Erstes Bankabkommen zwischen den USA und Kuba

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Die Miami-Filiale der Stonegate Bank (Quelle: Telesur)

Havanna/New York. Die US-amerikanische Bank Stonegate hat vergangene Woche ein Abkommen mit der Internationalen Handelsbank Kuba (Bicsa) unterzeichnet. Zum ersten Mal seit 50 Jahren sind damit direkte Banktransaktionen zwischen beiden Ländern möglich. Stonegate-Direktor Dave Selenski bezeichnete es als einen „ersten wichtigen Schritt zur Normalisierung der Bankbeziehungen“ zwischen beiden Ländern.

Bisher waren Banktransaktionen mit Kuba durch das Embargo erschwert und teilweise ganz verhindert worden. Ende 2013 hatten sich zahlreiche Geldinstitute geweigert, direkte und indirekte Bankgeschäfte mit Kuba abzuschließen, nachdem die USA wiederholt Millionenstrafen gegen Banken verhängt hatten. Daraufhin musste auch die kubanische Konsulartätigkeit eingestellt werden. Zudem stufte die Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche (FATF) Geldgeschäfte mit Kuba als „stark risikobehaftet“ ein.

Dennoch hatte Stonegate bereits Anfang des Jahres der kubanischen Regierung ermöglicht, ihre Geldgeschäfte über sie abzuwickeln. In einer offiziellen Erklärung bestätigte Stonegate nun, dass man sich „umfassend über die kubanische Bank informiert habe“. Diese war 1993 gegründet worden, unterhält Beziehungen zu 600 Banken weltweit und wird jährlich durch Ernest & Young bewertet. Daher sei man zuversichtlich, einen „wenig risikoreichen“ Schritt gewagt zu haben, der es US-amerikanischen Unternehmen ermöglicht, vereinfacht Geldgeschäfte zwischen beiden Ländern abzuwickeln. US-Amerikanische Kreditkarten und direkte Geldtransfers sind derzeit noch nicht möglich, dies soll jedoch noch in diesem Jahr realisiert werden.

Eine Zustimmung zu dem Abkommen durch das Amt für Kontrolle von Auslandsvermögen (OFAC) und der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) steht unterdessen noch aus. Der Präsident des USA-Kuba Handels-und Wirtschaftsrates, John Kavulich, unterstrich, es handle sich hierbei um eine „große Angelegenheit“, da eine Genehmigung bedeute, dass man die kubanische Regierung als vertrauenswürdigen Partner anerkenne.

Die am Montag bekanntgegebene Streichung Kubas von der Liste der Staaten, die den Menschenhandel unterstützen wird dementsprechend als positives Signal gewertet. Von offizieller Seite hieß es dazu, Kuba habe in den vergangenen Jahren zunehmend Anstrengungen unternommen, die Mindeststandards zur Verhinderung von Menschenhandel zu erfüllen. Diese Streichung trägt zur weiteren Verbesserung der diplomatischen Beziehungen bei und ebnet dadurch den Weg für bessere Wirtschaftsbeziehungen. Bereits im Mai war Kuba von der Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten gestrichen worden, eine Bedingung die Kuba gestellt hatte, bevor über die Wiedereröffnung der Botschaften verhandelt werden konnte.

von Julia Ziegler / Amerika21

Französischer Banker muss wegen Kuba-Blockade abtreten

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BNP-Manager Georges Chodron de Courcel hat seinen Rücktritt angekündigt (Quelle: Cubadebate)

Paris. Ein hochrangiger Manager der französischen Bank BNP Paribas muss seinen Posten räumen, nachdem das Unternehmen von den USA zu einer Strafzahlung von bis zu zehn Milliarden US-Dollar infolge der Verletzung US-amerikanischer Embargos gegen Kuba, Iran und den Sudan gezwungen wurde.

Die Bank kündigte vergangenen Donnerstag an, dass ihr Geschäftsführer Georges Chodron de Courcel im kommenden September in Ruhestand gehen wird. Für die Frühverrentung des 64-jährigen Managers, dessen Vertrag erst 2016 ausläuft, gab BNP Paribas keine Gründe an.

