte Reisekasse in Bar mitzunehmen. Dennoch ist es aufgrund der schwierigen Energiesituation und entsprechender Verbindungsprobleme der Geldautomaten empfehlenswert, mit ausreichender Reserve in Bar einzureisen und vorausschauend zu wechseln. Seit dem 23. August können Pesos auch wieder in Fremdwährungen getauscht werden. Es gilt zunächst ein Limit von 100 US-Dollar (bzw. das Äquivalent in anderen Währungen) pro Person. Da mit langen Wartezeiten gerechnet werden kann, empfiehlt es sich so zu wechseln, dass man sich am Ende der Reise den Gang zur Cadeca ersparen kann. Wechselstuben an Flughäfen bieten derzeit keinen Rücktausch von Pesos in Fremdwährung an.

Währung und Wechselkurs auf Kuba

Mit der Abschaffung des konvertiblen Pesos (CUC) ist der kubanische Peso (CUP) seit dem 1. Januar 2021 die einzige Landeswährung. Der offizielle Wechselkurs ist auf 24:1 zum US-Dollar festgelegt. Zum Euro schwankt der Kurs entlang des EUR-USD-Verhältnisses und liegt aktuell bei rund 26:1. Diesen Kurs erhält man als Reisender an staatlichen Wechselstuben (CADECA) sowie bei der Nutzung von Geldautomaten.

Grafik zum Wechselkurs des kubanischen Pesos seit Oktober 2021
Wechselkurs von Euro (rot) und US$ (blau) seit Oktober 2021 (Quelle: ElToque)

Viele Waren des täglichen Bedarfs werden heute allerdings nur noch in Devisengeschäften verkauft, von denen es rund 100 im ganzen Land gibt. Dort wird ausschließlich Kartenzahlung akzeptiert und die Preise sind in US-Dollar ausgeschildert (auf Kuba MLC, „moneda libremente convertible“, also frei konvertierbare Währung genannt). Viele Produkte des täglichen Bedarfs, die auch für Reisende relevant sind, sind nur dort relativ zuverlässig erhältlich. Der Weiterverkauf von Waren aus diesen Läden ist inzwischen ein beliebtes „Geschäftsmodell“ für Personen mit Devisenzugang auf der Insel, dem der Staat nur wenig entgegenzusetzen vermag. Personen, die speziell mit diesem Ziel in diese Läden gehen, haben sogar eine eigene Bezeichnung: „Revendedores“, sogenannte Wiederverkäufer.

Der konstante Nachfrageüberhang in den Peso-Geschäften (der sich in der Wirtschaftskrise bedingt durch Pandemie und verschärfte US-Sanktionen letztes Jahr weiter zugespitzt hat), brachte den kubanischen Peso unter Druck und ließ einen informellen Währungsmarkt entstehen. Der begann zunächst mit einem Kurs von rund 50:1 zum US-Dollar und stieg im Laufe des Jahres 2021 in mehreren Bewegungen immer weiter an. Derzeit liegt der informelle Kurs bei 113:1 zum US-Dollar bzw. 118:1 zum Euro (Stand: 1.08, für den aktuellen Kurs siehe → Reiseinfos). Sämtliche Devisen, darunter auch Schweizer Franken und Britische Pfund, werden von Geldwechseln angekauft und gegen Pesos getauscht. Man sollte also möglichst Praktisch jeder Kubaner mit Zugang zu Devisen nutzt diesen Weg an der CADECA vorbei. Offiziell ist der Tausch auf der Straße zwar verboten, in der Praxis wird er jedoch geduldet. Trotzdem sollte man als Besucher einigermaßen diskret mit dem Thema umgehen und vielleicht nicht überall von dem tollen Kurs prahlen, zu dem man neulich getauscht hat…

Was bedeutet das nun für Reisende?

Als Tourist zahlt man auf Kuba mit kubanischen Pesos. Ausnahmen sind Hotels, Exkursionen über staatliche Reisebüros vor Ort, Devisengeschäfte und die Touristenbusgesellschaft Víazul, wo ausschließlich die Kreditkarte zum Einsatz kommt. Wechselt man Fremdwährung auf der Bank / CADECA oder hebt am Geldautomat ab, erhält man Pesos für den offiziellen Kurs von 24:1. Die meisten Preise (insbesondere für Restaurants, Taxis, Dienstleistungen und auf Märkten) orientieren sich jedoch am Straßenkurs. Beispiel: eine Pizza, die 2019 noch 140 Pesos gekostet haben mag (was damals rund 5€ waren), ist jetzt mit 400 Pesos bepreist. Mit dem offiziellen Wechselkurs sind dies 15€, mit dem aktuellen Marktkurs allerdings nur 4€. Tatsächlich sind viele Produkte und Dienstleistungen auf Kuba mit Devisen heute etwas günstiger als vor der Währungsreform.

