Neue Zugverbindungen nehmen auf Kuba den Betrieb auf

Bis 2021 sollen 160 weitere Waggons aus China eintreffen, womit wieder mehrmals täglich Langstreckenverbindungen auf Kubas Schienen angeboten werden können (Quelle: Xinhua)

Entlang der Strecke warteten viele Kubaner schon sehnlichst auf das Eintreffen des neuen Zuges, der am Samstagnachmittag von Havanna aus seine erste reguläre Fahrt ins 835 Kilometer entfernte Santiago de Cuba begonnen hat. Binnen weniger Tage waren alle Tickets für die Jungfernfahrt ausverkauft. Kubas erster neuer Zugerwerb seit über 40 Jahren, welcher vollständig aus chinesischen Waggons besteht, soll den Transport auf der Insel drastisch verbessern helfen.

„Dank der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China kann Kubas Transportwesen heute auf neue Zugverbindungen zählen“, sagte Kubas Vize-Transportministerin Marta Oramas gegenüber der Nachrichtenagentur Xinhua“. Nachdem vor einigen Wochen die erste Lieferung aus 80 fabrikneuen Passagierwaggons eingetroffen war, kann die Strecke zwischen Havanna und Santiago, welche bisher alle vier Tage mit 7 Waggons bedient wurde, heute wieder jeden zweiten Tag mit 12 Waggons angefahren werden.

Die Transportkapazitäten entlang der Hauptstrecke werden damit verdreifacht. Auch die seit 2006 stillgelegte Verbindung Havanna – Holguín wurde am Sonntag wieder aufgenommen, ebenso die Verbindung nach Guantánamo, die jetzt wieder alle drei Tage stattfindet. In den Jahren 2020 und 2021 sollen je 80 weitere Waggons geliefert werden, womit sich die Frequenz auf allen Strecken weiter erhöhen wird. Auch Investitionen für Wartung und Ersatzteilbeschaffung sind vorgesehen. Kubas Eisenbahngesellschaft will die ersten fabrikneuen Waggons nach über 40 Jahren möglichst pfleglich behandeln.

Viele Kubaner ließen es sich nicht nehmen, den neuen Zug an ihrem Bahnhof persönlich zu begrüßen (Quelle: Cubadebate)

Die Züge der acht neuen interprovinziellen Linien bestehen aus 12 Waggons und bieten Platz für 720 Passagiere. Vier der Waggons sind klimatisiert und mit verstellbaren Sitzen sowie Bordentertainment ausgestattet, hinzu kommt ein Bistrowagen in jedem Zug. Wenige Tage nach Eröffnung des Vorverkaufs waren auf der Insel bereits alle Tickets ausverkauft – kein Wunder angesichts der stark subventionierten Preise. So kostet die Fahrt von Havanna nach Santiago in einem ventilatorgekühlten Waggon lediglich 70 Pesos (ca. 2,50 Euro), in der klimatisierten ersten Klasse 95 Pesos (3,50 Euro). Eine Mahlzeit samt Getränk im Bordbistro ist mit 20 Pesos (ca. 0,70 Euro) veranschlagt (beim Ticket der ersten Klasse inklusive).

Die Ticketpreise sind entsprechend der Entfernung gestaffelt (0,08 Pesos pro Kilometer in der zweiten Klasse) und deutlich günstiger als im bisher dominierenden Busverkehr. Wie das Transportministerium bestätigte, gelten für Touristen die selben Preise wie für Kubaner. Für die Buchung eines Tickets benötigt man als Tourist kubanische Pesos (erhältlich an jeder Wechselstube [CADECA]) und den Reisepass.

Mit 14 Stunden und 40 Minuten ist der Zug zudem knapp zwei Stunden schneller nach Santiago unterwegs als der Fernbus. In den kommenden Jahren soll sich die Fahrzeit mittels neuer Investitionen in das Streckennetz auf rund 10 Stunden verkürzen. Anders als bisher können Tickets für den neuen Zug 30 (statt fünf) Tage im Voraus gebucht werden. Bei Problemen oder Unpünktlichkeit darf der Betreiber „Unión de Ferrocariles de Cuba (UFC)“ jetzt Preisnachlässe geben. Darüber hinaus kann der Stand des Zugs mit einer eigens entwickelten App in Echtzeit, sowie auf Info-Monitoren in den größeren Stationen verfolgt werden. „Ich habe viel Erfahrung mit dieser Strecke, aber das was wir jetzt sehen, ist eine große Sache, die unseren Zugverkehr grundlegend verändern wird“, sagte eine kubanische Zugbegleiterin mit 34-jähriger Diensterfahrung gegenüber „Cubadebate“. Jetzt komme es darauf an, „gemeinsam gut auf die neuen Züge aufzupassen“, wie ein Leser kommentierte.

