Kuba will mehr Öl aus Russland: eine Frage des Geldes

Trotz guter Beziehungen zu Russland muss auch Kuba heute zu Weltmarktkonditionen für Öllieferungen bezahlen (Quelle: Veteranstoday)

Das sozialistische Kuba will offenbar seine Ölimporte aus Russland weiter erhöhen. Dies sagte der russische Energieminister Alexander Novak gegenüber der Nachrichtenagentur TASS. „Kuba will wirklich mehr Lieferungen, aber die Frage liegt bei den Quellen der Finanzierung“, wird der Minister von der russischen Agentur zitiert.

Nach zurückgehenden Lieferungen aus Venezuela hat Kuba zuletzt in diesem Jahr einen neuen Deal mit Russland ausgehandelt, der Lieferungen von schätzungsweise 1,86 Millionen Barrel umfasst. Die erste Charge aus 249.000 Barrel an Treibstoff und Ölderivaten traf Anfang des Monats auf Kuba ein. Es handelt sich dabei um die umfangreichsten Öllieferungen aus dem eurasischen Land seit Auflösung der Sowjetunion 1992.

Gleichzeitig wurde spekuliert, ob Russland wie einst zu Sowjetzeiten wieder Öl zu subventionierten Preisen nach Kuba liefere. Diesen Spekulationen setzte der russischer Minister nun ein Ende. „Wenn die finanziellen Ressourcen gefunden sind, werden die Firmen liefern. Es geht hier nicht um Wohltätigkeit“, so Novak.

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Russland liefert wieder Öl im großen Stil nach Kuba

Russland zählt seit kurzem wieder zu den wichtigsten Öllieferanten Kubas (Quelle: TV6)

Russland hat offenbar jüngst damit begonnen, zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges wieder größere Mengen Öl nach Kuba zu liefern. Wie Reuters meldet, ist am gestrigen Mittwoch die erste Lieferung von 249.000 Barrel Öl und Dieseltreibstoff auf der Insel eingetroffen. Gleichzeitig hat Kubas engster Verbündeter Venezuela die Belieferung der Insel mit Leichtöl nach achtmonatiger Pause wieder aufgenommen. Grund zur Entwarnung gibt es trotzdem nicht, wie auf der jüngsten Ministerratssitzung bekannt wurde.

Juli 2016: Raúl Castro schraubt die Wirtschaft auf Sparflamme

Seit Sommer letzten Jahres steckt Kuba in einer schweren Energiekrise. Nach dem Rückgang der venezolanischen Ölimporte um gut ein Drittel, verabschiedete Kubas Regierung im vergangenen Jahr ein Sparprogramm, das unter anderem Einschnitte bei den Importen, der Strom- und Kraftstoffversorgung im Staatssektor sowie beim öffentlichen Transport vorsieht. Nicht zuletzt aufgrund der Krise in Venezuela rutschte Kuba 2016 mit einem Negativwachstum von 0,9 Prozent zum ersten Mal seit 1994 wieder in die Rezession.

Kuba muss rund die Hälfte seines Erdöl- und Treibstoffbedarfs aus Importen decken. Trotz der laufenden Energiewende wird noch immer mehr als 80 Prozent der Stromversorgung mittels sowjetischer Schwerölkraftwerke bewerkstelligt. Nach dem Lieferengpass aus Venezuela musste offenbar sogar Kubas größte Raffinerie in Cienfuegos für acht Monate stillgelegt werden. Die Anlage wurde 2008 mit venezolanischer Hilfe umfassend modernisiert und ist darauf ausgelegt, täglich rund 65.000 Liter Rohöl zu verarbeiten.

Zusätzlich zur Deckung des eigenen Bedarfs konnte Kuba in den vergangenen Jahren wichtige Devisen durch den Export von auf der Insel veredelten Rohölprodukten generieren. Diese Exporteinnahmen gingen jedoch aufgrund der schwindenden Lieferungen aus Venezuela und dem gefallenen Ölpreis von mehr als 500 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 auf lediglich 15,4 Mio. US-Dollar im vergangenen Jahr zurück.

Vorzugskonditionen aus Russland?

