Kubas neue Verfassung tritt am 10. April in Kraft

Beratung von Abgeordneten am 7. März im Kapitol, dem neuen Sitz des kubanischen Parlaments (Quelle: Juventud Rebelde)

Wie die Parlamentspräsident Esteban Lázo Hernández vor wenigen Tagen bekannt gab, soll Kubas neue Verfassung am kommenden 10. April offiziell proklamiert werden. In einer Videokonferenz mit Abgeordneten aus verschiedenen Provinzen stellte Lazo zudem jüngst einige der unmittelbar bevorstehenden Gesetzesänderungen vor.

Als erstes der neuen Gesetze sollen demnach die Regeln über die Verwendung der nationalen Symbole wie Flagge, Hymne und Wappen der Republik aktualisiert werden. Das bisherige Reglement stammt aus dem Jahr 1982 und soll an verschiedenen Stellen gelockert werden, was künftig eine „flexiblere Nutzung“ der Staatsinsignien erlaubt, allerdings „immer mit dem gebotenen Respekt.“ Darüber hinaus ist auch eine baldige Neuregelung der Fischereigesetze geplant.

Am 24. Februar fand auf Kuba ein Referendum statt, bei dem 86,8 Prozent der Wähler die neue Verfassung des Landes an der Urne ratifizierten. Die Wahlbeteiligung lag laut dem amtlichen Endergebnis bei 90,1 Prozent. Nach Inkrafttreten der neuen Verfassung muss gemäß deren Schlussbestimmungen innerhalb von sechs Monaten ein neues Wahlgesetz verabschiedet werden, welches den geänderten Strukturen Rechnung trägt. Die im Vorfeld heiß diskutierte Frage über die Einführung der „Ehe für alle“ soll hingegen innerhalb von 24 Monaten nach der Proklamation im Rahmen eines neuen Familiengesetzes geregelt werden.

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Große Mehrheit sagt „Ja“ zur neuen Verfassung

Öffentliche Auszählung der Stimmzettel am Sonntag in Havannas Wahlbüro Le Ceiba (Quelle: eigene Aufnahme / M.W.)

Havanna. Kubas Bevölkerung hat die neue Verfassung des Landes mit großer Mehrheit bestätigt. Wie die nationale Wahlkommission (CEN) am Montagnachmittag bekannt gab, votierten laut dem vorläufigem Ergebnis des Referendums am Sonntag 86,8 Prozent der Wähler mit „Ja“. Dies entspricht rund 73,3 Prozent aller Wahlberechtigten. Für die Annahme war ein Mindestquorum von 50 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung notwendig gewesen.

Zum Votum aufgerufen waren mehr als 9,2 Millionen Kubaner über 16 Jahre, darunter auch mehrere tausend im Ausland tätige Staatsangehörige, die bereits vergangene Woche ihre Stimme vor Ort abgeben konnten. Laut dem vorläufigen Ergebnis erschienen insgesamt rund 7,4 Millionen Kubaner an den Urnen, was einer Wahlbeteiligung von 84,4 Prozent entspricht. 6,8 Millionen beantworteten die zur Abstimmung stehende Frage „Ratifizieren Sie die neue Verfassung der Republik?“ mit „Ja“. 9 Prozent oder 706.400 Wähler votierten mit „Nein“, während 4,2 Prozent der Stimmzettel ungültig gemacht wurden oder weiß blieben. Die Abstimmung war geheim und gleich und erfolgte unter Einsatz von Wahlkabinen. Mehr als 420.000 freiwillige Wahlhelfer waren am Sonntag landesweit im Einsatz.

Nach Schließung der gut 24.000 Wahllokale um 18 Uhr wurden die Urnen geöffnet und die Stimmzettel ausgezählt. In einigen Wahlbüros waren neben der interessierten Öffentlichkeit auch ausländische Journalisten zugegen.

Ergebnis der Auszählung in La Ceiba (Quelle: eigene Aufnahme / M.W.)

