Die Revolution und ihre Streichhölzer

Kubas Streichhölzer bestehen nicht aus Holz, sondern aus einem biegsamen Faserstoff (Quelle: Granma)

Kein Gegenstand ist auf Kuba zu klein oder unwichtig, um nicht einmal von der Parteizeitung „Granma“ behandelt zu werden. Als sich vor wenigen Tagen ein Leser über die anerkanntermaßen bescheidene Qualität der heimischen Streichhölzer beschwerte, beschloss die Redaktion auch dieser Sache nachzugehen. Und förderte dabei erstaunliches zu Tage.

Wer auf Kuba ein Feuer entzünden will, nutzt meistens noch das klassische Streichholz. Die Schachtel kostet einen Peso, umgerechnet etwa vier Cent, und ist überall erhältlich. Allerdings ist die Qualität der Produkte derart schlecht, dass sie nicht selten kaum ihren Dienst erfüllen. Zum einen Weil die Hölzer nicht wirklich aus Holz bestehen, zum anderen weil auch die Reibefläche häufig defekt ist. „Von 100 Stück funktionieren vielleicht zehn“ schrieb ein verärgerter Leser an die „Granma„. „Warum ist es für die Bevölkerung so schwierig die im Land verkaufen Streichhölzer zu entzünden?“, fragt deshalb die Zeitung.

Zahlreiche Kommentare auf dem kubanischen Nachrichtenportal „Cubadebate“ geben ihr darin Recht, dass die Qualität ihrer Streichhölzer vielen Menschen unter den Nägeln brennt. Tatsächlich hat es das Thema im Jahr 2016 sogar auf die Agenda des kubanischen Parlaments geschafft, wurde in einem Bericht des Industrieministeriums behandelt. Damals blieb allerdings nur festzuhalten, dass die Lösung von „Investitionen in neue Technologie“ abhänge. Die heutigen Anlagen zur Herstellung von Streichhölzern stammen nicht selten noch aus den Zeiten vor der Revolution. Doch auch die schlechte Versorgung mit Ersatzteilen und Rohstoffen führte zum Niedergang der Betriebe. Nicht wenige der 146 Millionen Schachteln, die das Land jährlich in zehn Fabriken produziert, gelangen deshalb halbvoll und in minderwertiger Verarbeitung in den Handel.

Kubas Industrieministerium jedenfalls teilt die Kritik der Bevölkerung, verweist jedoch ebenfalls auf die völlig veralteten Anlagen. Als vor vier Jahren die einzige Fabrik die echte Holzstreichhölzer produzieren konnte die Segel streichen musste, wurden andernorts die uralt-Anlagen wieder hochgefahren. Als kurzfristige Verbesserung soll laut Ministerium bald ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf die Schachteln gedruckt und die Nutzung der Anlagen besser koordiniert werden. In Zukunft, wenn sich Investoren finden und Gelder bereit stehen, will man jedoch dazu übergehen die Maschinen komplett auszutauschen. Dann sollen Kubas Streichhölzer erstmals ausschließlich aus echtem Holz bestehen und der bisher übliche biegsame Faserstoff der Vergangenheit angehören.

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Nestlé errichtet neue Fabrik auf Kuba

Grundsteinlegung der neuen Fabrik am Dienstag (Quelle: LaDemajagua)

Am Dienstag wurde in Kubas Sonderwirtschaftszone Mariel (ZEDM) der erste Grundstein für eine neue Lebensmittelfabrik gelegt. Das Joint-Venture zwischen der kubanischen Coral S.A. und dem schweizer Nestlé-Konzern soll vor allem den kubanischen Markt mit Produkten wie Maggi, Nescafé sowie lokalem Serrano-Kaffee versorgen und dem Land damit teure Importe ersparen. Das 54 Millionen Dollar schwere Projekt will im Januar 2020 den Betrieb aufnehmen.