In der Vergangenheit hatte die US-Bankenaufsicht bereits mehrmals auf den Rücktritt führender Verantwortungsträger des Unternehmens gedrängt, da diese in den Jahren 2002 bis 2009 Handel mit den Ländern Kuba, Iran und Sudan betrieben.

Die angedrohte Strafzahlung von zehn Milliarden US-Dollar wäre die höchste in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Ohne eine juristische Einigung droht dem französischen Finanzinstitut der Verlust des Zugangs zum US-Markt.

Die Aufrechterhaltung der Blockade gegen Kuba trifft indes auch innerhalb der USA zunehmend auf Kritik. Erst vor wenigen Wochen hatte eine Delegation der US-Handelskammer Havanna besucht und die Aufhebung des Embargos gefordert. Zuvor hatten bereits 44 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, darunter der ehemalige Geheimdienstchef John Negroponte, in einem offenen Brief an Präsident Obama eine Lockerung der Blockade gegen das karibische Land verlangt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Das Ende des dualen Währungssystems in Kuba (Teil 2)

Teil 1 der Artikelserie zum Ende des dualen Währungssystems in Kuba beleuchtete die Hintergründe und Ursachen der Existenz zweier Währungen und weshalb dieses Währungssystem ein zentrales Entwicklungshemmnis sowie eine Quelle der sozialen Ungleichheit auf Kuba ist. Teil 2 widmet sich, soweit es die bereits verfügbaren Informationen erlauben, den konkreten Plänen und den mittelfristigen Auswirkungen einer Vereinigung beider Währungen.

Die Reform als permanenter Tagesordnungpunkt

Das notwendige Übel zur Rettung der Revolution war niemals als permanente Lösung gedacht. Fidel Castro bekundete schon zu Beginn der Dollarisierung, dass dieser Schritt lediglich temporärer Natur sei. Die anhaltende Devisenknappheit machten jedoch weitere Schritte zur Vereinigung des Peso Convertibles (CUC) und des Peso Nacional (CUP) zur Unmöglichkeit. Die Probleme äußerten sich zuletzt von 2008 bis 2010 in Form einer Liquiditätskrise, die in der Bevölkerung auch „kleine Sonderperiode“ genannt wurde. Nach den drastischen Schäden zweier Hurrikane und der beginnenden Weltwirtschaftskrise hatte der Staat nicht mehr genug konvertible Währung um seine laufenden Ausgaben zu decken, was die kubanische Regierung zum Einfrieren der Konten sämtlicher ausländischer Investoren veranlasste.

Seit diesem Zeitpunkt verfolgt die Regierung einen strikten Sparkurs, der die Währungsreserven schon 2010 wieder auf den Vorkrisenstand erhöhte. Nichts desto trotz wurde auf dem VI. Parteitag der PCC, im Jahr 2011, das Ziel der Überwindung des dualen Währungssystems beschlossen. So heißt es in Nummer 55 der „Leitlinien“:

„Se avanzará hacia la unificación monetaria, teniendo en cuenta la productividad del trabajo y la efectividad de los mecanismos distributivos y redistributivos. Por su complejidad, este proceso exigirá una rigurosa preparación y ejecución, tanto en el plano objetivo como subjetivo.“

Es wird bis zur Vereinigung der Währungen vorangeschritten, wobei die Arbeitsproduktivität und die Effizienz der Verteilungs- und Umverteilungsmechanismen in Rechnung gestellt werden müssen. Aufgrund seiner Komplexität benötigt dieser Prozess eine strikte Vorbereitung und Durchführung sowohl auf objektiver, als auch auf subjektiver Ebene.