Weitere Infos zu Tarifen, Fahrplänen und Haltestellen (+ Bilder): 

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Sanktionen gegen Huawei: „China kann mit Kubas voller Solidarität rechnen“

Bruno Rodríguez im Interview mit der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur „Xinhua“ (Quelle: Xinhua)

In einem Interview mit der chinesischen Nachrichtenangentur „Xinhua“ verurteilte Kubas Außenminister Bruno Rodríguez die jüngsten US-Sanktionen gegen den chinesischen Handyhersteller Huawei scharf. Das Vorgehen der Trump-Administration gegen die Volksrepublik bezeichnete er darin als „Gefahr für den Frieden und die internationale Sicherheit“. Die jüngste Eskalation des Handelsstreits zeige, dass die Vereinigten Staaten zunehmend an technologischer Wettbewerbsfähigkeit verlören, so Rodríguez. 

„Kuba setzt heute vielfach chinesische Technik erfolgreich für seine eigene Entwicklung ein“, erklärte Rodríguez. „Wir haben vollstes Vertrauen in chinesische Technologie, und insbesondere in Huawei.“ Das Unternehmen ist einer der wichtigsten Partner beim Aufbau des kubanischen Internet- und Mobilfunknetzes. Praktisch alle WiFi-Hotspots auf Kuba sind mit Huawei-Antennen versorgt, zudem werden Huawei-Smartphones seit einigen Jahren verstärkt in den staatlichen Telefonläden angeboten. Die Genossenschaft ist mittlerweile der zweitgrößte Handyhersteller weltweit und hat sich in den letzten Jahren mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis weltweit einen positiven Ruf erarbeitet.

Kein Wunder also, dass die wohl bekannteste chinesische Handymarke im Kontext des Handelsstreits jüngst zur Zielscheibe von US-Sanktionen wurde, welche sich offiziell gegen den bisher unbewiesenen Vorwurf der Spionage richten. Die USA wollen Huawei von der Nutzung des populären Android-Betriebssystems für seine Smartphones ausschließen und zwingen Chiphersteller wie ARM und Intel, künftig nicht mehr für die Firma zu fertigen. Darüber hinaus unterliegt der Verkauf von Huawei-Geräten in den USA immer stärkeren Einschränkungen. Der chinesische Hersteller reagierte bereits mit der Ankündigung, bis Ende des Jahres ein selbst entwickeltes Betriebssystem einzusetzen, welches zu Android kompatibel ist. 

„China kann mit Kubas voller Solidarität rechnen“, erklärte Kubas Außenminister in Beijing. Die kubanische Wirtschaft werde chinesische Hersteller wie Huawei und ZTE mit „offenen Türen empfangen“, und ihnen darüber hinaus „zusätzliche Geschäftsfelder bieten“, so Rodríguez. Er erinnerte daran, dass Kuba als erstes Land der westlichen Hemisphäre im September 1960 die Volksrepublik China diplomatisch anerkannte. Heute befänden sich die historisch gewachsenen Beziehungen zwischen beiden Ländern auf einem Höhepunkt. Erst im November 2018 hatte Kuba eine Absichtserklärung zur Teilnahme am chinesischen Handelsprojekt der Neuen Seidenstraße („Belt and Road Initiative“) unterzeichnet. Das Interview fand im Rahmen des jüngsten China-Besuchs in der kubanischen Botschaft in Beijing statt.

Die Volksrepublik China löste 2016 erstmals Venezuela als wichtigsten Handelspartner Kubas ab. Im selben Jahr nahm auch eine neue Fabrik für Laptops und Tablets in Kuba ihren Betrieb auf, welche mit chinesischer Hilfe errichtet wurde. China ist heute einer der wichtigsten Lieferanten für Autos, Busse, Elektroroller, Haushaltsgeräte, sowie Elektronik- und Mobilfunkgeräte auf der Insel. Darüber hinaus arbeiten chinesische Firmen auch auf dem Gebiet der Biotechnologie, beim Ausbau der erneuerbaren Energien, bei der Modernisierung des Schienenverkehrs und in anderen Bereichen mit Kubas Staatssektor zusammen. Auf politischem Gebiet finden seit 2014 neben Staatsbesuchen auch wieder regelmäßige Arbeitstreffen zwischen den beiden regierenden Kommunistischen Parteien statt.

