Internationale Buchmesse in Havanna eröffnet

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Kanada ist das Gastland der 26. Ausgabe der Buchmesse von Havanna (Quelle: Granma)

Havanna. Bis zum 19. Februar steht die Festung San Carlos de La Cabaña in der kubanischen Hauptstadt wieder ganz im Zeichen des Buches. Bereits zum 26. Mal eröffnete am Donnerstag die internationale Buchmesse in Havanna. Das Motto lautet: „Lesen heißt wachsen“.

Die Messe mit Autoren, Verlegern und Lektoren aus 46 Ländern wurde im Beisein von Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel, Kulturminister Abel Prieto und des Präsidenten der Nationalversammlung, Esteban Lazo, feierlich eingeweiht. Im Mittelpunkt des traditionellen Literaturtreffens stehen in diesem Jahr der langjährige kubanische Erziehungs- und Kultusminister Armando Hart sowie das Ehrengastland Kanada mit mehr als 30 Autoren und 18 Verlagshäusern.

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Tourismus im Aufwind: Rund 80 Prozent mehr US-Besucher auf Kuba

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„Cuba es de moda“ – immer mehr US-Amerikaner finden ihren Weg nach Kuba (Quelle: Cartasdesdecuba)

Im ersten Halbjahr dieses Jahres besuchten 136.913 US-Amerikaner das sozialistische Kuba, rund 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dies meldete die kubanische Statistikbehörde ONE in ihrer jüngsten Publikation. Insgesamt konnte die Anzahl der Besucher um 11,7 Prozent zulegen, bis Ende Juni besuchten 2,1 Millionen Touristen die Insel. Die Einnahmen aus dem Tourismussektor stiegen um 15 Prozent auf 1,2 Mrd. US-Dollar. Damit bleibt der Tourismus nach den Dienstleistungsexporten die zweitwichtigste Einnahmequelle des Landes.

Die Hauptgruppe der Kuba-Touristen macht mit Abstand noch immer Kanada aus. Mehr als 777.000 Kanadier statteten der Insel zwischen Januar und Juni dieses Jahres einen Besuch ab. Auf dem zweiten Platz folgt mit 187.000 Besuchern die kubanische Exilgemeinde, die meist zwecks Familienbesuchen auf der Insel zu Gast ist. Mit 136.913 Besuchern machen die US-Amerikaner in diesem Jahr erstmals die drittgrößte Gruppe aus, Deutschland liegt mit 125.438 Gästen auf dem vierten Platz. Der deutsche Tourismus legte im Vergleich zum Vorjahr um gut 45 Prozent zu.

Der US-Tourismus könnte in der aktuell laufenden Hochsaison noch eine weitaus größere Rolle einnehmen. Die drei Fluglinien American Airlines, JetBlue und Delta Air kündigten an, bereits im nächsten Monat reguläre Linienflüge zwischen den USA und Kuba einzurichten. Neben Havanna sollen dabei auch andere Destinationen angesteuert werden. JetBlue plant demnächst Santiago de Cuba anzusteuern. Die Preise sollen im moderaten Bereich zwischen 100 und 200 US-Dollar liegen. Die bisher üblichen Charterflüge können mit bis zu 500 US-Dollar zu Buche schlagen.

Auch der Tourismus auf Kreuzfahrtschiffen befindet sich im Aufwind. Seit dem letzten Jahr steuern immer mehr Kreuzfahrtlinien die kubanische Hauptstadt an, unter anderem die US-Linie Carnival. Kuba plant, den Hafen von Havanna in einen rein touristischen Hafen umzubauen und bessere Infrastruktur für Kreuzfahrtschiffe sowie potentielle Fähren zwischen Kuba und den USA zu schaffen. Der Frachtverkehr wird derzeit schrittweise auf den neuen Containerhafen in Mariel übertragen.

Trotz des Booms der US-Besucher und der seit Dezember 2014 eingeleiteten Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten bleibt „normaler“ Kuba-Tourismus für US-Amerikaner noch immer verboten. US-Amerikaner müssen sich in einer von 12 legalen Kategorien anmelden, um die Insel besuchen zu dürfen. Neben journalistischen Aufenthalten und religiösen Pilgerreisen zählen vor allem die sogenannten „People-to-people“-Tours zu den am häufigsten gewählten Kategorien. Diese geführten Reisegruppen versuchen einen Einblick in die kubanische Kultur zu geben. Reiner Sonne- und Strand-Tourismus sowie individuelle Reisen, die einen weitaus größeren Marktanteil in den USA abschöpfen könnten, bleiben weiterhin verboten.

