Kuba schickt Hilfsbrigade nach Haiti

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Die Brigade Henry Reeve vor dem Abflug (Quelle: Granma)

Kuba hat seine Hilfsbrigade „Henry Reeve“ nach Haiti geschickt, wo Hurrikan Matthew vor wenigen Tagen schwere Schäden angerichtet hat. Nach letzten Angaben kamen in Haiti in Folge des Sturms über 900 Menschen ums Leben. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe durch das Auftreten einer Cholera-Epidemie.

Rückkehr der Cholera in Haiti

Die Brigade „Henry Reeve“ wurde im Jahr 2005 gegründet. Die aktuelle Delegation besteht aus 38 Ärzten und Gesundheitsspezialisten. Sie sollen die über 600 bereits im permanenten Einsatz befindlichen kubanischen Ärzte in Haiti bei der Katastrophenhilfe unterstützen. Die Helfer starteten am Freitag gegen 11:30 Uhr Ortszeit von Havanna aus in die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince.

Dort ist die Lage weiter angespannt. Im Südwesten der Insel gab es am Samstag einen erneuten Cholera-Ausbruch, bei dem laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits 13 Menschen ums Leben kamen. Viele Kliniken in Haiti wurden durch den Sturm zerstört, es mangelt vielerorts an medizinischem Personal und sauberem Trinkwasser.

„2016 wurden über 27.000 Cholerafälle in Haiti gemeldet und über 240 Menschen sind gestorben. Es wird befürchtet, dass Hurrikan Matthew die Situation deutlich verschlimmert und das Risiko eines größeren Ausbruchs erhöht“, sagte der Central Emergency Respond Fund der Vereinten Nationen in einem Statement.

Wiederaufbau in Baracoa

Kuba hat selbst an den Folgen von Hurrikan Matthew zu leiden, der am Dienstag zahlreiche Gemeinden der Provinz Guantánamo verwüstet hat. Mehr als eine Millionen Menschen wurden im Vorfeld durch die Behörden evakuiert. Obwohl keine menschlichen Verluste zu beklagen waren, sind tausende Gebäude von den Schäden betroffen.

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Auch in Kuba laufen derzeit die Aufbauarbeiten nach dem Hurrikan wie hier in der Nähe von Baracoa (Quelle: Granma)

Seit Freitag ist die am schwersten betroffene Stadt Baracoa wieder auf dem Landweg erreichbar. Die Bergstraße, welche Baracoa mit Guantánamo verbindet, war durch Erdrutsche und Einbrüche tagelang unpassierbar. Am selben Tag konnte auch die Festnetz- und Mobiltelefonie repariert werden. Derzeit arbeiten mehrere Hilfsbrigaden aus den benachbarten Provinzen an der Wiederherstellung der Strom- und Trinkwasserversorgung.

Nach einem vorläufigen Bericht des kommunalen Verteidigungsrats sind in Baracoa 9.210 Wohngebäude von den Schäden betroffen, was etwa 70 Prozent aller Wohngebäude der Stadt entspricht. Mehr als 5.000 von ihnen wurden komplett zerstört. Mehr als 4.000 Dächer wurden komplett zerstört, über 3.000 beschädigt. Zur Stunde sind nach Behördenangaben bereits 7.000 Dachplatten aus Faserzement in der Stadt eingetroffen, deren Verteilung bereits begonnen hat.

Über 90 Prozent der Strommasten und Transformatoren sind als Totalverluste gemeldet und müssen ersetzt werden, was laut Angaben des Energieversorgers UNE bis zu 20 Tage in Anspruch nehmen kann. Derzeit werden bereits Stromgeneratoren aufgebaut, damit in einem ersten Schritt zunächst die Bäckerei der Stadt ihre Arbeit wieder aufnehmen kann.

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Kuba stärkt Beziehungen zu den Karibikstaaten

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Teilnehmer am fünften Gipfel „CARICOM-Kuba“ in Havanna (Quelle: ACN)

Havanna. Vergangenes Wochenende fand in Havanna der fünfte Gipfel „CARICOM-Kuba“ in Havanna statt. Die Staats- und Regierungschefs der 15 Mitgliedsstaaten trafen sich in Kubas Hauptstadt, um die Beziehungen der karibischen Gemeinschaft mit Havanna zu besprechen.

