Kubas Transportwesen erhält Frischzellenkur

Die erste Charge der 75 neuen russischen Diesellokomotiven vom Typ TGM8KM traf vor kurzem auf Kuba ein (Quelle: livejournal)

Wenige Tage nachdem Havannas erster chinesischer Elektrobus seinen Betrieb aufgenommen hat bekommt Kubas Transportsektor weitere Verstärkung, diesmal jedoch aus Russland. Mit der Lieferung hunderter Ladas, LKWs und Dieselloks soll dem Personen- und Güterverkehr auf der sozialistischen Insel in den nächsten Jahren wieder neues Leben eingehaucht werden. Von der Straße über die Schiene bis hin zur Gepäckausgabe am Flughafen beginnt für Kubas Transportwesen derzeit eine umfassende Frischzellenkur.

Dieselloks mit langer Lebenserwartung

„Mit den Russen läuft es sehr gut, so wie es sein sollte“, kommentierte Kubas Transportminister Adel Rodríguez die Ankunft der ersten Lieferung neuer Diesellokomotiven vom Typ TGM8KM. Die Schwerlast-Dieselloks der Jekaterinburger „Sinara Group“ sind speziell für tropische Witterungsverhältnisse ausgelegt und sollen mindestens ein halbes Jahrhundert ihren Dienst verrichten. Die erste Charge von sieben Loks traf vor wenigen Wochen auf der Insel ein, bis zum Ende des Jahres sollen 14 weitere folgen.

Damit nimmt ein lang verhandelter Deal mit den Russen an Fahrt auf. Das Projekt sieht vor, den kubanischen Schienenverkehr bis zum Jahr 2030 gründlich zu modernisieren. Durch die Erneuerung der Gleise entlang der gesamten Hauptstrecke Havanna – Santiago de Cuba, der Installation digitaler Signalanlagen und Steuerungstechnik sowie der Lieferung von insgesamt 75 neuen Dieselloks und hunderter neuer Waggons soll Kubas Schienennetz in absehbarer Zeit wieder die Hauptlast des Güterverkehrs auf der Insel tragen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der heute völlig überlasteten Züge soll dann von derzeit 80 auf 120 Stundenkilometer steigen, was die Reisezeit der 900 Kilometer langen Strecke von Havanna nach Santiago de Cuba von 20 auf 12 Stunden reduzieren wird. Derzeit bilden noch dutzende chinesische Dieselloks, die vor rund 10 Jahren geliefert wurden, das Rückgrad der kubanischen Zugflotte.

Neue Schienenbusse und Schnellzug nach Varadero

Russischer Schienebus vom Typ DMUS in den Farben der Ferrocarrilles de Cuba (Quelle: railway journal)

Doch bis sich die Situation auf der Schiene spürbar verbessert, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. Zunächst wollen die Russen die notwendige Infrastruktur auf der Insel errichten, wozu neben Reparaturwerkstätten vor allem auch die Beseitigung von Streckenschäden gehört. Im nächsten Schritt wird vor allem der Gütertransport von den neuen Loks profitieren. Die geplante Verdreifachung der Frachtkapazitäten auf der Schiene soll dabei in den nächsten Monaten bereits der laufenden Zuckerrohrernte zu Gute kommen.

In den kommenden 12 Jahren will Kuba jedoch auch die Zahl der beförderten Personen auf der Schiene verdoppeln. Dabei helfen sollen nicht nur schwere Dieselloks für die Hauptstrecke, sondern auch hunderte kleiner Schienebusse vom Typ „DMUS“, von denen in den letzten Jahren 300 Stück geliefert wurden. Zwischen Havanna und Varadero wollen die Kubaner zudem mit russischer Hilfe eine neue Schnellzugstrecke errichten. Die Modernisierung seiner Eisenbahn lässt sich der kubanische Staat insgesamt über eine Milliarde Dollar kosten. Ein guter Teil davon wird mittels russischer Kredite finanziert.

Seit wenigen Tagen fährt Kubas erster Elektrobus durch Havanna (Quelle: Xinhua)

Während Kubas Schienennetz noch immer stark auf russische Technik setzt, sieht es auf der Straße inzwischen gänzlich anders aus. Neben amerikanischen Oldtimern und sowjetischen Fahrzeugen tummeln sich mittlerweile immer mehr chinesische Kleinwagen auf den Straßen der Insel. Kubas Busflotte besteht heute zu 70 Prozent aus Modellen des chinesischen Herstellers Yutong, der für sein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bei guter Qualität bekannt ist. Kubas erster Elektrobus aus dem Reich der Mitte dreht seit wenigen Tagen in Havanna seine Runden im regulären Linienbetrieb.