Urteile gegen korrupte Funktionäre und Unternehmer in Kuba

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Website der Tokmakjian Group Inc. − seit 1992 in Kuba im Geschäft (Quelle: Tokmakjian.com)

Havanna. Ein Gericht in der kubanischen Hauptstadt Havanna hat 14 Funktionäre und drei ausländische Geschäftsmänner wegen Korruption in Zuckerindustrie, Bergbau und Tourismus verurteilt. Dadurch sei ein Schaden von fast 92 Millionen US-Dollar entstanden, heißt es in der Tageszeitung Granma, dem Zentralorgan der regierenden Kommunistischen Partei. Die öffentliche Hauptverhandlung fand demnach bereits vom 9. bis zum 21. Juni dieses Jahres statt.

Das Korruptionsnetzwerk, an dem die Verurteilten beteiligt waren, wurde im Jahr 2011 im Rahmen einer Untersuchung im Außenhandelssektor Kubas aufgedeckt. Die Untersuchung war Teil einer „Offensive gegen die Korruption“ der Regierung von Präsident Raúl Castro. Die nun Verurteilten befanden sich seither in Haft.

Die Urteile gegen die in der Granma namentlich aufgeführten Angeklagten ergingen unter anderem wegen Bestechung, Fälschung von Bank- und Geschäftsdokumenten, illegalen Wirtschaftaktivitäten und Devisenhandel sowie Betrug und Steuerhinterziehung. Gegen die Angeklagten wurden Strafen zwischen sechs und 20 Jahren Haft verhängt. Das Gericht verhängte außerdem Zusatzstrafen wie Beschlagnahmungen und Konfiszierungen sowie Verbote der Ausübung von Berufstätigkeiten im Zusammenhang mit Außenhandelsaktivitäten.

Die höchste Strafe wurde mit 20 Jahren Haft gegen den früheren Vizeminister für die Zuckerwirtschaft, Nelson Ricardo Labrada Fernández, verhängt. Der Geschäftsmann Vehe Cy Tokmakjian, Chef des Unternehmens Tokmakjian Group Inc. mit Sitz in Ontario, Kanada, wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er muss außerdem die betroffenen kubanischen Unternehmen und den Staat für die begangene Steuerhinterziehung mit seinem Vermögen sowie mit Anteilsrechten und Aktien aus dem Besitz der Gesellschaften der Tokmakjian Group Inc. entschädigen. Das Gericht ordnete die Beschlagnahmung von rund 100 Millionen US-Dollar aus dem Firmenvermögen an. Die Tokmakjian Group Inc. hatte in Kuba seit 1992 Geschäfte gemacht, vor allem durch den Verkauf von Transporteinheiten sowie im Bergbau- und im Bausektor, mit Jahresumsätzen von rund 80 Millionen US-Dollar.

Während der Untersuchung und der mündlichen Verhandlung wurden die Angeklagten und zivilrechtlich verantwortlichen Dritten von Anwälten ihrer Wahl vertreten. Sie können gegen das Urteil beim Obersten Strafgerichtshof Berufung einlegen.

Der Vizepräsident und Sprecher des kanadischen Unternehmens, Lee Hacker, sprach von einem „Schauprozess“ und einer „Parodie auf die Rechtssicherheit“. Er würde niemandem raten, in Kuba zu investieren, so Hacker. Das Urteil gegen Vehe Cy Tokmakjian sei ein „Akt der Vergeltung“, weil dieser die Korruption in Kuba angeprangert habe.

Mögliches Treffen von Barack Obama und Raúl Castro in Panama

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Obama und Castro in Südafrika: Kommt es in Panama 2015 erneut zum Handschlag? (Quelle: Amerika21)

Panama-Stadt. Bei dem kommenden 7. Amerika-Gipfel lateinamerikanischer Staaten mit den USA und Kanada könnten US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro aufeinandertreffen. Das berichten lateinamerikanische Medien mit Verweis auf Meldungen, nach denen die panamaische Regierung die Einladung des sozialistischen Staats- und Regierungschefs angekündigt hat. Das Gipfeltreffen wird Mitte April 2015 in Panama-Stadt ausgerichtet werden.

Zuvor hatte die Vizepräsidentin Panamas, Isabel Saint Malo, die Einladung Castros als Ausdruck der Forderung der lateinamerikanischen Staatengemeinschaft bezeichnet. Als Gastgeberin müsse ihre Regierung dieser Haltung folgen, so Saint Malo weiter. Panamas Politik unterstütze den politischen Dialog zwischen den Staaten der Region, fügte die Politikerin an. Die USA und Kanada haben nach Angaben der panamaischen Vizepräsidentin „Verständnis“ für die beabsichtigte Einladung Castros geäußert. Bei dem kommenden 7. Amerika-Gipfel werde Panama daher die 34 Staats- und Regierungschefs der Region empfangen, Obama und Castro eingeschlossen.

