Fidel Castro trifft Japans Außenminister

Fidel Castro und Fumio Kishida

Fidel Castro und Fumio Kishida (Quelle: EFE)

Havanna. Japans Außenminister Fumio Kishida ist im Rahmen eines Arbeitsbesuchs in Kuba auch mit dem ehemaligen Staats- und Regierungschef Fidel Castro zusammengekommen. Zuvor hatte er sich mit dem amtierenden Präsidenten Raúl Castro getroffen. Der erste Besuch eines japanischen Außenministers in Kuba endete am Sonntag.

Nach Angaben der kubanischen Tageszeitung Juventud Rebelde war Kishido am Samstagnachmittag in Fidel Castros Privathaus im Osten der Hauptstadt Havanna zu Gast. Japans Chefdiplomat war am Mittwoch zu einem mehrtägigen Besuch in Kuba eingetroffen. Zuvor war er in den USA, wo er unter anderem vor dem Kongress in Washington eine Rede hielt. In beiden Staaten wurde Kishido von rund zwei Dutzend Unternehmern begleitet, vor allem aus der Automobilindustrie und dem Finanzsektor.

Das Interesse Japans an Kuba hängt auch mit der Annäherung zwischen den USA und dem sozialistischen Inselstaat zusammen. „Der Fortschritt in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba ist sehr wichtig“, sagte Ken Okinawa, der Pressesprecher des japanischen Außenministers. Der Delegation gehe es darum, in der neuen Situation die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Kuba voranzubringen.

Nach Berichten internationaler Medien sind japanische Industrieunternehmen vor allem an Investitionen in die Nickel- und Kobaltförderung in Kuba interessiert. Auch der Tourismus scheint für Japan ein interessantes Investitionsfeld zu sein.

von Christian Kliver / Amerika21

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Spanien will wirtschaftliche Präsenz in Kuba ausbauen

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Hoher Besuch aus Übersee: Der spanische Handelssekretär Jaime García-Legaz (mitte), begleitet vom Vizepräsident der spanischen Geschäftsorganisationen, Joaquim Gay Montella (rechts) und Modesto Piñeiro (links), stellvertretender Vorsitzender der spanischen Handelskammer (Quelle: EFE)

Eine Delegation aus 45 spanischen Unternehmern ist vergangenen Dienstag in Havanna eingetroffen, um sich über neue Investitionsmöglichkeiten in Kuba zu informieren. Angeführt wurde die Gruppe vom spanischen Staatssekretär für Handel, Jaime García-Legaz. Während Spaniens Wirtschaftsministerium vor kurzem neue Kredite für Geschäfte mit der Insel genehmigt hat, bekundeten die Unternehmer vor Ort ihr Interesse an den vorgestellten Investitionsprojekten. Spanien will an der „vordersten Front der Veränderungen“ in Kuba stehen, sagte García-Legaz am Dienstag.

Kubas wichtigster Handelspartner in Europa

„Spanische Firmen wollen die Insel im aktuellen Veränderungsprozess begleiten und Nutzen aus den neuen Möglichkeiten ziehen, die sich in Kuba eröffnen“, sagte der Staatssekretär gegenüber den Medien und fügte hinzu: „Spanien hat die kubanische Regierung über sein Interesse informiert, die bilateralen Beziehungen auf eine breitere Basis zu stellen.“ Die ehemalige Kolonialmacht ist nach Venezuela und China heute Kubas drittwichtigster Handelspartner. Mehr als 200 spanische Firmen sind derzeit auf der Insel präsent, während der Warenaustausch zwischen beiden Ländern im letzten Jahr bei über einer Milliarde Euro lag – 38% des gesamten Handelsvolumens zwischen Kuba und der EU.

Spanien hat mit dem jüngsten Arbeitstreffen in Havanna sein Interesse an einer Vertiefung dieser Geschäftsbeziehungen bekäftigt. Zu den Teilnehmern der Delegation zählten unter anderem der Vizepräsident der spanischen Geschäftsorganisationen (CEOE), Joaquim Gay Montella sowie Modesto Piñeiro, stellvertretender Vorsitzender der spanischen Handelskammer. Delegationsleiter Jaime García-Legaz war seit dem Besuch von Außenminister José Manuel García-Margallo vergangenen November der höchstrangige spanische Regierungsgast auf der Insel. Verganges Jahr hatte Spanien bereits angekündigt, seine Beziehungen zu Kuba „normalisieren“ zu wollen.