Kubas Präsident Raúl Castro betonte in seiner Eröffnungsrede: „Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verpflichten uns zum Zusammenschluss, um Naturkatastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels gemeinsam begegnen können.“ Castro bekräftigte den Willen seines Landes zur Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft, um die soziale Entwicklung in der Region zu unterstützen.

In der Schlusserklärung betonten die Vertreter der CARICOM Kubas konstruktive Rolle nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010. Die Erarbeitung eines umfassenden Kooperationsprogramms für die Zeit nach 2015 wurde ebenfalls beschlossen. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet soll die Zusammenarbeit vertieft werden. Raúl Castro forderte die Erneuerung und Überarbeitung des Freihandelsabkommens mit der Gemeinschaft, das derzeit knapp 300 Produkte umfasst. Die Bedeutung der neuen Sonderwirtschaftszone und des neuen Investitionsgesetzes in Kuba wurde dabei in die Schlusserklärung mit aufgenommen.

Die Karibische Gemeinschaft wurde am 4. Juli 1973 gegründet und umfasst 15 karibische Staaten mit insgesamt 16,7 Millionen Einwohnern, darunter Jamaica, Grenada, Haiti und die Bahamas. Kubas selbst ist nicht Mitglied der Gemeinschaft, unterhält aber enge Handelsbeziehungen. Der erste CARICOM-Kuba Gipfel fand im Jahr 2002 ebenfalls in Havanna statt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Die Abwanderung von Fachkräften aus Kuba

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Hunderte kubanische Ärzte werden für den Kampf gegen Ebola ausgebildet (Quelle: El Nuevo Herald)

Übersetzung eines Editorials aus der New York Times vom 17. November 2014. Deutsche Übersetzung durch Klaus Lehmann / Amerika21

US-Außenminister John Kerry und die US-amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, haben den Beitrag kubanischer Ärzte gelobt, die in Westafrika Ebola-Patienten betreuen. Die Zentren zur Kontrolle und Vorbeugung von Krankheiten, eine US-Bundesbehörde, entsandte kürzliche einen Funktionär zu einem von der kubanischen Regierung in Havanna organisierten Treffen, um den Kampf gegen die Epidemie zu koordinieren. In Afrika arbeiteten die kubanischen Ärzte in Einrichtungen, die von den Vereinigten Staaten errichtet worden waren. Das Virus hatte den unerwarteten Effekt einem unnötigerweise vergifteten Verhältnis gesunden Menschverstand einzuimpfen.

Trotzdem könnten die Ärzte, die in Westafrika arbeiten, heute einfach ihre Verpflichtungen hinter sich lassen, sich ein Taxi zur nächstgelegenen US-Botschaft nehmen, um mittels eines Programms, das bereits tausende von Desertionen ermöglicht hat, einen Migrationsstatus zu beantragen. Wird ihnen dieser gewährt, können sie in ein paar Wochen in die Vereinigten Staaten einreisen, um in wenigen Jahren zu US-Bürgern zu werden.

Es gibt viele verurteilungswürdige Aspekte der fehlgeschlagenen politischen Strategien der Vereinigten Staaten in Bezug auf Kuba und das seit Jahrzehnten gegen die Insel verhängte Embargo. Aber das Programm, das medizinisches Personal während offizieller Einsätze im Ausland zur Abwanderung anstiftet, ist besonders schwer zu rechtfertigen. Während des kürzlich zu Ende gegangenen Fiskaljahres hat mit 1.278 medizinischen Fachkräften eine Rekordzahl die Einwanderungsgenehmigung erhalten.

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Anzahl der kubanischen Ärzte, die während einer Auslandsmission in die USA eingebürgert wurden (Quelle: The New York Times)

Es unvereinbar, dass die Vereinigten Staaten die Beiträge der von der Regierung zur Hilfe bei Krisen in der Welt entsandten kubanischen Ärzte würdigt, wie zum Beispiel anlässlich des Erdbebens in Haiti im Jahre 2010 geschehen, während sie zugleich versuchen, den Staat zu destabilisieren, in dem sie Desertionen fördern.