Am derzeitigen Beginn der zweiten Phase der Umsetzung der „Leitlinien“ lässt die kubanische Wirtschaft eine durchaus solide, wenn auch nicht überragende Performance erkennen: leichtes, aber stetiges Wachstum seit vier Jahren in Folge, Steigerung von Exporten und der Durchschnittsproduktivität. Dies ist Voraussetzung für einen graduellen Prozess der Vereinheitlichung beider Währungen.
Raúl Castro hatte hierzu schon im Juli 2013 auf einer Sitzung des Parlamentes klargestellt, dass die Währungsreform nun auf der Tagesordnung stehe. In Folge dessen wurde im Oktober ein Ministerratsbeschluss zur Erarbeitung der konkreten Roadmap getroffen. In der hierzu veröffentlichten Note heißt es, dass der Wert des CUP in seiner Funktion als Zahlungsmittel, buchhalterische Einheit und zur Messung der tatsächlichen ökonomischen Performance, in Verbindung mit anderen Maßnahmen zur Aktualisierung des ökonomischen Modells wiederhergestellt werden soll. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Währungsreform allein nicht in der Lage sein wird, die momentanen Probleme der kubanischen Wirtschaft zu lösen. Außerdem wurde den kubanischen Sparern die Sicherung ihrer Einlagen garantiert, seien sie in Form des CUC, CUP oder anderer Währungen. Konkrete Maßnahmen ließ die Note jedoch offen und verweist stattdessen auf die Veröffentlichung der Schritte gemäß ihrer Umsetzung. Allerdings wurde angekündigt, dass künftig auch mit CUP Produkte in Devisenläden erworben werden können (freilich zum offiziellen Wechselkurs 25:1).

Die Konturen der Reform

Dennoch lassen sich bereits einige Aussagen zum ersten Schritt der Reform machen. So sollen zunächst alle ERP (Enterprise Ressource Planning) Systeme angepasst werden und entsprechende Buchhaltungsrichtlinien erarbeitet werden. Zudem steht eine umfassende Schulung der involvierten Manager an. Die Modernisierung des Bankensektors wird derzeit gezielt vorangetrieben, die Öffnungszeiten von Banken sollen erweitert, ihre Angebotspalette ausgedehnt werden. Hierzu zählt vor allem der einfachere Zugang zu Krediten. Seit 2011 wurden Kleinkredite im Wert von 64 Mio. US$ an Privatpersonen und 25 Mio. US$ an den Agrarsektor ausgegeben. Auch die Anzahl der Bankautomaten im Land soll sich vergrößern. Derzeit gibt es 498 Geldautomaten in Kuba, davon 343 in Havanna. In diesem Jahr wurden nun 200 zusätzliche Geräte importiert.

Der Kern der Reform wird zunächst im Bereich der Abrechnungen zwischen Wirtschaftseinheiten, jedoch vorerst außerhalb der Spähre der Privathaushalte umgesetzt werden. Ebenso vom Tisch ist der diskutierte Ansatz einer sofortigen Umstellungen der Währungen. Stattdessen soll ein gradueller Prozess initiiert werden. Laut einigen von den Medien zitierten Experten soll sicher dieser über 18 Monaten hinziehen und eine Anpassung des 1:1 Verrechnungsprinzips beinhalten. Wie im ersten Teil dieses Artikels erläutert, werden Transaktionen zwischen Staatsbetrieben und anderen staatlichen Akteuren mit einem Wechselkurs von 1 CUP zu 1 CUC verrechnet. Nun soll der CUP je nach Sektor einen neuen Verrechnungswechselkurs erhalten und dadurch in der Wirtschaft abgewertet werden. Der ehemalige kubanische Zentralbanker Pavel Vidal gibt drei Beispiele für die neuen Verrechnungskurse an:

  1. Kleinbauern, die ihre Produkte neuerdings direkt an Hotels verkaufen dürfen, erhalten nunmehr 10 CUP für 1 CUC statt 7 CUP für 1 CUC wie noch im letzten Jahr.
  2. Die Zuckerindustrie erhält für Exporterlöse fortan 12 CUP für 1 CUC wobei die Importkosten mit 7 CUP für 1 CUC verrechnet werden. Öl aus Venezuela soll nun im Kurs 4 CUP für 1 CUC bezahlt werden.
  3. Auch die neuen Transportkooperativen können Importgüter wie Benzin, Reifen und andere Ersatzteile für 10 CUP zu 1 CUC einkaufen.

Für Vidal steht diese Form der Vereinheitlichung der Währungen ganz im Sinne der taktischen Umsetzung aller Reformen: Zunächst wird in begrenzten Bereichen experimentiert um die Ergebnisse später zu evaluieren und schließlich in optimierter Form auf die gesamte Volkswirtschaft zu erweitern. So können beispielsweise die Neubewertung von Aktiva und Verbindlichkeiten in einer kontrollierten Umgebung „simuliert“ und damit auf operativer Ebene neue Erkenntnisse erlangt werden.