Als Teil des zweitägigen Besuchs stand neben einer Besichtigung der neuen Sonderwirtschaftszone von Mariel auch die Teilnahme an einem von der kubanischen Handelskammer organisierten Geschäftsforum auf dem Programm. Dort stellten die Kubaner ihre aktualisierten Gesetze über ausländische Direktinvestitionen vor, die von den Gästen positiv aufgenommen wurden. Kuba habe eine offenere rechtliche Grundlage mit einer ganzen Reihe neuer Möglichkeiten geschaffen, kommentierte García-Legaz. „Das heißt nicht, dass sich alles schlagartig von null auf hundert entwickelt hat, aber es stimmt dass sie Dinge wie Firmen mit 100 Prozent spanischem Kapital erlauben“, sagte der Staatssekretär.

Neben Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca waren zahlreiche hochrangige kubanische Regierungsvertreter auf dem Geschäftstreffen anwesend, darunter Zentralbankchef Ernesto Medina. Die Kubaner stellten auf dem Forum einige der neuen Investitionsmöglichkeiten vor, insbesondere die Tourismusindustrie stieß auf das Interesse der Gäste. Die Mehrzahl der spanischen Joint-Ventures arbeitet im Tourismussektor. Die Hotelketten Mélia und Iberostar betreiben über 90 Prozent der Hotels auf der Insel in den Kategorien zwischen vier und fünf Sternen. Kuba plant die verfügbaren Übernachtungskapazitäten bis 2020 um gut ein Drittel aufzustocken und sucht hierfür ausländische Partner.

Streichung von US-Terrorliste bringt Erleichterungen

Auch Sektoren wie Transport, Infrastruktur, Telekommunikation und erneuerbare Energien weckten das Interesse der Unternehmer. Spanien will seine Präsenz in Kuba nicht nur ausbauen, sondern auch diversifizieren. García-Legaz gab noch während seines Besuchs auf der Insel zwei neue Investitionsvorhaben auf Kuba bekannt: Ein Projekt zur Errichtung einer Bierfabrik und ein weiteres Projekt zur Errichtung einer Fabrik für Baumaterialien und sanitäre Anlagen. Deborah Vives vom kubanischen Außenhandelsministerium erklärte indes, dass angesichts des großen Investitionsbedarfs in Kuba auch kleinere und mittelständische Unternehmen gefragt seien. In der Vergangenheit hat man sich in Havanna verstärkt auf Deals mit Großkonzernen konzentriert.

Bislang stellt neben dem Handelsembargo auch die Nennung Kubas in der US-Terrorliste eine Belastung für die Geschäftsbeziehungen der Insel dar. Nach der Ankündigung von US-Präsident Obama, Kuba von der Liste streichen zu wollen, stellte das spanische Wirtschaftsministerium bessere Rahmenbedingungen für Projekte mit der Insel in Aussicht. Neben öffentlichen Fonds wollen auch private spanische Banken einfacher Kredite an Unternehmen vergeben, die in Kuba investieren. Die Insel schuldet dem spanischen Kreditinstitut CESCE etwa 2,3 Milliarden Euro, weshalb dieses seit dem Jahr 2000 keine Investitionen mehr gedeckt hat. Im Zuge der fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem Pariser und dem Londoner Club, Kubas wichtigste Gläubiger, sollen allerdings wieder neue Mittel freigegeben werden.

Nach der angekündigten Streichung des Landes von der US-Terrorliste hat die „Banco de España“ ihre Sanktionen gegen Kuba ebenfalls aufgehoben. Der Zugang zu internationalen Krediten dürfte für das Land in Zukunft einfacher werden, wovon nicht nur spanische Investoren profitieren werden. Kuba wiederum hat einigen spanischen Unternehmen, die dem Land auch in schlechten Zeiten die Treue gehalten haben, Kompensationsmittel für Teile der verhängten US-Sanktionen angeboten. Die kubanische Regierung habe damit unterstrichen, „dass sie Firmen, die hier in schwierigen Jahren gearbeitet haben, nicht vergessen werden“, sagte García-Legaz über den Schritt.