Das neue Joint-Venture unter dem Namen Nescor S.A., ist bereits die dritte Investmentgesellschaft von Nestlé und einem kubanischen Unternehmen, jedoch die erste in der 2014 eröffneten Sonderwirtschaftszone Mariel. Nestlé wird hier mit 51 Prozent der größte Stakeholder sein. Die Fabrik soll vor allem teure Importe ersetzen, könnte perspektivisch jedoch auch für den Export produzieren. „Es geht dabei unter anderem um Produkte wie Maggi, die auf dem kubanischen Markt gut positioniert sind“, erklärte der Präsident von Coral S.A., Nelson Arias Moreno, gegenüber der Tageszeitung Granma. „Mit Hilfe von Nescor wollen wir diese Produkte hier produzieren und damit Importe einsparen, was immer das Ziel jedes einzelnen Geschäftsabschlusses von Coral S.A. ist“, so Moreno.

Konkret geht es dabei um Produkte wie Maggi-Würzmischungen, Nesquik-Kakopulver, lösliches Kaffeepulver der Marke Nescafé, Müsliriegel sowie die kubanische Kaffeemarke Serrano. Die neue Fabrik könne jährliche Importe im zweistelligen Millionenbereich einsparen, wie Morreno gegenüber der Zeitung vorrechnet. Bei der Eröffnung im Januar 2020 soll die Fabrik 260 Beschäftigte haben und jährlich rund 18.500 Tonnen an Lebensmitteln herstellen. Das 54-Millionen-Dollar teure Werk soll nach Angaben der beteiligten Partner nach modernsten Umwelt- und Gesundheitsstandards betrieben werden.

Bühne bei der Grundsteinlegung in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Twitter)

„Diese Fabrik wird dabei helfen die steigende Konsumnachfrage zu befriedigen und unsere Präsenz auf Kuba stärken“, sagte der America-Chef von Nestlé, Laurent Freixe, gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Nestlé wolle auf Kuba Produkte von hohem Ernährungswert anbieten. Freixe, der im Rahmen der Eröffnung der Fabrik angereist war, besuchte auch das seit über 20 Jahren bestehende Joint-Venture „Los Portales S.A.“, welches sich in Pinar del Río für die Produktion von Mineralwasser verantwortlich zeigt. Ebenfalls auf dem Programm stand für Freixe ein Besuch beim Pionierpalast „Ernesto Che Guevara“ in Havanna, wo das Unternehme einen Bildungspavillion für Schüler zum Thema gesunde Ernährungsweisen sponsern wird. 

Bei der Grundsteinlegung am Dienstag waren neben Nestlé-CEO Laurent Freixe auch Kubas Ministerin für die Lebensmittelindustrie, María Carmen de la Concepción González, sowie die Leiterin der Sonderwirtschaftszone, Ana Teresa Igarza, anwesend. Der Schweizer Großkonzern ist bereits seit 1908 auf der Insel präsent und zeigt sich seit Mitte der 1990er Jahre in zwei Joint-Ventures mit Coral S.A. für die Produktion von Mineralwasser, Soft-Drinks und Eiscreme unter Marken wie „Ciego Montero“ oder „TuKola“ verantwortlich.

FIHAV 2017 bringt Aufschwung bei den ausländischen Investitionen

Die 35. Edition der Handelsmesse FIHAV ging vergangenen Freitag in Havanna zu Ende (Quelle: Cubadebate)

Am Freitag ging in Kubas Hauptstadt Havanna die 35. Ausgabe der internationalen Handelsmesse (FIHAV) zu Ende. Zu dem einwöchigen Event waren wieder mehr als 3.400 Aussteller aus 180 Ländern angereist. Kubas Werben um ausländische Investitionen zeigte dabei erstmals Früchte. So konnte die Insel inzwischen ihr selbst gestecktes Ziel erreichen, mindestens zwei Milliarden Dollar an Direktinvestitionen pro Jahr zu gewinnen. Zudem brachte die Messe einige wichtige Geschäftsabschlüsse zu Tage, unter anderem mit US-amerikanischen und deutschen Unternehmen. Ein Überblick:

Der neue Investitionskatalog

Am zweiten Tag der FIHAV stellte Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca den neuen Katalog über ausländische Direktinvestitionen vor. Die diesjährige Ausgabe konnte nochmals an Umfang zulegen. Die 30 Projekte welche seit der
letzten Messe auf den Weg gebracht wurden, sind entsprechend gestrichen worden. Allerdings kamen 156 neue Projektvorschläge hinzu (29 allein in der Sonderwirtschaftszone Mariel), so dass die gesamte zu Verfügung stehende Investitionssumme nun 10,7 Mrd. US-Dollar verteilt auf 456 Projektvorschläge umfasst. Schwerpunkte sind unter anderem Landwirtschaft, Tourismus, Nahrungsmittelindustrie, Zuckersektor und erneuerbare Energien. Als Novum dieser Ausgabe sollen die Projekte stärker im Rahmen des „Entwicklungsplans 2030“ miteinander verzahnt sein.

