Vier Monate nach dem Tornado in Havanna: die meisten Schäden sind beseitigt

Bis September soll der Wiederaufbau nach dem Tornado abgeschlossen sein, welcher Ende Januar über 8.000 Gebäude in Havanna beschädigte oder zerstörte (Quelle: Prensa Latina)

Gut vier Monate nachdem ein verheerender Tornado in der kubanischen Hauptstadt Havanna wütete, sind heute rund 80 Prozent der beschädigten Gebäude wieder instandgesetzt worden, wie die Nachrichtenagentur „Prensa Latina“ meldet. Die Windhose verwüstete in der Nacht auf den 28. Januar mehr als 1.000 Gebäude im Süden und Osten Havannas. Drei Menschen starben, während 172 Personen verletzt wurden.

Wie Havannas erster Parteisekretär, Luis Antonio Torres Iríbar, erklärte, konnten inzwischen 7.630 der 8.310 beschädigten Objekte, die allermeisten davon Wohnhäuser, repariert werden. Immer mit der Zielvorgabe die Dinge „besser als vorher“ zu hinterlassen, so Iríbar. Von den 1.068 Totalverlusten sind inzwischen 531 wieder aufgebaut worden. Die allermeisten der noch offenen Fälle (497) befinden sich im Stadtteil 10 de Octubre, 112 in der Gemeinde Guanabacoa, 63 in Regla, fünf in Cerro und zwei Gebäude müssen noch in Habana del Este wieder aufgebaut werden.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation in der sich das Land befinde, komme der Wiederaufbau gut voran und könne so planmäßig bis September abgeschlossen werden. Neben staatlichen Bauunternehmen sind auch private Bauarbeiter sowie Kooperativen an den Arbeiten zum Wiederaufbau beteiligt. Unterstützung erhält Havanna dabei aus fünf anderen Provinzen.

Werbeanzeigen

Wohnungsbau bleibt Priorität

Kuba hat ein Wohnungsdefizit von über 929.000 Einheiten, welches in den kommenden 10 Jahren deutlich reduziert werden soll (Quelle: CNC TV)

Havanna. Die Schaffung von neuem Wohnraum ist eine der Hauptherausforderungen, vor denen das sozialistische Kuba heute steht und eine Priorität in der Agenda von Präsident Miguel Díaz-Canel. Dies meldete die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina in einem Bericht über die jüngste Arbeitssitzung des Ministerrats zur Überprüfung des staatlichen Wohnungsplans. Demnach kritisierte der Präsident bestehende bürokratische Hemmnisse und forderte zu einer „Verdopplung der Anstrengungen“ auf.

Laut der Tageszeitung Granma warnte Díaz-Canel auf der Sitzung zudem vor Rückständen im aktuellen Plan. Die Langsamkeit bei einigen Genehmigungsprozessen sowie bei der Abnahme fertiger Bauten stelle ein Hemmnis dar, das beseitigt werden müsse. In Zukunft soll dem Thema daher bei den regelmäßigen Arbeitstreffen in den Provinzen verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden, kündigte er an. Zudem werden die Fortschritte beim Wohnungsbauprogramm jeder Provinz ab sofort einmal pro Quartal in den Medien bekannt gegeben.

Kuba will in diesem Jahr rund 20.000 Wohngebäude fertigstellen. Das Wohnungsdefizit beträgt 929.000 Einheiten, wobei die Provinzen Havanna, Holguín und Santiago de Cuba am stärksten betroffen sind.

Um dieses Defizit innerhalb von zehn Jahren beseitigen zu können, plant die Regierung die Bauindustrie des Landes in den nächsten Jahren umfassend zu modernisieren und die Herstellung von Baumaterialien zu verdoppeln. Im Rahmen der langfristigen Strategie bis 2030 soll der Sektor unter anderem mit Hilfe ausländischer Investitionen erneuert werden. Dabei wird der Transport von Baustoffen künftig stärker auf die effizientere Schiene verlegt werden. Erst im Januar lieferte Russland mehrere dutzend Spezialwaggons für den Transport von Zement. Diese sollen nun „schrittweise in die Logistikkette eingegliedert“ und dabei vor allem für die Versorgung der östlichen Provinzen eingesetzt werden, erklärte die Leiterin des Wohnungsbauprogramms, Vivian Rodríguez.