Fazit

Der jüngste Besuch der spanischen Unternehmerdelegation war für Kuba eines der wichtigsten Geschäftstreffen der letzten Jahre. Die spanischen Firmen zeigten sich optimistisch gegenüber den Investitionsbedingungen in Kuba und planen ihre Präsenz auf der Insel zu verstärken, um weiterhin an der Spitze der ausländischen Partner zu stehen. Auch die spanische Regierung unterstützt diesen Schritt, indem sie den Unternehmen mit neuen Krediten entgegenkommt. Zusammen mit den kubanischen Partnern werde man laut García-Legaz bereits „in den kommenden Monaten“ neue Projekte ins Rollen bringen. Spanien will damit eine neue Etappe der „kontinuierlichen und intensiven“ Beziehungen mit dem sozialistischen Inselstaat einleiten.

Kuba erweitert Hafen von Santiago de Cuba

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Bis 2018 soll der Hafen von Santiago de Cuba ausgebaut werden (Quelle: Panoramio)

In den vergangenen Tagen hat der Ausbau des Hafens von Santiago de Cuba begonnen. Der „Puerto Guillermón Moncada“ ist der zweitgrößte Frachthafen Kubas und soll bis 2018 ein neues Containerterminal bekommen, um die vorhandenen Kapazitäten zu steigern und damit den Handel im gesamten Oriente zu verbessern. Nach dem Hafenausbau von Mariel, wird nun auch in der östlichen Metropole Santiago ein modernes Containerterminal entstehen, das um ein Industriegebiet ergänzt wird.

Mit Hilfe einer chinesischen Baufirma wird in den kommenden Jahren ein Mehrzweck-Terminal errichtet, das mit Hilfe dreier Landestege Schiffe auf einer Länge von 231 Metern aufnehmen kann. Durch das Ausbaggern der Bucht sollen künftig Schiffe mit bis zu 40.000 Tonnen Fracht und 14 Metern Tiefgang entladen werden können, bisher können nur Schiffe bis zu 20.000 Tonnen in Santiago andocken. In Zukunft soll der jährliche Warenumsatz des Hafens auf 565.000 Tonnen gesteigert werden.

Zusätzlich zum Hafen wird auf dem Gelände ein Industriegebiet von mindestens 10 Hektarn Größe entstehen, welches potentiell zu einer neuen Sonderwirtschaftszone werden könnte. Zwei neue Lagerhäuser und modernste Logistiktechnologie sollen den Warenaustausch effizienter und kostengünstiger machen. Zudem erhält das neue Terminal ebenso wie in Mariel direkten Anschluss an das Schienennetz.

Mit der Hafenerweiterung will Kuba wesentliche Konzepte des Projekts von Mariel im kleineren Maßstab für den Oriente verfügbar machen. Verantwortliche Ingenieure erklärten gegenüber der kubanischen Nachrichtenagentur ACN, dass mit dem neuen Terminal ein zentraler Warenumschlagsplatz für alle östlichen Provinzen des Landes entstehen soll, der auch den Binnentransport in Kuba erleichtern wird. Vor einigen Wochen kamen bereits die ersten chinesischen Ingenieure an, um das Gelände vor Ort zu begutachten. Das 120-Millionen Dollar Projekt soll bis Anfang 2018 fertig sein und wird mit Hilfe chinesischer Kredite finanziert.

Kuba plant Reifenfabrik in Mariel

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Zukünftiger Industriepark in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Computergrafik) (Quelle: Cubastandard)

Mariel, Kuba. In der kubanischen Hafenstadt Mariel sollen ab 2015 die ersten Joint-Ventures in der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone ihre Arbeit aufnehmen. Seit im November 2013 ein zuständiges Büro eröffnet wurde, das die wirtschaftlichen Kontakte koordiniert, sind dutzende Vorschläge eingetroffen, von denen sich über 30 derzeit in der Verhandlung befinden. Darunter auch die Errichtung einer Reifenfabrik, für die jetzt chinesische und russische Partner gefunden werden konnten. Dies meldete die kubanische Nachrichtenagentur ACN.

Das russische Mineralölunternehmen Tatneft mit einem jährlichen Umsatz von 18,9 Milliarden US-Dollar will zusammen mit kubanischen Partnern ein Joint-Venture in Mariel gründen. Die Investitionssumme für die neue Fabrik beträgt 223 Millionen US-Dollar. Sie soll mindestens 1,2 Millionen Reifen pro Jahr sowohl für Automobile als auch für LKWs herstellen. Auf Kuba werden jährlich etwa 800.000 Reifen benötigt. Die restliche Produktion soll in den Export gehen.