Verschiedene Gruppen von Systemgegnern hatten im Vorfeld zur Ablehnung der neuen Verfassung aufgerufen und Zweifel am Ablauf des Votums geäußert. Während die Regierung in den vergangenen Wochen aktiv für die Ratifizierung warb, beteiligten sich mehrere Gegner zusammen mit Vertretern der katholischen Kirche und evangelikalen Gruppen unter dem Motto „YoVotoNo“ (Ich stimme für Nein) an einer Kampagne gegen die neue Verfassung. Einige von ihnen waren bei der Auszählung der Stimmzettel vor Ort und mussten anschließend die Validität der Ergebnisse einräumen: In allen vier Wahlbüros, in denen Mitarbeiter der Bloggerin Yoani Sánchez bei der Auszählung anwesend waren, stimmte die Mehrzahl der Wahlberechtigten mit „Ja“, wobei die gemeldeten Ergebnisse im Schnitt kaum vom landesweiten Resultat abwichen. Das amtliche Endergebnis der Abstimmung wird noch im Laufe dieser Woche erwartet.

Präsident Miguel Díaz-Canel gab am Morgen seine Stimme in Havannas Stadtteil Vedado ab, wo er sich zusammen mit Nachbarn in die Schlange reihte. „Der heutige 24. Februar wird ein Tag der Bekräftigung unserer Überzeugungen sein“, kommentierte er gegenüber Reportern. Zugleich warnte er vor einer „kapitalistischen Restauration in Lateinamerika“ durch die USA und dem von dort ausgehenden „wirtschaftlichen, ideologischen und kulturellen Krieg, der die Völker ihrer Identität berauben soll“. Die Abstimmung sei deshalb zugleich ein Votum für Venezuela, so Díaz-Canel. Er bezeichnete die neue Verfassung als „moderne Magna Carta, die den gezielteren Aufbau des neuen Wirtschafts- und Sozialmodells ermöglicht“. Kuba definiert sich darin als „sozialistischer Rechtsstaat, mit allen und zum Wohle aller.“

In Folge der baldigen Proklamation stehe eine umfangreiche legislative Arbeit bevor, dutzende Gesetze müssten in Einklang mit der Verfassung gebracht und neues Recht umgesetzt werden. Hierzu hätten bereits Beratungen mit führenden Juristen und den Universitäten des Landes stattgefunden. „Die kommenden Sitzungen der Nationalversammlung werden lang sein“, so der Präsident. Kuba strebe eine bessere Welt an, und der Sozialismus habe sich hierfür als das richtige und gerechtere System erwiesen. Es müssten jedoch Wege gefunden werden, damit dieses „bessere Antworten auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen“ geben kann, so Díaz-Canel.

Der erste Entwurf der neuen kubanischen Verfassung wurde vom 13. August bis zum 15. November 2018 im Rahmen einer Volksaussprache in den Nachbarschaften, Schulen, Universitäten, Kasernen, Behörden und Betrieben des Landes diskutiert. Knapp 9 Millionen Kubaner beteiligten sich, mehr als 783.000 Änderungsvorschläge wurden gesammelt. Rund 60 Prozent des Textes wurden in der Folge modifiziert, bevor das Dokument im Dezember vom Parlament verabschiedet wurde. In Folge des erfolgreichen Referendums tritt die neue Verfassung mit ihrer Veröffentlichung im Gesetzesblatt in Kraft.

Öffnung der Urne in La Ceiba (Quelle: eigene Aufnahme / M.W.)

Nach dem Sieg der Revolution 1959 gab sich Kuba am 24. Februar 1976 erstmals eine neue Verfassung, für die damals 97,7 Prozent der Wahlberechtigten bei einer Wahlbeteiligung von gut 98 Prozent votierten. Sie wurde 1978, 1992 und zuletzt 2002 modifiziert. Das jetzt beschlossene Grundgesetz ist ein weitgehend neu formulierter Text und enthält 92 Paragraphen mehr als bisher. Die Änderungen sollen vor allem die Reformen der letzten Jahre verrechtlichen. Definierende Elemente der alten Verfassung, wie das Ziel der kommunistischen Gesellschaft oder die führende Rolle der Kommunistischen Partei, wurden beibehalten.