Das US-amerikanische Einwanderungssystem muss den verwundbarsten Flüchtlingen und Verfolgten der Welt Vorrang einräumen, darf sich jedoch nicht dazu benutzen lassen, die Abwerbung von Fachkräften aus einem gegnerischen Land zu verstärken, insbesondere dann, wenn die Verbesserung der Beziehung zwischen den Ländern ein gangbares und vernünftiges Ziel ist.

Das von der Regierung aufgelegte Programm startete im August 2006, als Emilio González, ein strikt gegen die Regierung der Insel opponierender Exilkubaner, an der Spitze der Einwanderungs- und Ausländerbehörde der Vereinigten Staaten stand. González beschrieb die Arbeitsbedingungen der Ärzte als „staatlich sanktionierten Menschenhandel“. Zu jener Zeit betrieb die Bush-Administration auf allen Ebenen Sabotage gegen die kubanische Regierung. Die Erleichterung der Abwerbung von Ärzten, die an Auslandsmissionen teilnehmen, stellt eine Gelegenheit dar, das diplomatische Hauptwerkzeug der Insel zu attackieren und die Regierung der Castros zu demütigen.

Kuba nutzt schon seit vielen Jahren seine Medizinerbrigaden als Haupteinnahmequelle und Überzeugungsmacht. Die Insel besitzt eine der höchsten Pro-Kopf-Raten von Ärzten in der Welt und vergibt jedes Jahr Stipendien für Studiengänge im Gesundheitsbereich an hunderte ausländische Studenten. Darunter waren auch schon einige US-Amerikaner. Zahlen der kubanischen Regierung zufolge sind über 440.000 der insgesamt elf Millionen Einwohner des Landes im Gesundheitssektor beschäftigt.

Havanna bezieht subventioniertes Erdöl aus Venezuela und erhält von verschiedenen Ländern Geld als Entlohnung für geleistete medizinische Versorgung. Im laufenden Jahr rechnet die Regierung, der staatlichen Tageszeitung Granma zufolge, mit Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar für die medizinische Tätigkeit ihres Personals im Ausland. Die große Mehrheit derjenigen, die im Moment im Einsatz sind (insgesamt etwa 46.000) arbeitet in Lateinamerika und der Karibik. Etwa 4.000 von ihnen sind auf 32 afrikanische Länder verteilt.

Die medizinischen Fachkräfte erhalten, wie die Mehrheit der Kubaner, geringe Gehälter. In diesem Jahr hat die Regierung die Löhne der Gesundheitsarbeiter erhöht. Ärzte verdienen jetzt etwa 60 US-Dollar und Krankenpflegekräfte 40 US-Dollar im Monat. Die Zuweisungen im Ausland stellen eine Gelegenheit dar, substanziell mehr zu verdienen. Die Ärzte, die zurzeit in Brasilien arbeiten, verdienen zum Beispiel etwa 1.200 US-Dollar monatlich.

Die 256 medizinischen Fachkräfte, die die Ebolapatienten in Westafrika betreuen, erhalten tägliche Zuweisungen von etwa 240 Dollar von Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). José Luis Di Fabio, der Leiter der WHO-Mission in Havanna sagte, dass die Ärzte und Pflegekräfte in Afrika aus eigener Entscheidung dorthin gereist seien. „Es handelt sich um Freiwillige“, sagte er während eines Interviews: „Es gab einige, die ihre Zusage zurückgezogen haben und das war kein Problem.“

Einige Ärzte, die desertiert sind, sagen, dass die Auslandszuweisungen eine stillschweigende Zwangskomponente enthielten und haben sich darüber beklagt, dass die kubanische Regierung den größten Teil des Geldes, den ihre Dienstleistungen erbringen, abkassiere. Trotzdem sagt das US-Außenministerium in seinem jüngsten Bericht über Menschenhandel, dass der vorgebliche Zwang gegenüber kubanischen Medizinfachkräften „keine einheitliche Politik der Regierung wiederzuspiegeln scheint“. Auch wenn dies so sein mag, könnte Havanna sein Personal im Ausland in großzügigerer Weise entlohnen, wo doch die Gesundheitsbrigaden weiterhin eine wichtige Einnahmequelle bilden werden.