Nach letztem Stand gibt es auf Kuba 3,82 Millionen Wohngebäude, davon wurden 40 Prozent als in „durchschnittlich bis schlechtem baulichen Zustand“ eingestuft. Seit dem Sieg der Kubanischen Revolution am 1. Januar 1959 wurden 2,56 Millionen Wohnungen gebaut. (Amerika21)

Wiederaufbau nach Tornado in Kuba schreitet voran

Rund 10.000 Personen wurden in Folge des Tornados aus den betroffenen Gebieten evakuiert, die meisten von ihnen sollen bis zum Ende des Jahres in ihre Häuser zurückkehren können (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Rund drei Wochen nach dem verheerenden Tornado, der Ende Januar mehrere Stadtteile im Süden der kubanischen Hauptstadt verwüstete und dabei sieben Todesopfer forderte, kommt der Wiederaufbau in Havanna zügig voran. Rund die Hälfte der betroffenen Familien verfügen inzwischen über Materialien zur Instandsetzung ihrer Häuser, während der Ersatz der 730 völlig zerstörten Gebäude mit staatlichen Bautrupps unter Hilfe der Nachbarprovinzen organisiert wird. „Jetzt stehen die größten Herausforderungen an“, sagte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel.

Dieser Tage kommt Kubas Ministerrat fast täglich zusammen, um über den Fortschritt des Wiederaufbaus zu beraten. Die abendliche Fernsehsendung „Mesa Redonda“ (Runder Tisch) fand zu diesem Anlass jüngst sogar in den Räumlichkeiten des selbigen statt, wobei neben Präsident Díaz-Canel auch zahlreiche Fachminister und Vertreter der Staatsorgane anwesend waren, um über den letzten Stand der Wiederherstellungsmaßnahmen Rede und Antwort zu stehen. Nach letzten Angaben beläuft sich die Anzahl der beschädigten Gebäude auf rund 7.700, darunter 730 Totalverluste. Wie kubanische Medien berichteten, verstarb einer der noch in Behandlung befindlichen Patienten am Samstag, womit sich die Anzahl der Todesopfer auf sieben erhöhte. Die Schäden an den Gebäuden betreffen meist teilweise oder ganz zerstörte Dächer. Unter den betroffenen Gebäuden befinden sich 78 Bildungseinrichtungen, von denen bereits 49 wieder in Betrieb sind. Von den 19 beschädigten Einrichtungen des Gesundheitswesens sind inzwischen zwei Drittel wieder instandgesetzt, ähnlich verhält es sich bei den 31 betroffenen Industrieanlagen. Die größten Schäden sind im Stadtteil Diez de Octubre zu verzeichnen, wo der Sturm 4.063 Häuser beschädigte und 439 zerstörte.

Verlauf des Tornados vom 27. Januar (Quelle: INSMET)

Der Tornado der Stärke EF4 bewegte sich am Abend des 27. Januar bei Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern auf einer Strecke von 11,5 Kilometern über Havannas Stadtteile Cerro, Diez de Octubre, Regla, Guabanaboa sowie Habana del Este hinweg. Bereits wenige Tage nach dem Sturm konnte die Strom-, Wasser- und Gasinfrastruktur in den betroffenen Gebieten wiederhergestellt werden. Binnen dreier Tage wurde der Schulbetrieb wiederaufgenommen. Inzwischen sind mehr als 9.000 Schadensfälle bei den Behörden eingegangen, wovon inzwischen rund 60 Prozent bearbeitet, aber erst rund zehn Prozent gelöst werden konnten. Um schnellstmöglich neuen Wohnraum zu schaffen, plant die Regierung, leerstehende staatliche Einrichtungen in Wohngebäude umzuwidmen. „Wenn wir in diesem Tempo weiterarbeiten, können wir die Mehrzahl der Fälle bis zum Ende dieses Jahres lösen“, sagte Díaz-Canel.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag Havannas, der im November dieses Jahres begangenen wird, ist es ein erklärtes Ziel der Regierung, beim Wiederaufbau der Infrastruktur signifikante Verbesserungen zu erreichen. Dies soll nicht zuletzt in den Katastrophengebieten erfolgen: neue Glasfaserleitungen, die verlegt werden, können künftig rund 4.000 zusätzliche Haushalte mit Internet versorgen. Die alte Straßenbeleuchtung wird durch energiesparende LEDs ersetzt. Díaz-Canel forderte mehrfach, beim Wiederaufbau darauf zu achten, die Dinge „besser als vorher“ zu machen.