Der Amerika-Gipfel wird seit Mitte der neunziger Jahre auf Initiative der USA ausgerichtet. Kuba war von der Veranstaltung von Beginn an ausgeschlossen. Nach dem letzten Gipfel hatten mehrere Staats- und Regierungschefs einen Boykott des Treffens angekündigt, sollte die sozialistische Regierung Kubas von dem Forum weiterhin ausgegrenzt werden. Diese Positionsnahme am Ende des vergangenen Amerika-Gipfels war von politischen Beobachtern und Medien als deutliches Zeichen für die gescheiterte Blockadepolitik der USA gegenüber Kuba gedeutet worden.

Die US-Regierung von Präsident Obama steht indes unter großem innenpolitischen Druck rechtsgerichteter exilkubanischer Gruppen. Als der US-Amtsinhaber bei den Trauerfeierlichkeiten für den südafrikanischen Freiheitskämpfer und Ex-Präsidenten Nelson Mandela Mitte Dezember vergangenen Jahres Rául Castro kurz die Hand reichte, übten die exilkubanischen Lobbygruppen in den USA harsche Kritik an der Geste.

von Harald Neuber / Amerika21

Kuba investiert in Nickelbergbau

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Nickelmine „Ernesto Che Guevara“ im Municipio Moa, Provinz Holguín. (Quelle: Radio Cadena Agramonte).

Die kubanische Nickemine „Ernsto Che Guavara“ in der östlichen Provinz Holguín wird in diesem Jahr ihre größte Modernisierung seit ihrer Fertigstellung 1986 erhalten. Nach einer Meldung der kubanischen Nachrichtenagentur ACN, die von Reuters praktisch übernommen wurde, wird hierfür die Produktion für 2014 auf 14.700 Tonnen heruntergefahren, die Kapazität der Mine liegt bei 30.000 Tonnen jährlich. Ziel ist es, die Produktionskosten von derzeit 12.000 US$ pro Tonne um mindestens 20 Prozent zu reduzieren, um die kubanische Nickelproduktion wieder wettbewerbfähig zu machen. Der Weltmarktpreis für Nickel liegt aktuell bei etwa 14.400 US$.

Kuba verfügt über 30 Prozent der weltweiten Vorkommen des seltenen Metalls, das vor allem in der High-Tech-Industrie als Legierung von großer Bedeutung ist. Entsprechend lang reichen die Anfänge des kubanischen Nickelbergbaus zurück. Bereits in den 1940er Jahren wurde auf Initiative der USA eine Nickelholding gegründet, deren einzige Mine jedoch im Jahr 1947 geschlossen wurde. 1955 wurde in Moa die zweite Mine des Landes eröffnet, die Gegend ist bis heute der wichtigste Standort für den Abbau. 1960 wurde die „Moa Mining Company“, deren Wert damals über 120 Millionen US$ betrug, enteignet und die übrigen Produktionsstätten vom Staat weiterbetrieben.

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Grafik 1: Weltmarktpreis von Nickel, 1999 bis 2014 (Quelle: Index Mundi).

Aufgrund der niedrigen Weltmarktpreise spielte der Export von Nickel damals jedoch kaum eine Rolle, Kuba war wirtschaftlich vor allem vom Zucker abhängig. Dennoch eröffnete 1986 in Moa die Mine mit dem gewichtigen Namen „Ernesto Che Guavara“, was Kubas jährliche Exportkapazität für den Rohstoff auf 80.000 Tonnen erweiterte. Eine zweite Mine, die Ende der 1980er Jahre mit tschechoslowakischer Hilfe bereits zu 85% fertiggestellt war, konnte aufgrund der Auflösung des RGW und der Sowjetunion nicht fertiggestellt werden, das Projekt wurde im Jahr 2000 endgültig aufgegeben. Im Dezember 1994 schloss Kuba mit dem kanadischen Bergbauunternehmen „Sherritt Inc“ einen Vertrag über ein 50:50 Joint-Venture über den Betrieb der Mine „Pedro Sota Alba“, die eine jährliche Produktionskapazität von etwa 38.000 Tonnen verfügt.

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Grafik 2: Nickelproduktion Kubas in tausend Tonnen, 2002 – 2014 (Quelle: ONE, Reuters).

