Kubas Hauptstadt eröffnet den ersten Lebensmittel-Großmarkt des Landes

Der neue Lebensmittel-Großmarkt „Mercabal“ befindet sich in Havannas Stadtteil Nuevo Vedado (Quelle: Cubadebate)

Am vergangenen Freitag öffnete in Kubas Hauptstadt Havanna der erste Lebensmittel-Großmarkt des Landes speziell für den Privatsektor. „Mercabal“ versorgt die privaten Cafés und Restaurants der Stadt mit Produkten, deren Preise mindestens 20 Prozent unter denen im Einzelhandel liegen. Wie kubanische Medien berichten, sollen vergleichbare Großmärkte bald auch in anderen Provinzen eröffnen.

Kubas privater Gastronomiesektor, der sich aus rein privaten und genossenschaftlich geführten Geschäften zusammensetzt, hat in den vergangenen Jahren immer wieder über Engpässe beim Einkauf geklagt. Mangels Alternativen versorgen sich die Geschäfte über den staatlichen Einzelhandel, was neben häufigen Sortimentslücken auch zu höheren Preisen für die Kunden geführt hat. Die Regierung kündigte bereits vor Jahren an, eigene Versorgungsstrukturen für den Privatsektor einzuführen um dem Problem zu begegnen. Vergangenen März wurden die ersten Pilotprojekte gestartet.

Zunächst wird der Laden nur für Kooperativen geöffnet sein, die das neue Angebot begrüßen dürften. Neben Grundnahrungsmitteln bietet das Geschäft auch Zigaretten, häufig nachgefragte Dosengetränke wie Bier und Limonade sowie Hamburger-Bratlinge, Fleischwaren und Zigaretten an. Das auf Kuba beliebte Hühnerfleisch soll 30 Prozent günstiger als im Einzelhandel sein, alle übrigen Produkte sind mit einem Abschlag von 20 Prozent verfügbar.

Neben Grundnahrungsmitteln wie Bohnen, Fleisch und Zucker werden auch Erfrischungsgetränken für Großabnehmer angeboten (Quelle: Cubadebate)

Zur Eröffnung hatte das Geschäft bereits 35 Verträge mit Kooperativen in der Hauptstadt abgeschlossen, die ihre Waren nun innerhalb von drei Tagen geliefert bekommen. Um Steuerhinterziehung und Korruption vorzubeugen, werden Bezahlungen ausschließlich über gewerbliche EC-Karten von angemeldeten Kunden akzeptiert. Zehn Zulieferfirmen versorgen den „Mercabal“, welcher sich in der Avenida 26 (esq. 35) in Havannas Stadtteil Nuevo Vedado befindet.

Kubas Regierung testet bereits seit einem Jahr mit den Geschäften  „Zona+“ und „Almacenes Subirana“ die Einführung von Großmärkten. Die beiden Geschäfte, welche sich auf größere Einzelhandelsmengen beschränken, bieten allerdings nur geringe Preisabschläge und sind für jedermann offen. Das Modell von „Mercabal“ dürfte jedoch eher den Bedürfnissen der professionellen privaten Gastronomie entsprechen. Nachdem die erste Filiale konsolidiert ist, sollen bald weitere Geschäfte eröffnen. Vorher sollen jedoch über die Kooperativen hinaus auch Selbstständige aufgenommen werden, die ihre Geschäfte in staatlich gepachteten Immobilien angemeldet haben.

„Bei der Erweiterung auf andere Provinzen soll der Ausbau schrittweise erfolgen – nachdem die erste Filiale optimal arbeitet“, erklärte Kubas Ministerin für Binnenhandel, Mary Blanca Ortega Barredo, gegenüber der „Granma“. Neue Märkte sollen dann zuerst in jenen Provinzen mit der größten Anzahl an Cuentapropistas (Arbeiter im Privatsektor) eröffnen.