Nachdem in den vergangenen Wochen weitere Engpässe bei der Ausgabe von Premium-Kraftstoff höherer Oktanzahl bekannt wurden (die jedoch vor allem Touristen und Diplomaten betreffen), gibt es nun erstmals seit Beginn der Krise wieder ein Zeichen der Beruhigung: Offenbar hat Russlands Präsident Wladimir Putin reagiert, nachdem Raúl Castro ihn vergangenen September angeblich persönlich in einem Brief um ein Angebot bezüglich neuer Öllieferungen ersuchte.

Nach Schätzungen des Ökonomen Jorge Pinon, eines Rohstoffexperten der Universität von Texas, dürfte der Deal mit Russland Lieferungen von insgesamt 1,86 Millionen Barrel umfassen, die einen Marktwert von schätzungsweise 105 Millionen US-Dollar haben. Ob Kuba zu Weltmarktpreisen bezahlt, oder wie zu Sowjetzeiten subventionierte Lieferungen erhält, ist indes nicht bekannt. Bestimmte Vorzüge bei den Vertragskonditionen dürften aufgrund der anhaltenden Devisenknappheit Kubas jedoch wahrscheinlich sein.

Keine Entwarnung auf der Sitzung des Ministerrats

Venezuela nahm im März indes die Lieferung von Leichtöl wieder auf, das als Rohstoff für die Herstellung von Diesel und Benzin benötigt wird. In diesem Monat wurden bereits 1,39 Millionen Barrel in drei Lieferungen in die kubanische Hafenstadt Matanzas verschifft, während in den Vormonaten laut Dokumenten die Reuters vorliegen lediglich 500.000 bis 600.000 Barrel pro Monat geliefert wurden. Um seine Wirtschaft am laufen zu halten benötigt Kuba jeden Monat knapp fünf Millionen Barrel an fossilen Brennstoffen. Das sind rund 160.000 Barrel an Ölprodukten pro Tag, davon mindestens 22.000 Barrel Dieselkraftstoff.

Angesichts der akuten Krise in Venezuela, die in dem Land selbst bereits zu Energieknappheit geführt hat, versucht Kuba derzeit das Portfolio möglicher Handelspartner zu diversifizieren. Neben Russland waren auch Öllieferungen aus Tunesien und dem Iran im Gespräch. Nach der Auflösung der Sowjetunion bezog Kuba weiterhin Öl aus Russland, der jetzige Vertrag bedeutet für das eurasische Land jedoch die umfangreichsten Lieferungen an die Insel seit Ende des Kalten Krieges.

Dennoch bedeuten die neuen Lieferungen keine Entwarnung bei der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Situation. Es bleibt abzuwarten, wie langfristig die russischen Lieferungen angelegt sind. Kubas Wirtschaftsminister geht jedenfalls nicht davon aus, dass das Land im nächsten Jahr große Sprünge machen wird. Auf der jüngsten Sitzung des kubanischen Ministerrats, die Ende April stattfand und in den kubanischen Medien ein ungewöhnlich schwaches Echo erfuhr, wurden die Grundzüge des Wirtschaftsplans 2018 abgesteckt: die Mittel werden sich auf strategische Projekte und den Erhalt der Sozialsysteme konzentrieren, insgesamt sollen die Staatsausgaben im Vergleich zum laufenden Jahr zurückgehen.

Energieversorger fordert Kubaner zum Stromsparen auf

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„Kuba braucht Stromeinsparungen.“ Ein Plakat aus der Energierevolution von 2005/6 erscheint in Zeiten der Energiekrise aktueller denn je (Quelle: Carlosstjames.com)

Kubas staatlicher Elektrizitätsversorger UNE hat die Bevölkerung zum Stromsparen aufgerufen. „Es ist unausweichlich, Maßnahmen anzuwenden die zu einer rationellen Energienutzung beitragen und zu unmittelbaren Einsparungen für das Land führen, um Stromausfälle für die Bevölkerung zu vermeiden“, heißt es in einem Statement von UNE gegenüber der Nachrichtenagentur ACN.

Insbesondere in Zeiten der Spitzenlast, zwischen fünf Uhr Nachmittags und 21 Uhr, müssten Einsparungen erfolgen. Dort würde vor allem mit dezentralen Dieselgeneratoren Strom erzeugt, was das Land täglich 1,4 Mio. US-Dollar koste. Wenn jeder Haushalt seinen Stromverbrauch während dieser Zeit um 20 Watt reduziere, würde das dem Land kosten von jährlich 16 Mio. US-Dollar einsparen, rechnet der Energieversorger vor.

