„toDus“ bietet bargeldloses Bezahlen über Handyguthaben

Die Messenger-App „toDus“ zählt heute rund 174.000 tägliche Nutzer und wird von einem Team der Informatik-Universität Havannas (UCI) entwickelt (Quelle: toDus/FB)

Die kommende Version 0.20 des beliebten kubanischen Messengerdienstes „toDus“ wird als wesentliche Neuerung das bargeldlose Bezahlen mit der App einführen. Produkte können damit unkompliziert verkauft und mittels QR-Code gescannt werden, die Bezahlung erfolgt über das Handyguthaben des Käufers.

Damit könnte es auf Kuba bald zwei Apps zum bargeldlosen Bezahlen geben. Die vom staatlichen Hersteller „Xedit“ entwickelte App „Enzona“ soll sich ausschließlich dem E-Commerce widmen und befindet sich gerade in der Testphase. Die Bezahlfunktion von „toDus“ soll sich dabei explizit auch mit Produkten von „Enzona“ verknüpfen lassen, wie es in der Ankündigung des Entwickerteams heißt.

Die Digitalisierung des Landes zählt zu den Hauptprioritäten der kubanischen Regierung, auch die Förderung von eigenen Apps und Onlinehandel solll in diesem Rahmen vorangetrieben werden (Quelle: Cubadebate)

Die von Havannas Informatikuniversität UCI entwickelte Messenger-App ist vor rund einem Jahr veröffentlicht worden und wurde seitdem mehr als zwei Millionen Mal auf dem kubanischen App-Store „Apklis“ heruntergeladen. Sie zählt heute rund 174.000 täglich aktive Nutzer. Im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie will das sozialistische Kuba künftig Softwareentwicklung und Onlinehandel stärker fördern. Hierzu soll das Internet in der Fläche immer besser verfügbar gemacht werden. Bis 2020, so das Ziel, soll mindestens jeder zweite kubanische Haushalt über einen Internetzugang verfügen.

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Kuba legalisiert Internetzugang über private Netzwerke

Mit der Öffnung der staatlichen Infrastruktur für Nachbarschafts-Netzwerke will Kuba den Internetzugang massiv erhöhen (Quelle: Cubadebate)

Der Sommer könnte den Kubanern in diesem Jahr nicht nur die alljährliche Touristenflut, sondern auch deutlich mehr Internet in die Häuser spülen. Dann tritt nämlich ein neues Gesetz in Kraft, welches private und nachbarschaftlich organisierte Netzwerke legalisiert. So könnten auch Straßen und Gemeinden, in denen bisher noch keine Hausanschlüsse verlegt wurden, an die Internetversorgung des staatlichen Anbieters ETECSA angebunden werden. Auch private Bars und Restaurants können ihren Kunden auf diesem Weg künftig WiFi anbieten. Kuba hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2020 mindestens jeden zweiten Haushalt mit Internet zu versorgen.

An vielen Orten auf Kuba existieren bereits seit einigen Jahren kleinere und größere private Netzwerke, welche vor allem zum Datentausch, für Chatgruppen und Spiele genutzt werden. Über Außenantennen erstrecken sie sich teilweise über ganze Straßenzüge hinweg. Das SNET“ in Havanna soll sogar rund 100.000 Nutzer zählen. Gelegentlich wird aber auch der nächste WiFi-Hotspot angezapft und für die Nachbarschaft verstärkt. Solche Anwendungen waren jedoch bisher illegal und nicht selten endete die teuer gekaufte Ausrüstung in der Asservatenkammer der lokalen Polizeistation. Das soll sich nun ändern: Kubas Kommunikationsministerium hat inzwischen die rechtlichen Regeln veröffentlicht, um solche bestehenden Netze zu legalisieren, und ruft dazu auf, umfassend von der Möglichkeit Gebrauch zu machen.