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Havannas Kapitol ist wieder für Besucher geöffnet

Seit 2010 wird das als „nationales Monument“ geschützte Kapitol in Havanna aufwändig saniert (Quelle: ACN)

Acht Jahre nach Beginn der Restaurationsarbeiten hat das Kapitol der kubanischen Hauptstadt Havanna wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Seit Donnerstag können interessierte Besucher in Gruppengrößen von bis zu 15 Personen Führungen durch die altehrwürdigen Hallen des 1929 eröffneten Monuments buchen. Dessen Sanierung soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein. Noch in diesem Jahr will das kubanische Parlament seine Sitzungen wieder in dem Haus abhalten.

Offiziell eingeweiht wurde der neue Parlamentssitz indes bereits im November 2016, allerdings tagten die über 600 Abgeordneten des kubanischen Parlaments seither weiterhin im 1976 eröffneten Veranstaltungsgebäude „Palacio de la Convenciones“ in den Außenbezirken der Hauptstadt. Bei einer Festveranstaltung im Kapitol Anfang der Woche spielte Präsident Raúl Castro vor den anwesenden Reportern darauf an: „Was denkt ihr, kann man die gesamte Nationalversammlung in diesem Gebäude unterbringen?“

Termine für die Führungen, welche noch bis zum 1. April kostenlos sein werden (Quelle: Büro des Stadthistorikers von Havanna)

Inzwischen sind neben dem großen Saal auch die Bibliothek „José Martí“, die Salons Simón Bolívar und Jimaguyú auch der nördliche Bogen fertig restauriert. Öffentliche Führungen auf Englisch und Spanisch finden seit Donnerstag wieder statt und werden vom Büro des Stadthistorikers organisiert. Sie richten sich an Gruppen von maximal 15 Personen und sollen nur noch bis zum ersten April kostenlos sein.

Raúl Castro erklärte indes, dass im Kontext des geplanten Umzugs des Parlaments nicht bis zur Eröffnung des Südflügels gewartet werden soll. In diesem Monat sollen die Arbeiten an der großen Kuppel beginnen, welche mit Hilfe einer russischen Firma durchgeführt werden und etwa eine halbe Millionen US-Dollar kosten sollen. An den bisherigen Arbeiten war auch eine Firma aus Thüringen beteiligt. Pünktlich zum 500. Geburtstag Havannas soll das Gebäude dann im November 2019 vollständig saniert sein.

„Spar“ versorgt Supermarkt in Cienfuegos

Spar-Produkte im Supermarkt „Imago“ in Cienfuegos (Quelle: 5 de septiembre)

Die Handelskette „Spar“ hat in der kubanischen Stadt Cienfuegos die Belieferung eines staatlichen Devisengeschäfts übernommen. Der frisch renovierte und modern eingerichtete Supermarkt wurde Anfang des Monats von Vertretern der Provinzverwaltung feierlich eröffnet, wie lokale Medien berichten. In den letzten Monaten schloss der Staat zahlreiche neue Verträge mit internationalen Handelskonzernen, die ihre Produkte inzwischen vielerorts auf der Insel vertreiben.

Der Supermarkt „Imago“ in der Provinzhauptstadt Cienfuegos verkaufte früher „von allem ein bisschen“, erklärte die Leiterin der Einrichtung Tania Llanes Flores gegenüber der Lokalzeitung „5 de septiembre„. Nach der Generalsanierung sieht der Laden modern und freundlich aus, doch nicht nur das Erscheinungsbild hat sich geändert: Inzwischen werden die Produkte von der niederländischen Handelskette „Spar“ geliefert. Der staatliche Handelskonzern CIMEX bleibt jedoch weiterhin der Betreiber, und auch der alte Name bleibt erhalten, wie die Zeitung berichtet.