Auch zur Mittagszeit zwischen 11 Uhr Morgens und 13 Uhr wären Einsparungen besonders sinnvoll, denn hier werden ebenfalls die teureren Dieselgeneratoren zugeschalten, um die alten Schwerölkraftwerke, welche sich für die Grundlast verantwortlich zeichnen, zu unterstützen.

Kuba befindet sich derzeit in einer akuten Energiekrise. Aufgrund der schwierigen ökonomischen Situation des Haupthandelspartners Venezuela, muss Kuba den Kraftstoffverbrauch in diesem Jahr um 28 Prozent reduzieren, die Importe werden um 15 Prozent zurückgefahren. Präsident Raúl Castro kündigte auf der letzten Parlamentssitzung im Juli ein Sparprogramm an, schloss jedoch Stromabschaltungen für die Bevölkerung aus.

Havannas Sammeltaxis in der Krise

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An manchen Orten warten Fahrgäste über eine Stunde, um einen Sitzplatz in einem Sammeltaxi zu erhaschen (Quelle: Granma)

Havannas berühmte Kollektiv-Taxis, die meist in Form alter US-Oldtimern durch die wichtigsten Verkehrswege der Stadt fahren, sind in den letzten Wochen immer seltener geworden. Wo früher noch alle paar Minuten ein Sammeltaxi vorbeifuhr, müssen Passagiere heute manchmal über eine Stunde warten. Das alles kommt nur kurz nach Raúl Castros Ankündigung, dass Kuba aufgrund zurückgehender Öllieferungen aus Venezuela sparen muss.

Kollektivtaxis – eine wichtige Ergänzung des Transportsystems

An praktisch jeder wichtigen Hauptstraße Havannas sieht man sie stehen. Winkende, scheinbar wild gestikulierende Kubaner, die gerade dem Fahrer mitteilen wollen, in welche Richtung es gehen soll. Die anhaltenden Autos haben viele Namen: Almendrones (speziell für die alten US-Autos), Maquinas, Taxi-Rutero oder Taxi-Colectivo, um nur einige zu nennen. Fest steht, dass sich jene Fahrzeuge, die man im deutschen am ehesten als Sammeltaxi bezeichnen würde, in den letzten Jahren einen wichtigen Platz im Transportsystem der kubanischen Hauptstadt erobert haben.

Für einen Preis von normalerweise 10 Pesos (ca. 0,40 US$, längere Strecken auch 20 Pesos) rollen die Fahrer auf fixen Routen nach dem „Hop-On, Hop-Off“-Prinzip durch die wichtigsten Korridore der Hauptstadt. Entlang der Strecke können Fahrgäste jederzeit ein- bzw. aussteigen. Normalerweise fahren die Colectivos Tag und Nacht. Selten muss man länger als ein paar Minuten auf eine Mitfahrgelegenheit warten, was dem ganzen etwas von einem offiziellen Transportsystem verleiht.

Dabei arbeiten die Fahrer der Kolektivtaxis auf eigene Rechnung und entrichten ihre Steuern an den Staat. Durch konstante Preise konnten sie sich einen festen Platz als Alternative zum Bussystem etablierten, da die Fahrt mit einer Maquina in der Regel deutlich schneller, flexibler und komfortabler als eine Busfahrt ist. Das hat bis vor kurzem recht gut funktioniert, doch seit einiger Zeit rumort es zwischen Staatsapparat, Taxifahrern und Fahrgästen.

Doppelter Fahrpreis und weniger Autos

Anfang Juli haben einige Taxifahrer damit begonnen, ihre Routen zu verkürzen. Andere verdoppelten den Fahrpreis. Immer mehr Fahrgäste beschwerten sich in der Folge über die nachlassende Qualität und Zuverlässigkeit der markanten Oldtimertaxis. Statt 10 Pesos müssen Kunden nun oft 20 Pesos für die selbe Strecke löhnen, was diese Transportmöglichkeit für viele zu teuer macht.

Der Staat hat reagiert und erließ am 14. Juli eine offizielle Preisliste, die die Obergrenzen für bestimmte Routen definiert. Im wesentlichen wurden die bisher gängigen Preise als Obergrenze angegeben. Gleichzeitig wurden Kontrollen angekündigt.  Die Ernüchterung erfolgte schon bald danach: Die Schlangen an den Haltepunkten werden länger, weil viele Fahrer einer Maquina erst einmal zu Hause bleiben und abwarten wie sich die Lage entwickelt. Die Einrichtung einer offiziellen Beschwerdenummer stößt bei ihnen auf wenig Verständnis. In der Folge verkompliziert sich die Transportsituation in der Hauptstadt immer weiter. Doch was ist hier eigentlich los?