Private Netzwerke, welche auf Kuba schon vielerorts entstanden sind, können ab diesem Sommer legalisiert werden (Quelle: Cubadebate)

Voraussetzung ist, dass der Netzwerkadministrator, welcher auch Eigentümer der Wohnung mit der externen Antenne sein muss, eine Lizenz als lokaler Internetbetreiber beantragt. Diese kostet 10 Pesos (ca. 40 Eurocent) und ist für zwei Jahre gültig. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vollkommen offen, kommerzielle Zwecke dürfen damit allerdings nicht verfolgt werden. Damit können prinzipiell beliebig große Netze, die auch kabelgebunden sein dürfen, über Häusergrenzen hinweg betrieben werden. Wer allein das Signal eines öffentlichen ETECSA-Hotspots verstärken will, bekommt für den selben Preis eine fünfjährige Lizenz. Für den Unterhalt eines häuslichen WLAN-Netzwerks ist ausdrücklich keine Genehmigung erforderlich. Auch der private Import von Routern und WiFi-Antennen wird nach Inkrafttreten des Gesetzes am 29. Juli möglich sein, die Beantragung kann online über die Seite des Kommunikationsministeriums erfolgen. Betrieben werden dürfen die Netze auf den Frequenzen zwischen 2.400 und 2.483,5 Mhz sowie 5725 bis 5850 MHz.

Kubas Regierung arbeitet bereits seit einigen Jahren mit Hochdruck am Ausbau des Internetzugangs und der Digitalisierung auf der Insel. Gab es im Jahr 2014 noch einige dutzend WiFi-Hotspots, zählt das Land heute 956 öffentliche Zugangspunkte, davon in jeder Gemeinde mindestens einen. Seit 2017 wurden 80.000 neue Hausanschlüsse verlegt. Die Preise für die WiFi-Hotspots wurden in mehreren Etappen auf 1 CUC pro Stunde reduziert. Seit Inbetriebnahme des mobilen Internets im Dezember 2018 nutzen heute rund zwei Millionen Kubaner das neue Angebot. Bis Ende des Jahres soll in jeder größeren Provinzstadt 4G-Geschwindigkeit verfügbar sein. Während drahtloser Internetzugang heute vielerorts auf Kuba bereits Realität ist, kommt der Ausbau der begehrten Hausanschlüsse nur schleppend voran. Die Förderung lokaler Nachbarschaftsnetzwerke könnte hierzu einen entscheidenden Impuls liefern, das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, bis 2020 jeden zweiten kubanischen Haushalt mit Internet „en casa“ zu versorgen.

Info:

Kuba testet neue App zum bargeldlosen bezahlen

Darstellung der Entwicklungsversion der App des staatlichen Softwareherstellers Xedit (Quelle: Cubadebate)

Die kubanische Softwareschmiede „Xedit“ arbeitet derzeit an einer App, welche „den gesamten elektronischen Zahlungsverkehr der Insel vereinheitlichen“ soll, wie das Nachrichtenportal „OnCuba“ berichtet. Das Programm mit dem Namen „EnZona“ soll künftig bargeldlose Bezahlungen, Kundenbewertungen und andere Dienste mittels QR-Code auf dem Smartphone ermöglichen.

Mit der App sollen künftig „alle elektronischen Transaktionen“ zwischen Einzelpersonen sowie staatlichen und privaten Unternehmen abgewickelt werden, versprechen die Entwickler. Funktionieren soll die Anwendung ähnlich wie der chinesische Messenger-Dienst „WeChat“, mit dem im Reich der Mitte bereits heute fast überall bargeldlos bezahlt werden kann. Dabei wird es spezielle Profile sowohl für Kunden als auch Geschäftsbesitzer geben, welche die App jeweils für ihre Zwecke nutzen können.

Mittels QR-Codes können Kunden dann in Geschäften, Restaurants und anderen Dienstleistern das gewünschte Produkt einscannen und über das verknüpfte Girokonto Zahlungen tätigen. „Eine einzige Person wäre dann ausreichend, um die Rechnungen nach dem Kauf zu verifizieren“, berichtet „Cubadebate„. Auch anonyme Kundenbewertungen könnten über ein Feedback-Formular abgegeben werden. Damit sollen sich Transparenz und Komfort im staatlichen wie im privaten Gewerbe für alle Beteiligten verbessern. Auch die Buchhaltung soll mit der App stark vereinfacht werden.