Die Ankündigung der Abwertung des CUP im Bereichen der internen Verrechnungskurse spiegelt sich auch in der Reform des Managements der Staatsbetriebe wieder. Diese sollen ab nächstem Jahr ein größeres Maß an Autonomie erhalten. Ab 2014 können sie gut die Hälfte ihres Gewinns eigenständig verwalten, zudem erhalten sie die Möglichkeit in gewissen Toleranzgrenzen vom staatlichen Devisenplan abzuweichen. Eine Abwertung des CUP in Verbindung mit größerer Budgetautonomie bedeutet sowohl einen verstärkten Anreiz zur Steigerung der Exporte (sie erhalten mehr CUP für jeden verdienten CUC), als auch einen Anreiz zur Importsubstitution (Importe werden vergleichsweise teuer im Gegensatz zu inländischen Produkten). Gleichzeitig befindet sich die Umstrukturierung der Staatbetriebe in ihrer Endphase und es ist daher eine Entfaltung von Synergien zu erwarten. Laut dem kubanischen Ökonomen Juan Triana (Universität Havanna) sollen zusätzliche Fonds zur temporären Unterstützung von Betrieben, für die durch die Reform Verluste zu erwarten sind, eingerichtet werden.

Chancen und Risiken

Die positiven Effektive dieser Maßnahmen liegen auf der Hand: Die Betriebe sind in der Lage höhere CUP Gehälter zu zahlen, während gleichzeitig der Binnenmarkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Exportsektors gestärkt wird. Zudem ist eine realistischere Bepreisung der Produkte möglich, da der interne Verrechnungskurs näher am tatsächlichen Wechselkurs liegt (welcher vermutlich aufgrund einer Unterbewertung des CUP wohl zwischen 18 und 24 CUP je 1 CUC zu bemessen ist). Letztlich erlaubt die Existenz einer einzigen Währung auch eine effektivere monetäre Makrosteuerung der verschiedenen Eigentumsformen (beispielsweise ein einheitlicheres Steuersystem, weniger Bürokratie) – und der CUP würde potentiell konvertibel werden.

Nichts desto trotz bringt eine solche Reform auch Gefahren mit sich. So fragt der Ökonom und gute Kenner der kubanischen Wirtschaft, Carmolo Mesa Lago, nicht zu Unrecht mit welchen Ressourcen die kubanische Regierung einen Anstieg der Löhne ohne Kaufkraftverlust abzufedern gedenkt und eine Inflation verhindern will. Woher sollen die zusätzlichen CUP kommen, die in Zirkulation gebracht werden müssen – angesichts der Tatsache, dass sich die Regierung eine systematische Rückzahlung und Deckelung der Verbindlichkeiten zum Ziel gesetzt hat? Zudem ist es unausweichlich, die Subventionen für Konsumgüter des Grundbedarfes welche in CUP verkauft werden drastisch zu reduzieren, wenn der CUP seine Funktion als Zahlungsmittel zurückerlangen soll – die ohnehin angestrebte Abschaffung der Rationierungskarte „Libreta“ muss somit ebenfalls fokussiert werden. Wie die kubanische Regierung diesen Schritt jedoch umsetzen will, ist fraglich. Raúl Castro erklärte hierzu, dass in Zukunft Menschen, nicht Produkte subventioniert werden würden. Die kubanische Subventionspolitik muss also künftig vollkommen neu gedacht werden, da sie nicht mehr alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen erreichen wird. Es müssen neue Methoden und Indikatoren zur Bedarfsermittlung entwickelt werden, die langfristig in dem Aufbau eines Sozialversicherungssystems münden könnten.

Auch werden für die Dauer des Umstellungsprozesses wohl auch die ausländischen Investitionen rückläufig sein, wobei hier energisch versucht wird, mit der neuen Sonderwirtschaftszone in Mariel durch steuerliche Vergünstigungen gegenzusteuern.
Insgesamt ist der Zeitpunkt der Reform im allgemeinen Zusammenhang der Aktualisierung des Wirtschaftsmodells gut gewählt. Dennoch bleibt es fraglich, in welchem Zeitrahmen und durch welche konkreten Schritte die Reform umgesetzt wird. Auch die Frage nach einer Aufwertung des Wechselkurses für die Privathaushalte und der zukünftigen Kaufkraft des CUP, bleibt offen. Spätestens in einem Jahr dürften sich einige Antworten finden lassen.