Neben der Aufteilung der Exekutive in das Amt des Präsidenten und Premierministers werden unter anderem Amtszeitbeschränkungen von zwei mal fünf Jahren für wichtige Staatsämter eingeführt. Auf wirtschaftlichem Gebiet versteht sich Kuba weiterhin als Planwirtschaft mit vorherrschendem Staatseigentum. Allerdings wird jetzt auch die Existenz des Marktes, von Privateigentum und ausländischen Investitionen anerkannt und reguliert. Auch Themen wie der Kampf gegen den Klimawandel, Verbraucherschutz, die Stärkung der Bürgerrechte (Habeas Corpus) und mehr fanden Eingang in das Dokument. Die Wahlgesetzgebung, die bis hinunter zur Gemeindeebene große Neuerungen erfahren wird, soll noch in diesem Jahr angepasst werden.

Die kontroverse Frage zur Einführung der „Ehe für alle“ soll laut den Zusatzbestimmungen in einem neuen Familiengesetzbuch geregelt werden, das innerhalb von zwei Jahren verabschiedet werden muss. (A21)

Referendum auf Kuba: 87 Prozent stimmen für neue Verfassung

Rund 9,2 Millionen Kubaner waren am Sonntag dazu aufgerufen, über die neue Verfassung ihres Landes abzustimmen (Quelle: M.W. / eigene Aufnahme)

Vor wenigen Minuten gab Kubas nationale Wahlkommission (CEN) das Ergebnis des gestrigen Verfassungsreferendums bekannt: Demnach stimmten 86,85 Prozent der Wähler mit „Ja“ zur neuen Verfassung, womit diese mit großer Mehrheit an der Urne angenommen wurde. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 84 Prozent. Damit wurde die achte Verfassung des Landes, und die zweite des sozialistischen Kubas, erfolgreich ratifiziert.

Laut den vorläufigen Ergebnissen votierten 9 Prozent der Wähler (706.300 Stimmen) gegen die neue Konstitution, 4,2 Prozent der Stimmzettel waren ungültig gemacht oder weiß gelassen worden. Wie im kubanischen Wahlgesetz festgelegt, erfolgte die Abstimmung geheim und unter Verwendung von Wahlkabinen. Die Auszählung der Stimmzettel ist hingegen öffentlich, auch die Anwesenheit ausländischer Journalisten wurde zugelassen. 6,8 Millionen oder 73,3 Prozent aller wahlberechtigten Kubaner über 16 Jahre stimmten am Sonntag für die neue Verfassung. Zur Bestätigung war ein Quorum von über 50 Prozent der Wahlberechtigten notwendig. Das amtliche Endergebnis soll im Laufe der Woche bekannt gegeben werden.

Weitere Infos:

Kuba ist bereit für das Verfassungsreferendum

Abstimmung kubanischer Diplomaten in Argentinien (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Mehr als 24.000 Wahllokale haben sich am vergangenen Sonntag auf Kuba am Probelauf für das Verfassungsreferendum am 24. Februar beteiligt. Er begann um sieben Uhr morgens und verlief landesweit zufriedenstellend, wie die nationale Wahlkomission (CEN) bekannt gab.

225.000 Kubaner beteiligten sich an der Probeabstimmung, bei der von den technischen Gegebenheiten bis zur Auszählung der Wahlzettel alle Voraussetzungen für die Abstimmung am kommenden Sonntag überprüft wurden. Auch in den 27 Wahllokalen Havannas, die Ende Januar von einem Tornado beschädigt wurden, konnte der Testlauf erfolgreich abgeschlossen werden. Lediglich 2,5 Prozent der Wahllokale berichteten von Problemen. Kleinere noch bestehende Mängel, unter anderem bei der Telefoninfrastruktur, sollen bis zum Termin des Votums beseitigt sein. Auch die Aufstellung von Wahlkabinen in Krankenhäusern und Fabriken, die dort über die nötige Diskretion verfügen, kann gewährleistet werden. In den gebirgigen Regionen der Insel werden spezielle Transportkapazitäten geschaffen. Amateurfunker helfen bei der Koordination, damit sich tatsächlich jeder an der Abstimmung beteiligen kann. „Wir sind bereit, das Referendum durchzuführen“, erklärte die Sprecherin der Wahlkommission, Luisa María Márquez.

Die Abstimmung der über 20.000 Kubaner, welche sich derzeit auf Missionen im Ausland befinden, verlief laut Angaben der Wahlkomission erfolgreich. Neben Ärzten und Krankenpflegern zählt hierzu auch das gesamte diplomatische Personal der Insel. Kubaner in über 130 Ländern stimmten bereits am 16. und 17. Februar über die neue Verfassung ab. 1.048 Wahllokale standen hierfür bereit.