Sonderwirtschaftszone in Mariel

  • Kubas Sonderwirtschaftszone in Mariel (ZEDM) konnte in den letzten Jahren neue Investoren gewinnen. So wurden dort insgesamt 31 Projekte aus 13 verschiedenen Ländern bestätigt. Die gesamte Investitionssumme beträgt 1,1 Mrd. US-Dollar. Neben einer runderneuerten Homepage konnte die ZEDM auch die Fertigstellung wichtiger Lager- und Logistikbereiche verkünden. Die ersten Firmen, u.a. das  brasilianisch-kubanische Joint-Venture „Brascuba“ (Zigarettenherstellung), der mexikanische Fleischproduzent Richmeat sowie die französische Baufirma Bouyges haben bereits ihren Betrieb aufgenommen bzw. planen dies bis zum Ende des Jahres zu tun.
  • Zu den jüngst bestätigten Projekten zählt unter anderem die spanisch-kubanische Hotel-Logistikgruppe Logística Hotelera del Caribe S.A., die Firma El Salado S.A. welche sich um die Errichtung von Golfplätzen kümmern wird sowie die spanische TOT Color S.A., welche Farben und Anstriche herstellen will.
  • Die italienische Firma „ARTHIS“ will im Rahmen eines Joint-Ventures eine Fabrik für Einweg-Windeln in der Zone errichten, welche zu günstigen Preisen für den heimischen Markt produzieren wird und im Jahr 2019 eröffnen soll.
  • Weitere bestätigte Firmen werden sich der Herstellung von Hygieneartikeln, der Erdölerkundung, der Vermietung und Reparatur von Industriemaschinen sowie der Lebensmittelherstellung widmen. Auch internationale Multis wie Nestlé (Fabrik für Kaffeepulver, Kekse und andere Produkte) sowie Unilever (Shampoo- und Parfümartikel) sind dabei.
  • Aufgrund der bestehenden Lockerungen des US-Embargos unter der Obama-Administration konnte in diesem Jahr zum ersten Mal ein Geschäftsabschluss mit einem US-amerikanischen Konzern gemeldet werden: Die „Rimco“-Gruppe, welche sich für die Vermarktung von Caterpillar-Produkten in Puerto Rico verantwortlich zeichnet, wird ab 2018 auch in Kuba mit einem Waren- und Logistikzentrum in Mariel vertreten sein. Damit werden Caterpillar-Baumaschinen auch auf der sozialistischen Insel verfügbar gemacht.
  • Das französisch-britische Konsortium „Mariel Solar“ will bis 2018 ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von 50 Megawatt in der Sonderwirtschaftszone installieren. Die Kosten für das aus 100 Prozent ausländischem Kapital finanzierte Projekt sollen sich auf schätzungsweise 100 Millionen US-Dollar belaufen.
  • Der niederländische Kran- und Baumaschinenverleiher „Womy Equipment“ hat bereits seine Niederlassung in der Zone eröffnet.

Bisherige Investoren in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: ZEDM)