In einem auf Facebook veröffentlichten Video zeigte der staatliche Hersteller Xedit bereits erste Anwendungsbeispiele für die App, deren Erscheinungsdatum noch nicht bekannt ist. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel machte die Digitalisierung zu einer Priorität seiner Regierung. Nach der Inbetriebnahme des mobilen Internets vergangenen Dezember sollen noch in diesem Jahr 17 neue Online-Shops entstehen, mit denen moderne bargedlose Bezahlsysteme getestet werden.

Havanna erhält chinesische Bushaltestellen

Die beiden neuen Wartehäuschen befinden sich in Havannas Stadtteil Plaza (Quelle: Tribuna)

Anlässlich des anstehenden 500. Gründungsjubiläums der kubanischen Hauptstadt Havanna, hat die chinesische Firma „Yutong“ zwei neue Bushaltestellen gestiftet. Neben einer modernen LED-Anzeige verfügen diese über einen Linienplan des gesamten Busnetzes sowie Vorrichtungen zur Mülltrennung.

Zum 500. Jubiläum setzt Havanna voll auf Mülltrennung (Quelle: Tribuna)

Vergangene Woche wurden die beiden neuen Haltestellen in einer feierlichen Zeremonie unter Beisein der Yutong-Vertreterin Wang Tong eröffnet, wie die Lokalzeitung „Tribuna de La Habana“ berichtet. Yutong ist einer der größten Bushersteller Chinas und in der Welt. Die Firma ist seit über 14 Jahren auf Kuba aktiv und lieferte den Großteil der kubanischen Busflotte sowie der Metrobusse von Havanna. Offenbar waren die beiden neuen Haltestellen, welche sich in Havannas Stadtteil „Plaza“ in der Nähe des Busbahnhofs befinden, eine Spende der chinesischen Firma.

Neben der breiten und überdachten Sitzfläche verfügen die Haltepunkte auch über einen Mülleimer mit Trennung für Recyclingabfälle und ist damit fit für die Zukunft. Künftig will Kubas Regierung verstärkt auf Mülltrennung setzen, um die Recyclingquote zu erhöhen und Importe einzusparen. Ein weiteres Novum ist die moderne LED-Anzeige mit Liniennetzplan, zwei Dinge, die die Orientierung insbesondere für Touristen erleichtern dürften. Ob in Zukunft weitere Bushaltestellen mit den neuen Komfortmerkmalen ausgestattet werden dürften ist noch unklar.

Die chinesischen Bushaltestellen verfügen über moderne LED-Anzeigen samt Liniennetzplan (Quelle: Tribuna)

Gewerkschaftskongress diskutiert anstehende Reformen und fordert „Einheit der Arbeiterklasse“

CTC-Generalsekretär Ulises Guilarte und Präsident Miguel Díaz-Canel auf dem CTC-Kongress am Dienstag in Havanna (Quelle: Granma)

Am Mittwoch ist in Havanna der XXI. Kongress des kubanischen Gewerkschaftsverbands CTC zu Ende gegangen. Dabei wurden neben Fragen wie der anstehenden Umstrukturierung der Staatsbetriebe erstmals auch die Probleme im nicht-staatlichen Sektor in einem gesonderten Plenum diskutiert. Kubas Gewerkschaften müssten inmitten der schwierigen wirtschaftlichen Situation „die Rechte der Arbeiter verteidigen“, wie CTC-Generalsekretär Ulises Guilarte betonte.

Neue Zahlen zur Beschäftigungssituation auf Kuba

Im Rahmen des Kongresses gab Guillarte neue Zahlen zum Stand der Beschäftigung auf Kuba bekannt. Demnach gibt es auf der Insel heute 4,48 Millionen Erwerbstätige, wovon rund 32 Prozent im Privatsektor tätig sind. Hierzu zählen neben den landwirtschaftlichen Genossenschaften auch die Arbeiter auf eigene Rechnung („Cuentapropistas“) und Mitglieder der Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft („CNoA“). Der Durchschnittslohn im Staatssektor stieg 2018 auf 871 Pesos (ca. 32 €), wobei 14 Prozent der Beschäftigten weniger als 440 Peso verdienten. Offizielle Zahlen zu den Löhnen im Privatsektor sind weiterhin nicht bekannt, sie dürften jedoch deutlich über denen im Staatssektor liegen. Die Arbeitslosigkeit betrug vergangenes Jahr 1,7 Prozent.

