Der Erste Mai im Zeichen Fidels

Hauptkundgebung in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Millionen Kubaner versammelten sich auch in diesem Jahr wieder zur traditionellen Maikundgebung am Tag der Arbeit. In Havanna wurden wieder mehr als 800.000 Teilnehmer auf der gut anderthalbstündigen Demonstration gezählt. Dieses Jahr lautete das Motto „unsere Stärke ist die Einheit“, die Kundgebungen standen entsprechend ganz im Zeichen des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro und der Solidarität mit Venezuela.

Der Generalsekretär des kubanischen Gewerkschaftsverbands (CTC), Ulises Guilarte de Nacimiento, eröffnete den Festzug am frühen Morgen mit einer Rede, in der er das Bekenntnis der Kubaner zu den Ideen Fidel Castros bekräftigte und mit Blick auf die USA die Rückgabe der Marinebasis von Guantánamo verlangte. Mehr als 1.600 geladene Gäste standen neben Präsident Raúl Castro, dem ersten Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel und anderen Politbüromitgliedern auf der Tribüne des Revolutionsplatzes in Havanna.

Besondere Aufmerksamkeit sollte auf der diesjährigen Kundgebung der Jugend geschenkt werden. Mehr als 50.000 Vertreter des kommunistischen Jugendverbands UJC, der in diesem Jahr sein 55. Jubiläum feiert, bildeten die Spitze des Demonstrationszugs. Zusätzlich zur TV-Ausstrahlung schaltete das Nachrichtenportal „Cubadebate“ in diesem Jahr einen Livestream, mit dem die weltweit größte Maikundgebung in Echtzeit auf Facebook übertragen wurde.

Auch in anderen Städten wurden wieder ähnlich viele Kubaner wie in den Vorjahren mobilisiert. In Santiago de Cuba wurden rund 300.000 Teilnehmer gezählt, die dortige Demonstration wurde vom Politbüromitglied Machado Ventura eröffnet. In Camagüey gab es 215.000 Teilnehmer, deutlich weniger Vergleich zu 2014 als noch 400.000 Personen gezählt wurden, aber mehr als 2015 als lokale Medien von lediglich 200.000 Teilnehmern sprachen. Mit 200.000 Teilnehmern in Las Tunas und 280.000 in der Provinz Holguín fiel die Maikundgebung in den östlichen Provinzen wieder ähnlich aus wie in den Vorjahren.

Der erste Mai in Santiago de Cuba (Quelle: Juventud Rebelde)

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Kuba bereitet sich auf Hurrikan „Matthew“ vor – Raúl Castro in Santiago

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Prognose des kubanischen Wetterdienstes vom 2. Oktober 12h Mittags zu Hurrikan Matthews weiteren Verlauf (Quelle: met.inf.cu)

Fünf der 16 kubanischen Provinzen haben bereits den Alarmstatus des Zivilschutzes ausgerufen. Der tropische Wirbelsturm „Matthew“ bewegt sich derzeit auf die Insel zu, mit Windgeschwindigkeiten von 240 km/h handelt es sich bei Matthew um einen Hurrikan der Kategorie 4. Vor wenigen Tagen erreichte der Sturm zeitweise sogar die Kategorie 5 und gilt damit als bisher schwerster Sturm der Karibik seit Hurrikan Felix im Jahr 2007. Es wird damit gerechnet, dass Matthew zwischen Montag und Dienstag im Ostteil der Insel auf Land treffen wird.

In Kuba starten derweil die Vorbereitungen auf den bevorstehenden Landgang des Wetterphänomens. In allen fünf östlichen Provinzen, beginnend mit Camagüey, gilt derzeit der Alarmzustand. Präsident Raúl Castro traf am Samstag zusammen mit mehreren Ministern in der östlichen Metropole Santiago de Cuba ein, um die Vorbereitung des Katastrophenschutzes persönlich zu überwachen.

Im Jahr 2012 wurde die Stadt bereits von Hurrikan Sandy schwer verwüstet. Damals starben 11 Menschen, mehr als 600.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Die Sachschäden werden auf über 4 Milliarden US-Dollar beziffert. Auch Matthew droht vor allem in den Provinzen Santiago de Cuba und Guantánamo die schwersten Schäden anzurichten. „Dies ist ein Hurrikan, auf den man sich vorbereiten muss, als ob er doppelt so stark wie Sandy wäre“, sagte Kubas Präsident Raúl Castro am Samstag.