Weitere Projekte

  • Zum ersten Mal seit über 50 Jahren exportiert Kuba wieder Waren in die USA. Die staatliche CubaExport hat ihren Vertrag zum Export von Holzkohle an die US-amerikanische Coaba Trading LLC im Rahmen der FIHAV erneuert. Die Holzkohle wird vor allem aus dem wild wuchernden Marabú gewonnen, der ein großes Problem für die Landwirtschaft darstellt.
  • Der US-amerikanische Traktorenhersteller John Deere wird noch im November anfangen, Traktoren nach Kuba zu liefern. Die nötigen Exportlizenzen konnte der Hersteller aufgrund erfolgter Embargolockerungen Seitens der US-Administration erhalten, die Verhandlungen für den Deal dauerten über ein Jahr. John Deere ist damit neben Caterpillar das zweite US-Unternehmen, welches in jüngster Zeit neue Verträge mit Kuba abschließen konnte. Caterpillar wird jedoch die erste US-Firma mit einer eigenen Präsenz auf der Insel sein. Die Distributionsfirma RIMCO wird ab 2018 Caterpillar-Produkte in der Sonderwirtschaftszone Mariel anbieten.
  • Spaniens Handelssekretärin Maria Luisa Poncela betonte den „guten Stand“ der bilateralen Handelsbeziehungen. Spanien hat einen Teil der vom Pariser Club erlassenen Schulden Kubas in einen 415 Millionen Euro schweren Investitionsfond umgewandelt. Trotz der laut dem kubanischen Außenhandelsminister Cabrisas „schwierigen finanziellen Situation“ der Insel, hat Kuba seine letzten Raten beim Club von Paris rechtzeitig überwiesen. Allerdings gibt es noch Probleme mit den laufenden Konten, Kuba muss noch Zahlungen von rund 60 Millionen US-Dollar an einige Einzelunternehmen begleichen. Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage und den Hurrikanschäden durch „Irma“ hat die kubanische Seite in diesem Jahr um die Aufschiebung einiger offener Posten gebeten. Im ersten Halbjahr 2017 konnten Kubas Exporte nach Spanien um 29 Prozent zulegen, die Importe gingen jedoch um 7 Prozent zurück. Das iberische Land ist nach China und Venezuela der wichtigste Handelspartner der Insel.
  • Die spanische Firma  Assyce Yield Energía S.A. sowie die deutsche EFF Solar wollen insgesamt 100 Megawatt an Solarkapazitäten auf der Insel installieren. Beide Projekte werden vollständig aus ausländischem Kapital finanziert und verkaufen den Strom im Rahmen eines Vertrags mit 25 Jahren Laufzeit an Kubas staatlichen Energieversorger UNE. Die Solarparks sollen in den Provinzen Pinar del Río, Artemisa, Mayabeque und Matanzas errichtet werden. Die ersten Anlagen sollen bereits 2018 ans Netz gehen.
  • Der chinesische Omnibushersteller Yutong hat auf der Messe seine neuesten Hybridmodelle vorgestellt. Die Elektrobusse, die Yutong im letzten Jahr mitbrachte, haben sich als zu teuer in der Anschaffung erwiesen. Mit den neuen Hybridbussen will die Firma Havannas Busflotte modernisieren, die größtenteils aus älteren Modellen der Firma besteht. 70 Prozent aller Busse in Kuba stammen von Yutong.
  • Die russische Firma „Ormeto-YUMZ“ will die 30 Mio. US-Dollar-teure Modernisierung einer Stahlfabrik in der Provinz Las Tunas durchführen. Die Anlage hat eine jährliche Kapazität von 177.000 Tonnen. Mit Hilfe der Modernisierung soll eine neue Linie für die Stahlwalzung entstehen, was unter anderem die Importe von Walzdraht verringern soll. Die Erweiterung soll 2020 abgeschlossen sein. Auch die schon vor einigen Jahren angekündigte Modernsierierung des Stahlwerks „Antillana de Acero“ in Havanna war wieder im Gespräch.

Ab diesem Monat importiert Kuba wieder Ladas (Quelle: Cubadebate)

Produktion von Laptops in Kuba nimmt an Fahrt auf

Seit Dezember letzten Jahres werden auf Kuba Laptops und Tablets montiert (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Bis Ende März dieses Jahres sind in Kuba 3.500 Laptops sowie knapp 3.600 Tablets produziert worden. Sie sind die ersten Geräte einer neuen Produktionslinie des staatlichen Elektrohersteller GEDEME, die letzten Dezember in Betrieb ging.

Technisch basieren die neuen Laptops auf aktuellen Core i5 und Core i7-Prozessoren von Intel. Die einzelnen Komponenten werden als Bausatz vom chinesischen Großkonzern Haier geliefert, der den sozialistischen Inselstaat seit vielen Jahren mit Elektronikprodukten beliefert.

