Evo Morales zu dringender Behandlung in Kuba eingetroffen

Evo Morales: In Kuba wird er nach offizieller Auskunft wegen der Folgen eines viralen Infektes behandelt (Quelle: SEBASTIAN BARYLI, Flickr)

La Paz/Havanna. Der Präsident von Bolivien, Evo Morales, ist nach Auskunft hochrangiger Regierungsvertreter zu einer dringenden medizinischen Behandlung nach Kuba gebracht worden. Die Entscheidung sei „auf ärztlichen Rat“ erfolgt, informierte Präsidialamtschef René Martínez. Morales habe seit Wochen unter einer schweren Entzündung im Bereich des Kehlkopfes gelitten, hieß es von dieser Seite weiter. Am Mittwoch sei er daraufhin in ein Krankenhaus in der kubanischen Hauptstadt gebracht worden. Kubas Gesundheitssystem gehört zu den besten Lateinamerikas, zahlreiche Staats- und Regierungschefs lassen sich in dem sozialistischen Karibikstaat behandeln.

Morales selbst bat um Verständnis für seine Abwesenheit in den kommenden Tagen. „Er ist sehr heiser, weswegen er dem ärztlichen Rat folgen und sich nach Havanna in Behandlung begeben musste“, sagte Martínez dazu weiter. In einigen Tagen werde man mehr wissen, fügte er an. Er sei sich jedoch sicher, dass der Präsident nach seiner Rückkehr die Amtsgeschäfte wieder aufnehmen werde können.

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Fidels letzte Kundgebung auf dem Revolutionsplatz

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Millionen Kubaner versammelten sich gestern Abend auf Havannas Revolutionsplatz (Quelle: Cubadebate)

Ein letztes Mal versammelten sich gestern Abend Millionen Kubaner auf Havannas hell erleuchtetem Revolutionsplatz, um Fidel Castro mit den Beiträgen zahlreicher ausländischer Staats- und Regierungschefs zu würdigen. Heute Morgen brach der Trauerzug mit seiner Urne nach Santiago de Cuba auf. „Fidel ist Tod. Aber er ist ungeschlagen gestorben“, sagte Ecuadors Präsident Raphael Correa, der unter dem Beifall der Menschenmenge den ersten Redebeitrag übernahm.

Dutzende Staatsmänner aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa waren angereist, um ihrem Freund, Kollegen und Mentor die letzte Ehre zu erweisen. Insgesamt gab es 18 Redebeiträge. Das Wort ergriffen neben Venezuelas Präsident Nicolás Maduro auch der südafrikanische Staatschef Jacob Zuma, Vertreter der Volksrepublik China und Russlands sowie der griechische Premierminister Alexis Tsipras.

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Der Revolutionsplatz verwandelte sich gestern in ein Menschenmeer (Quelle: Cubadebate)

„Der Tod des Genossen Fidel ist ein schmerzhafter Verlust für das südafrikanische Volk“, sagte Zuma auf dem Podium. Kuba habe selbstlos für die Befreiung seines Landes von Apartheit und Unterdrückung gekämpft. Die Kubaner seien nicht gekommen, um nach Diamanten, Gold oder Öl zu suchen sondern um einen altruistischen Kampf zu unterstützen.

„Fidel hat dem kubanischen Volk ein wertvolles Erbe auf den Gebieten der Bildung, der Ausrottung des Analphabetismus, der Gesundheit und der hohen Standards in Wissenschaft und Kultur hinterlassen“, urteilte der griechische Premier Alexis Tsipras. Es sei eine Ehre für ihn, Castro in Vertretung des griechischen Volkes würdigen zu können.

Chinas Vizepräsident Li Yuanchao fand warme Worte. „In diesem bitteren Moment schlägt das Herz des chinesischen Volkes gemeinsam mit dem kubanischen“, sagte Li. Fidel habe einen großen Beitrag zum Aufbau und Entwicklung des Sozialismus im globalen Maßstab geleistet und viel für das kubanisch-chinesische Verhältnis getan, erklärte der Vertreter des chinesischen Präsidenten in Havanna.