Für die Kunden soll mit dem neuen Lieferanten vor allem die Qualität und Auswahl der Produkte steigen und auch die Versorgungsstabilität verbessert werden. „Ein schöner Laden mit großer Auswahl“, kommentierte eine der ersten Kundinnen nach der Wiedereröffnung. Doch es hagelte auch Kritik, vor allem am hohen Preisniveau, welches der „Kuba-Spar“ mit den anderen staatlichen Läden gemeinsam hat. Einige der Produkte seien „lächerlich teuer“, urteilt ein Kolumnist der Zeitung. So kostet eine Flasche Olivenöl der Spar-Eigenmarke beispielsweise 5,30 CUC, etwa 4,20 €. Einige der Preise seien „höher als in den reichsten Städten des Planeten.“

Im Juni 2017 eröffnete Kubas erster Samsung-Store in Havannas Stadtteil Playa (Quelle: Radio Habana)

Auch andernorts haben in letzter Zeit internationale Handelskonzerne auf Kuba Fuß gefasst. So öffnete der südkoreanische Elektrokonzern „Samsung“ im Juni 2017 sein erstes Geschäft auf Kuba welches sich in Havannas Stadtteil Playa befindet. Auch der Modekonzern „Mango“ betriebt inzwischen einen Shop im Einkaufsbereich des neu eröffneten Luxushotels „Manzana Gómez“ in Havannas Altstadt. Dort können Luxusprodukte internationaler Marken wie Gucci, Adidas oder Lacoste erworben werden. Seit Anfang des Jahres vertreibt auch die spanische Handelskette „El corte inglés“ ihre Produkte inzwischen in zwei Lebensmittelmärkten der kubanischen Hauptstadt.

Seit der Auflösung der Sowjetunion betreibt Kuba ein staatliches Netz aus Devisengeschäften welches das Angebot der rudimentären Bodegas (kleinere Geschäfte für basale Artikel) ergänzt. Auch die Handelskette Spar zählt schon länger zur festen Lieferantenliste der staatlichen Importfirmen. In den letzten Jahren kamen jedoch viele neue Verträge hinzu, welche das Angebot im Einzelhandel stabilisieren sollen. Neben den hohen Preisen zählen Sortimentslücken und das ständig wechselnde Angebot zu den größten Kritikpunkten der Bevölkerung am staatlichen Einzelhandelsnetz.

Vor allem in Havanna und Cienfuegos werden derzeit einige der neue Vertriebs- und Liefermodelle mit den Handelskonzernen getestet. Zuletzt eröffnete erst im Oktober 2017 ein neues Haushaltswarengeschäft unter dem Namen „Agua y Jabón“ (deutsch: Wasser und Seife) in Cienfuegos, welches exklusiv von der italienischen Handelskette „Italsav“ beliefert wird. Firmenvertreter Nicolás Oleaga Herrera erklärte damals: „alle Produkte stammen aus der Europäischen Union und unterliegen hohen Qualitätsstandards“. Zudem habe die Firma die Sanierung des Geschäfts übernommen.

Das neu eröffnete Haushaltewarengeschäft „Agua y Jabón“ in Cienfuegos (Quelle: 5 de septiembre)

Neuer Express-Bus in Havanna

Ab dem 12. Februar soll ein neuer Schnellbus den Pendelverkehr in Havanna verbessern (Quelle: Hiveminer)

Am kommenden Montag wird in Kubas Hauptstadt Havanna ein neuer Schnellbus seinen Dienst aufnehmen. Für einen Preis von 5 Pesos wird der Stadtteil Habana del Este mit dem Revolutionsplatz in Vedado zu Stoßzeiten verbunden. Wie die Nachrichtenagentur ACN meldet soll der Express-Bus vor allem für Pendler interessant sein. Eine weitere neue Linie verbindet bereits seit Dezember das Viertel Micro X in Alamar mit dem Stadtzentrum.

Nach Informationen der Transportdirektion von Havanna soll die neue Schnellbuslinie in der Nähe des 18-stückigen Hochhauses von Alamar starten und in der Calle G (zwischen 27 und 29) in Vedado enden. Haltestellen sind unter anderem bei der Villa Panamericana, auf Höhe des Krankenhauses Salvador Allende sowie in der Avenida de los Presidentes (Calle G) vorgesehen.

Die Express-Route wird wochentags von Montag bis Freitag zwischen 6 Uhr 30 und 8 Uhr 30 am Morgen sowie zwischen 16 Uhr 30 und 18 Uhr 30 am Abend bedient, jeweils im 10-Minuten-Takt.