Lada kehrt nach Kuba zurück

Doch auch auf der Straße wollen die Kubaner nicht alle Eier in einen Korb legen und haben mit dem russischen Hersteller AwtoWAS, der vor allem durch die Marke Lada bekannt ist, die Lieferung neuer Fahrzeuge vereinbart. Bis zum Ende des Jahres sollen 344 Exemplare des neuen Lada Vesta und Lada Vesta Cross auf Kuba eintreffen, die vor allem im Tourismussektor sowie für staatliche Taxibetriebe eingesetzt werden. Im nächsten Jahr sollen hunderte weitere Folgen, so dass der neu entworfene Lada bald einen fest Platz im kubanischen Straßenbild einnehmen dürfte.

Der neue Lada Vesta setzt auf Motoren von Renault. Im kommenden Jahr sollen hunderte weitere Fahrzeuge nach Kuba geliefert werden (Quelle: cmhw.cu)

Seitdem AwtoWAS im Jahr 2008 Anteile an die französische Renault-Nissan-Gruppe verkaufte, arbeitet man in Toljatti an der Neuauflage der Marke Lada. Vergangenes Jahr stellten die Russen eine mit französischer Hilfe neu konzipierte Limousine vor, die viele Elemente von Dacia übernimmt, so auch die Motorisierung und die Inneneinrichtung. Der Vesta kostet in Europa rund 12.000€ und hat standardmäßig eine Klimaanlage an Bord. Die jetzigen Käufe werden für Kuba die ersten neuen Lada-Lieferungen aus Russland seit über 10 Jahren sein.

Weniger Wartezeit auf Gepäckstücke

Doch auch in anderen Bereichen des Transportsektors konnte Fachminister Adel Izquierdo einem Bericht der Zeitung „Granma“ zu Folge Fortschritte verkünden. So sei die Ausgabezeit von Gepäck für ankommende Touristen in den Flughäfen des Landes aufgrund von Investitionen in neue Anlagen deutlich reduziert worden: „90 Prozent der ankommenden Touristen erhalten ihr Gepäck in weniger als 45 Minuten, vorher dauerte dies bis zu drei Stunden.“

Russisch-chinesisch-kubanische Co-Produktion: der Kleinbus „Diana“ (Quelle: Flickr)

Für den Transport in ländlichen Gegenden haben die Diana-Busse (eine russisch-chinesisch-kubanische Co-Produktion) in den letzten Jahren einige Erleichterung gebracht. Seit Produktionsbeginn des ersten Modells im Jahr 2013 haben über 1.300 Stück das Werk in Artemisa verlassen, welche nun in allen Provinzen des Landes ihren Dienst verrichten. In diesem Jahr ist erstmals eine zweitürige Version nach Santiago de Cuba ausgeliefert worden. Verstärkung bekommen die Kleinbusse durch Motorrad-Taxis aus China, die vor allem in den Provinzstädten eingesetzt werden sollen.

Mit der Lieferung von 200 LKWs der Marke „Kamaz“ bekommt Kubas darüber hinaus wieder neue Fahrzeuge für die chronisch unterversorgte Logistik des Landes. Die russischen LKWs sind auf Kuba weit verbreitet, was die Versorgung mit Ersatzteilen vereinfacht. In den kommenden Jahren will die Insel eine weitere Charge von 200 Stück für den Personentransport in gebirgigen Regionen erwerben.

Fazit

Aktueller Kamaz-LKW (Quelle: kamazexport)

Kubas Transportsektor befindet sich derzeit in einem Prozess der Erneuerung. Russland hat seine Beteiligung an Kubas langfristigem Entwicklungsplan mit Blick auf das Jahr 2030 durch die umfassende Modernisierung des Schienenverkehrs der Insel versichert, will dabei jedoch nicht stehen bleiben und auch auf der Straße wieder an Präsenz gewinnen. Dort dominieren bei den neuen Modellen vor allem chinesische Busse und Kleinwagen, die bald von hunderten neuer Ladas flankiert werden dürften. Kubas Regierung fährt bei den laufenden Millioneninvestitionen bewusst eine mehrgleisige Strategie und will nicht den Fehler machen, alle Investitionen von einem Handelspartner abhängig zu machen.