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Auf dem Anhänger eines olivgrünen Militärjeeps wird Fidel Castros Urne derzeit bis nach Santiago de Cuba gefahren (Quelle: Cubadebate)

In ähnlicher Weise äußerte sich auch die Präsidentin des vietnamesischen Parlaments, Nguyen Thi Kim Ngan. Kuba sei bereit gewesen, sein Blut für Vietnam zu vergießen. Sie versicherte Vietnams „unerschütterliche und kämpferische Solidarität mit dem kubanischen Volk.“ Fidel werde in den Herzen der Kubaner ewig weiterleben, so Nguyen.

„Mission erfüllt, Comandante Fidel!“, rief Venezuelas Präsident Nicolás Maduro unter dem Jubel der Menge auf dem Platz. Während der Beiträge waren immer wieder Sprechchöre mit „Viva Fidel!“, „Viva Cuba!“, „Venceremos!“ und „Yo soy Fidel!“ zu hören. Das letzte Wort auf der gut vierstündigen Veranstaltung hatte Kubas Präsident Raúl Castro. Er erinnerte an die zahlreichen historischen Ereignisse, die er hier auf dem Revolutionsplatz zusammen mit seinem Bruder erlebte. „Von diesem Platz aus sagen wir dir zusammen mit unserem selbstlosen, kämpferischen und heroischen Volk: ¡Hasta la victoria siempre!“, schloss Raúl seine Rede.

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Die „Karavane der Freiheit“ entlang des Malecón in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Heute morgen um 7 Uhr wurde Fidel Castros Urne schließlich aus dem Ministerium der Streitkräfte auf einen olivgrünen Anhänger transportiert mit dem er im Rahmen der „Karavane der Freiheit“, in Anlehnung an den historischen Befreiungszug der Revolutionäre, zurück nach Santiago gefahren wird. Jener rebellischen Stadt, in der die kubanische Revolution mit dem Angriff auf die Moncada-Kaserne 1953 einst ihren Anfang nahm.

Die Straßen entlang der Karavane sind von tausenden Menschen gesäumt, die teilweise mit Flaggen und Bildern des „Comandante“ gekommen sind, um Fidel auf seiner letzten Reise noch einmal zu grüßen. Derzeit befindet sich der Zug in Matanzas, von wo aus er in den nächsten drei Tagen bei mehreren Stops über Zentralkuba die Stadt Santiago ansteuern wird.

Hier soll am Samstag Abend eine letzte Trauerkundgebung stattfinden, bei der Raúl Castro abermals das Wort ergreifen wird. Am Sonntag Morgen wird Castro dann auf Santiagos Friedhof Santa Ifigenia in der Nähe des Nationalhelden José Martís beigesetzt.


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Die Route des Trauerzugs durch Kuba (Quelle: Cubadebate)

Millionen nehmen Abschied von Fidel Castro

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Hunderttausende pilgerten in den vergangenen Stunden auf den Revolutionsplatz in Havanna, um Fidel Castro die letzte Ehre zu erweisen (Quelle: Granma)

Die Schlange vor dem Denkmal José Martís auf Havannas Revolutionsplatz scheint nicht abzureißen. Hunderttausende Bewohner der Hauptstadt haben sich gestern und heute aufgemacht, um ihrem am Freitag verstorbenen Revolutionsführer die letzte Ehre zu erweisen und sich im Kondolenzbuch einzutragen. Doch nicht nur in Havanna war der Andrang groß, im ganzen Land fanden sich bis gestern fast zwei Millionen Menschen an einem der über 11.000 eigens eingerichteten Gedenkschreine ein, die bis 22 Uhr geöffnet waren.

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Gedenkschrein in Guantánamo, rechts auf der Tafel: Fidels „Konzept der Revolution“ (Quelle: Venceremos)

Das Parteiorgan „Granma“ schrieb, die Einheit der Kubaner sei jetzt „die beste Art, ihm Ehre zu erweisen.“ Und so nimmt es nicht Wunder, dass viele Personen der Aufforderung nachkamen, das von Fidel einst im Jahr 2000 formulierte Revolutionskonzept, ein kurzer Auszug aus der Rede zum damaligen ersten Mai, zu unterzeichnen. Pioniergruppen und ganze Betriebskollektive marschierten geschlossen und in langen Schlangen zu den Trauerschreinen, viele ältere Menschen hatten unter der tropischen Hitze mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und wurden von den Sicherheitsleuten vorgelassen.