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Fast 5.000 Kollektivtaxis fahren durch die Straßen Havannas, die meisten von ihnen in Form von US-Oldtimern (Quelle: Granma)

Die Parteizeitung „Granma“ widmet dem Thema nun einige Wochen später eine ausführliche Reportage. Maribel Poulot Bravo von der Transportdirektion der Hauptstadt zeigt wenig Verständnis für die Preiserhöhungen der Taxifahrer. Weder seien die Steuern noch die Abgabepreise für Treibstoff an den Tankstellen erhöht worden, erklärte die Funktionärin gegenüber der Zeitung. Inzwischen seien bei der Polizei über 154 Anzeigen wegen ungesetzlichem Verhalten der Fahrer eingegangen, 44 Lizenzen wurden entzogen.

In einem ersten Schritt wurden die 4.960 Fahrer der Hauptstadt über die neuen Preisobergrenzen informiert. Mittels investigativer Kontrollen in zivil, bei denen sich der Kontrolleur als Fahrgast ausgibt, wurden dutzende von Fällen aufgedeckt in denen der Fahrer entweder zu viel Geld verlangte oder auf andere Weise ungesetzlich handelte. Faktoren wie der Erwerb von Kraftstoff und die Einhaltung der maximalen Arbeitszeiten sind verstärkt in den Fokus der Behörden gerückt.

Legale Lösungen in Sicht?

Der Treibstofferwerb ist der entscheidende Punkt. Gegenüber Granma erklärten zahlreiche Taxifahrer, dass sich ihr Geschäft nicht lohnen würde, wenn sie das Benzin zu offiziellen Preisen an der Tankstelle kaufen würden. Stattdessen erstehen sie den Treibstoff bereits seit Jahren auf dem Schwarzmarkt, wo er weniger als die Hälfte kostet. Der Schwarzmarkt speist sich vor allem aus abgezwackten staatlichen Diesel- und Benzinzuteilungen für Dienstfahrzeuge. Diese wurden jedoch im Rahmen der laufenden Sparmaßnahmen gekürzt. Die Knappheit ließ offenbar den Schwarzmarktpreis steigen, was nun an die Kunden weitergegeben wird.

Die bisherige Methode einer verstärkten Kontrolle hat dabei nur mäßige Ergebnisse gebracht und zum Rückgang beim Angebot geführt. Nur die wenigsten Fahrer schaffen es offenbar, unter legalen Bedingungen profitabel zu arbeiten oder können sich das Risiko leisten, weiterhin über den Schwarzmarkt zu tanken.

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Ein russischer Kleinbus der Marke GAZ gilt als möglicher Kandidat für die Zukunft der Sammeltaxis in Havanna (Quelle: Cubadebate)

In der Verwaltung hat man dies mittlerweile erkannt und arbeitet an einer längerfristig orientierten „Neuordnung“ des privaten Taxiverkehrs in Havanna. Bereits seit längerer Zeit zirkulieren Gerüchte, dass die alten US-Oldtimer ausrangiert und durch chinesische Autos und russische Kleinbusse ersetzt werden sollen, die auf Vertragsbasis mit dem Staat arbeiten. Ein in Frage kommendes Fahrzeugmodell wurde bereits im Juni vorgestellt. Auch die Einführung von Großmarktpreisen an den Tankstellen ist im Gespräch, so dass die Taxifahrer dort zu moderateren Preisen legal tanken könnten.

Inwiefern neue Vertragsmodelle mit günstigerem Steuersatz und vergünstigtem Benzin eine mittelfristige Lösung darstellen können, bleibt offen. Fakt ist, dass der Staat den Taxifahrern eine Alternative zum Schwarzmarkt anbieten muss, wenn er die Preise für die Passagiere konstant halten will. Dabei ist schnelles handeln gefragt, denn die Transportsituation war bereits vor dem Rückgang der Taxis kritisch. Täglich nutzen über 175.000 Personen in Havanna die Colectivo-Taxis.


Preisliste vom 14. Juli 2016 (PDF)

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