Neue Zugverbindung Havanna-Holguín startet im Sommer, erste Waggonlieferung aus China eingetroffen

Die ersten 56 der insgesamt 240 neuen Waggons trafen am Sonntag aus China ein (Quelle: jlorenzo1956 / Twitter)

Zugfahren wird auf Kuba schon bald deutlich komfortabler. Nach 13 Jahren nimmt auf der Insel erstmals wieder ein klimatisierter Intercity-Zug den regulären Betrieb auf. Die ersten 56 Waggons, welche auf der Strecke Havanna-Holguín eingesetzt werden, sind am Sonntag aus der Volksrepublik China eingetroffen. Die neue Verbindung soll bereits im August starten, doch auch andere Strecken werden profitieren. Derzeit laufen letzte Arbeiten an den Bahnhöfen von Havanna und Holguín, welche mit moderner Informationstechnik ausgestattet werden. In einigen Wochen sollen erste Testfahrten auf der Strecke beginnen, die mit 10 Zwischenhalten den Westen mit dem Osten der Insel verbindet. Der Preis, welcher laut vorläufigen Angaben umgerechnet 4,10€ für die erste Klasse beträgt, dürfte für viele Kubaner attraktiv sein.

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Kehrt Kuba zurück in die Sonderperiode? (Analyse)

Die Sonderperiode der 1990er Jahre mit ihren Einschränkungen und Improvisationen ist vielen Kubanern noch in lebendiger Erinnerung (Quelle: Commons)

Angefangen hat es mit der Verknappung von Mehl und Speiseöl. Inzwischen bekommt Kuba auch in anderen Bereichen die Folgen der Krise in Venezuela sowie die jüngste Verschärfung der US-Blockade zu spüren. Während die Zeitungen ihren Umfang reduzieren mussten, haben viele Provinzen bereits mit Einschränkungen beim Transport und im Stromverbrauch zu kämpfen. Raúl Castro warnte Mitte April, dass sich die Lage „in den kommenden Monaten“ weiter verschlechtern könne. Droht Kuba die Rückkehr in die Sonderperiode der 1990er Jahre?

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Havanna erhält chinesische Bushaltestellen

Die beiden neuen Wartehäuschen befinden sich in Havannas Stadtteil Plaza (Quelle: Tribuna)

Anlässlich des anstehenden 500. Gründungsjubiläums der kubanischen Hauptstadt Havanna, hat die chinesische Firma „Yutong“ zwei neue Bushaltestellen gestiftet. Neben einer modernen LED-Anzeige verfügen diese über einen Linienplan des gesamten Busnetzes sowie Vorrichtungen zur Mülltrennung.

Zum 500. Jubiläum setzt Havanna voll auf Mülltrennung (Quelle: Tribuna)

Vergangene Woche wurden die beiden neuen Haltestellen in einer feierlichen Zeremonie unter Beisein der Yutong-Vertreterin Wang Tong eröffnet, wie die Lokalzeitung „Tribuna de La Habana“ berichtet. Yutong ist einer der größten Bushersteller Chinas und in der Welt. Die Firma ist seit über 14 Jahren auf Kuba aktiv und lieferte den Großteil der kubanischen Busflotte sowie der Metrobusse von Havanna. Offenbar waren die beiden neuen Haltestellen, welche sich in Havannas Stadtteil „Plaza“ in der Nähe des Busbahnhofs befinden, eine Spende der chinesischen Firma.

Neben der breiten und überdachten Sitzfläche verfügen die Haltepunkte auch über einen Mülleimer mit Trennung für Recyclingabfälle und ist damit fit für die Zukunft. Künftig will Kubas Regierung verstärkt auf Mülltrennung setzen, um die Recyclingquote zu erhöhen und Importe einzusparen. Ein weiteres Novum ist die moderne LED-Anzeige mit Liniennetzplan, zwei Dinge, die die Orientierung insbesondere für Touristen erleichtern dürften. Ob in Zukunft weitere Bushaltestellen mit den neuen Komfortmerkmalen ausgestattet werden dürften ist noch unklar.

Die chinesischen Bushaltestellen verfügen über moderne LED-Anzeigen samt Liniennetzplan (Quelle: Tribuna)

Mehr Komfort auf Kubas Schienen: neuer Passagierzug kommt aus China

Außenansicht der chinesischen Waggons (Quelle: Juventud Tecnica, MINTRANS)

Bahnreisen könnten auf Kuba in Zukunft deutlich bequemer werden. Wie das Technikmagazin „Juventud Tecnica“ meldete, will Kuba in den kommenden Jahren den Personenverkehr auf der Schiene umfassend erneuern. Hierzu werden 80 Waggons aus der Volksrepublik China angeschafft, welche den Fernverkehr der Insel auf neue Beine stellen sollen.