Heute Abend soll nun die zentrale Gedenkkundgebung auf Havannas Revolutionsplatz stattfinden, bevor Fidels Urne am Mittwoch in einem mehrtägigen Zug, der die historische Route der Revolutionäre rückwärts beschreibt, nach Santiago de Cuba gebracht werden soll. Die Beisetzung ist für Sonntag Morgen auf dem Friedhof Santa Ifigenia am Stadtrand von Santiago geplant, wo auch Kubas Nationalheld José Martí seine letzte Ruhe gefunden hat. Während der neuntägigen Staatstrauer werden zwischen 9 und 18 Uhr stündlich Artilleriesalven zeitgleich in Havanna und Santiago de Cuba abgefeuert. Der Verkauf von Alkohol und das spielen von lauter Musik sind verboten. Alle offiziellen Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben, die Schulen und Universitäten blieben heute geschlossen.

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Die kubanische Botschaft in Washington (Quelle: Cubadebate)

Die Gästeliste für die heutige Kundgebung in Havanna ist lang, zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs sind bereits in Havanna eingetroffen, darunter Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und der bolivianische Regierungschef Evo Morales. Beide Länder zählen zu Kubas engsten Verbündeten. Zahlreiche Gäste stammen aus Afrika und Lateinamerika. Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat seine Teilnahme angekündigt, Simbabwes Staatschef Robert Mugabe ist bereits in Havanna eingetroffen. Aus Lateinamerika haben darüber hinaus die Präsidenten Daniel Ortega (Nicaragua), Raphael Correa (Ecuador) und Peña Nieto (Mexiko) fest zugesagt.

Eine Absage musste Havanna hingegen aus Russland hinnehmen. Wladimir Putin sei aus terminlichen Gründen verhindert, hieß es aus dem Kreml. Zuvor würdigte Putin Castro in einem Telegramm als „wahren Freund Russlands.“ Das Weiße Haus gab heute bekannt, nicht mit einer präsidentiellen Delegation teilzunehmen. Stattdessen soll Jeffrey DeLauris, Chefdiplomat der US-Botschaft in Havanna, an der Zeremonie teilnehmen. China schickte Vizepräsident Li Yuachao nach Havanna, Präsident Xi Jinping fand jedoch Gelegenheit sich ins Kondolenzbuch der kubanischen Botschaft in Peking einzutragen.

Die Bundesrepublik wird bei der Trauerfeier von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vertreten, der mittlerweile in Havanna eingetroffen ist. Spanien wird durch den früheren König Juan Carlos vertreten sein. Griechenlands Premier Alexis Tsipras wird wohl als einziger europäischer Regierungschef anreisen. Zahlreiche Länder haben aus Respekt gegenüber Castro eine mehrtägige Staatstrauer angeordnet, darunter Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Uruguay, Vietnam, Nordkorea und Saudi-Arabien.

Zahlreiche Menschen in aller Welt nehmen in diesen Tagen Abschied vom „ewig jungen Revolutionär“ Fidel Castro, wie ihn Nicolás Maduro in seinem Beileidsschreiben bezeichnete. Die kubanischen Botschaften sind vielerorts von Blumen und Kerzen gesäumt, in den sozialen Medien bringen Menschen unter dem Hashtag #HastaSiempreComandante ihre Trauer zum Ausdruck.

Auch führende kubanische Politiker haben sich mittlerweile öffentlich von Fidel verabschiedet. Allen voran Raúl Castro, der sich zusammen mit weiteren Regierungsmitgliedern im Festsaal des Verteidigungsministeriums vor der Urne seines Bruders versammelte. An der anschließenden Ehrenwache nahmen neben Castro auch der zweite Parteisekretär Machado Ventura, der Comandante der Revolution Ramiro Valdés sowie der erste Vizepräsident des Staatsrats Miguel Díaz-Canel teil.

