Neue US-Sanktionen gegen Kuba schränken den Tourismus weiter ein

Für US-Amerikaner wird es zunehmend schwieriger, Kuba zu besuchen (Quelle: Cubadebate)

Washington/Havanna. Die Regierung der USA hat ihre Blockade gegen Kuba abermals verschärft. Dies gab das US-Finanzministerium am Mittwoch bekannt. Bereits im Juni kündigte Präsident Donald Trump einen neuen Kurs gegenüber der sozialistischen Insel an, wichtige Lockerungen seines Vorgängers wurden nun zurückgenommen.

Die Maßnahmen betreffen neben dem Tourismus auch die Handelsbeziehungen. So veröffentlichte das Finanzministerium eine „schwarze Liste“ mit kubanischen Firmen, mit denen weder Einzelpersonen noch Unternehmen Handel betreiben dürfen. Dazu zählen alle Unternehmen, die dem Militär oder anderen Sicherheitsorganen unterstehen sowie deren Tochterunternehmen. Neben der Cimex-Gruppe, die praktisch den gesamten Einzelhandel der Insel kontrolliert, betreffen die Sanktionen auch die Tourismus-Unternehmen Gaviota und Gaesa. Große Teile des Tourismus-Sektors werden auf Kuba von diesen staatlichen Firmen betrieben, die im Zuge der Öffnung für den Fremdenverkehr unter dem damaligen Verteidigungsminister Raúl Castro in den 1980er Jahren gegründet wurden. Die vom Militär geführten Firmen kommen heute für den Großteil der Deviseneinkünfte der Insel auf.

Ab sofort wird US-Amerikanern der Aufenthalt in der Mehrzahl der kubanischen Hotels verwehrt. Auch können US-Touristen, die die Insel bisher schon ausschließlich im Rahmen sogenannter „people-to-people-tours“ bereisen durften, diese ab sofort nur noch auf Spendenbasis durchführen. Die Kulturreisen müssen zudem unter Aufsicht des Veranstalters erfolgen.

Nach einer Phase der Entspannung und Annäherung in den letzten Jahren, die mit der Öffnung von Botschaften in Washington und Havanna im Jahr 2015 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, hat sich das Verhältnis beider Staaten zuletzt verschlechtert. In Folge angeblicher „Schall-Angriffe“ auf US-Diplomaten ließ Washington den Großteil der kubanischen Botschaftsmitarbeiter in den USA ausweisen und zog 60 Prozent seines Personals in Havanna ab. Visa-Anträge für Kubaner können derzeit ausschließlich über die US-Botschaft in Kolumbien bearbeitet werden.

Die neuen Strafmaßnahmen bestätigten den schweren Rückschlag, der in den bilateralen Beziehungen als Folge der Entscheidungen der Regierung Trump stattgefunden habe, sagte die Generaldirektorin für die USA im kubanischen Außenministerium, Josefina Vidal, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Für die US-Bürger werde zudem das Recht auf Reisen nach Kuba, dem einzigen Land der Welt, das sie nicht frei bereisen können, weiter eingeschränkt.

Der sozialistische Karibikstaat empfing im vergangenen Jahr vier Millionen Touristen. Während die wirtschaftliche Situation der Insel aufgrund der schwierigen Lage in Venezuela weiterhin angespannt ist, entwickelt sich der Tourismussektor dynamisch, auch in diesem Jahr wird mit einem zweistelligen Wachstum gerechnet. Die Zahl der US-Touristen hatte sich seit 2014 von damals 91.000 auf über 280.000 im Jahr 2016 erhöht, womit die USA den dritten Platz bei den Herkunftsländern der Kuba-Touristen einnahmen.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

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Umfrage: 56 Prozent der Amerikaner fordern besseres Verhältnis zu Kuba

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Teilergebnis der Umfrage, die vom Atlantic Council durchgeführt wurde (Quelle AC).

Eine landesweite Umfrage in den USA hat ergeben, dass sich 56 Prozent der US-Amerikaner eine Verbesserung oder Normalisierung der Beziehungen zu Kuba wünschen. Allein im Bundesstaat Florida, wo die Mehrzahl der Exilkubaner lebt, waren es 63 Prozent. Die Befragung wurde vom amerikanischen Think-Thank „Atlantic Council“ durchgeführt, insgesamt wurden 2.000 Personen konsultiert. Einen Tag nach Veröffentlichung der Umfrage sprach sich der ehemalige republikanische Gouverneur Floridas, Charlie Crist, für ein Ende des Embargos gegen die Karibikinsel aus. Im November wird der Politiker wieder für den Posten des Gouverneurs kandidieren, diesmal jedoch für die demokratische Partei.

Den Ergebnissen der Umfrage zu Folge sind nur 35 Prozent der Amerikaner und lediglich 30 Prozent der Einwohner Floridas explizit gegen eine Aufhebung des Embargos. „Angesichts der Ergebnisse der Umfrage, ist es offensichtlich an der Zeit einen neuen Blick auf die Kubapolitik der USA zu werfen“, sagte Jason Marczak, stellvertretender Leiter des Atlantic Council gegenüber Reuters. 61 Prozent der Amerikaner sprachen sich für eine vollständige Aufhebung der geltenden Reisebeschränkungen nach Kuba aus (Florida: 67 Prozent). Zwar sind noch immer 40 Prozent der Befragten weiterhin der Ansicht, dass Kuba auf die Liste der Länder, die den Terrorismus unterstützen gehört, allerdings fordert inzwischen die Mehrheit (52 Prozent) eine Streichung Kubas von der Liste. Die Daten der Umfrage wurden telefonisch vom 7. bis zum 22. Januar in zufällig ausgewählten Haushalten erhoben, die Fehlertoleranz liegt bei 3,1 Prozent.

Auch eine andere, weniger repräsentative Umfrage brachte neuerdings erstaunliches zu Tage: Nach der Befragung von 423 US-Amerikanern, die im Rahmen des legalen Kulturaustauschs nach Kuba reisten, sagten 88,2 Prozent, dass sie nach ihrer Reise das Ende von Sanktionen gegen Kuba stärker unterstützten. Auch in anderen Aspekten hat sich das Kubabild der Amerikaner nach ihrer Reise deutlich verändert. Vor ihrem Besuch in dem Land sahen 47,8 Prozent die kubanische Regierung als „repressives, kommunistisches Regime, das Individualität und Kreativität unterdrückt“, nach ihrer Rückkehr waren lediglich 19 Prozent noch dieser Ansicht. Interessanterweise waren weniger als vier Prozent der Reisen Familienbesuche, drei Viertel gaben an, einfach neugierig auf die Lebensverhältnisse in Kuba gewesen zu sein. 81,3 Prozent zogen einen zweiten Besuch in Betracht, wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen. Die Umfrage wurde von der Organisation „Friendly Planet Travel“ durchgeführt, die entsprechende Reisen nach Kuba im Rahmen des „people-to-people“ Programms anbietet.