Der Aufbau der ersten eigenen Fertigungseinrichtung für Laptops und Tablets im Land ist Teil der Digitalisierungsstrategie der Regierung in Havanna. Kuba plant in diesem Jahr rund 50.000 Laptops herzustellen, die vor allem in staatlichen Institutionen eingesetzt werden sollen. Die Geräte sollen dabei einer ausführlichen Qualitätsprüfung unterzogen werden und sind laut Hersteller für den Einsatz in tropischen Gebieten ausgerichtet.

Von Marcel Kunzmann. Weiterlesen auf Amerika21

Chinesische Elektroroller – „Made in Cuba“

Elektroroller Typ „LT 1060“ – Made in Cuba (Quelle: Granma)

Kuba hat mit der Produktion von preiswerten Elektrorollern für den heimischen Markt begonnen, meldete jüngst die Tageszeitung „Granma„. Die ersten 100 Modelle vom Typ „LT 1060“ seien bereits auf den Straßen der Insel unterwegs. Die Roller werden durch einen Drehstrommotor mit einer Leistung von 1.000 Watt bei 60 Volt betrieben und sollen auf bis zu 50 Stundenkilometer beschleunigen können.

In diesem Jahr sollen die ersten 5.000 Einheiten vom Band laufen deren Einzelteile größtenteils aus der Volksrepublik China importiert werden. Die Roller sollen für einen Preis von 1 261 CUC (ca. 1.190 €) in den staatlichen Geschäften angeboten werden. Motorroller werden derzeit vor allem von Privatpersonen aus Drittländern wie Panama importiert, der Straßenpreis liegt bei rund 2.000 CUC.

Hergestellt werden die Roller von dem Industriewerk „Ángel Villarreal Bravo“ in Santa Clara. Aktuell wird die Einbeziehung weiterer kubanischer Firmen überprüft, um die Kosten weiter senken zu können. Bisher war die Fabrik vor allem für die Fertigung elektrischer Rollstühle bekannt, von denen seit 2007 knapp 80.000 Einheiten an das Gesundheitsministerium geliefert wurden.

Die Fertigung von Motorrollern auf Kuba ist ein weiterer Schritt in den Bemühungen des Landes, Importe durch die Fertigung vor Ort zu ersetzen und die Industrie gezielt wieder zu beleben. Wichtigster Partner bei vielen Vorhaben ist die Volksrepublik China, der zweitgrößte Handelspartner der Insel. Im Jahr 2015 importierte Kuba Waren im Wert von 1,9 Mrd. US-Dollar aus dem Reich der Mitte, 60 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt der Vorjahresdekade. Dieser Trend setzte sich 2016 mit Importen von immerhin 1,8 Mrd. US-Dollar fort.

Chinesische Unternehmen wie Yutong, Sinotruck und Geely versorgen den Transportsektor des Landes bereits seit Jahren mit Bussen, LKWs und Kleinwagen. Doch auch in anderen Bereichen hat sich die chinesische Präsenz verstärkt. So begann Kuba 2014 die Umstellung auf den chinesischen Digital-TV Standard, der Internetausbau des Landes geschieht mit Hilfe der chinesischen Firma Huawei. Auch beim Ausbau des Hafens von Santiago und der Fertigung von Solarpanelen sind chinesische Unternehmen beteiligt. Erst vor wenigen Wochen meldeten kubanische Medien die Eröffnung der ersten kubanischen Computerfabrik, in der chinesische Laptops und Tablets unter kubanischer Eigenmarke zusammengesetzt werden, was Kuba Importkosten sparen und die Digitalisierung des Landes vorantreiben soll.

Kuba eröffnet erste Computerfabrik des Landes

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Seit kurzem betreibt Kuba eine neue Fabrik für Computer und Tablets in Havanna (Quelle: Icrt)

Vor wenigen Wochen wurde die erste Computerfabrik des Landes von Kubas Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel eröffnet. Sie soll in erster Linie Tablets und Laptops herstellen. Die Fabrik entstand in Zusammenarbeit zwischen der kubanischen Elektronikfirma GEDEME und dem chinesischen Großhersteller Haier, welcher auch die nötigen Teile für die Produktion liefern wird.