Der Autor: Maximilian Vorast studiert Betriebswirtschaftslehre an der dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und macht derzeit ein Praktikum in Großbritannien. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich Finance / Controlling sowie im Personalwesen, wobei er sich besonders für Anreizsysteme in sozialistischen Ökonomien interessiert. Er bereiste Kuba zum ersten Mal im Jahr 2012 und wirkte bereits an dem hier publizierten Reisebericht mit.

Das Ende des dualen Währungssystems in Kuba (Teil 1)

Schon seit Jahren bezweckt die kubanische Regierung, das System der zwei Währungen abzuschaffen. Im Oktober dieses Jahres wurde nun verkündet, dass es einen konkreten Zeitplan gebe, der nächstes Jahr mit der Unternehmensreform anfängt und danach auch private Konsumenten betrifft. Anlässlich der Komplexität des Themas, wird der Artikel von Gastautor Maximilian Vorast in zwei Teile aufgeteilt. Teil 1 soll einen kompakten Überblick zur Entstehung und die Struktur des dualen Währungssystems schaffen und so die Schwierigkeit der anstehenden Reformen verständlich machen. Teil 2 wird dementsprechend den aktuellen Entwicklungen sowie Chancen und Risiken einer Vereinigung beider Währungen gewidmet sein.

Die Entstehung des dualen Systems

Will man die historische Entstehung des dualen Währungssystems nachvollziehen, muss man sich zunächst die grundsätzlichen Fakten des Status Quo vor Augen führen: Neben dem Peso Cubano (CUP), der ursprünglichen nationalen Währung, existiert in Kuba heute noch der Peso Convertible (CUC). Während der CUP lediglich in CUC umgetauscht werden kann, ist der CUC innerhalb Kubas frei konvertibel. Dabei ist der CUC an den Wechselkurs des US-Dollars gebunden, während eine Einheit des CUC für 25 CUP gekauft werden kann. Für einen CUC erhält man hingegen 24 CUP.
Ursprünglich als Notlösung für die ökonomischen Verwerfungen der Sonderperiode gedacht, ist das duale Währungssystem seit nunmehr 20 Jahren elementarer Bestandteil der kubanischen Wirtschaftsstruktur geworden. Wie ist es hierzu gekommen?

Zweifelsohne konnte man Kuba in den 1980er Jahren als „durchglobalisierte“ Volkswirtschaft bezeichnen. Die Arbeitsteilung innerhalb des RGW sorgte für eine fortgeschrittene Spezialisierung in vielen Industriezweigen. Über 700 Produkte wurden aus den sozialistischen Staaten zu guten Konditionen geliefert, während die industrielle Basis selbst in die Zuliefererketten des RGW bewusst integriert wurde – eine ökonomische Entscheidung und die logische Konsequenz aus Kubas Beitritt zum RGW und der damit erfolgten Übernahme weiter Teile des sowjetischen Planungsmodells während der 70er Jahre.

Wirtschaftshilfe der UdSSR

Grafik 1: Wirtschaftshilfe der UdSSR an Kuba (1960 – 1990). (Quelle: „The Cuban Economy„).

Ein weiterer Bestandteil der wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen waren die immensen sowjetischen Subventionen der kubanischen Wirtschaft (Grafik 1). So wurde beispielsweise Rohöl in großen Mengen bereitgestellt, in Kuba weiterverarbeitet und reexportiert – 40% der Deviseneinnahmen stammten Ende der 80er Jahre aus diesen Geschäften. Auch bei Produkten der Zuckerindustrie konnte sich das Land stets auf feste Abnahmemengen und Preise über Weltmarktniveau verlassen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Wegfall der Abnehmer eigener Produkte erwarteten die wenigsten Beobachter, dass das sozialistische Kuba die Milleniumfeier erleben würde. Die ökonomischen Auswirkungen sollten sie in ihrer Annahme bestärken: Zwischen 1989 und 1993 sind nicht weniger als 80% der Importkapazitäten schlicht ausgeblieben, fast 85% der Konsumgüter enthielten noch Anfang der 90er Importeile. In der Folge konnte nichts mehr exportiert werden, viele Industriebetriebe konnten nicht produzieren, Lebensmittel wurden knapp – die sogenannte Sonderperiode (span.: „Periodo Especial“), welche offiziell noch immer nicht für beendet erklärt wurde, ist heute die ökonomisch prägende Erfahrung vieler Kubaner. Die meisten industriellen Sektoren haben sich von diesem Schock nicht mehr erholt.