Kuba feiert den 89. Geburtstag von Fidel Castro

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Die Präsidenten von Venezuela und Bolivien, Maduro (links) und Morales (hinten rechts), mit Fidel Castro am Donnerstag in Havanna. Links neben Castro: Ehefrau Dalia Soto del Valle (Quelle: Granma)

Havanna. Mit einem Konzert der Salsagruppe „Manolito y su Trabuco“ wurden am Mittwochabend in der kubanischen Hauptstadt die Feierlichkeiten anlässlich des 89. Geburtstag des langjährigen Staats- und Revolutionsführers Fidel Castro eingeleitet. Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens brachten ihre Glückwünsche gegenüber dem „Comandante en jefe“ zum Ausdruck, der am 13. August seinen Geburtstag beging. In verschiedenen Städten der sozialistischen Insel fanden Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte vor allem junger Kubaner zu Ehren Castros statt.

Fidel Castro zeigte sich an seinem Geburtstag zusammen mit Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und Boliviens Präsident Evo Morales zum ersten Mal seit Juli wieder in der Öffentlichkeit. Maduro brachte dabei eine „Umarmung aller kämpfenden und liebenden Völker“ zum Ausdruck, während Morales Fidel Castro gegenüber Pressevertretern als „unseren großen Bruder“ bezeichnete. Beide Politiker waren nicht als offizielle Staatsgäste vor Ort, sondern anlässlich des Geburtstags inoffiziell nach Havanna gereist.

Indes äußerte sich Castro am Donnerstag in einer Kolumne der staatlichen Tageszeitung „Granma“. In dem Artikel forderte Castro einen Tag vor der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Havanna von den USA Reparationszahlungen für die Schäden der Wirtschaftsblockade gegenüber Kuba. Zudem erinnerte Castro an die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki.

„Wir werden niemals aufhören für den Frieden und das Wohl aller Menschen zu kämpfen, unabhängig von der Hautfarbe und dem Ursprungsland jedes Bewohners des Planeten, ebenso für das volle Recht aller, einen religiösen Glauben zu haben oder nicht“, heißt es in dem Artikel weiter. „Das gleiche Recht aller Bürger auf Gesundheit, Bildung, Arbeit, Ernährung, Sicherheit, Kultur, Wissenschaft und Wohlergehen, das heißt, die gleichen Rechte, die wir feierlich verkündet haben, als wir unseren Kampf begannen und darüber hinaus die Rechte, die unseren Träumen von Gerechtigkeit und Gleichheit der Bewohner unserer Welt entspringen, dies wünsche ich allen“, schreibt Castro.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Was macht eigentlich Fidel Castro?

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Fidel Castro mit Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dung am 26. März 2014 (Quelle: NBC)

Um den ehemaligen kubanischen Präsidenten und „Führer der kubanischen Revolution“, Fidel Castro, ist es in den letzten Monaten ruhig geworden. Indes feierte Bruder Raúl vergangenen Dienstag seinen 83. Geburtstag – im engsten Kreis, ohne Notiz in den Medien. Fidels letzter öffentlicher Auftritt war der Urnengang bei den Parlamentswahlen im Sommer 2013, während des CELAC-Gipfels im Januar traf er sich mit zahlreichen Staatsoberhäuptern der Region. Danach blieb es ruhig um den 87-jährigen.

Kubas Regierung hält sich traditionell mit Informationen über den Gesundheitszustand Castros weitgehend zurück. Eine Ausnahme bildeten jedoch die Aussagen des kubanischen Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel: Nach dem Tod des Schriftstellers Garcia Marquez, einem engen Freund des Revolutionärs, sei Castro „bestürzt“ gewesen, arbeite jedoch mit Konzentration an seinen aktuellen Projekten. „Sein Gesundheitszustand ist sehr gut“, sagte Díaz-Canel Ende April gegenüber kubanischen Medien.

Nach dem CELAC-Gipfel traf sich Fidel noch mit dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Tan Dung Ende März, mit dem chinesische Außenminister Wang Yi im April und mit Russlands Außenminister Sergei Lavrov im Mai. Es kann davon ausgegangen werden, dass in der Zwischenzeit auch zahlreiche informelle Treffen mit befreundeten Staatsoberhäuptern wie Nicolas Maduro stattgefunden haben. Fidel scheint seinen Einfluss gekonnt hinter den Kulissen geltend zu machen, hält sich dabei jedoch seit 2012 mit öffentlichen Äußerungen bewusst zurück. Erst kürzlich ereignete sich allerdings ein kleiner Skandal, als vergangenen Samstag bei der Trauerzeremonie für den kubanischen Sportler und Trainer Eugenio George der Blumenkranz des Commandante fehlte.