Im vergangenen Jahr flexibilisierte die kubanische Regierung die Ausreisebeschränkungen, indem sie für die Mehrheit ihrer Staatsbürger, einschließlich der Dissidenten, eine freie Aus- und Einreise autorisierte. Auch die Ärzte, die in der Vergangenheit strengeren Restriktionen unterlagen, können heute ohne größere Probleme reisen. Die Vereinigten Staaten halten jedes Jahr 20.000 Einwanderungsvisa für Kubaner von der Insel bereit. Außerdem erhalten diejenigen, denen es gelingt auf irregulären Wegen einzureisen, automatisch die legale Aufenthaltgenehmigung.

Die kubanische Regierung betrachtet das Abwerbungsprogramm für Ärzte als Symbol der Doppelzüngigkeit seitens der Vereinigten Staaten. Es behindert die Fähigkeit Kubas, wenn es darauf ankommt, im Fall von internationalen Krisen seinen Beitrag zu leisten und bewirkt in Richtung der Schaffung einer offeneren oder demokratischeren Gesellschaft rein gar nichts. Solange diese unstimmige Politik beibehalten wird, wir es weiterhin schwierig sein, ein gesünderes Verhältnis zwischen beiden Nationen zu etablieren.

Genau wie für eine wachsende Zahl von Kubanern wird für viele medizinische Fachkräfte weiterhin die Möglichkeit von Interesse bleiben, auf der Suche nach verbesserten Möglichkeiten in die Vereinigte Staaten zu emigrieren und sie haben sicher auch das Recht, dies zu tun. Aber sie während Auslandsmissionen dazu aufzufordern – das geht zu weit.


Einen tieferen Einblick in das kubanische Programm der Ärzteausbildung liefert der TED-Talk der amerikanischen Journalistin Gail Reed.

UNO und WHO danken Kuba für Ärzte im Kampf gegen Ebola in Afrika

Havanna. Die kubanische Regierung wird zur Unterstützung des Kampfes gegen die Ebola-Epidemie 165 Ärzte nach Westafrika entsenden. Dies gab der Gesundheitsminister Kubas, Roberto Morales Ojeda, am Freitag bekannt. Im Rahmen einer Pressekonferenz in der Zentrale der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf sagte Morales Ojeda, dass die ersten Mediziner den Plänen zufolge Anfang Oktober in Sierra Leone eintreffen werden.

In Westafrika sind offiziellen Zahlen zufolge in einer der schlimmsten Epidemien bereits 2.300 Menschen gestorben. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Die Epidemie betrifft Liberia, Sierra Leone und Guinea, seit im März die ersten Fälle aktenkundig geworden waren. Auch Nigeria und Senegal haben erste Kranke gemeldet.

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WHO-Chefin Chan und Kubas Gesundheitsminister Morales (Quelle: WHO)

Das kubanische Engagement ist weltweit bei Fachorganisationen und in Medien auf ein großes Echo gestoßen. Medien wie Forbes, Reuters oder die BBC berichteten ausführlich über die Initiative. Die Entsendung von Ärzten in Länder des Südens hat in Kuba Tradition. In Haiti etwa sind seit Jahren hunderte Mediziner aus Kuba aktiv.

Das langfristige Engagement wurde von Experten als effizienter anerkannt als die kurzfristige Katastrophenhilfe westlicher Staaten.

Auch aktuell lobt die WHO-Direktorin Margaret Chan Kubas Einsatz, der nach ihren Worten für Sierra Leone „eine wichtige Unterstützung“ bedeutet. „Wenn wir gegen Ebola in den Krieg ziehen wollen, dann brauchen wir Ressourcen dafür“, sagte sie. „Kuba ist weltweit dafür bekannt, dass es herausragende Ärzte und Pflegekräfte ausbildet und anderen Staaten generös auf dem Weg zum Fortschritt beisteht“, so Chan weiter.

Nach kubanischen Angaben werden der Delegation Ärzte, Pflegekräfte, Epidemiologen, Spezialisten in Seuchenkontrolle, Intensivmediziner und Sozialarbeiter angehören.

Neben der WHO-Chefin sprach auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon Kuba seinen Dank aus. „Der Generalsekretär möchte die von der kubanischen Regierung bekanntgegebene Initiative, kurzfristig 165 Ärzte zum Kampf gegen Ebola nach Sierra Leone zu entsenden, aufs Herzlichste begrüßen“, heißt es in der online veröffentlichten Note.

von Harald Neuber / Amerika21