Weitere neue Zahlen gab es auch zur Entwicklung der Privatwirtschaft auf Kuba, deren Delegierte in einer eigenen Arbeitsgruppe über die Probleme des Sektors berieten. So belief sich die Anzahl der „Arbeiter auf eigene Rechnung“ zuletzt im Dezember 2018 auf rund 590.000. Nach Wiederaufnahme der Lizenzausgabe im selben Monat wurden 79.925 neue Gewerbelizenzen ausgegeben, was einem Anstieg von rund 13 Prozent in knapp vier Monaten entspricht. Die Delegierten auf der Sitzung forderten vor allem eine bessere Versorgung mit Großhandelswaren sowie Erleichterungen beim Import von Ersatzteilen für den privaten Transportsektor.

KP-Sekretär José Ramon Machado mahnte Funktionäre von Gewerkschaften und Kommunistischer Partei, die „enge Verbindung mit dem Proletariat“ zu suchen, und die Arbeiter im Privatsektor verstärkt in die Gewerkschaften einzugliedern. Im aktuellen Kontext sei die Einheit der Arbeiterklasse unbedingt notwendig, so Machado.

„Hauptakteure der Wirtschaft“ bekommen mehr Autonomie

Kopf der Reformkommission Marino Murillo (links) und Wirtschaftsminister Alejandro Gill Fernández auf dem Gewerkschaftskongress (Quelle: Cubadebate)

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel indes betonte in seiner Rede auf dem Kongress die bedeutende Rolle der Arbeiter bei der Verwirklichung der „zwei Hauptaufgaben“, womit die Entwicklung der Wirtschaft sowie die Landesverteidigung gemeint sind. Zu ersterer gehört vor allem die anstehende Restrukturierung der Staatsunternehmen, in denen rund zwei Drittel der kubanischen Werktätigen arbeiten. Wie der Leiter der Reformkomission, Marino Murillo, bekannt gab, soll ein Paket aus 22 Maßnahmen die Effizienz der Staatsunternehmen signifikant verbessern, welche laut Murillo die „Hauptakteure der nationalen Wirtschaft“ darstellen.

Als Teil der Maßnahmen soll zunächst eine neue Finanzinstitution geschaffen werden, die sich der Entwicklung der Betriebe annimmt und damit die Liquiditätssituation verbessern helfen soll. High-Tech-Betriebe, welche mindestens ein Viertel Hochschulabsolventen in ihrer Belegschaft zählen und darüber hinaus großen Forschungsaufwand betreiben, sollen spezielle Förderung sowie weitgehende Autonomie im Außenhandel erhalten. Hierzu zählen vor allem Betriebe in den bereits etablierten Branchen Biotechnologie und Medizin, neue Technologieparks zur Entwicklung der Informatik sollen folgen.

Wie der Wirtschaftsminister erklärte, wird die Steuerung der Staatsbetriebe durch die branchenspezifischen Unternehmensaufsichten (OSDE) künftig flexibler ausgestaltet werden. Die Verzahnung universitärer Forschung mit der Produktentwicklung soll vor allem in den High-Tech-Betrieben mittels neuer Strukturen gezielt vorangetrieben werden. Auch für alle anderen Betriebe im Staatssektor gibt es Neuerungen: das Limit für Bonuszahlungen an die Arbeiter bei Planübererfüllung wird von drei auf fünf Monatsgehälter angehoben. Ausländische Direktinvestitionen zur Unterfütterung der Industrieentwicklung sollen mit dem in der neuen Verfassung festgelegten Staatsaufbau schneller und zielgerichteter umgesetzt werden können.