Es empfiehlt sich daher, möglichst ausreichend Bargeld für die gesamte Reise mitzunehmen und dieses informell zu tauschen. Auch auf der Straße ist Geldwechsel möglich, jedoch sollte man sich am besten an Personen wenden die man kennt und z.B. als erstes in der Unterkunft schlau machen oder in einem Restaurant fragen bevor man zum nächstbesten Straßenhändler geht, der von selbst auf sich aufmerksam macht. Viele der aufdringlichen Geldwechsler in Touristen-Zentren versuchen sich eine goldene Nase zu verdienen, indem sie auf die Unkenntnis von Reisenden setzen und deutlich schlechtere Kurse (meist 40-80 Pesos/€) anbieten. Als Faustregel gilt: je höher die Summe, desto besser der Kurs. Man sollte wann immer möglich mindestens dreistellige Beträge umtauschen und neben 20er ruhig auch 50er-Noten mitnehmen. Der tatsächlich erzielbare Straßenkurs liegt dann in der Regel 5-10 Pesos unter dem informellen Referenzkurs.

Tipp fürs Reisegepäck: Nie das gesamte Bargeld an einem Ort verstauen, sondern in mehrere Umschläge packen und über Hand- und Aufgabegepäck verteilen. Ohne Zollanmeldung dürfen pro Person bis zu 5000 USD (bzw. das Äquivalent in anderen Währungen) eingeführt werden. Darüber hinausgehende Beträge müssen deklariert werden.

Die Gefahr, Falschgeld zu erhalten, ist prinzipiell gegeben aber aktuell relativ gering. Viele Taxis und Casas wollen direkt in Euro oder US-Dollar bezahlt werden. Als Wechselgeld erhält man dann Pesos, jedoch zu einem schlechteren Kurs. Offiziell dürfen Transaktionen jenseits der genannten Ausnahmen ohnehin nur in der Landeswährung abgewickelt werden. Es ist daher ratsam, mitgebrachte Devisen einmal bzw. in mehreren Etappen möglichst vorteilhaft zu tauschen und danach überall mit Pesos zu bezahlen. Trotzdem sollte man nie ohne Kreditkarte einreisen, da man sonst weder in Devisengeschäften einkaufen noch Fernbustickets lösen kann.

Info: Der informelle Devisenmarkt existiert auch digital in Form von Facebook-, WhatsApp- und Telegram-Gruppen sowie auf Kleinanzeigenportalen wie Revolico oder Porlalivre.

Häufig gestellte Fragen

1. Dollar oder Euro, was ist besser?

Immer wieder taucht die Frage auf, ob es nicht besser wäre, Dollar statt Euro nach Kuba mitzunehmen. Dem ist nicht so. Zwar lassen sich beide Währungen problemlos tauschen, allerdings ist der Euro als Devisenreserve inzwischen sogar beliebter. Der Grund dafür besteht darin, dass bare US-Dollar seit Juni 2021 nicht mehr auf kubanische MLC-Konten einbezahlt und damit nicht mehr für Einkäufe in Devisengeschäften genutzt werden können. Wer Zugang zu Euro, Schweizer Franken, Kanadischen Dollar oder Britischen Pfund hat, sollte diese Währungen nutzen und braucht sich keinerlei Gedanken um US-Dollar auf Kuba zu machen.

2. Was tun, wenn das Bargeld doch ausgeht?

Mittlerweile gibt es auf der Insel einige private Geschäfte (wie z.B. hier in Trinidad), welche mit den spanischen Finanzdienstleistern Tropipay und Revolupay zusammenarbeiten und internationale Überweisungen per Kreditkarte vor Ort zum Marktkurs in Pesos auszahlen. Auch Handyläden bieten oftmals solche Dienste an. Dies wird derzeit offenbar von der Zentralbank toleriert. Dabei fallen jedoch Gebühren an (3,45% plus 0,50€ bei Tropipay) und der vorab zu verhandelnde Kurs kann schlechter ausfallen als beim Bartausch – auch hier sollte man also wissen, wie der Peso steht, um nicht übers Ohr gehauen zu werden. Für Leute, denen vor Ort das Bargeld ausgegeht, ist dies mit Abstand die beste Option.

Eine weitere Notlösung kann sein, Casa-Hosts mit Zugang zu Paypal oder Revolut zu finden und diese zu fragen, ob sie eine PayPal-Überweisung in Pesos eintauschen können. Da Paypal durch die USA auf Kuba blockiert wird, installiert man sich am besten vorher einen VPN. Eine andere Möglichkeit besteht darin, für jemanden gezielt in den Devisenläden einzukaufen und die Produkte entsprechend in Pesos zu tauschen. Für die meisten dürfte dies jedoch unpraktikabel sein und ist, sobald es kommerzielle Züge annimmt, auch verboten. Als letzte Option bleibt natürlich immer der Gang zum Geldautomat bzw. in die Bankfiliale, wo man mit internationaler Kreditkarte (sowohl Visa als auch Mastercard) zum offiziellen Kurs abheben kann. Besser ist es jedoch, sein Reisebudget so zu planen, dass man auf keine dieser Lösungen zurückgreifen muss.