Hergestellt werden in der Fabrik vor allem niedrigpreisige Tablets und Laptops. Haier liefert die Bauteile aus China, welche in Kuba dann unter der eigenen Marke „GDM“ zusammengesetzt werden. Genaue Spezifikationen zu den kubanischen Laptops sind noch nicht bekannt, es sollen jedoch Intel-Prozessoren der Serien Core i3, i5 und Celeron zum Einsatz kommen. Als Betriebssystem soll die kubanische Eigenentwicklung „Nova Linux“ bzw. „Nova Droid“ dienen.

Die Fabrik verfügt über eine Kapazität von 120.000 Einheiten pro Jahr. Im nächsten Jahr sollen jedoch lediglich 50.000 Tablets und Laptops hergestellt werden, die zunächst an Regierungseinrichtungen und staatliche Unternehmen gehen. Bereits seit einigen Jahren betreibt Kuba eine kleine Elektronikindustrie mit chinesischer Hilfe. Zu deren wichtigsten Erzeugnissen gehören LED-Lampen, Induktionskocher, Solarpanele, Druckerkartuschen, TV-Geräte und Receiver.

Handelsmesse FIHAV geht zu Ende – neue Investitionen und ein neuer Tonfall

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Eröffnung der FIHAV 2016 in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Am heutigen Freitag geht in der kubanischen Hauptstadt die 34. Ausgabe der alljährlichen Handelsmesse Feria Internacional de La Habana (FIHAV) zu Ende. Die diesjährige Ausgabe knackte alle Rekorde. Mehr als 3.500 Aussteller aus 73 verschiedenen Ländern trafen auf dem Messegelände der Expocuba zusammen um Geschäfte mit den 325 anwesenden kubanischen Unternehmen und Institutionen zu machen. Die werden in Zeiten der wirtschaftlichen Krise und der schwierigen Situation in Venezuela auch dringend gebraucht.

Verhandlungen zu langsam

„Ausländische Investitionen sind kein notwendiges Übel, wir wollen ihre Entwicklung begünstigen. Dies ist eine souveräne Entscheidung Kubas, die uns niemand aufzwingt.“ Mit diesen Worten leitete Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca die Messe am vergangenen Dienstag ein. Seit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes über ausländische Direktinvestitionen im Jahr 2014 habe das Land insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar an neuen Auslandsinvestitionen erhalten. 83 neue Projekte wurden auf den Weg gebracht. Weit weniger als benötigt, wie Malmierca betont. Um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen, seien jährliche Investitionen von mindestens zwei Milliarden US-Dollar notwendig.

Wir müssen hart daran arbeiten, dass Geschäfte ohne Probleme umgesetzt werden, ohne unnötige Verzögerungen„, sagte Malmierca und gab selbstkritisch zu: „Die Unternehmen beschweren sich mit Recht, wir müssen schneller werden bei den Verhandlungen.“ Viele ausländische Unternehmer klagen über zähe Verhandlungen, hohe bürokratische Hürden und schwierigen Zugang zu Krediten, auch aufgrund der US-Blockade. Die kubanische Seite wiederum gilt als wählerisch und nicht besonders schnell bei der Aushandlung der Deals. Malmierca versprach nun, daran zu arbeiten. Die Schulung der kubanischen Vertragspartner müsse verbessert werden, diese seien oftmals noch zu unerfahren im Umgang mit ausländischen Geschäftsleuten.

Mariel-Hafen

Kubas neuer Hafen in Mariel ist das Kernstück der zugehörigen Sonderwirtschaftszone (Quelle: Cubadebate)

Auf der FIHAV stellt Kuba seit 2014 jedes Jahr das neue Investitionsportfolio vor, eine Art Wunschkatalog mit konkreten Projektvorschlägen und Machbarkeitsstudien. Die diesjährige Ausgabe umfasst 395 Projekte und damit 69 mehr als noch 2015. Das gesamte Investitionsvolumen des Katalogs stieg von 8,2 auf 9,5 Mrd. US-Dollar an. Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe liegt auf dem Tourismussektor. In der Altstadt von Havanna werden keine neuen Projekte hinzukommen, dafür sollen bisher wenig erschlossene Gegenden ausgebaut werden. Insbesondere in den Gegenden Guardalavaca (Holguín), Cienfuegos und Camagüey werden Partner für die Errichtung und Unterhaltung von Tourismusinfrastruktur gesucht. Auch der Gesundheitstourismus taucht erstmals in dem Katalog auf.

