Kuba fährt beste Zuckerernte seit 11 Jahren ein

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Kubas Zuckerindustrie wird seit einigen Jahren wieder modernisiert (Quelle: Granma)

Kubas Zuckerindustrie hat in diesem Jahr 1,9 Millionen Tonnen Rohrzucker produziert, 18 Prozent mehr als noch in der letzten Saison 2013/14. Dies meldete gestern die Tageszeitung „Granma“. Obwohl das Ziel von 2 Millionen Tonnen nicht erreicht wurde, markiert die diesjährige Ernte das beste Ergebnis seit dem Jahr 2004. Nachdem die Produktion im Jahr 2010 mit 1,1 Millionen Tonnen den historischen Tiefstand seit dem Jahr 1905 erreichte, begann sich Kubas Zuckerindustrie in den letzten Jahren wieder langsam zu erholen.

In den 1980er Jahren produzierte Kuba jährlich noch bis zu 8 Millionen Tonnen Zucker. Nach Auflösung der Sowjetunion läutete die Sonderperiode in Kuba den langsamen Niedergang des einst stolzen Zuckersektors ein. Ergebnisse von 3 bis 4 Millionen Tonnen waren die Folge. Im Jahr 2002 drehte der kubanische Staat dem Zuckersektor endgültig die Mittel zu, 71 der 156 Zuckermühlen mussten schließen. Bedingt durch niedrige Weltmarktpreise sah sich die Regierung damals zu Einsparungen gezwungen, Deviseneinnahmen sollten stattdessen verstärkt durch Bergbau und Tourismus erwirtschaftet werden. Von 2005 bis 2011 pendelten sich die Ergebnisse bei mageren 1,1 bis 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr ein.

Nach Auflösung des Zuckerministeriums nahm im Jahr 2011 die staatliche Holding Azcuba dessen Platz ein. Seitdem versucht Kubas Regierung Wege zu finden, um die veraltete Industrie zu erneuern. Vergangenes Jahr produzierte Kuba 1,6 Millionen Tonnen Zucker, wobei nur ein Zuwachs von etwa vier Prozent gegenüber 2013 erreicht werden konnte. Anhaltende Regenfälle sowie die unzureichende Organisation wurden damals als Grund für das schlechte Ergebnis genannt.

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Zuckerproduktion Kubas, 1985 – 2011 (Quelle: The Cuban Economy)

Im Jahr 2012 wurde mit der Fabrik „5 de Septiembre“ in Cienfuegos die erste kubanische Zuckermühle mit Hilfe brasilianischer Technik modernisiert. Verwaltet wird das Joint-Venture von der Firma Odebrecht, die auch für den Bau der Hafenanlagen in Mariel verantwortlich ist. Investitionen in neue Technik sowie ein neues Lohnsystem haben seit der Gründung von Azcuba für eine langsame Wiederbelegung des Sektors gesorgt. Dennoch sind weiterhin große Investitionen notwendig, um das langfristige Produktionsziel von 3 bis 4 Millionen Tonnen pro Jahr zu erreichen.

Azcuba gab 2011 begannt, bis zum Jahr 2015 etwa 2,4 Millionen Tonnen Zucker produzieren zu wollen. Obwohl dieses Ziel bisher nicht realisiert wurde, gelang es der Firma (mit Ausnahme des letzten Jahres) mindestens zweistellige Zuwachsraten zu generieren. Auch in den nächsten Jahren soll die Zuckerproduktion zwischen 15 und 20 Prozent pro Jahr zulegen. Kubas Bevölkerung verbraucht pro Jahr zwischen 600.000 und 700.000 Tonnen Zucker. Weitere 400.000 Tonnen gehen im Rahmen eines Sonderabkommens nach China, der Rest wird auf dem Weltmarkt verkauft.

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Tourismus nimmt im Januar an Fahrt auf

Varadero, Cuba

Hotelkomplex in Varadero. Die Anzahl der Touristen in Kuba legte im Januar um 16% gegenüber dem Vorjahresmonat zu.  (Quelle: cmbtravel)

Die kubanische Tourismusindustrie erlebt gerade ein deutliches Wachstum. Allein im Januar 2015 kamen 371.160 Besucher auf der Insel an, 16 Prozent mehr als im selben Monat vergangenen Jahres. Nach Angaben der kubanischen Statistikbehörde ONE kommt knapp die Hälfte der Touristen aus Kanada, gefolgt von Deutschland, England und Frankreich als den wichtigsten Herkunftsländern. Die Wintermonate von November bis März markieren die Hochsaison für den Tourismus in Kuba.

Kuba profitiert bereits von der Erleichterung der Reisebestimmungen für US-Amerikaner, die im Vorfeld des Dialogs mit den Vereinigten Staaten im Dezember von Barack Obama per Dekret erlassen wurde. Im letzten Jahr besuchten 3 Millionen Menschen die Insel, 5 Prozent mehr als noch 2013. Kubas Tourismusindustrie könnte bei anhaltendem Wachstum dabei schon bald an die eigenen Kapazitätsgrenzen stoßen.

Verbesserungsbedarf gibt es nicht nur in Bezug auf die Qualität, sondern vor allem bei der Anzahl der Unterkünfte. Derzeit verfügt Kuba über 61.000 Schlafplätze, bis zum Jahr 2020 sollen es ingesamt 85.000 werden. Dafür sind auch Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Zahlreiche Projektvorschläge für ausländische Direktinvestitionen zielen deshalb auf den Tourismus ab, der gerade in Kubas östlichen Provinzen besser entwickelt werden soll.

Auch die Hafen- und Flugverkehrsinfrastruktur des Landes wird derzeit modernisiert. So kündigte die brasilianische Baufirma Odebrecht am Montag an, Terminal 3 des internationalen Flughafens „José Martí“ in Havanna ausbauen zu wollen. Das Unternehmen war bereits an der Errichtung des Containerports von Mariel beteiligt.  Noch diesen Monat sollen die Arbeiten am Terminal beginnen, die insgesamt 207 Mio. US$ kosten werden. Langfristig plant Kuba mit russischer Hilfe einen neuen internationalen Flughafen im 10 Kilometer entfernten San Antonio de los Baños zu errichten.