Kuba muss bereits seit zehn Jahren Reifen importieren, da die heimische Industrie den Bedarf nicht annähernd decken kann. Dies könnte sich nun kurzfristig ändern. Zusätzlich zu der Fabrik in Mariel schlägt die kubanische Seite die Modernisierung zweier Reifenfabriken in den Provinzen Havanna und Mayabeque vor, die mit Hilfe der Sowjetunion errichtet worden waren. Hier soll nach Möglichkeit auch wieder russische Technik zum Einsatz kommen, um die bestehenden Anlagen zu modernisieren.

Die Finanzierung der Projekte soll derweil durch chinesische Kredite abgesichert werden, die Präsident Xi Jinping bei seinem letzten Besuch in Havanna im Juli zugesichert hat. Vor wenigen Tagen hat Kuba sein neues Investitionsportfolio vorgestellt, in dem 246 Projekte mit einer Gesamtsumme von 8,7 Milliarden US-Dollar vertreten sind, darunter auch die erwähnte Reifenfabrik. Kuba plant damit jährlich mindestens zwei Milliarden US-Dollar an Investitionsmitteln zu gewinnen.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kuba intensiviert Freundschaft mit Vietnam und China

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Besuch der kubanischen Delegation in Hanoi am 10. September 2014 (Quelle: Vietnamnet)

Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla traf am 9. September zu einem dreitätigen Besuch auf Einladung seines vietnamesischen Amtskollegens Pham Binh Minh in Hanoi ein. Am darauffolgenden Tag traf sich der Minister mit Tan Dung, dem Generalsekretär der regierenden kommunistischen Partei Vietnams. Dort fanden eine Reihe bilateraler Verträge ihren Abschluss, die beim Besuch von Premierminister Tan Dung Kuba im März dieses Jahres in Havanna vorbereitet wurden.

Bewährte Freundschaft mit Vietnam

Auf Seiten der Kubaner erschien Raúl Castro zuletzt im Juli 2012 Vietnam, gefolgt vom Besuch des Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel im Juni 2013. Das Verhältnis beider Länder ist stark freundschaftlich geprägt, nicht zuletzt durch Kubas Solidarität im Vietnamkrieg und auch schon während des vietnamesischen Unabhängigkeitskampfes. Im kommenden Jahr werden die diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und Vietnam ihr 55. Bestehen feiern. Heute werden auf Ebene der Vizepräsidenten jährlich koordinierende Gespräche zwischen beiden Regierungen abgehalten.

Bei dem Besuch hob Parilla Vietnams positive Rolle in der Bewegung der Blockfreien und in der UN hervor. Kuba wisse die Solidarität Vietnams in den letzten Jahren zu schätzen, so der Außenminister. Vietnams Parteichef lobte derweil Kubas Erfolge bei der Umsetzung der vom VI. Parteitag in Gang gesetzten Reformen in dem sozialistischen Bruderland und schlug vor, praktische Maßnahmen zu beschließen um die Freundschaft zwischen den beiden Völkern gerade in der jungen Generation stärker zu vermitteln.

Der jährliche Handel zwischen Vietnam und Kuba liegt bei etwa 200 Millionen US$. Das asiatische Land liefert Kuba 200.000 Tonnen Reis pro Jahr und unterstützt die Insel gleichzeitig bei der Wiederbelebung der eigenen Reisproduktion. Beide Länder haben bei dem jüngsten Treffen in Hanoi zahlreiche bilateralen Verträge unterzeichnet, darunter in den Sektoren Telekommunikation, Baumaterialien, Elektronik und Medizin. Vietnam ist unter anderem an einem neuen kubanischen Impfstoff gegen Meningitis A und B interessiert, der letztens erfolgreich erprobt wurde.

Vietnams Landwirtschaftsministerin Cao Duc Phat versichterte den Kubanern, dass die Zusammenarbeit bei der Verarbeitung von Fisch und beim Kaffeeanbau ebenfalls ausgeweitet werde. Bereits wenige Tage zuvor war Kubas Minister für Außenhandel und ausländische Investitionen, Rodrigo Malmierca Diaz, in Vietnam zu Gast. Dort referierte er auf einem Seminar für vietnamesischen Unternehmer über die Möglichkeiten von Kubas neuer Sonderwirtschaftszone in Mariel. Er erklärte, sein Land werde „spezielle Begünstigungen“ für vietnamesische Investitionen in Kuba entwickeln und ausbauen.