Am 3. Juni, dem Geburtstag seines Bruders, meldete sich dieser daher in der Granma zu Wort: „Mehrere Genossen wunderten sich über das Fehlen eines Kranzes von mir in Begleitung seines Sarges“, schrieb Castro in der kurzen Notiz, die auf Seite eins der Granma erschien „Ich, der ihn immer sehr bewundert habe, erfuhr von seinem Ableben erst mehrere Stunden später“, entschuldigte sich Fidel gegenüber den Kubanern, die sich in den Kommentaren zu der Nachricht oftmals enttäuscht über das Ausbleiben einer Blumenspende zeigten.

Was war also geschehen? Hat Fidel keine Informationen vom Tod Georges erhalten, oder hat er zu spät reagiert? Hat der Personenkreis versagt, der Fidel auf dem aktuellen Stand halten soll? – wir wissen es nicht. Etwas Klarheit könnte eine Aussage von Evo Morals bringen: „Fidel hatte in letzter Zeit nur noch seine Reden vorzubereiten, aber wusste nicht mehr, was vor sich geht. Das zumindest hat man mir gesagt“, erklärte das bolivianische Staatsoberhaupt im Mai gegenüber der Zeitschrift „Vanity Fair“.

Das wiederum steht im Gegensatz zur Aussage des russischen Außenministers Lavrov, der über sein Treffen mit Fidel viel über die Informiertheit des Ex-Präsidenten zu berichten wusste: „Seine Augen brennen, sie sind glühend. Er folgt praktisch allen Ereignissen auf der Welt: Den Begebenheiten auf der Krim, in der Ukraine; er wusste über die Entdeckung einer neuen Bakterie bescheid, deren korrekte Ausbreitung zur Bekämpfung der globalen Erwärmung beitragen kann“, sagte Lavrov am 18. Mai im russischen Fernsehen.
Dennoch fügte er hinzu: „Körperlich wurde er schwächer. Er ist jemand, der mehrere schwerere Eingriffe hinter sich hat und sich körperlich derzeit definitiv nicht in bester Verfassung befindet.“ Damit widerspricht Lavrov der Aussage des kubanischen Vizepräsidenten Ende April, wonach Fidels Gesundheitszustand „sehr gut“ sei. Was aber nun ist dran, an all den widersprüchlichen Behauptungen?

Zunächst einmal scheint Lavrovs Statement plausibel zu sein, Fidels Interesse an globalen Problemen konnte auch Ignacio Ramonet bei seinem letzten Treffen mit Castro im Dezember 2013 feststellen, was sich mit den Aussagen vieler weiterer Besucher in letzter Zeit deckt. Dass der körperliche Zustand des alternden Revolutionärs dabei nicht besser wird ist durchaus logisch, hier dürften Lavrovs Beobachtungen ebenfalls nicht ganz falsch sein.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt jedoch die Aussage von Evo Morales, die durch die jüngsten Ereignisse bestätigt scheint. In den Gesprächen Fidels mit seinen Gästen geht es meist um Weltpolitik und globale Probleme, die aktuelle Lage in Kuba scheint keine Rolle zu spielen. Nun verursachte Castros mangelnde Informiertheit einen politischen Fehler, der zu seiner erster schriftlicher Äußerung seit Jahren führte. Die Situation lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder Fidel – oder sein Informationsapparat haben versagt, was beides in dieser Form noch nicht vorgekommen ist. Es scheint jedoch die These zu bestätigen, dass der Comandante en jefe mit zunehmendem Alter zumindest teilweise vom kubanischen Tagesgeschehen abgeschnitten wird, mit Sicherheit erhält er nicht mehr alle Informationen so zeitnah wie früher. Über die Ursachen dafür lässt sich jedoch keine Aussage treffen.