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation der Insel scheinen die unter Raúl Castro angelegten strategischen Pläne weiter zu laufen. Erst vor wenigen Tagen traf eine weitere Flotte aus dutzenden neuen Yutong-Dieselbussen in Havanna ein (siehe Video unten). Gute Neuigkeiten für Millionen von Kubanern, die nach dem vollständigen Kollaps des Transportsektors Anfang der 1990er Jahre (gefolgt von vielen Improvisationslösungen) endlich ein Licht am Ende des Tunnels sehen können.


Mehr als 20 neue Yutong-Busse aus China treffen Ende November in Havanna ein:

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Parlamentssitzung beschließt neues Arbeitsgesetz

Sesión Plenaria Asamblea Nacional. Foto: Ismael Francisco/Cubadebate.

Sitzung des kubanischen Parlaments am 19. Dezember (Quelle: Cubadebate).

Bei der Sitzung des kubanischen Parlaments am 20. und 21. Dezember in Havanna wurde unter anderem das neue Arbeitsgesetz verabschiedet. Die Abgeordneten diskutierten bereits einige Tage vorher in fachspezifischen Kommissionen über die anstehendenden Themen und fanden sich anschließend wie üblich im 1979 errichteten „Palacio de las Convenciones“ zur Sitzung zusammen. Und obwohl nicht allzu viele überraschende Neuerungen beschlossen wurden, gab es auch von einigen „Dauerbrennern“ neues zu berichten:

  • Vereinfachter Import von Neuwagen: Nicht auf der Parlamentssitzung, sondern auf der vorgelagerten Ministerratssitzung vom 18. Dezember wurde eine der wesentlichen Neuerungen des Jahres verkündet: Der Wegfall der staatlichen Autorisierung für den Neuwagenimport. Künftig kann jeder Kubaner mit den nötigen Devisen einen Neuwagen vom Staat beziehen, der allerdings mit 100 Prozent besteuert wird. Die Einnahmen daraus kommen einem Fond zur Wiederbelebung des ÖPNV zugute.
  • Arbeitsgesetz: Bei der Erarbeitung dieses neuen Gesetzes wurden in den letzten Monaten knapp 70.000 Diskussionsrunden abgehalten, an denen über 2,8 Millionen Arbeiter beteiligt waren. Ihre 171.000 Vorschläge haben zur Modifizierung von 101 Paragraphen geführt. Wesentliches Ergebnis war die Anpassung des seit 1984 bestehenden Gesetzes an die aktuellen ökonomischen Verhältnisse im Zuge der Aktualisierung des kubanischen Modells. Die Einführung einer Antidiskriminierungsklausel in Bezug auf die sexuelle Orientierung zählte zu den diskutierten Vorhaben, fand später dann allerdings nicht seinen Weg in den Gesetzestext. Die Rolle der Gewerkschaft hingegen wird mit dem Dokument auch in den Betrieben des Privatsektorszählen gestärkt. Eine weitere Neuerung: Jugendliche dürfen ab 15 Jahren eingeschränkt (mit Erlaubnis der Eltern und des Lehrers) und unter besonderem Schutz ökonomisch aktiv werden.
  • Wirtschaftsperformance 2013: Auf dem ersten Sitzung am Freitag stand vor allem die Analyse der diesjährigen Wirtschaftsperformance auf dem Programm. Das Wachstum wird mit 2,7 Prozent beziffert und liegt damit unter den geplanten 3,6 Prozent. Das Haushaltsdefizit fiel mit 905 Mio. Peso (ca. 36 Mio. US$) geringer als geplant aus und betrug 1,2 Prozent des BIP. Die Staatseinnahmen (netto) betrugen 43,9 Mrd. Peso (ca. 17,6 Mrd. US$), die Ausgaben 47,4 Mrd. Peso ( ca. 18,9 Mrd. US$). Für die Subvention von Baumaterialien wurden seit 2012 etwa 100 Millionen US$ ausgegeben.
  • Plan und Haushalt 2014: Für nächstes Jahr rechnet die Regierung mit einem Wachstum von lediglich 2,2 Prozent, was vor allem an den anstehenden Restrukturierungen im Staatssektor liegt. Dennoch soll die Wirtschaft gerade in Schlüsselbereichen deutlich zulegen. Im Zuckersektor ist ein Wachstum von 17,5 Prozent geplant, in der Landwirtschaft 7 Prozent. Der Tourismussektor soll um ca. 9 Prozent zulegen. Die Stärkung des Großhandels und die Reorganisation des Transportsektors unter Einbeziehung der Kooperativen wird eine wesentliche Aufgabe für 2014 sein. Des weiteren steht eine makroökonomische Konsolidierung bevor, um den Investitionsprozess und die interne Finanzlage zu stabilisieren, man rechnet mit verstärkten Einnahmen aus den neuem Steuergesetz. Marino Murillo, Chef der Kommission zur Implementierung der Leitlinien, hob den Fortschritt bei der theoretischen Fundierung des neuen kubanischen Modells und der langfristigen Planung bis 2030 hervor. Für 2014 werden mit Nettoeinnahmen von 43,25 Mrd. Peso (ca. 17,3 Mrd. US$) und Ausgaben von 47,14 Mrd. Peso (ca. 18,8 Mrd. US$) gerechnet. Durch den Verbleib von 50 Prozent der Nettogewinne in den Staatsbetrieben, entsteht im kommenden Jahr eine Finanzierungskluft, weshalb mit einem Haushaltsdefizit von 155 Mio. US$ (4,7 Prozent des BIP) gerechnet wird. Um Inflation vorzubeugen, wird erstmals 30 Prozent des Defizits mit Bankkrediten und nicht mehr mit in Zirkulation befindlicher Währung finanziert. Finanzministerin Lina Pedraza hob die besondere Situation hervor, dass das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr größer als das geplante Wachstum sei – etwas das im Plan für 2015 nicht mehr vorkommen soll.
    Der Privatsektor soll im kommenden Jahr 64 Millionen US$ an Steuereinnahmen erbringen, 12 Prozent mehr als 2013. Die Steuern aus dem Privatsektor machen damit 4 Prozent der Gesamteinnahmen aus. 54 Prozent der Haushaltsmittel werden auch 2014 in die Sozialsysteme fließen. Von den 13,6 Mrd. US$ die in den Bereich „soziale Absicherung“ fließen wird der Großteil der Erneuerung der kubanischen Altenheime zu Gute kommen.
  • Kreditprogramm: Seit Beginn des Programms im Jahr 2011 wurden bisher 218.400 Kleinkredite im Wert von 1,7 Mrd. Peso ausgegeben ( ca. 71 Mio. US$). Dieses Programm, mit dem subventionierte Baumaterialien bezogen werden können, soll weiter ausgedehnt werden und insbesondere den Opfern von Naturkatastrophen zu Gute kommen.
  • Kooperativen: Bisher gibt es in Kuba 270 Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft, wobei sich davon noch 20 in der Gründungsphase befinden. Die Gründung von 228 weiteren Genossenschaften wurde bereits genehmigt. Bis dato erhielten 35 Prozent der Kooperativen staatliche Kredite zur Finanzierung. Eine der bekanntesten und derzeit spannendsten Projekte ist der im Süden Havannas operierende Großmarkt „El Trigal„, auf dem Agrarprodukte in Großabnehmermenge an alle natürlichen und juristischen Personen des Landes verkauft werden.
  • Selbstständige: Derzeit gibt es 444.109 selbstständig Beschäftigte in Kuba, 44.763 mehr als zu Beginn des Jahres, im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren ein moderater zuwachs. Damit stellen die Cuentapropistas heute 9,16 Prozent aller Beschäftigten des Landes. 26 Prozent von ihnen sind Frauen, 32 Prozent sind unter 35 Jahre. 68 Prozent von ihnen gehen einer Tätigkeit nach, für die sie nicht ausgebildet wurden. Auf der Sitzung wurden deshalb auch geeignete Maßnahmen zum Schutz der jungen Selbstständigen diskutiert.
  • Zafra 2012/2013: Für die diesjährige Zuckersaison wird mit einer Ernte von 1,8 Millionen Tonnen gerechnet, was ein Zuwachs von 18 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr darstellt. Die Restrukturierung des Sektors durch Gründung der staatlichen Holding „Azcuba“ im Jahr 2011 ist nun im wesentlichen abgeschlossen.
  • Bausektor: Trotz gestiegener Investitionen macht der Bausektor im Land noch immer Probleme. Das Wohnungsdefizit von ca. 600.000 kann nur langsam abgearbeitet werden, dieses Jahr wurden die Verträge nur zu 80 Prozent erfüllt. Ein Problem liegt in der Abwanderung von qualifiziertem Personal in den Privatsektor.
  • Weitere Themen: Eine Reihe weiterer Themen wurden ebenfalls vom Parlament diskutiert, allerdings ohne Beschluss von Gesetzen, darunter: Erneuerung der kubanischen Medien, die illegale Fällung von Bäumen und Zerstörung der Natur, Ausbau der sportlichen Infrastruktur, Aktualisierung des Strafgesetzbuches, Einrichtung eines neuen Programms über die Wirtschaft im kubanischen TV.