Mehr als acht Millionen Kubaner sind am 24. Februar aufgerufen, über die neue Verfassung des Landes mit „Ja“ oder „Nein“ abzustimmen. Sie wurde im Dezember letzten Jahres nach langer Volksaussprache von der Nationalversammlung bestätigt und soll das bisher gültige Dokument von 1976 ablösen. Um angenommen zu werden, muss sie an der Urne von mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten ratifiziert werden. Am Tag des Referendums werden die Wahllokale von sieben bis 18 Uhr geöffnet haben. Die Abstimmung ist geheim und gleich, während die Auszählung der Stimmzettel öffentlich erfolgen wird. (A21)

Wahlkommission in Kuba gibt Details zum Verfassungsreferendum bekannt

Abstimmungszettel für das Verfassungsreferendum in Kuba: „Bestätigen Sie die neue Verfassung der Republik?“ „Ja“ oder „Nein“ (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Vor dem Verfassungsreferendum auf Kuba hat die nationale Wahlkommission (Comisión Electoral Nacional, CEN) wichtige Details zum Ablauf des Votums bekannt gegeben. Am 24. Februar soll in den 12.635 bisher festgelegten Wahlkreisen des Landes über die Frage: „Bestätigen Sie die neue Verfassung der Republik?“ mit „Ja“ oder „Nein“ abgestimmt werden können. Auch im Ausland werden Kubaner am Referendum teilnehmen.

Wie die CEN-Vorsitzende Alina Balseiro erklärte, dürfen alle kubanischen Bürger die Älter als 16 Jahre sind an der Abstimmung teilnehmen. Ausgeschlossen werden lediglich Gefängnisinsassen und Personen, denen geistige Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt wurde. Auch Ausländer, die seit mindestens zwei Jahren über eine permanente Wohnerlaubnis auf Kuba verfügen, dürfen wählen.

Die rund 40.000 Kubaner, die sich auf Auslandsmissionen befinden, sowie das gesamte diplomatische Personal werden bereits am 16. und 17. Februar ihre Stimme abgeben. Hierfür werden eigens 122 Wahlbüros in den jeweiligen Ländern eingerichtet.

Laut Balseiro wird dafür gesorgt, dass jeder Bürger die Möglichkeit bekommt, seine Stimme abzugeben. Bis Ende Januar konnten Wähler ihre Daten in den öffentlich einsehbaren Wahlregistern korrigieren lassen. Am Tag der Abstimmung selbst wird es Wahlkabinen auch in Krankenhäusern, rund um die Uhr produzierenden Fabriken sowie Militärstützpunkten geben. Am 17. Februar wird zudem ein landesweiter Testlauf stattfinden.

Kuba verfügt seit 2007 über ein digitales Wahlsystem, das „Verlaufskontrolle in Echtzeit sowie vollständig überprüfbare Informationen“ liefert, wie das Internetportal Cubadebate erkläutert. Damit wurden bisher drei Parlamentswahlen sowie sechs Wahlen zu den Provinz- und Gemeindeparlamenten absolviert. Das Aussehen der Stimmzettel, die auf Papier gedruckt in Urnen landen, wurde in dem Bericht bereits veröffentlicht. Am Wahltag wird mit mehr als 420.000 Helfern gerechnet, die an dem gesamten Prozess beteiligt sind.

Ende Dezember hat das Parlament die überarbeitete und endgültige Form der reformierten Verfassung beschlossen, die zuvor im Rahmen einer Volksaussprache diskutiert wurde, an der sich rund neun Millionen Kubaner beteiligten.