Neue Pensionsgesetze für Kooperativen

Wirtschaftsminister Alejandro Gil Fernández forderte einen „flexiblen Plan, der die wirtschaftliche Verkettung und die Substitution von Importen“ zum Schwerpunkt habe. Die derzeitige schlechte Konjunktur sei „reversibel“, wenn auch nicht kurzfristig. Hierzu müsse sich jedoch „die Art und Weise, wie wir die Dinge erledigen, ändern“. So müssten beispielsweise die Einnahmen von Exportgeschäften schneller eingetrieben werden.

Neuerungen wurden auch für die erstmals 2013 gebildeten Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft (CNoA) vorgeschlagen, von denen es heute 434 mit rund 19.000 Beschäftigten gibt, die meisten davon in Havanna. Diese sollen künftig ihre Rentenfonds nach einer neuen Skala erhöhen können, was die Alterspensionen vor allem für jene verbessern soll, die sich im letzten Drittel ihres Berufsleben für eine Tätigkeit in diesem Sektor entschieden haben.

60 ausländische Gäste aus 16 verschiedenen Ländern waren am Dienstag auf der Abschlusssitzung des kubanischen Gewerkschftskongresses geladen, der alle fünf Jahre stattfindet. „Der Kampf auf wirtschaftlichem Gebiet ist essentiell, und die Arbeiter spielen darin die fundamentale Rolle“, erklärte Politbüromitglied José Ramón Machado Ventura auf der Schlusstagung. Kuba steht aufgrund der jüngsten Verschärfungen der US-Blockade vor turbulenten Zeiten und hat mit empfindlichen Ausfällen der Deviseneinnahmen zu kämpfen. Die wirtschaftliche Situation könne sich „in den kommenden Monaten weiter verschlechtern“, wie KP-Generalsekretär Raúl Castro warnte.

Neue Apps erleichtern den Transport auf Kuba

Mit modernen Apps soll Kubas Transportsektor transparenter werden (Quelle: Habana Trans)

Wenige Monate erst sind seit dem Start des mobilen Internets im sozialistischen Kuba vergangen, und auf der Insel blüht bereits die App-Entwicklung. Vor allem das leidige Thema Transport hat in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der kubanischen Programmierer gewinnen können. „Cuba heute“ stellt vier Smartphone-Apps vor, welche die Beförderung im Land deutlich vereinfachen.

Habana Trans

Busfahren kann in Kubas Hauptstadt Havanna ganz schön kompliziert sein. Den Netzplan sollte man sich als Tourist vorher im Internet ausdrucken. Vor Ort hilft sonst nämlich oft nur fragen und probieren, wenn man eine Busverbindung sucht. Dabei hat Kuba in den vergangenen Jahren kräftig in das Busnetz der Hauptstadt investiert. Noch nutzen nur wenige Besucher den extrem günstigen ÖPNV (eine Fahrt kostet umgerechnet rund 10 Cent). Doch auch die Habaneros selbst sind angesichts der jüngsten Änderungen am Linienplan sowie den neuen Angeboten aus dem Kooperativen Sektor manchmal überfragt, welcher Bus oder welches Sammeltaxi gerade das richtige ist. Abhilfe schafft hier die App Habana Trans. Ob mit dem staatlichen Bus oder dem quietschgelben „Taxi-Rutero“: Die App kennt alle ÖPNV-Verbindungen in der kubanischen Hauptstadt und wird dabei laufend aktualisiert. Diese können auf Wunsch einzeln oder komplett auf einer interaktiven Karte visualisiert werden, womit man einen flexiblen Linienplan in der Tasche hat. Besonders praktisch: die Navigationsfunktion ermittelt die nächste Haltestelle am aktuellen Standort und schlägt dann die entsprechenden Linien vor. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht, weshalb die App auch nicht mit (theoretisch!) minutengenauer Ankunftszeit aufwarten kann wie ihre europäischen Pendants – aber zu wissen wo die nächste Haltestelle ist, welche Linie man nehmen muss und wie das Fahrzeug aussieht, ist eine erhebliche Erleichterung, um in Havanna von A nach B zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