Kuba entbürokratisiert Autokauf

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Toyota-Neuwagen in Kuba (Quelle: Cubadebate).

Havanna. Zwei Jahre nach der erstmaligen Freigabe des Autohandels im kubanischen Binnenmarkt durch den Ministerialbeschluss Nr. 292 bessert die Regierung jetzt nach. Laut einem Bericht der Tageszeitung Granma vom Donnerstag hat der Ministerrat am Mittwoch beschlossen, die Kaufmodalitäten für importierte Neu- und Gebrauchtwagen drastisch zu vereinfachen. Zwar bleibt das staatliche Einfuhrmonopol für Autos bestehen und Ausländer dürfen auch weiterhin keine Autos importieren und verkaufen. Doch mussten Privatpersonen über „Genehmigungskarten“ den Autokauf bisher beim Verkehrsministerium (Mitrans) beantragen.

Diese umständliche Praxis habe sich allerdings als „nicht sinnvoll und hinfällig“ erwiesen und werde darum abgeschafft, schreibt das Regierungsblatt. Das entsprechende Gesetz werde in den kommenden Tage im Amtsblatt veröffentlicht. Zur Kurskorrektur habe dem Medium zufolge die geringe Verfügbarkeit von Autos, die Kaufbeschränkung auf bestimmte Berufsgruppen und die „Existenz eines anderen Marktes, der zu weitaus höheren Preisen verkauft als die dafür eingerichtete Handelsfirma“ geführt, umschreibt Granma  den wachsenden Autoschwarzmarkt auf der Insel.

Der „in nicht wenigen Fällen“ entstandene Unmut in der Bevölkerung über die „Bürokratie, die sich in eine Quelle der Spekulation und Bereicherung verwandelt hat“, habe zu der jüngsten Regierungsentscheidung geführt. Selbst mit den „Genehmigungskarten“ sei übers Internet illegaler Handel betrieben worden. Angesichts der Probleme werden die Genehmigungen für den Verkauf von Motorrädern, Autos, Lastwagen und Minibussen darum abgeschafft, gleich ob Neuwagen oder gebraucht.

Erleichtert wird auch der heimische Handel mit Motoren und Ersatzteilen aus Altwagen. Der freie Verkauf an zahlungskräftige Kubaner wird schrittweise eingeführt, wobei Besitzer noch gültiger „Genehmigungskarten“ bevorzugt werden. Mit den Einnahmen aus dem Autohandel will der Staat laut „Granma“ über einen neuen Fonds den „Niedergang“ des öffentlichen Personenverkehrs stoppen und die „begrenzte Straßeninfrastruktur“ ausbauen, was mit weniger Luftverschmutzung auch der Umwelt zugute komme. Von Steuern und Abgaben befreit werden Elektrofahrräder, um deren Verbreitung zu fördern.

Von Benjamin Beutler, publiziert auf Amerika21 am 21.12.2013

Kuba modernisiert seine Kfz-Kennzeichen

Ab dem 27. Mai werden in Kuba neue Nummernschilder für Kraftfahrzeuge ausgegeben, welche die bisher gebräuchlichen Kennzeichen schrittweise ersetzen werden. Die rechtlichen Grundlagen hierfür wurden in einem Gesetzesblatt vom 24. April veröffentlicht und vor kurzem in den kubanischen Medien näher erläutert. Kuba nimmt damit erstmals seit 2002 wieder Änderungen am bestehenden System der Kennzeichen vor, die jedoch dieses einer grundlegenden Erneuerung gleichkommen. Doch zunächst lohnt sich ein kurzer Blick auf die Geschichte und Funktion des charakterischen kubanischen Kennzeichensystems.