Neu ist in diesem Jahr, dass erstmals auch Kooperativen direkt mit ausländischen Unternehmen ins Geschäft kommen können, der Umweg über eine staatliche Firma entfällt. Diese Regelung war bereits im neuen Investititonsgesetz von 2014 enthalten, kam bisher aber nicht zur Anwendung. Ebenfalls neu ist das in diesem Jahr erstmals durchgeführte „Foro de negociaciones„, bei dem potentielle Investoren und kubanische Partner zusammengebracht wurden. Alle Informationen wurden zudem auf einer eigens erstellten Website auch in englischer Sprache zusammengefasst.

Neue Projekte in Mariel

Die FIHAV gab den Kubanern eine gute Gelegenheit, einen Überblick über den letzten Stand der Entwicklung auf der 2014 geschaffenen Sonderwirtschaftszone in Mariel (ZEDM) zu geben. Dort haben bisher 19 Projekte grünes Licht von den Behörden bekommen, sieben von ihnen sind bereits in der Durchführungsphase:

  • Das brasilianisch-kubanische Joint-Venture Brascuba ist bereits seit 1993 auf der Insel aktiv und zeigt sich für einen großen Teil der Zigarettenproduktion verantwortlich. Am Dienstag wurde der Grundstein für eine neue Fabrik gelegt, die auf einer Fläche von 10,8 Hektar an der Nordküste der Sonderwirtschaftszone entstehen soll. Das Investitionsvolumen beträgt 100 Mio. US-Dollar, geplante Eröffnung ist die zweite Jahreshälfte 2018. Die Fabrik erfüllt angeblich neueste Umweltstandards und soll die Exportkapazitäten der kubanischen Tabakindustrie deutlich erweitern.
  • Das niederländische Unternehmen Unilever hat am Freitag den Grundstein für eine gemeinsame Fabrik für Hygieneartikel mit dem kubanischen Unternehmen Intersuchel gelegt. Auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern sollen ab 2018 internationale Markenprodukte wie Sedal und Rexona-Deodorant auf Kuba gefertigt werden. Die Fabrik soll etwa 300 Arbeiter beschäftigen, das Investitionsvolumen beträgt 35 Mio. US-Dollar.
  • Als 100 Prozent kubanische Firma soll die neu geschaffene Compañía Industrial Biotecnológico (CIGB-Mariel) für Entwicklung und Herstellung von Medikamenten in der Sonderwirtschaftszone zuständig sein.
  • Die südkoreanische Firma ArCo 33 will medizinisches Zubehör wie Einwegspritzen und anderes in Mariel fertigen.
  • Ein Subunternehmen der brasilianischen Baufirma Odebrecht ist bereits in Mariel ansässig.
  • Die niederländische Firma Womy Equipment will in Mariel Industrie- und Baugerät vermieten.
  • Die französische Baufirma Bouygues, welche sich auch für die Modernisierung des Flughafens José Martí in Havanna verantwortlich zeigt, plant eine Fabrik in Mariel zu eröffnen.
  • Zu diesen Firmen kommen 12 weitere Unternehmen hinzu, die bereits in einer ersten Phase bestätigt wurden. Hierzu zählt z.B. ein geplantes Joint-Venture mit der mexikanischen Fleischerei Richmeat, die in Zukunft Wurstwaren für den kubanischen Markt herstellen wird. Die mexikanische Firma Devox Caribe will Farben und Lacke in Mariel produzieren und die spanische Firma ProFood will in Mariel Lebensmittel und Getränke für die Hotelinfrastruktur des Landes herstellen. Der Produktionsbeginn der meisten Projekte ist für 2018 vorgesehen.

Von den 19 Projekten werden 10 mit 100% ausländischem Kapital operieren, vier sind Joint-Ventures und weitere vier sind 100% kubanische Unternehmen. Zu guter letzt gibt es noch eine „internationale Wirtschaftsassoziation“ mit einem Unternehmen aus Singapur, welches die Hafenanlage bereits seit ihrer Eröffnung Anfang 2014 betreibt.

