110 neue Müllautos für Havanna

Havannas Kommunaldienste wollen sich anlässlich des anstehenden Stadtjubiläums neu aufstellen (Quelle: Cubadebate)

Wie kubanische Medien berichten ist am Samstag die dritte und vorerst letzte Lieferung neuer Müllautos in Havanna eingetroffen. Anlässlich des kommenden 500. Gründungsjubiläums der kubanischen Hauptstadt am 16. November soll die karibische Metropole eine neue Abfallwirtschaft erhalten. Hilfe erhält sie hierfür aus Japan, Österreich und China.

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Müllentsorgung in Havanna: Mission impossible?

Ab dem Spätsommer sollen 100 neue Müllautos aus Japan zusammen mit 12.000 zusätzlichen Containern für mehr Sauberkeit in Havanna sorgen (Quelle: Tribuna)

Seit vielen Jahren schon ist es der Traum der Habaneros, wie die Einwohner der kubanischen Hauptstadt genannt werden, endlich über eine funktionierende Abfallwirtschaft zu verfügen. Noch immer laben sich Katzen und Hunde an Essensresten entlang der Straßen, überfüllte Container liegen umgekippt neben provisorischen Müllhalden mitten im Wohngebiet – weil es bisher keine richtige Müllabfuhr gibt und die Abfälle eher „stoßweise“ von LKWs weggeräumt werden. Doch an diesem Zustand könnte sich bald etwas ändern. Gelingt die „Mission impossible“, wie sie die Lokalzeitungen „Tribuna“ nennt, und erhält Havanna in diesem Jahr eine Müllabfuhr?

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Mehr Wasser und Müllabfuhren für Havanna

Die neue Wasserleitung soll die Zeit der Tankwagen in Habana Vieja endgültig beenden (Quelle: ACN)

Mit Blick auf das anstehende 500. Stadtjubiläum im November dieses Jahres soll Kubas Hauptstadt Havanna in neuem Glanz erstrahlen. Dabei geht es nicht um Makulatur, sondern um die Lösung vieler angestauter Probleme der Stadt. So wird neben umfangreichen Arbeiten an der Wasserinfrastruktur auch die Müllentsorgung und die öffentliche Beleuchtung in Havanna verbessert.

Mehr als 91.000 Habaneros werden von der neuen Wasserleitung profitieren, welche derzeit von der Gegend um Palatino über den Prado bis hin zur Uferpromenade Malecón verlegt wird. „Die wichtigste Investition der kubanischen Wasserinfrastruktur“, nennen lokale Medien das Projekt, welches große Teile der Altstadt Havannas regelmäßigem mit Wasser versorgen soll. Noch immer bekommen rund 8.600 Anwohner in Habana Vieja ihr Wasser über Tanklaster. Dies macht wöchentlich 800 Fahrten notwendig, wie Esther García, technische Leiterin des kommunalen Unternehmens „Aguas de La Habana“, vorrechnet.

Wenn die robusten Diesel-Tanklaster bald aus der Altstadt verschwinden, wird ihnen sicher keine Träne nachgeweint. Im Gegenteil: mit der neuen Leitung soll der Wasserdruck für alle steigen. Bisher liegt das Projekt im Zeitplan, das erste Wasser soll demnach rechtzeitig zum Jubiläum Mitte November fließen. Parallel dazu werden tausende Wasseruhren installiert, sowohl bei den Staatsbetrieben, auf einzelnen Rohrabschnitten bis hin zu den Privathaushalten. Noch immer versickert fast jeder zweite Liter Trinkwasser auf Kuba im Boden, die maroden Rohre stammen teilweise aus der späten Kolonialzeit und werden derzeit mit saudischen Krediten umfangreich erneuert.

Der große Wasserverlust hat zur Folge, dass viele Haushalte in Havanna mit eingeschränkter Versorgung leben müssen. Die allermeisten erhalten nur alle zwei Tage Wasser, welches in einem Tank auf dem Dach gespeichert wird. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel gab als Ziel vor, dass künftig in Havanna jeden Tag „día del agua“ ist, das kühle Nass für die Hauptstädter rund um die Uhr verfügbar gemacht wird. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist es, den Verlust zu minimieren, worin bereits erste Erfolge erreicht wurden. „Nachdem wir 5.000 Wasseruhren im Stadtteil Díez de Octure installiert haben, ging der Verbrauch täglich um 33.000 Kubikmeter zurück. Punta Brava (La Lisa) können wir seit der Installation der Wasseruhren 24 Stunden am Tag versorgen, dort halbierte sich der Pro-Kopf Verbrauch“, erklärt Leonel Díaz Hernández, Direktor von „Aguas de La Habana.“

Die erste Charge aus 24 japanischen Müllwagen traf Anfang März in Havanna ein (Quelle: Japanische Botschaft / FB)

Neben dem Wasser ist auch die mangelhafte Müllentsorgung ein Problem in Havanna. In manchen Nachbarschaften sammeln sich regelrechte Müllberge, welche nur unregelmäßig abgeholt werden. Größtes Hindernis dabei: die fehlenden Spezialfahrzeuge der kommunalen Abfallwirtschaft. Diesem Problem soll es nun ebenfalls an den Kragen gehen. Hierzu wurden 100 Müllwägen des japanischen Herstellers „Hino“ geordert, deren erste Charge aus 24 Fahrzeugen vor wenigen Tagen in Havanna eintraf. Dabei ist klar, dass dies nur der allererste Schritt zum Aufbau eines Recyclingsystems in der Hauptstadt sein kann, welches über den Jahrestag hinaus mit Hilfe ausländischer Investoren errichtet werden soll.