Neue Regeln für private Casa-Betreiber und Taxifahrer

Wann genau die neuen Regeln für den Privatsektor offiziell in Kraft treten ist noch unklar (Quelle: cartasdesdecuba)

Vertreter verschiedener Behörden führen auf Kuba derzeit offenbar Meetings mit den Beschäftigten des Privatsektors durch um über neue rechtliche Rahmenbedingungen zu informieren. Nach Berichten des ehemaligen BBC-Korrespondenten Fernando Ravsberg fanden die Treffen in konstruktiver Atmosphäre statt. Seit im August 2017 die Ausgabe von Lizenzen pausiert wurde erarbeitet die Regierung des Landes neue Gesetze zur Regulierung des Privatsektors. Um frühere Fehler zu vermeiden sollen diese nun vor ihrer Verabschiedung mit den Betroffenen erörtert werden.

Die privaten Vermieter seien „in Erwartung neuer Restriktionen“ zu den Meetings erschienen, berichtet Ravsberg. Tatsächlich seien die Zusammenkünfte zwischen Beschäftigten des Privatsektors und Vertretern von Arbeitsministerium, Polizei, Migrationsbehörde, Gewerkschaftsverband sowie des Gesundheitsministeriums sehr konstruktiv und zielorientiert verlaufen. Als sich letzten Sommer Meldungen über Steuerhinterziehung, Korruption und andere „unerwünschte Erscheinungen“ im Privatsektor häuften, zog Kubas Regierung die Handbremse und pausierte die Ausgabe neuer Lizenzen.

Die Neuregelung soll im Dialog mit den Beschäftigten rechtliche Grauzonen eliminieren, damit die Geschäfte im Rahmen der Gesetze operieren können. Um den Einkauf für Vermieter zu erleichtern ohne das Angebot für die Bevölkerung auszudünnen wurden beispielsweise im letzten Jahr mehrere gewerbliche Lebensmittelmärkte speziell für den privaten Tourismussektor eröffnet. Und auch die bisher unter Restaurant-Lizenz arbeitenden Bars werden künftig eigene Lizenzen erhalten. Zudem werde von den Behörden anerkannt, dass private Zimmervermieter zusätzliche Arbeitskräfte beschäftigen – allerdings sollen diese Beziehungen in Zukunft in Form eines schriftlichen Vertrags geregelt werden. Dies soll Transparenz für alle Beteiligten schaffen und Streitigkeiten vor dem Arbeitsgericht vermeiden.

Vertreter der Polizei betonten laut Ravsberg, dass private Vermieter „alles menschenmögliche“ für die Sicherheit ihrer Gäste leisten sollten. Darüber hinaus wird die Registrierung der Touristen in den Casa Particulares für die Vermieter vereinfacht. Bisher erfolgt diese meist über einen Telefonanruf bei der lokalen Migrationsbehörde. Ein neues Internetportal sowie die Möglichkeit der Anmeldung über SMS werden jedoch bald als zusätzliche Optionen hinzukommen.

Alle nach 1960 gebauten Fahrzeuge die heute als Taxis im Einsatz sind müssen künftig mit Taxameter, weißem Dach und gelbem Schild ausgestattet sein (Quelle: Cubadebate)

Erst vor wenigen Tagen gab Kubas Regierung neue Regeln für die privaten Taxifahrer des Landes bekannt. Diese müssen künftig alle nach 1960 gebauten Fahrzeugen mit Taxameter und gelbem Taxischild auf weißer Dachfläche ausstatten. Fahrer die bei der staatlichen Taxizentrale unter Vertrag sind erhalten besseren Zugang zu Treibstoff und Ersatzteilen. Um eine genaue Abrechnung zu ermöglichen müssen sie künftig ihre Einnahmen in nationaler Währung (CUP) sowie in CUC auf zwei gesonderten Bankkonten aufführen. Seit einigen Monaten können private Taxifahrer bei der Agentur sowie in Havanna bei einigen Kooperativen auf vertraglicher Basis arbeiten.