Die Bedeutung der Nickelproduktion für die kubanische Wirtschaft seit der Sonderperiode wird dabei oft unterschätzt. Durch steigende Preise bei weitgehend konstanter Produktion erlebte Kuba in den Jahren 2002 bis 2007 einen regelrechten „Nickel-Boom“, in diesem Zeitraum machte Nickel wertmäßig 47 Prozent aller exportierten Waren des Landes aus, der Höchststand wurde mit 96 Prozent im Jahr 2006 erreicht. Damals lag der Weltmarktpreis auf einem Rekord von über 51.000 US$. In Folge der Wirtschaftskrise trat ein rascher Preisverfall ein, der Sektor befindet sich seitdem in einer permanenten Krise, die zunehmende Umweltverschmutzung in der Region um Moa war dabei nur das offensichtlichste Zeichen für den Zustand der veralteten Produktionsmittel in den Minen.

Dennoch gelang es Kuba weiterhin etwa 10 Prozent des weltweiten Markts mit seinem Nickel zu versorgen, die Aufrechterhaltung der Produktion wurde Priorität eingeräumt. Im Jahr 2012 die älteste Mine des Landes nach über 70 Betriebsjahren geschlossen, diese hatte ohnehin nur noch wenige tausend Tonnen pro Jahr produziert. Damit blieben dem Land noch zwei Minen übrig: Die Eingangs genannte, die letztes Jahr 23.700 Tonnen produzieren sollte und die von Sherritt Inc. betriebene „Pedro Soto Alba“-Mine mit einer jährlichen Kapazität von 38.000 Tonnen, die auch in zeiten fallender Weltmarktpreise mit Produktionskosten von 5.000 bis 7.000 US$ pro Tonne weiterhin rentabel bleiben kann. Dennoch blieb auch sie nicht von den Problemen des Sektors verschont: 2012 wurden 12 hochrangige Funktionäre wegen Hinterziehung von Geldern im Rahmen des Joint-Ventures verurteilt.

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Grafik 3: Gesamte Warenexporte Kubas 2002 bis 2012, in blau der Anteil der Nickelexporte (Quelle: ONE, eigene Berechnungen).

In Zukunft sollte der kubanischen Nickelindustrie mittels eines 700 Millionen US$-schweren Joint-Ventures mit Venezuela abgeholfen werden. Eine neue Mine samt Raffinerie würde eine jährliche Kapazität von weiteren 21.000 Tonnen Nickeln hinzufügen. Die Eröffnung war für 2014 geplant, allerdings wurde der Plan aufgrund finanzieller Schwierigkeiten vorerst auf Eis gelegt. Deshalb steht nun erst einmal die Modernisierung der vorhandenen Kapazitäten an. Durch eine Senkung der Kosten pro Tonne in der „Ernesto Che Guevara“-Mine von 12.000 US$ pro Tonne auf unter 9.600, könnte der Sektor mittelfristig wieder von größerer Bedeutung werden, zumal die Preise wieder steigen. Ein Rechenbeispiel: Bei 30.000 Tonnen Export zu aktuellen Preisen und Bedingungen würde die Mine etwa 75 Mio. US$ Gewinn machen, nach der Modernisierung beträgt dieser bei sonst gleichen Bedingungen etwa 150 Mio. US$, eine Steigerung von 100 Prozent.

Für das Jahr 2014 sind allerdings nur knapp 53.000 Tonnen geplant – das wäre Kubas niedrigster Nickelexport seit Jahren und dürfte sicherlich auch ein Grund für die verhalte BIP-Wachstumsprognose von 2,2 Prozent in diesem Jahr sein. Ab 2015 könnte sich das allerdings ändern. Eine zweistellige Millionensumme fließt derzeit in die Mine, mit dem Geld soll auch Kubas größtes dezentrales Schwerölkraftwerk errichtet werden, das mit einer Kapazität von 184 Megawatt nicht nur die modernisierte Mine, sondern auch die Städte Moa und Baracoa versorgen soll, die zusammen knapp 160.000 Einwohner zählen. Das Kraftwerk selbst kostet 10 Millionen US$ und ist bereits zu 90 Prozent fertiggestellt, zusätzlich werden über 20 Kilometer Pipeline für Wasser und Öl in der Region errichtet. Damit erhält Kubas Osten in den kommenden Jahre deutliche wirtschaftliche Impulse und die Exporte der Insel werden weiter diversifiziert. Trotz fallender Weltmarktpreise kann Kuba damit den Nickelbergbau als wichtigstes wirtschaftliches Standbein neben Tourismus und Dienstleistungsexport erhalten. Ob entsprechende Investitionen auch in die Verbesserung des miserablen Umweltmanagements fließen, bleibt abzuwarten.