Auch bei der Straßenbeleuchtung wird anlässlich des runden Jahrestags kräftig investiert. So werden derzeit alle Hauptstraßen Havannas mit moderner LED-Beleuchtung ausgestattet. Diese Investition soll nicht nur langfristig Energie und Kosten einsparen, sondern trägt auch zu einer besseren Ausleuchtung des öffentlichen Raums bei. Insgesamt sollen 12.000 Lampen ersetzt werden, rund 20 Prozent aller öffentlichen Leuchtmittel in Havanna. Zahlreiche kleinere Parks und Plätze, in denen die Ausleuchtung zu nächtlicher Stunde bestenfalls mangelhaft ist, bekommen demnächst modernes LED-Licht.

Die Pläne für den Rest des Jahres gehen über reine Infrastrukturmaßnahmen hinaus. Auch Polikliniken, Schulen, Brücken, Gärten und Parks der Hauptstadt werden in den kommenden Monaten eine Frischzellenkur durchlaufen. Nach dem andauernden Transportproblem werden nun auch Themen wie Wasserinfrastruktur, Müll und öffentliche Beleuchtung angegangen. Dabei zeigt sich, dass Kubas Regierung beim 500. Jubiläum in Havanna den Fokus nicht auf die oberflächliche Aufhübschungen der Touristenzentren legt. Der Jahrestag soll stattdessen vor allem zum Vorantreiben wichtiger Infrastrukturprojekte genutzt werden, welche der Stadt und ihren Einwohnern langfristig nützen.

Díaz-Canel gründet „Task-Force“ zur Unterstützung Havannas

Sitzung der „Regierungsgruppe zur Unterstützung der Hauptstadt“ am Samstag in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Am Samstag tagte zum ersten Mal die neu geschaffene „Regierungsgruppe zur Unterstützung der Hauptstadt“, die von Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel ins Leben gerufen wurde. Sie soll den lokalen Behörden ab sofort bei der Lösung angestauter Probleme zur Seite stehen, mit denen diese häufig überfordert sind. Neben dem Wohnungsbau geht es dabei auch um die Verbesserung kommunaler Dienstleistungen wie Müllentsorgung und die soziale Infrastruktur.

Mit Blick auf die kommende Fünfhundert-Jahr-Feier im November 2019 hat Kubas neuer Präsident Díaz-Canel die Hauptstadt zur Chefsache gemacht. Mit der neuen Regierungskommission, die am Samstag unter Leitung Díaz-Canels tagte, sollen angestaute Problemfelder zentral gelöst werden. Zu groß seien die anstehenden Aufgaben, zu häufig die lokalen Behörden überfordert. Die verschiedenen Zuständigkeiten werden sich deshalb im Rahmen der „Task-Force“  bündeln. Darüber hinaus soll in den regelmäßigen Treffen ein neues Stadtkonzept für Havanna entwickelt werden. Im folgenden die wichtigsten Punkte des ersten Treffens der Gruppe:

  • Der Wohnungsbau in der Hauptstadt soll Fahrt aufnehmen. In einer ersten Sofortmaßnahme soll dazu die Korruption beim Verkauf von Baumaterialien zurückgedrängt werden. Gerade auch bei beim Verkauf subventionierter Materialien an dafür berechtigte Familien gebe es häufig Versorgungssschwierigkeiten aufgrund der Korruption. Höhere Preise als die staatlich festgelegten seien keine Seltenheit. Diese „skrupellosen Praktiken“ müssten aufhören, so der Präsident. Der Rechnungshof versprach in Zukunft regelmäßige unangekündigte Kontrollen. Am Sonntag wurden bei einer unangekündigten Kontrolle im Stadtteil „La Lisa“ 36 Personen wegen Unterschlagung und Diebstahl beim Verkauf von Baumaterialien verhaftet.
  • In den kommenden Jahren sollen die Straßen, Brücken, Bushaltestellen und die Uferpromenade der Hauptstadt erneuert werden. Derzeit läuft bereits ein Programm zum Austausch alter Aufzüge in den Hochhäusern Havannas, darüber hinaus soll die Produktion von Farbe und anderen Baumaterialien anziehen.
  • Die Müllentsorgung Havannas liegt bereits seit Jahren am Boden. Neue Mülltonnen werden häufig schnell beschädigt oder geklaut und der bisher organisierte Nachschub reicht nicht aus, um hier eine spürbare Verbesserung zu erreichen. Aus diesem Grund sollen als erster Schritt 3.000 neue Mülltonnen installiert werden und ein neues Programm zur Schaffung von mehr Umweltbewusstsein bei der Bevölkerung aufgelegt werden.
  • Die soziale Infrastruktur Havannas wird derzeit umfassend saniert. Bisher konnten 44 Arztpraxen, 9 Kindertagesstätten, 3 Polikliniken und einige weitere Einrichtungen abgeschlossen werden.
  • Unter dem Motto: „Kuba genießen“ soll diesen Sommer ein umfassendes Kultur- und Freizeitprogramm in den Vierteln starten. Das Angebot soll neben Theater- und Kleinkunstaufführungen auch Straßenfeste und die Eröffnung neuer Freizeiteinrichtungen umfassen. Zudem soll das nationale Aquarium saniert werden und im Sommer dann auch Nachts geöffnet haben.
  • Wie Parlamentspräsident Esteban Lázo betonte soll mit dem anstehenden 500. Jubiläum auch ein Bewusstseinswandel in der Stadt eingeleitet werden. Umfassende Öffentlichkeitsarbeit in den Medien soll die Bevölkerung über die neuen Projekte informieren und dem Vandalismus vorbeugen.
  • Die Sporteinrichtungen sowohl für den professionellen als auch für den Amateursport sollen umfassend saniert werden.