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Gebäudeschutz in der Provinz Holguín (Quelle: Cubadebate)

Man müsse aus den Erfahrungen von Sandy lernen und sich gut auf den Sturm vorbereiten, ermahnte Castro, der derzeit auch dem Rat für Zivilschutz von Santiago temporär vorsteht. Die Vorbereitungen laufen unterdessen in allen betroffenen Provinzen auf Hochtouren: Unter Koordinierung des Zivilschutzes werden Wasservorräte angelegt, Notunterkünfte bereitgehalten und Gebäude gesichert. Ziel der Maßnahmen ist es, menschliche Verluste so gering wie möglich zu halten, die wirtschaftlichen Schäden zu minimieren und die Versorgung der Bevölkerung in den Tagen nach dem Sturm zu garantieren.

Freiwillige gehen derzeit in den betroffenen Provinzen von Haus zu Haus, um die Bevölkerung vor dem Sturm zu warnen. „Wir müssen intensiv arbeiten“, betonte Lázaro Expósito, der erste Parteisekretär der Provinz Santiago de Cuba. Alle öffentlichen Einrichtungen, beginnend von Partei- und Regierungsgebäuden stünden als Notunterkünfte zu Verfügung. Die Anwohner werden dazu aufgerufen, Vorräte anzulegen und ihre Häuser baulich zu sichern. Auch der öffentliche Raum wird präpariert: lose Äste werden von den Bäumen entfernt, da diese bei hohen Windgeschwindigkeiten gefährlich werden können. Ampeln, Schilder und andere gefährdete Teile werden demontiert, um sie vor Schäden zu bewahren.

Ein weiterer Vorsorgeschwerpunkt bildet die Landwirtschaft. Durch Sandy waren zuletzt große Teile der Ernte im Osten Kubas zerstört worden, viele Nutztiere verendeten an den Folgen des Sturms. Durch die Evakuierung der Tiere und das frühere Einbringen der Ernte versucht das Landwirtschaftsministerium die erwartbaren Schäden zu minimieren. Durch das Verteilen von Kochgeräten die ohne Strom funktionieren soll zudem die Ernährungssituation stabil gehalten werden. 2012 war die Stromversorgung in Santiago und anderen Städten für mehrere Wochen lang ganz oder teilweise unterbrochen, auch die Wasserpumpen waren davon betroffen.

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Auch Ampeln werden vorsorglich abmontiert, wie hier in der Provinz Las Tunas (Quelle: Cubadebate)

Um die Erstversorgung nach dem Sturm zu garantieren, werden darüber hinaus zusätzliche Nahrungsrationen ausgegeben und Tanklastwagen vorbereitet, die im Falle eines Zusammenbruchs der Trinkwasserversorgung übernehmen können. Die Schüler und Lehrer der Landschulen wurden unterdessen bereits nach Hause geschickt. Auch der Transport steht still: Der gesamte Zugverkehr wurde heute in den östlichen Provinzen bis auf weiteres unterbrochen, wie die kubanische Bahn FCC heute bekannt gab. Der Zivilschutz rief die Bevölkerung dazu auf, die Medien genau zu verfolgen und sich verantwortungsvoll und diszipliniert zu verhalten.

Auch in anderen Ländern bereitet man sich auf Matthew vor. In Haiti, wo bereits schwere Regenfälle auftreten, wurden bereits erste Gebiete evakuiert. In Jamaica wurden einige Tausend Notunterkünfte von der Regierung bereitgestellt. Die USA evakuierten derweil den Großteil des Personals auf ihrer Marinebasis in Guantánamo Bay. Die wenigen verbliebenen Soldaten finden in speziellen Schutzunterkünften auf der Basis Unterschlupf.

Aktuelle Infos zu Hurrikan Matthew sowie die letzte Prognose finden Sie hier. Die letzten Warnungen des kubanischen Wetterdienstes können auf dieser Seite aufgerufen werden.