3. Ist es ethisch vertretbar, Geld illegal zu tauschen? Und wie sicher ist das ganze?

Tatsache ist, dass dem Staat durch den Tausch auf dem Schwarzmarkt Devisen für dringend benötigte Importe verlorengehen, weshalb der informelle Wechsel verboten ist. Tatsache ist aber auch, dass sich die Preise heute überwiegend am Marktkurs orientieren und den meisten Kubanern gar keine andere Möglichkeit bleibt, um an Lebensmittel aus den Devisengeschäften zu kommen. Die Regierung ist sich dieser Problematik bewusst, weshalb der illegale Tausch im kleinen praktisch nicht sanktioniert wird. Verfolgt werden vor allem Spekulanten, die große Mengen Fremdwährung an- und verkaufen, um an steigenden Kursen zu verdienen. Dennoch besteht immer ein Restrisiko: wer informell tauscht, handelt auf eigene Gefahr! Für Touristen ist der Tausch in der Cadeca vs. auf dem informellen Markt letzten Endes eine Frage des „sich leisten könnens“, die jeder für sich selbst beantworten muss. Praktisch gesehen wird Kuba jedoch kaum ein attraktives Reiseziel sein, wenn von Besuchern erwartet wird, für die selbe Qualität an Waren und Dienstleistungen plötzlich bis zu 400 Prozent mehr zu bezahlen. Nur die wenigsten dürften bereit sein, für die Nacht in der Casa 90€ statt 25€ zu bezahlen oder 180€ statt 50€ für das Überland-Taxi. Für viele dürfte sich dann die Frage stellen, ob eine Reise nach Kuba überhaupt noch „drin“ ist, was dem Land unterm Strich mehr schadet als der informelle Währungsumtausch. Denn auch auf diesem Weg getauschte Devisen bleiben im Land, generieren Einnahmen und helfen dabei, den Druck auf den Wechselkurs des Pesos durch eine Vergrößerung des Angebots zu mindern – was Bevölkerung und Wirtschaft insgesamt nützt.

4. Die aktuelle Situation kann doch aber kein Dauerzustand sein, oder?

Nein, kann und wird sie nicht. Darin sind sich sämtliche Ökonomen einig. Aufgrund der aktuellen Devisenknappheit ist der Spielraum der Regierung zur Kontrolle der Währung allerdings begrenzt. Die Situation erinnert an Anfang der 1990er Jahre, als der Peso in Folge der damaligen Wirtschaftskrise ebenfalls stark einbrach. Es hat einige Jahre gedauert, bis sich wieder ein einheitlicher Wechselkurs etablieren konnte, was damals über die Einführung des dualen Währungssystems gelang. Jetzt wird der Weg ein anderer sein. Der Vorschlag eines „atmendes Wechselkursregimes“, also die Aufgabe des starren 24er Kurses, liegt auf dem Tisch. Doch wann genau erste Schritte in diese Richtung erfolgen, steht noch in den Sternen.

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3 Gedanken zu “Reiseinfo: Geld (abheben) und Wechselkurs auf Kuba

  1. Sehr hilfreicher Beitrag, der zudem bestätigt, dass auf Kuba (wie in der übrigen Welt und systemunabhängig) Finanz-, Handels- und Wirtschaftsbereiche von Einflussgrößen abhängig sind, die sich häufig den politischen Steuerungsmöglichkeiten entziehen. Weshalb wir mehr kluge und integre Politiker brauchen und weniger Ideologen und Lobbyisten.

  2. Guter Artikel. Im Moment liets man ja praktisch nichts mehr über Kuba. Die Situation ist ja echt absurd: Schwarzmarktkurs 4 mal so hoch wie offizieller Kurs. Und wenn man die Preise sieht in den Paladares, aber auch in den MLC Läden, dann orientiert sich das ganze Land am Schwarzmarktkurs, sonst wären die Preise ja total absurd.
    Noch für allfällige Touristen: In den staatlichen (CUP) Läden gibt es nichts; Punkt. In den MLC Läden, wo man mit KK kaufen kann gibt es wenig. Das Problem sind aber die Schlangen vor den Läden. Da kann ohne weiteres ein halber Ferientag draufgehen. Will man nicht selber Schlange stehen, muss man jemandem seine KK geben…inkl. PIN.
    Auf der Strasse bekommt man nicht nur 4 Mal mehr, es geht auch 50 Mal schneller. Ich mietete jeweils immer ein Auto in Kuba. Meine letzte Information ist, dass es mit dem Tanken mittlerweile ein Alptraum geworden ist. Besser auch ein paar Stunden einplanen pro Tankstopp.
    Man muss sehr gute Gründe haben um als Tourist nach Kuba zu reisen. Die Hotels sind ja auch mies zum abwinken. Aber nur in casas particulares übernachten und essen. Allerdings gibt es an einigen touristischen Hotspots (wie auf einigen Cayos) keine solche.

    1. Tanken kann zu einem riesigen Theater werden, wenn man auf die mittlerweile erhältlichen Prepaid-Coupons setzen muss. Einfach an die Tankstelle ranfahren ist da nicht. Mal eben volltanken, kann zu einem echten Problem werden.

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