Falls die neue Verfassung am 24. Februar angenommen wird, tritt sie offiziell mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Regierung in Kraft. Danach muss innerhalb von sechs Monaten ein neues Wahlgesetz erarbeitet werden, das den neuen Strukturen Rechnung trägt. (A21)

Über 7 Millionen Kubaner haben sich bereits an Verfassungsdiskussion beteiligt

Der Verfassungsrechtler und Mitglied der Verfassungsredaktion Homero Acosta (links) im Interview mit dem kubanischen Fernsehsender „Canal Caribe“ (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Die laufende Volkaussprache über Kubas neue Verfassung geht in ihre letzte Phase. Bisher haben sich mehr als 7,37 Millionen Kubaner an der Debatte beteiligt, die noch bis zum 15. November läuft. Auf diese Weise kamen so bereits rund 660.000 Änderungsvorschläge zusammen, wie die Nachrichtenagentur Prensa Latina berichtet. Zu den umstrittensten Themen in der Debatte zählen neben der Schaffung der Grundlagen für die gleichgeschlechtliche Ehe auch die Einführung von Amtszeitbeschränkungen in den Spitzenämtern von Staat und Partei.

Von den 755 Einzelabschnitten, aus denen sich der im Juli veröffentlichte Verfassungsentwurf zusammensetzt, blieben lediglich acht ohne jeden Änderungswunsch. „Die Bevölkerung war bei dieser Diskussion kein Zuschauer, sondern hat sich aktiv an der Debatte beteiligt“, erklärte der kubanische Verfassungsrechtler und Staatssektretär Homero Acosta im Fernsehen. Dabei habe es zahlreiche wertvolle Beiträge gegeben, welche bei der anstehenden Überarbeitung des Textes berücksichtigt werden. „Keiner der Vorschläge wird vergessen werden. Wir können zwar nicht alle integrieren, werden jedoch jede Idee prüfen. Alles, was den Text robuster macht, ist von Wert“, so Acosta.

Laut dem vorläufigen Bericht wurden bei den mehr als 111.800 Diskussionsrunden, welche seit dem 13. August in Betrieben und Wohnvierteln stattfinden, bisher 560.000 Änderungsvorschläge, 27.238 Ergänzungen, 38.505 Streichungen und 33.781 Rückfragen zusammengetragen. Während manche Vorschläge dabei tausendfach formuliert wurden, seien andere wichtige Beiträge nur einmal vorgebracht worden. Bei der Analyse der Vorschläge, welche mit einer von Kubas Informatikuniversität UCI eigens entwickelten Software durchgeführt werden soll, gehe es daher sowohl um die quantitative als auch um eine qualitative Auswertung der Daten.

Bisher zeichnete sich ab, dass in erster Linie die sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen auf großen Wiederhall stießen. Vor allem das Thema der gleichgeschlechtlichen Ehe hat sich in Bezug auf die Anzahl der eingebrachten Vorschläge hervorgetan. Wie kubanische Medien in den vergangenen Wochen berichteten, wurde vor allem diese Debatte teilweise sehr polemisch geführt. Während in manchen Versammlungen die Mehrzahl der Teilnehmer eine mögliche Öffnung der „Ehe für alle“ strikt ablehnten, kämpft Kubas LGBT-Community bereits seit vielen Jahrzehnten für diesen Schritt. Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte in seinem ersten Fernsehinterview mit dem lateinamerikanischen Nachrichtensender Telesur im Sommer, dass er diese Neuerung in dem Text unterstütze. In der bisherigen kubanischen Verfassung wird die Ehe als Bund „zwischen Mann und Frau“ definiert, wohingegen der Entwurf lediglich von „zwischen zwei Personen“ spricht.

Darüber hinaus wurden auch die Paragraphen zu den vorgeschlagenen Amtszeitbeschränkungen, zur Ernennung der Gouverneure, zum Recht auf eine würdige Unterkunft sowie zum Recht und zur Pflicht auf Arbeit mit vielen Diskussionsbeiträgen bedacht. Auch das Alterslimit von höchstens 60 Jahren für den Präsidenten bei Amtsantritt befindet sich in der Liste der meistdiskutierten Paragraphen. 81 Prozent der eingegangenen Vorschläge wurden bereits ausgewertet. In einem nächsten Schritt wird die Redaktionskomission unter Vorsitz des KP-Generalsekretärs Raúl Castro ab dem 15. November ihre Arbeit wieder aufnehmen, um die finale Version des Textes herzustellen. Über sie soll dann im Februar 2019 im Rahmen eines landesweiten Referendums entschieden werden, welches für Februar 2019 angesetzt ist. Die neue Verfassung soll den bisherigen Text ablösen, welcher 1976 verabschiedet wurde und 1992 und 2002 zuletzt revidiert wurde.