Von Spanien bis China – Kuba enthüllt Investitionsvorhaben

Obwohl Spanien mit über 100 Ständen auf der Messe wieder am stärksten präsent war, betonte Kubas Außenhandelsminister in seiner Eröffnungsrede explizit die wichtigen Handelsbeziehungen seines Landes mit Russland und China. Die Volksrepublik ist nach Venezuela der zweitwichtigste Handelspartner der Insel. Peking hat in diesem Jahr seinen Bushersteller Yutong an die vorderste Front geschickt. Seit gut zehn Jahren beliefert das Unternehmen Kuba mit Bussen, über drei Viertel des Fuhrparks setzt sich mittlerweile aus Modellen des Herstellers zusammen. Dieses Jahr präsentierte Yutong erstmals ein Modell für einen neuen Elektrobus, der nach der Messe ausgiebig getestet werden soll. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h schafft der E-Bus Distanzen von bis zu 300 Kilometern ohne Nachladen zu bewältigen. Perspektivisch planen die Chinesen, eine Fabrik zur Herstellung von konventionellen und Elektrobussen auf Kuba zu erreichten.

Der südkoreanische Elektronikgigant Samsung will in den kommenden Monaten seinen ersten Handyladen in Havanna eröffnen. Er soll auf dem Gelände des Supermarkts 3ra y 70 im Stadtteil Playa errichtet werden. Auf ihrem Stand auf der FIHAV stellten die Südkoreaner ihre neuesten Modelle vor.

Auch mit Russland kam es zu neuen Deals. So will die kubanische Aeronautikfirma Aviaimport S.A. zusammen mit russischen Partnern Telekommunikations- und Ausrüstungsgegenstände für die Luftfahrt importieren. Zwischen der russischen Firma Ruselprom und dem kubanischen Partner Azuimport wurde ein nicht näher spezifizierter Vertrag zur Modernisierung der Zuckerindustrie geschlossen. Darüber hinaus wurden die bisherigen Abkommen zum Import mehrere hundert Zugwaggons und LKWs der Marke Kamaz bekräftigt.

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Geschäftiges Treiben auf der 34. Edition der FIHAV (Quelle: Cubadebate)

Auch europäische Institutionen und Banken strömen vermehrt auf die Insel. So hat die französische Entwicklungsagentur (AFD) am 24. Oktober ein Büro auf der Insel eröffnet, auch um die bereits verhandelte Re-Investierung der kubanischen Altschulden zu vereinfachen. Die Europäische Investitionsbank (EIB) will in Zukunft eine „fundamentale Rolle“ bei europäischen Investitionen auf der Insel spielen und „baldmöglichst“ auf Kuba präsent sein. Eines der Projekte soll die Modernisierung des kubanischen Schienennetzes auf der wichtigen Ost-West-Achse durch das französische Bahnunternehmen SNBC werden.

Wie bereits im letzten Jahr waren heuer auch wieder US-amerikanische Unternehmen präsent, die noch immer über unzureichende Lockerungen der US-Blockade klagen. Doch auch von kubanischer Seite gab es einen Dämpfer. Das bereits von der US-Administration genehmigte Projekt des Kleinunternehmens Cleber zur Herstellung eines sparsamen und einfach zu wartenden Traktors wurde von den Kubanern mit der Begründung abgelehnt, es passe nicht ins Profil der Sonderwirtschaftszone.

Immerhin gab es auch einen Lichtblick: Ein US-Unternehmer verriet gegenüber der AP, dass bis zum Ende des Jahres offenbar weitere Lockerungen der US-Handelsbestimmungen geplant seien, diese würden ihm dann den Export seiner Waren nach Kuba ermöglichen. Und: In Zusammenarbeit mit dem kubanischen Zentrum für molekulare Immunologie (CIM) und des US-amerkianischen Roswell Park Institutes soll demnächst eine Testreihe eines kubanischen Medikaments gegen Lungenkrebs starten. Damit wird erstmals seit 1959 wieder kubanische Medizin in den Vereinigten Staaten zum Einsatz kommen.

Hinweis: Die aktualisierte Fassung des Investitionsportfolios sowie die aktuellen Gesetze bezüglich ausländischer Investitionen sind (auch in Englisch) auf der Webseite der kubanischen Handelskammer verfügbar.