Amerikanische Traditionen im Sozialismus

Das erste Automobil wurde im Jahr 1898 nach Kuba eingeführt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie jedoch noch wenig verbreitet und meist im Besitz der Elite. Obwohl zunächst europäische Modelle dominierten, eröffnete Ford bereits 1916 ein inselweites Vertriebsnetz. In Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs („Zuckerboom“ 1920) und der engen Verflechtung mit den USA erhöhte sich die Anzahl amerikanischer Marken rasch, diese dominierten noch lange nach dem Sieg der Revolution das Straßenbild. Im Jahr 1941 betrug die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge in Kuba etwa 30.000, im Jahr 1952 waren es bereits 77.000. Im Jahr 1957 wurde sogar ein neues Chevrolet-Modell in Havanna vorgestellt, zwei Jahre später fuhren auf der Insel bereits 200.000 Autos. Der politisch-ökonomische Einfluss der Vereinigten Staaten brachte für Kuba auch das amerikanische System der Typisierung mit sich, die klassischen Nummernschilder mit Maßen von etwa 300x160mm sind in Kuba deswegen die Regel.

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Kubanische Kennzeichen vor der Revolution. (Quelle: License Plates of the World)

Nach der Revolution verhinderte das US-Embargo die Einfuhr weiterer amerikanischer Fahrzeuge, weshalb seitdem vor allem russische Marken wie der bis heute omnipräsente Lada importiert wurden. In jüngster Zeit sieht man zunehmend europäische Kleinwagen sowie chinesische Modelle auf den Straßen. Heute wird die Zahl der verbliebenen amerikanischen Oldtimer auf 40.000 bis 60.000 geschätzt, während der Gesamtbestand aller Fahrzeuge ca. 400.000 beträgt. Das Kennzeichensystem wurde nach der Revolution zunächst kaum verändert, allerdings hat man den vorher stetig wechselnden Farben eine Bedeutung zugewiesen und eine eindeutige farbliche Trennung von Privatfahrzeugen (gelb) und staatlichen Fahrzeugen (blau) geschaffen. Daneben gab es eine Reihe von Sonderkennzeichen in verschiedenen Farben, beispielsweise für Diplomaten und Militärfahrzeuge.

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(Noch) aktuelle kubanische Kennzeichen, eingeführt 2002 (Quelle: Ebd.).

Im Jahr 2002 wurde das Kennzeichensystem weiter differenziert, an dem seit den 1950er Jahren bestehenden Design der Schilder änderte sich kaum etwas. In diesem System steht der erste Buchstabe des Kennzeichens für die Provinz in der das Fahrzeug registriert ist, der zweite gibt genauere Auskunft über den Halter (z.B. A für Regierungsfahrzeuge, D-H für Privatfahrzeuge, K für Fahrzeuge ausländischer Halter, etc.). Hierbei wird ebenfalls nach staatlich (blaues Kennzeichen) und privat (gelbes Kennzeichen) differenziert und es gibt weiterhin eine Reihe von Sonderfarben, z.B. Hellgrün für die Streitkräfte, Dunkelgrün für das Innenministerium, schwarz für Diplomaten, dunkelrot für Touristen. Die Erhaltung dieses Schilderwaldes, der insgesamt aus elf verschiedenfarbigen Typen besteht, kostet den kubanischen Staat jedes Jahr eine nicht unbeträchtliche Summe: Für Adressänderungen, Verluste und Neuausstellung von Nummernschildern werden pro Jahr etwa 200.000€ fällig.

Internationale Standards und Einheitlichkeit

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Neue Kennzeichen ab dem 27. Mai (Quelle: Cubadebate).