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Bajanda

Uber auf kubanisch! Erst seit wenigen Wochen am Start, kann man mit dem neuen Dienst Bajanda bequem mit dem Taxi durch die Stadt reisen. Dabei kann man sich entweder Orten lassen oder den Startpunkt manuell auf der Karte markieren. Anschließend gibt man sein Ziel ein und innerhalb von wenigen Minuten vermittelt die App einen Fahrer, der auch kleine Gruppen zum vorher festgelegten Preis abholt und befördert. Obwohl erst seit kurzem verfügbar, haben sich bereits ausreichend viele Fahrer registriert, so dass die Taxivermittlung in der Regel innerhalb von wenigen Minuten funktioniert. Gute Neuigkeiten also für jene, die irgendwo im Regen stehen, oder auf dem Heimweg mitten in der Nacht keine Lust auf Verhandlungen mit dem nächstbesten Fahrer haben. Bezahlt wird immer in Cash, wobei perspektivisch auch bargeldlose Bezahlmethoden eingeführt werden sollen. Jeder Fahrer verfügt über eine spezifische Nummer, so dass Verwechslungen ausgeschlossen werden. Optimiert für den kubanischen Markt, soll „Bajanda“ den Entwicklern zu Folge äußerst sparsam mit dem Datenvolumen des Nutzers umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

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Sube

Nach ganz ähnlichem Prinzip wie „Bajanda“ funktioniert die Konkurrenz-App Sube. Die Mitfahrgelegenheiten sind grundsätzlich in ganz Kuba möglich, allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Havanna. Nach kurzer Registrierung ist man binnen weniger Minuten unterwegs. Anders als bei Bajanda gibt es hier allerdings keine Festpreise, sondern die Fahrer machen eigene Preisvorschläge, die man auch ablehnen kann. Zudem verfügt „Sube“ über eine weitere Sicherheitsfunktion: um die Fahrt zu verifizieren, kann der Kunde jederzeit den QR-Code des Fahrers scannen. Sowohl „Sube“ als auch „Bajanda“ scheinen momentan bereits zuverlässig zu funktionieren, allerdings läuft die Vermittlung bei „Bajanda“ manchmal einen Tick schneller. Da beide Apps im Moment noch recht neu sind, kann wohl nur die Zeit zeigen, womit man letzten Endes besser fährt.

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Viajando

Für die meisten Besucher uninteressant, für Kubaner und Ausländer mit Aufenthaltstitel jedoch von großem Interesse: die Bus-App Viajando, welche vor wenigen Tagen als Beta-Version erschienen ist. Die offizielle App der staatlichen Fernbuslinie „Astro“ ermöglicht derzeit nur das finden von Verbindungen und die Anzeige der verfügbaren Plätze. In Zukunft sollen jedoch auch Reservierungen und Ticketkauf bequem per App von überall aus möglich sein. Die Zeit des Schlangestehens und Nummern-ziehens bei  Busreisen könnte also für die Kubaner schon bald vorbei sein. Touristen müssen für die Bus-Reservierungen vorerst jedoch weiterhin mit der Homepage der Buslinie „Víazul“ vorlieb nehmen, wo Fahrkarten nach Registrierung reserviert werden können.

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Fazit

Die App-Entwicklung auf Kuba nimmt an Fahrt auf. Mit neuen Anwendungen für Smartphones versucht sowohl der Staat als auch der Privatsektor die Digitalisierung für mehr Komfort und Transparenz zu nutzen. Der Transportsektor, welcher jeden Tag Millionen Kubaner und Touristen auf der Insel bewegt, spielt hier eine wichtige Rolle. Häufig sind Preise und die genauen Linien nicht sofort ersichtlich. Der Zugang über Handy-Apps kann hier sowohl für Kubaner als auch für Touristen eine echte Erleichterung darstellen.

Seit dem Start des mobilen Internets auf Kuba im Dezember 2018 befindet sich App-Entwicklung der Insel auf der Überholspur. Während „Habana Trans“ bereits auf einige Jahre Entwicklungszeit zurückblicken kann (was man der App deutlich anmerkt), sind die drei anderen Anwendungen erst wenige Wochen alt und müssen sich im Alltag erst noch bewähren. Doch schon jetzt scheinen die Apps gut zu funktionieren, zudem erscheinen für alle der getesteten Anwendungen regelmäßige Updates.