Während vielerorts die Normalität zurückgekehrt ist, die Straßen nach dem freiwilligen Einsatz tausender Studenten wieder passierbar sind, nimmt auch die Politik wieder Kurs auf die nächsten Aufgaben. Wie Kubas Wahlkommission (CEN) jüngst bekannt gab, sind in den vom Tornado betroffenen Gebieten sowie in den Notunterkünften „alle Bedingungen zur Umsetzung des Referendums“ gegeben, das am 24. Februar stattfindet. Mehr als acht Millionen wahlberechtigte kubanische Bürger sind aufgerufen, über die neue Verfassung des Landes abzustimmen, die im letzten Herbst im Rahmen breiter Volksaussprachen diskutiert wurde. (A21)

ZK-Plenum zieht kritische Bilanz über Wirtschaftsreformen

Von links: Politbüromitglied José Machado Ventura, Präsident Raúl Castro und dessen Stellvertreter Miguel Díaz-Canel auf dem V. Plenum des ZK der PCC (Quelle: Granma)

Wenige Tage vor der ersten Versammlung des neuen kubanischen Parlaments traf sich in Havanna das Zentralkomitee der regierenden Kommunistischen Partei Kubas (PCC), um Bilanz über den Reformprozess auf der Insel zu ziehen. Neben dem Thema der schwierigen Wohnsituation und der Rolle des Privatsektors wurde dabei auch ein erster Entwurf der bevorstehenden Verfassungsreform diskutiert. Am 19. April wird auf Kuba ein neuer Präsident gewählt, da der 86-jährige Amtsinhaber Raúl Castro nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidiert.

Verzögerte Reformen

Bei dem Treffen des Zentralkomitees wurde vor allem die Umsetzung der seit 2011 laufenden Wirtschaftsreformen diskutiert. Damals wurden im Rahmen des VI. Parteitags der PCC die „Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik“ beschlossen welche neben der Öffnung des privaten Kleingewerbes (span.: Cuentapropismo) unter anderem auch die Etablierung von Genossenschaften und die Beendigung des dualen Währungssystems vorsehen. Präsident Raúl Castro erklärte zuletzt auf der Sitzung des kubanischen Parlaments im Dezember 2017, dass die Vereinheitlichung der beiden Währungen „nicht länger hinausgezögert“ werden dürfe.

Auch in anderen Bereichen gaben Kubas Kommunisten Fehler und Verzögerungen zu. „Die ersten drei Jahre [des Reformprozesses] zeichneten sich durch eine hohe Geschwindigkeit bei der Umsetzung aus, welche sich dann jedoch aufgrund der Komplexität der Maßnahmen sowie Fehlern bei der Planung und Kontrolle der Prozesse reduzierte“, zitiert das Parteiorgan „Granma“ den Chef der Reformkommission, Marino Murillo. Fehlende Finanzmittel sowie die schwierige wirtschaftliche Situation inmitten von US-Sanktionen und immer wiederkehrenden Naturkatastrophen hätten die Reformen zusätzlich gebremst. In den letzten beiden Jahren habe sich die Regierung dann vor allem auf die Konsolidierung des bisher Erreichten konzentriert anstatt die Reformen weiter zu vertiefen.