Die Knappheit an Konsumgütern des Grundbedarfes nahm während der Hochphase der Sonderperiode (1993 – 1999) stetig zu, die Preise blieben dennoch konstant. Diese Form der „sozialistischen Inflation“ zeigte sich an auch durch den Liquiditätsüberhang der meisten Privathaushalte, die zwar keiner produktiven Arbeit nachgehen konnten, jedoch weiterhin Löhne und subventinierte Lebensmittel erhielten. Um die Löhne auszubezahlen wurde die Geldschöpfung immens ausgeweitet. So stieg die Geldmenge bis 1993 von vormals 4,2 Milliarden CUP auf 11 Milliarden CUP an. In weniger als 4 Jahren wertete der inoffizielle Wechselkurs des CUP von 1 Dollar : 5-7 CUP auf 1 Dollar : 100 CUP ab (teilweise wurde ein Dollar sogar für 130 CUP auf dem Schwarzmarkt gehandelt).

http://www.ascecuba.org/publications/proceedings/volume19/pdfs/dreher.pdf

Grafik 2: Wechselkurs CUP zu US Dollar (1990 – 2004). (Quelle: „Monetary Policy in Cuba„).

In Folge dessen entwickelte sich auf dem Schwarzmarkt der Dollar zum wichtigsten Zahlungsmittel, da er weiterhin als stabiles Wertaufbewahrungsmittel fungieren konnte. Insgesamt waren so schätzungsweise über 500 Millionen Dollar außerhalb des regulären Geldsystems im Umlauf. Um diese Devisen volkwirtschaftlich sinnvoll nutzen zu können wurde 1993, nach anfänglichem Zögern, der Devisenbesitz legalisiert und Teile des Schwarzmarktes z.B. durch Bauernmärkte und einen kleinen Privatsektor institutionalisiert. Dadurch konnte der Tourismussektor als einer der Hauptdevisenbringer stark ausgebaut werden. Im Jahr 1994 wurde schließlich der Peso Convertible (CUC) geschaffen, der zunächst nur als „Touristenwährung“ in sehr begrenzter Zirkulation verwendet wurde.

Diese Maßnahmen konnten die Währungsverwerfungen stoppen, da alle devisenbezogenen Güter nun außerhalb des staatlichen Bepreisungssystem zu „tatsächlichen Werten“ gehandelt werden mussten. Der CUP pendelte sich derweil auf seinem heutigen Wechselkurs ein. Als weitere wichtige Meilensteine können sowohl die Eröffnung eines flächendeckenden Wechselstubensystems (CADECA) 1995, als auch die Gründung der Zentralbank 1997 gesehen werden. Auf volkswirtschaftlicher Ebene führte die Dollarisierung ungewollt zu einer Fragmentierung der Wirtschaft: Einige Betriebe können ihre Devisen eigenständig erwirtschaften, während andere weiterhin von Devisenzuteilungen abhängig sind. Um diese Struktur planerisch abbilden zu können und beide Zirkulationsspähren zu integrieren, wurde der offizielle Wechselkurs der 80er Jahre von 1 Dollar zu 1 CUP für Transaktionen zwischen Staatsbetrieben und kubanischen Banken bis heute weitergeführt. Ein komplexes System aus verschiedenen Transaktionen und internen Verrechnungskursen ist seitdem entstanden.

Abschöpfung der Devisen oder Steigerung der Exporte?