Mit der laufenden Reform des Privatsektors versucht Kubas Regierung illegalen Preisabsprachen, Schwarzarbeit, Korruption und Steuerhinterziehung das Wasser abzugraben. Durch die Schaffung eines neuen rechtlichen Rahmens und dem verstärkten Einsatz von Bankkonten soll mehr Transparenz in das Steuersystem Einzug halten. Die Ausgabe von künftig nur einer Lizenz pro Person wurde schon vor einigen Monaten angekündigt. Gleichzeitig will man den Bedürfnissen der „cuentapropistas“ (span. für „Arbeiter auf eigene Rechnung“) entgegenkommen und sucht den Dialog. Wann die Pausierung der Lizenzausgabe aufgehoben wird ist indes noch nicht bekannt.

Ein Jahr nach Tod: Kuba und viele Staaten gedenken Fidel Castros

Zentrale Gedenkveranstaltung am 25. November auf den Treppen der Universität Havannas (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Ein Jahr nach dem Tod des Revolutionsführers Fidel Castro gedenken die Kubaner ihres ehemaligen Staatschefs. Am gestrigen Samstag veranstaltete der Jugendverband der Kommunistischen Partei (UJC) auf den Treppen der Universität von Havanna, wo Castro einst studierte, die zentrale Gedenkveranstaltung. Auch andernorts wird das Wirken Fidel Castros in Erinnerung gerufen.

So stiftete die Universidad Nacional Autónoma (UNAN) in Nicaragua kurz vor dem Jahrestag einen Ehrendoktor an Castro für dessen „großen Beitrag zur Menschheit und der Geschichte als Vorkämpfer der Revolution in Lateinamerika“. Zahlreiche Solidaritätsorganisationen in der ganzen Welt werden am Samstag Veranstaltungen zu Ehren Castros ausrichten.

Auf Kuba findet in verschiedenen Institutionen ein umfangreiches Programm statt. Der Künstler Raúl Torres hat dazu seinen Beitrag geliefert. Das Lied „Cabalgando con Fidel“, welches in den Tagen nach seinem Tod vergangenen November zur inoffiziellen Trauerhymne für den verstorbenen Guerillakämpfer wurde, stammt aus seiner Feder. Ein Jahr nach Castros Tod hat Torres mit „Laureles y Olivos“ (Lorbeeren und Oliven) nun ein weiteres Lied zu seinen Ehren veröffentlicht. Torres erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal Cubadebate seine Zuneigung für Castro: „Ich bezeichne mich mit großem Stolz als Fidelista!“

Aus Argentinien kam indes vergangene Woche die Replika der markanten Mütze des „Comandante en Jefe“ nach Kuba. Mitglieder der Organisation der Kubaner in Argentinien haben die 30 Kilogramm schwere Skulptur zusammen mit der dortigen Kuba-Solidaritätsbewegung geschaffen. Sie soll im nächsten Jahr bei der Parade zum 1. Mai zu sehen sein. In Südafrika wurde vergangenen Monat sogar eine Statue Fidel Castros enthüllt, entgegen dem expliziten Wunsch des Verstorbenen, den dieser in seinem Testament niedergelegt hatte.

Das kubanische Nationalballett kündigte an, vom 23. bis zum 26. November ein spezielles Programm zu Ehren des Verstorbenen anzubieten. Hierzu zählt unter anderem die Aufführung des romantischen Stücks „La Bayadère“ mit Musik von Léon Minkus, das 1877 im St. Petersburger Bolschoi-Theater uraufgeführt wurde. Die Veranstaltungen sollen im frisch restaurierten Nationaltheater „Alicia Alonso“ in Havanna stattfinden. Die Parteihochschule „Nico López“ führte eine Konferenz zum Studium des Gedankenguts Fidel Castros durch. Das Zentrum für internationale Beziehungen veranstaltete einen ähnlich gelagerten Workshop, an dem auch der Liedermacher Silvio Ródriguez einen Beitrag lieferte. „Fidel Castros Gedanken waren noch nie so notwendig wie heute“, kommentierte der Leiter der Nationalbibliothek in seinem Redebeitrag auf der Veranstaltung.