Mit den jetzt neu eingeführten Kennzeichen soll nun grundlegend aufgeräumt werden. Der bürokratische Aufwand des derzeitigen Systems muss immens sein, da die Kennzeichen allesamt Sonderanfertigungen der deutschen Firma UTSCH sind, die eine Mindestabnahmemenge von 5.000 Stück pro Farbe verlangt – was vom kubanischen Staat einen enormen finanziellen und verwaltungstechnischen Kraftakt verlangt, um auch von den selten benötigten Kennzeichen (z.B. für Diplomaten) in jeder Provinz genügend Vorräte auf Lager zu haben.  Auch die Ummeldung von Fahrzeugen auf eine neue Provinz war bisher mit großem bürokratischem Aufwand verbunden, da das jedes Mal ein neues Kennzeichen erforderlich machte. Juventud Rebelde vergleicht diesen Aufwand mit der Neuausstellung eines verlorenen Personalausweises.

Mit den neuen Kennzeichen setzt Kuba nun als eines der ersten Länder Lateinamerikas auf das gebräuchliche europäische System, mit Maßen von 420x120mm für Autos bzw. 200x140mm für Motorräder. Die Schilder werden zudem im aus Deutschland bekannten Verfahren standardisiert gepresst und mit einer Laserimprägnierung versehen, um Fälschungen vorzubeugen. Wie bei uns, kommt die in den 1970er Jahren entwickelte FE-Schrift zum Einsatz – damit sehen die kubanischen Kennzeichen den deutschen ähnlicher, als die so manches EU-Landes. Während die staatlichen Fahrzeuge in Zukunft einen blauen Rand an der linken Seite erhalten, bleibt dieser bei den Privatfahrzeugen einfach weiß.
Offizielle Fahrzeuge werden auch in Zukunft den Buchstaben A am Beginn ihres Kennzeichens stehen haben, die Buchstaben C, D und E sind für Diplomaten reserviert. T steht weiterhin für „Tourist“ und K bleibt für ausländische Unternehmer reserviert, F und M stehen für Armee bzw. Innenministerium. Die restlichen Buchstaben haben keine spezifische Bedeutung, wobei an Privatpersonen bevorzugt der Buchstabe P vergeben werden wird. Ausländische Journalisten werden eine Plakette mit dem Text „PEXT“ (Prensa Extranjera, span.: ausländische Presse) auf Kennzeichen finden, Diplomaten das Wort „PROTOCOLO“. Die Buchstaben I, O, Q, W, S und Z finden aus Gründen der Verwechslung keine Verwendung.

Durch den Wegfall der Provinzangabe sowie durch die Digitalisierung des gesamten Systems, soll der bürokratische und finanzielle Aufwand verringert werden, zudem entstehen durch die Angleichung an internationale Standards geringere Produktionskosten. Bei der Ummeldung eines Fahrzeugs muss künftig kein neues Kennzeichen mehr ausgestellt werden, dadurch wird dieser Prozess für den Halter künftig kostenlos. Zudem sind die neuen Schilder besser an die Halterungen der meisten Fahrzeuge angepasst und leichter lesbar. Nicht zuletzt wird die Überprüfung von Fahrzeugen durch die eindeutige Zuordnung des Kennzeichens zur Person erleichtert. Die Umstellung soll innerhalb von drei Jahren erfolgen: Bis Januar 2015 sollen alle Privatfahrzeuge die neuen Kennzeichen tragen, bis Dezember 2015 alle staatlichen Einheiten mit blauem Kennzeichen, und bis Mai 2016 die restlichen Fahrzeuge.

In den kubanischen Medien wurde der Prozess letztens genau erklärt, wobei viele Fragen der Bevölkerung zum Prozedere aufgegriffen wurden. Insgesamt werden 41 Zentren im Land die Umstellung leisten, nebenbei wurden viele Formalia für die An- und Ummeldung von Fahrzeugen erleichtert, was den kubanischen Autobesitzern entgegenkommen dürfte. Der Preis für die Umrüstung beträgt 30 Peso (1,20€) für Privatpersonen und 40 Peso (1,60€) für Unternehmen. Mit dem neuen System der Kennzeichen hat sich Kuba damit nicht nur eines kostspieligen Anachronismus entledigt, sondern gleichzeitig ein System geschaffen, welches modernsten internationalen Standards genügt (man beachte: Die Kennzeichen ähneln nicht nur zufällig den unsrigen sondern stehen diesen technisch in nichts nach). So wird nun ab Ende Mai Schritt für Schritt ein Überbleibsel des amerikanischen Erbes über Bord geworfen, welches das kubanische Straßenbild über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg geprägt hat.