Eine der weitreichendsten Folgen ist die Exportschwäche der kubanischen Betriebe: Macht ein Devisenbetrieb 1 Dollar Umsatz so erhält er bei kubanischen Banken 1 CUP dafür. Ein denkbar schlechter Kurs, der aus einem im Dollarsektor rentablen Betrieb einen unrentablen kreiert. Der Anreiz zur Ausweitung der Exporte ist dementsprechend gering. Technisch wurde das Abschöpfen der Devisen u.a. auch durch die bis heute existierenden staatlichen Vermittlungsbehörden für Arbeitskräfte umgesetzt. Verdient ein Arbeiter in einem dieser Betriebe 500 CUP im Monat so muss der Betrieb an jene Agenturen 500 Dollar überweisen, das gilt auch für die zahlreichen Joint-Venture Betriebe, die in den 1990er Jahren entstanden. Im Gegensatz hierzu ist der Anreiz Importe durch härtere Pläne einzusparen gering: Die Betriebe müssen lediglich 1 CUP aufwenden um Güter im Wert von 1 Dollar zu erwerben.

An dieser Grundproblematik änderte auch der 2004 initiierte Ausbau des CUC zur landesweit vorherrschenden Devisenwährung nichts. Der Schritt wurde mit dem steigenden Druck der USA auf internationale Banken, welche im Zusammenhang mit Kuba standen, begründet. Der CUC wurde dabei an den Kurs des Dollars gebunden (von 2005 bis 2011 wurde der CUC mit einem Kurs von 1,08 Dollar zu 1 CUC jedoch leicht aufgewertet). Zwar konnte die kubanische Regierung durch den CUC die Auf- und Abwertung einfacher steuern und erhielt einen zentralisierten Überblick und weitreichende Kontrolle über die laufenden Transaktionen, die nun im Umtausch Dollar zu CUC umgesetzt werden mussten. Jedoch änderte sie nichts am Grundsatz der 1:1 Verrechnung zwischen nunmehr dem CUC und dem CUP. Auch wenn der Besitz des US-Dollars weiterhin erlaubt war, mussten alle Dollareinlagen auf kubanischen Banken in CUC gewechselt werden. Der Kauf des CUC beinhaltete eine Gebühr von 10%, was weitere Deviseneinahmen brachte.

Der bestehende CUC Sektor hat weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben der Kubaner. Fast alle Löhne werden in CUP ausbezahlt, wobei der Durchschnittslohn heute etwa 500 CUP (ca. 20 US-Dollar) beträgt. Dieser geringe Lohn ist durch einen hohen Grad an subventionierten Gütern des Grundbedarfes ausreichend zum Überleben. Da jedoch beinahe alle hochwertigen Importkonsumgüter lediglich in CUC erhältlich sind, ist der Anreiz ein CUC Einkommen zu erwirtschaften immens. Dies führt zu einer Fehlallokation von Fachkräften: Ärzte arbeiten freiwillig als Hotel-Portier, da sie an einem Abend mehr Trinkgeld erhalten, als sie in einem Monat in ihrer Praxis verdienen könnten. Ebenso stehen pragmatische CUC Prämien in vielen Betriebe notgedrungen auf der Tagesordnung.

Das duale Währungssystem hat so die soziale Ungleichheit in nicht gekannten Ausmaßen verstärkt: 40% der Bevölkerung haben keinen Zugang zum CUC während viele Personen Auslandsüberweisungen erhalten und so ohne entsprechenden Arbeitseinsatz für kubanische Verhältnisse fürstlich leben – ein sowohl ökonomisch als auch politisch untragbarer Zustand der überdies hinaus ein Haupthemmnis der volkswirtschaftlichen Entwicklung des Landes darstellt und nun überwunden werden soll.

Lesen Sie in Teil 2: Welche Pläne zur Vereinigung der beiden Währungen fokussiert die kubanische Regierung? Welche Chancen und Risiken bestehen in der Vereinigung des Peso Nacional und des Peso Convertible?