Bordbistro. Unspektakulär, aber zweckmäßig (Quelle: JT/MT)

Die Waggons werden über „hohen Komfort“ verfügen, und sind für den Einsatz in tropischen Gefilden ausgelegt. Einige sind mit Klimaanlage ausgestattet, die übrigen haben ein Ventilatorsystem. Auch Monitore im Fahrgastraum, moderne sanitäre Einrichtungen sowie ein Bordbistro sollen Teil der neuen Fernzüge werden. Mit dem Start des Angebots sollen vor allem wieder die Strecken Havanna-Holguín und Havanna-Santiago besser bedient werden. Heute ist die Verbindung lange nach dem Ende des „Tren Frances“ recht ausgedünnt, das Rollmaterial in tendenziell dürftigem Zustand. Gute Neuigkeiten künftig auch für Touristen, für die Bahnreisen auf Kuba noch wenig attraktiv sind und die heute meist mit dem Bus oder Mietwagen auf der Insel unterwegs sind.

Kuba arbeitet bereits seit einigen Jahren zusammen mit Russland und China an der Erneuerung des Transportwesens. Erst im Januar wurde zuletzt neues Rollmaterial für den Gütertransport geliefert. Neben der Modernisierung des Fernverkehrs sollen mittelfristig auch stillgelegte Nebenstrecken mit russischen Schienenbussen wieder in Betrieb genommen werden. Auch eine neue Schnellzugstrecke „Havanna-Varadero“ ist geplant. Wann genau die neuen Züge aus China eingesetzt werden, ist noch nicht bekannt.

Update vom 9. April: Laut Berichten der Lokalzeitung „Venceremos“ werden die ersten 10 Waggons voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2019 auf der Strecke Havanna-Guantánamo eingesetzt werden.

Einige der Waggons sind mit Klimaanlage und Monitoren ausgestattet (Quelle: JT/MT)

Kuba verurteilt Einmischung in Venezuela und warnt vor „Marionettenregierung“

Rede von Nicolás Maduro gestern vor Anhängern auf dem Balkon des Präsidentenpalastes Miraflores in Caracas (Quelle: Cubadebate)

Das kubanische Außenministerium hat gestern Abend in einem Statement den versuchten Staatsstreich in Venezuela aufs schärfste verurteilt. Das wahre Ziel der gestrigen Aktion sei die Kontrolle der Ressourcen des Landes, heißt es in der Stellungnahme. Am Mittwoch hatte sich der 35-jährige Oppositionspolitiker Juan Guaidó zum Staatschef des ölreichen Landes ernannt und erhielt dafür sofortige Unterstützung der USA sowie der US-kontrollierten Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), welche Guaidó als legitimen Präsidenten des Landes anerkennen.

Zahlreiche Menschen gingen in Folge der Aktionen gestern auf die Straße, es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Unterstützern und Gegnern des Oppositionspolitikers, der bis dahin relativ unbekannt war. In Folge der Anerkennung des Gegenpräsidenten brach Venezuela seine Beziehungen zu den USA ab. Indes drückten zahlreiche Länder ihre Solidarität mit dem gewählten Präsidenten Nicolás Maduro Moros aus. „Die Souveränität unserer Völker wird heute in der Haltung gegenüber Venezuela ausgefochten. Das legitime Recht der Schwesternation zu unterstützen, ihr Schicksal zu bestimmen, heißt, die Würde aller zu verteidigen“, sagte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel. Mit dem versuchten Putsch und solle „eine Marionettenregierung im Dienste der Vereinigten“ eingesetzt werden, heißt es in der Erklärung des kubanischen Außenministeriums.

Auch China, Russland, Mexiko, die Türkei, Nicaragua, Bolivien, Iran und Syrien drückten ihre Unterstützung aus. Beijing forderte die USA dazu auf, sich aus den inneren Angelegenheiten Venezuelas herauszuhalten. Die Volksrepublik werde die „Bemühungen der venezolanischen Regierung ihre nationale Souveränität zu sichern“, unterstützen, zitiert die chinesische Nachrichtenagentur CNS ein Statement des Außenministeriums in Beijing. „China hält stets an dem Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder fest, lehnt eine externe Intervention in die inneren Angelegenheiten Venezuelas ab und fordert die internationale Gesellschaft auf, gute Bedingungen für das Land zu schaffen“, sagte die Sprecherin des Außenministeriums Hua Chunying.

Aus dem Kreml hieß es, dass „nur das venezolanische Volk das Recht hat, über seine Zukunft zu entscheiden.“ Russland erkenne lediglich Nicolás Maduro als legitimes Staatsoberhaupt Venezuelas an. Jegliche externe Intervention werde von Russland als „inakzeptabel“ betrachtet. Mexikos Regierung ließ verlauten, dass die Lage geprüft werde, Nicolás Maduro jedoch weiterhin als Staatschef anerkannt werde.