Kuba wird digital. Fast zwei Millionen Kubaner haben sich innerhalb der ersten 12 Wochen für das mobile Internet angemeldet, Tendenz stark steigend. In Havanna und Varadero werden neue 4G-Masten installiert. Durch die späten Investitionen können alte Standards übersprungen werden, Kuba setzt beim Aufbau seiner Netze auf modernste Technik des chinesischen Herstellers Huawei. Wie viele andere Entwicklungsländer könnte die Insel damit rasch wieder den Anschluss an die Digitalinfrastruktur gewinnen und schon bald so manch europäisches Land hinter sich lassen. Die Apps auf Kuba, soviel ist sicher, stehen gerade erst am Anfang.

Havanna wird 4G-Testgebiet

Ein 4G-Sendemast auf Kuba (Quelle: Cubadebate)

Kuba macht ernst beim Ausbau der Internetversorgung. Nach der Aktivierung des mobilen Internets am 6. Dezember auf 3G-Basis soll nun die nächste Generation der Mobildaten Einzug auf der Insel halten. Seit heute läuft dazu der Testbetrieb in Teilen Havannas. Neben der höheren Geschwindigkeit verspricht sich der staatliche Telefonversorger von der 4G-Einführung vor allem eine spürbare Verbesserung der Netzqualität.

Wie ETECSA-Vertreterin Yusnely Llano González gestern erklärte, wurden die Nutzer für den Testlauf automatisch auf Basis ihres Datenverbrauchs ausgewählt. Wer mehr als 2,5 Gigabyte pro Monat an Mobildaten konsumiert, zählt zu den kubanischen Vielsurfern, und bekam eine SMS-Benarichtigung über die Möglichkeit einer kostenlosen Teilnahme am Programm. Momentan gibt es das schnelle LTE-Netz lediglich entlang der Nordküste Havannas sowie im Badeort Varadero, im Laufe des Jahres soll der Ausbau weiter vorangetrieben werden.

Seit Dezember wurden auf Kuba 92 weitere Masten der dritten Generation sowie 44 neue 4G/LTE-Sendeanlagen installiert. Während das kubanische 3G-Netz auf einer Frequenz von 900 Mhz operiert und heute rund zwei Drittel der Bevölkerung abdeckt, werden die LTE-Signale auf dem 1800 Mhz-Band ausgestrahlt. Dieses wird von den meisten aktuellen Handymodellen unterstützt. Technologisch setzt Kuba beim Ausbau des Mobilfunks auf den chinesischen Hersteller Huawei, der in der Branche als Innovationsführer gilt.

Drei Monate nach Inbetriebnahme der Mobildaten haben rund zwei Millionen Kubaner von dem Angebot Gebrauch gemacht. Inzwischen steuern die meisten Kubaner über die Mobildaten das Internet an, während die 830 WiFi-Hotspots an Bedeutung verlieren. Trotz der in Relation zum Durchschnittslohn relativ hohen Preise von 10 CUC für 1 GB erfreut sich das neue Angebot reger Nachfrage. Laut ETECSA kommen jeden Tag rund 45.000 neue 3G-Kunden hinzu.

Dabei haben nicht alle das selbe Nutzungsverhalten. Wie der Anbieter bekannt gab, wurden in den ersten drei Monaten 52 Prozent des Datenverkehrs von lediglich 7 Prozent der Nutzer emittiert, was in Ballungsgebieten mit hoher Nutzerzahl stellenweise zu Leistungseinbußen geführt. Hier soll das 4G-Netz bald für Abhilfe sorgen: während die meisten Nutzer weiterhin mit 3G im weltweiten Netz unterwegs sein werden, können Vielsurfer künftig auf die Daten-Überholspur geschickt werden. Dies soll das 3G-Netz deutlich entlasten und damit zu besserer Leistung für alle führen.