Das Gedenken an Fidel Castro reicht bis nach Washington, wo verschiedene Forscher und Solidaritätsgruppen vergangene Woche eine Podiumsdiskussion abhielten. Der puertoricanische Befreiungskämpfer Oscar López Rivera, der seit mehreren Tagen auf Einladung der kubanischen Regierung auf der Insel zu Gast ist, zollte dem verstorbenen Revolutionär bereits am Dienstag an dessen Grab in Santiago de Cuba Tribut. „Ich glaube Fidel gab mir die Kraft, diesen Kampf zu führen“, sagte Rivera. Er war im Mai dieses Jahres nach 36 Jahren Gefangenschaft freigelassen worden.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Havanna bekommt ersten Elektrobus

Am Steuer des Yutong „E12“ (Quelle: Cubadebate)

Havannas Busflotte wird in Kürze den ersten E-Bus in ihren Reihen begrüßen dürfen. Der chinesische Hersteller Yutong lieferte mit seinem aktuellen Spitzenmodell „E12“ den ersten elektrischen Bus, welcher in der kubanischen Hauptstadt regulär zum Einsatz kommen wird. Die sozialistische Insel will in Zukunft verstärkt auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge setzen, um teuren Treibstoff zu sparen und die Luftqualität der Hauptstadt zu verbessern.

Das chinesische Unternehmen Yutong ist der weltweit größte Bushersteller. Von Lateinamerika bis Asien sind weltweit Millionen von Yutong-Bussen auf den Straßen unterwegs. Kuba hat vor 10 Jahren begonnen, seine veraltete Busflotte durch moderne Yutong-Busse zu ersetzen und konnte so im Jahr 2007 mit den Metrobussen in Havanna zum ersten Mal seit Auflösung der Sowjetunion wieder ein reguläres City-Bus Angebot in der Hauptstadt schaffen. Seit 2005 hat Yutong mehr als 6.000 Busse nach Kuba geliefert.

Mittlerweile sind rund 70 Prozent des kubanischen Busfuhrparks von dem Hersteller, der sich auch im kubanischen Tourismus für viele Transportlösungen verantwortlich zeigt. Yutong überlegt derzeit eine eigene Werkstatt auf Kuba zu eröffnen. Die langjährige Kooperation mit dem asiatischen Partner hat für Kuba viele Vorteile: Zur alljährlichen Handelsmesse ist es inzwischen Tradition der Firma, neue und für Kuba interessante Modelle als Geschenk mitzubringen, damit diese in der Praxis getestet werden können. Chinesische Städte sind weltweite Vorreiter beim Einsatz von E-Bussen. Fast alle Elektrobusse weltweit fahren in China, wie eine aktuelle Studie ergab.

Yutong-Herstellerbilder vom Modell E12 (Quelle: Yutong)

Das aktuelle Modell E12 wurde im Jahr 2015 vorgestellt und verfügt laut Hersteller über eine Reichweite von 220 Kilometern bei einer Batteriekapazität von 296 KWh. Der 12 Meter lange Niederflurbus kann 92 Personen aufnehmen. Im Februar 2016 wurde das Modell in Paris zum ersten mal erfolgreich in Europa erprobt. Bevor jedoch der „E12“ auf Kuba eingesetzt werden konnte, mussten zunächst einige Anpassungen erfolgen. Der Bus arbeitet mit 380 Volt, auf der Insel sind jedoch alle Anschlüsse in 110, 220 oder 440 Volt. Der Bus ist weitgehend lautlos und emissionsfrei und verfügt zudem über eine Klimaanlage.

Havannas erster Elektrobus wird demnächst den regulären Betrieb auf der Linie 18 aufnehmen, die vom Terminal Palatino (Cerro) über Centro Habana bis zum Hafendamm „La Luz“ in Habana Vieja führt.

Havannas erster E-Bus sticht durch seine grüne Lackierung hervor. Das Exemplar soll in Kürze die Linie P18 verstärken (Quelle: Cubadebate)