Kuba feiert 100. Jahrestag der Oktoberrevolution

Politbüromitglied Machado Ventura bei der Eröffnungsrede zur Festgala anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution am 7. November in Havanna (Quelle: Granma)

Mit einer festlichen Gala in Havannas Karl-Marx-Theater hat Kubas Führung am Dienstag den 100. Jahrestag der sozialistischen Oktoberrevolution begangen, mit der „eine neue Etappe in der Menschheitsgeschichte begann“, wie Politbüromitglied José Machado Ventura in der zentralen Eröffnungsrede erklärte. Auch Präsident Raúl Castro, der zuvor ein Grußschreiben an die Kommunistische Partei Russlands übermittelte, nahm an der Veranstaltung teil.

„100 Jahre danach ist es unmöglich den immensen Beitrag und das Erbe der bolschewistischen Revolution zu leugnen“, sagte Ventura in seiner Rede. Kuba werde auch weiterhin einen sozialistischen Entwicklungsweg in der Tradition der Oktoberrevolution beschreiten, bekräftigte der 87-Jährige, der als „Cheftheoretiker“ der regierenden kommunistischen Partei Kubas (PCC) gilt. Die Festgala endete mit der Aufführung von Tschaikowskys Ouvertüre „1812“.

In Moskau legte eine kubanische Delegation indes Blumen am Grab des unbekannten Soldaten sowie am Lenin-Mausoleum nieder. „In der Welt, die wir wollen, und die es geben wird, müssen wir an diese Zeit der Revolution erinnern“, sagte José Ramón Balaguer, Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) und Leiter seiner Abteilung für Internationale Beziehungen auf einer Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien in der nordrussischen Stadt St. Petersburg.

Raúl Castro wandte sich in seinem Telegramm anlässlich des Jubiläums indes nicht an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, sondern richtete seine Karte an KP-Generalsekretär und Oppositionsführer Gennady Zyuganov. „Anlässlich des 100. Jahrestags der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution übermitteln wir Ihnen die aufrichtigsten Glückwünsche der Kommunistischen Partei Kubas“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Die Ideale, welche die Arbeiter, Bauern und Soldaten im Aufbau des ersten sozialistischen Staates unter der Führung Lenins und der bolschewistischen Partei bewegten, behalten ihre volle Gültigkeit.“

Fidel Castro unterstützt Dialog mit den USA

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Fidel Castro ist trotz Misstrauens gegenüber der US-Politik mit der diplomatischen Annäherung  zwischen Kuba und den USA einverstanden (Quelle: onedio)

Fidel Castro hat sich am Montag in einem offenen Brief an die kubanische Studentenorganisation (FEU) geäußert. Darin bekundete er seine vorsichtige Zustimmung zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten. Seit den Reden von US-Präsident Obama und Raúl Castro am 17. Dezember hat sich der langjährige kubanische Staatschef nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet. Zuletzt schrieb er Mitte Januar einen Brief an Diego Maradona, über dessen Inhalt nichts bekannt ist.

Das lange Schweigen des Fidel Castro wurde von einigen Beobachtern als Zeichen schwächer werdender Gesundheit und seiner ablehnenden Haltung gegenüber der diplomatischen Öffnung interpretiert. Umso überraschender kam jetzt die erste öffentliche Stellungnahme des „Comandante en jefe“, der sich möglicherweise bis zum Ende der jüngsten Gespräche mit der US-Delegation in Havanna bewusst zurückgehalten hat. Er wolle den „Freunden Kubas“ seine Haltung darlegen, so der 88-jährige.

„Weder vertraue ich der US-Politik, noch habe ich ein Wort mit ihnen gewechselt“, schreibt Castro. Dennoch werde er keine friedfertigen Konfliktlösungen zurückweisen, die Verteidigung des Friedens sei die Pflicht aller. „Jede friedliche oder Verhandlungslösung für die Probleme zwischen den Vereinigten Staaten und den Völkern oder jedem anderen Volk Lateinamerikas, die keine Gewalt oder Gewaltanwendung beinhaltet, sollte in Übereinstimmung mit den internationalen Normen und Prinzipien behandelt werden.“

Im Kontext von Kubas Kampf gegen das Apartheidsregime in Südafrika hob er den Handschlag zwischen seinem Bruder Raúl und US-Präsident Obama auf der Beerdigung Nelson Mandelas hervor. Er ging dabei detailliert auf das kubanische Engagement in Afrika ein: „Die internationalistischen kubanischen Truppen zogen sich ehrenvoll aus Afrika zurück. Dann kam die plötzlich die Sonderperiode in Friedenszeiten, die schon über 20 Jahre gedauert hat, ohne dass die weiße Fahne gehisst wurde. Etwas das wir niemals taten und niemals tun werden.“

In dem Brief ruft Castro seine Studienzeit an der Universität von Havanna ins Gedächtnis und beschreibt, welche Bedeutung die Lektüre von Marx und Lenin in seinem Leben gehabt habe. In einigen Sätzen ging er auch auf Fragen der globalen Nachhaltigkeit im Zuge des Bevölkerungswachstums ein. Die Rückkehr der „Cuban Five“ ließ er unkommentiert. Mit Blick auf die USA schloß Castro versöhnlich: „Wir werden die Zusammenarbeit und Freundschaft mit allen Völkern der Welt, darunter auch die unserer politischen Gegner, immer verteidigen.“ In diesem Geiste werde er bis zum letzten Atemzug kämpfen.

Eine deutsche Übersetzung des gesamten Briefs findet sich hier.