Probleme bei der Regulierung des Privatsektors

Die Reformkommission habe es nicht immer geschafft, die involvierten Organe in den Prozess mit einzubeziehen und entsprechende Schulungen und Richtlinien vorzugeben, gesteht Murillo selbstkritisch. Gleichzeitig „manifestierte sich eine begrenzte Weitsicht in Bezug auf die Risiken und eine unvollständige Kosten-Nutzen-Analyse“, so Murillo. Seit Beginn des Reformprozesses hat sich die Anzahl der selbstständig Beschäftigten Kubas auf rund 580.000 verdreifacht, gleichzeitig nahm die soziale Ungleichheit zu. Dies hat im vergangenen Sommer zu einer Pausierung der Lizenzausgabe geführt, welche erst mit einer Neuregelung des Privatsektors wieder aufgehoben wird. Diese soll nun zügig beschlossen werden.

Auf dem März-Plenum des Zentralkomitees wurde eine gemischte Bilanz über die Umsetzung der Wirtschaftsreformen gezogen (Quelle: Granma)

Derzeit werden laut dem Plenum alle laufenden Gesetzesvorhaben evaluiert, die größte Priorität liegt dabei auf der Währungsreform sowie der Erarbeitung des langfristigen Entwicklungsplans bis zum Jahr 2030. Die 580.000 Cuentapropistas des Landes sowie die 30.000 mit ihrer Kontrolle beschäftigte Staatsangestellte sollen Schritt für Schritt professionell geschult werden. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Etablierung einer Steuerkultur, die auf der Insel bisher noch zu wünschen lässt. Doch auch die Einführung von Großmärkten sowie eine bessere Kommunikationspolitik sind Teil der Maßnahmen, mit denen Kubas Regierung dem Privatsektor begegnen will.

Mehr als 800.000 Wohnungen fehlen

Neben den Reformen war vor allem das akute Problem der Wohnungssituation auf der Insel Thema. Von den mehr als 3,8 Millionen Wohneinheiten befinden sich heute 39 Prozent in „durchschnittlichem oder schlechtem Zustand“, wie Bauminister René Mesa Villafaña bekannt gab. Zudem haben die beiden Stürme „Matthew“ (2016) und „Irma“ (2017) hunderttausende Gebäude teils schwer beschädigt, was die Anzahl der fehlenden Wohnungen landesweit auf 800.000 anstiegen ließ.

Um dem Problem zu begegnen sollen dieses Jahr 423 Mini-Industrien in allen Provinzen aufgebaut werden, die auf lokaler Ebene Baumaterialien produzieren. Gleichzeitig soll mit der Modernisierung zweier Zementwerke die Gesamtkapazität des Bausektors erhöht werden. Im Zuge der Wirtschaftsaktualisierung werde an dem Grundsatz festgehalten, dass „niemand schutzlos bleibt oder zurückgelassen wird“, wie Raúl Castro bekräftigte.

Wenn am 19. April das kubanische Parlament zu seiner ersten Sitzung in der aktuellen Legislatur zusammentrifft, soll Raúl Castros Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Staats- und Ministerrat gewählt werden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt dabei der 1960 geborene Miguel Díaz-Canel welcher seit 2013 als Castros Stellvertreter fungiert. Mit einer Verfassungsreform sollen künftig alle Spitzenämter in Staat und Partei auf zweimal fünf Jahre beschränkt werden. Ein erster Entwurf dazu wurde auf der ZK-Sitzung vorgestellt. Dabei ließ man durchblicken, dass auch andere Aspekte der Verfassung angepasst werden könnten, beispielsweise die Stärkung der Rolle lokaler Organe und das Verhältnis von Legislative und Exekutive.

Kubas Funktionäre müssten die Probleme und Fehler erkennen „ohne zu schwanken“, und „ohne auf Lösungen von oben zu warten“, bekräftigte Raúl Castro. Sparsamkeit sei dabei oberstes Gebot. „Trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten die auf diesem Plenum festgestellt wurden, ist die Situation heute günstiger als noch vor ein paar Jahren“, so Castro.