Erstes Theorieseminar in 54 Jahren

Etwa zur selben Zeit weilte Mercedes López Acea, Vorsitzende der PCC für die Stadt Havanna, zu einem Theorieseminar in China. Bei der Veranstaltung wurde die Rolle der Partei innerhalb der sozialistischen Gesellschaft diskutiert. Sie war das erste gemeinsame Theorieseminar zwischen beiden KPs seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 54 Jahren. López, die ebenfalls Mitglied in Politbüro und Staatsrat ist, traf in Peking den Vorsitzenden der KPCh für die chinesische Hauptstadt und Mitglied des Politbüros, Guo Jinlong.

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Raúl Castro und Xi Jinping in Santiago de Cuba im Juli 2014 (Quelle: Cubadebate)

López erklärte, dass Seminar diene dem Zweck des Erfahrungsaustausches zwischen beiden Parteien, um die Rolle der Partei im Kontext der Veränderungen die sich in Kuba und China ereignen, zu diskutieren. Kubas KP müsste sich gut auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten, die Gespräche mit den chinesischen Funktionären seien „nützlich und erfolgreich“. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zitiert sie mit dem Satz: „Kuba aktualisiert derzeit aktiv sein Wirtschaftssystem und ist bereit, über den Austausch zwischen den kommunistischen Parteien von China zu lernen, um gemeinsam in der sozialistischen Sache voranzuschreiten.“

Nach dem Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping im Juli dieses Jahres in Havanna haben die beiden Länder ihre Zusammenarbeit weiter vertieft. China gewährte Kuba unter anderem einen neuen Kredit in Höhe von über 100 Millionen US$ zur Erneuerung des Hafens von Santiago de Cuba. Dieser soll ein neues Dock von 200 Metern Länge bekommen und dank neuer Ausrüstung auch moderne Containerschiffe entladen können. Er wäre dann Kubas zweiter Tiefseehafen nach Mariel. China ist einer der wichtigsten Handelspartner Kubas. Der Handel mit der Volksrepublik lag im letzten Jahr bei 1,88 Milliarden US$.

Neue Subventionspolitik für Bauvorhaben

Am 6. Mai erschien in der Granma ein Artikel, der die Erweiterung der bisherigen Subventionsrichtlinien für private Bauvorhaben bekanntgab. Seit Januar 2012 werden in Kuba Kredite für den Neubau und die Renovierung von Häusern vergeben, die bevorzugt Opfern von Naturkatastrophen und finanziell schlecht gestellten angeboten werden. Bis zum Sommer 2012 haben bereits mehr als 47.000 Kubaner diese Möglichkeit wahrgenommen, nun soll auch die gezielte Subvention von Baumaterialien die im Rahmen dieser Kredite erworben werden können erweitert werden. Bis zum März 2013 wurden bisher 566 Millionen CUP (22,6 Mio. US$) für die Subvention von Materialien ausgegeben.

Nun beschloss der Ministerrat, wie bereits letzten Parlamentssitzung angekündigt, die Transportkosten ebenfalls in die Subvention mit aufzunehmen und damit die maximal mögliche Kreditsumme von 80.000 (3.200 US$) auf 85.000 CUP (3.400 US$) zu erweitern. In Erdbebengebieten können von nun an bis zu 90.000 CUP (3.600 US$) beantragt werden. Außerdem lassen sich jetzt die Kosten für die Inspektion des Bauvorhabens durch den Baukredit selbst tragen, bisher mussten diese bürokratischen Formalia vor der Ausgabe des Kredits nachgewiesen werden, so dass viele ärmere Familien vollkommen ausgeschlossen waren.

Von den Krediten können mit der Neufassung ab sofort nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Mieter von staatlichen Immobilien profitieren, allerdings dürfen diese dann keine Erweiterungen, sondern nur Sanierungen durchführen. Davon dürfte insbesondere das private Kleingewerbe in den Städten profitieren, die ihre Geschäfte nun leichter instandhalten können. Die Subventionen werden bisher durch denVerkauf von Baumaterialien in Devisen refinanziert, deren Sortiment soll ebenfalls erweitert werden. In der Granma wurden die Maßnahmen in den Kontext des VI. Parteitags gestellt, an dem bekräftigt wurde, dass auch künftig keiner in der Gesellschaft ohne Schutz sein soll.