Kreditprogramm schreitet voran

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres in Kuba am 2. September kehrt nach der Sommerpause auch langsam das politische Leben zurück. Am 31. August machte der Vizepräsident der kubanischen Zentralbank, Francisco Mayobre, gegenüber der Granma neue Angaben zum seit 2011 bestehenden Kreditprogramm der Insel. Seit dem wurden auf diesem Wege 271.152 Kredite im Gesamtwert von 1,5 Billionen CUP (ca. 60 Millionen US$) genehmigt. Ende des Jahres 2011 führte die kubanische Regierung private Kleinkredite für die Renovation und den Neubau von Häusern ein, wobei bei der Vergabe ärmere Leute sowie von Naturkatastrophen betroffene Menschen bevorzugt werden.

Doch wie hat sich die Situation davor entwickelt? Anfang 2012 wurde die Möglichkeit von 33.000 Kubanern genutzt, zum Sommer des Jahres haben 47.000 Kubaner diese Möglichkeit in Anspruch genommen, damals wurde auch die maximal mögliche Kreditsumme von 3.200 auf 3.400 US$ erhöht. Im Jahr gesamten 2012 wurden es 85.000 Kreditnehmer die insgesamt Kredite im Wert von 24 Millionen US$ erhielten (damals kamen 91 Prozent dem Erwerb von Baumaterialien zu Gute). Auf der Parlamentssitzung im Juli dieses Jahres wurde noch angegeben, dass bisher über 145.000 Kredite im Wert von 36 Millionen US$ ausgegeben wurden.

Im Lauf der Zeit wurde das Programm dabei immer weiter ausgedehnt und der Genehmigungsprozess vereinfacht, so konnten Immobilien als Bürge für die Kreditwürdigkeit herangezogen werden und auch der nicht-staatliche Sektor profitiert heute stärker als früher von den Krediten.

Kreditkprogramm in Kuba

Gesamtsumme der bisher ausgegebenen Kredite zum jeweiligen Stichtag.

Wenn man die historische Entwicklung der Kreditausgabe betrachtet, so bemerkt man wie das Programm an Schwung zugenommen hat. Allein von Januar bis August 2013 wurden Kredite im Wert von 36 Millionen US$ ausgegeben, mehr als die 24 Millionen US$ die im gesamten Jahr 2012 bereitgestellt wurden. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass die Zahlen die für das Frühjahr 2013 angegeben wurden nicht klar einzuordnen sind, es handelt sich um die bei der Parlamentssitzung im Juli genannten. Einen so schnellen Anstieg binnen weniger Wochen kann wohl ausgeschlossen werden, deshalb scheinen die Angaben von einem etwas Zeitpunkt als Juli 2013 zu stammen, sind jedoch rein logisch definitiv nach Dezember 2012 erfasst worden. Aus diesem Grund habe ich sie als „Frühjahr 2013“ mit Fragezeichen in die Grafik mit aufgenommen.

Die durchschnittliche Summe pro Kredit sank dabei im lauf der Zeit stetig von 282 US$ im Jahr 2012 auf 221 US$ im August 2013. Der rasche Anstieg kann daher nicht mit größeren Kreditsummen erklärt werden, die z.B. den neuen Kooperativen zu Verfügung stünden. Wahrscheinlicher ist eher, dass sich hier die staatliche Hilfe für die Opfer des Hurrikans Sandy im Herbst vergangenen Jahres ablesen lässt. Von diesen nicht-staatlichen Wirtschaftseinheiten profitierten bis heute 91 ebenfalls vom Kreditprogramm. Auch die Möglichkeit für Staatsunternehmen, Aufträge an selbstständig Beschäftigte und Kooperativen zu vergeben, könnte die Ausdehnung der Kredite stimulieren. In den kommenden Monaten können Staatsunternehmen Garantien für selbständig Beschäftigte geben, ebenso wie Kooperativen für ihre Mitglieder.

Dies bedeutet de facto eine Ausweitung des Programms auf die verschiedensten nicht-staatlichen Wirtschaftssubjekte und ihre Austauschbeziehungen mit dem Staat. Hierdurch wird die Akkumulation von Kapital und die effizientere Allokation von Ressourcen erleichtert, da die wirtschaftlichen Akteure freier in der Handhabung ihrer Arbeitsmittel sind. Alles deutet derzeitauf eine rasche Weiterentwicklung des Kreditprogramms hin, das für die Rekapitalisierung der kubansichen Binnenwirtschaft unbedingt erforderlich ist.