Diese begrüßenswerte Maßnahme zeigt die Verschiebung des Fokus der Regierung von staatlichem Wohnungsbau hin zu mehr Privatinitiative in diesem Sektor. Sie ist auch bitter nötig: Das permanente Wohnungsdefizit Kubas wird auf über 600.000 Einheiten geschätzt – hinzu kommen die regelmäßigen Verluste durch Hurricanes und der allgemein schlechte Sanierungsstand vieler Gebäude. Durchschnittlich wurden von 2000 bis 2005 etwa 30.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt, davon etwa die Hälfte aus staatlicher Initiative. Als im Jahr 2006 ein großes Wohnungsbauprogramm angekündigt wurde entstanden in diesem Jahr zunächst 111.000 neue Wohnungen, interessanterweise wurden 78.000 davon auf privater Initative errichtet, nur 30.000 vom Staat (der Rest auf genossenschaftlicher Basis). Seitdem ist diese Zahl allerdings kontinuerilich gesunken, von zunächst 53.000 im Jahr 2007 hat sie sich in den letzten 3 Jahren auf wenig mehr als 30.000 neue Wohneinheiten pro Jahr eingependelt.

27,5% der Wohnungen wurden 2011 auf private Initative errichtet, 2012 waren es bereits 28,9%. Doch etwas spricht dafür, dass sich daran bereits in diesem Jahr einiges ändern könnte: Im Haushaltsgesetz für 2013 ist nämlich eine bemerkenswerte Erhöhung der Ausgaben für den Wohnungsbau um 213% vorgesehen, was eine Aufstockung der Summe von 8,5 auf 18,3 Millionen US$ bedeutet. Das nun die geamten ausgezahlten Kredite weit höher sind als das Staatsbudget für Wohnungsbau lässt sich nur so erklären, dass diese unter einen ganz anderen Posten fallen und an dieser Stelle nur der staatliche Wohnungsbau gemeint ist. Steht also womöglich doch eine Wiederbelebung des staatlichen Baugewerbes in diesem Jahr bevor? Was auch immer wir sehen werden: Das Wohnungsproblem wird nun endlich wieder angegangen.

Russland „erlässt“ Kuba 35 Mrd. US$ Schulden

Nach der Ankunft des russischen Premierminister Medwedew in Havanna, wurden eine Reihe bilateraler Verträge auf beiden Seiten abgeschlossen, darunter eine ökonomische Agenda, die zehn Punkte umfasst und auf die Ausweitung der unterschiedlichsten Felder der Kooperation zielt. Wohl einer der interessantesten Punkte ist der Flugzeug-Deal (über den hier neulich berichtet wurde) sowie der Erlass der kubanischen „Altschulden“ aus der Zeit des kalten Krieges:

  1. Kuba erhält Flugzeuge im Wert von 650 Millionen US$, allerdings wohl hauptsächlich auf Leasingbasis mit Kaufoption. Insgesamt handelt es sich um acht Flugzeuge: drei An-158, drei IL-96-300 sowie zwei Tu-204SM.
  2. Die kubanische Verschuldung bei Russland beträgt derzeit beachtliche 35 Milliarden US$. Dazu der Pravda-Artikel:

    We have to coordinate all procedures inside the countries first before we sign the final agreement, which will take effect and determine the amounts and proportions of restructuring and writing-off the debt.“

    The minister assured that it will happen „before the end of the year for sure.“ „I think that the term that we have agreed on – six months – will be enough to finalize the formalities,“ he added.

    Die Schulden werden also nicht vollständig erlassen, sondern sollen teilweise innerhalb von 10 Jahren refinanziert werden, was natürlich Joint-Ventures sowie Investitionen in die Wirtschaft des Landes nahelegt. Diese Vorgehensweise ist für Russland übrigens keineswegs neu, das Land erließ zuletzt knapp 90 Prozent der nordkoreanischen Schulden aus Zeiten des kalten Krieges (ca. 10 Milliarden US$), der Rest soll ebenfalls durch Investitionen refinanziert werden.