„Granma“-Chefredakteur Pelayo Terry abgesetzt

Der abgesetzte Chefredakteur Pelayo Terry Cuervo (Quelle: siro4el)

Kubas größte Tageszeitung „Granma“ ist seit gestern auf der Suche nach einem neuen Chefredakteur. Der bisherige Leiter des Zentralorgans der regierenden Kommunistischen Partei, Pelayo Terry, wurde aufgrund von „Fehlern bei der Erfüllung seiner Pflichten“ unehrenhaft entlassen, wie die Zeitung in einer knappen Mitteilung bekannt gab. Über den Inhalt der „Fehler“ hüllt sich das Medium indes in Schweigen.

„Aufgrund von Fehlern bei der Erfüllung seiner Pflichten, hat die Parteileitung entschieden den Genossen Pelayo Terry Cuervo von seiner Aufgabe als Direktor der Zeitung Granma zu entbinden“, heißt es lapidar in dem gestern veröffentlichten Statement. Bis ein neuer Direktor gefunden wird, soll zunächst Terrys Stellvertreter Oscar Sánchez Serra übernehmen.

Pelayo Terry begann seine journalistische Laufbahn unter anderem als Kriegsberichterstatter in Äthiopien. Später stieg er zum Chefredakteur der „Juventud Rebelde“ auf, dem Organ des Jugendverbands UJC. Die Zeitung schärfte unter seiner Leitung ihr kritisches Profil und versuchte sich zugleich in neuen Formaten, was bei Lesern und Redaktion gut ankam. 2013 sollte er deshalb das angestaubte Zentralorgan „Granma“ als Chefredakteur modernisieren. In den letzten vier Jahren wurden unter Terry ein neues Layout, eine neue Webseite sowie Multimedia-Inhalte etabliert. Die Leserbrieferubrik bekam eine quartalsmäßige Übersicht und auf der neuen Webseite gibt es seither eine Kommentarfunktion.

Terry, der als Teamplayer gilt und unter seinen Kollegen hohes Ansehen genießt, erhielt noch vor wenigen Monaten eine Auszeichnung der kubanischen Streitkräfte. Die kurze Meldung über seine Absetzung ist indes die meistkommentierte der letzten Tage auf den Seiten der Granma. Viele der Kommentatoren fragen nach den Gründen seiner Entlassung.

Advertisements

Kuba bereitet sich auf Hurrikan „Matthew“ vor – Raúl Castro in Santiago

cono

Prognose des kubanischen Wetterdienstes vom 2. Oktober 12h Mittags zu Hurrikan Matthews weiteren Verlauf (Quelle: met.inf.cu)

Fünf der 16 kubanischen Provinzen haben bereits den Alarmstatus des Zivilschutzes ausgerufen. Der tropische Wirbelsturm „Matthew“ bewegt sich derzeit auf die Insel zu, mit Windgeschwindigkeiten von 240 km/h handelt es sich bei Matthew um einen Hurrikan der Kategorie 4. Vor wenigen Tagen erreichte der Sturm zeitweise sogar die Kategorie 5 und gilt damit als bisher schwerster Sturm der Karibik seit Hurrikan Felix im Jahr 2007. Es wird damit gerechnet, dass Matthew zwischen Montag und Dienstag im Ostteil der Insel auf Land treffen wird.

In Kuba starten derweil die Vorbereitungen auf den bevorstehenden Landgang des Wetterphänomens. In allen fünf östlichen Provinzen, beginnend mit Camagüey, gilt derzeit der Alarmzustand. Präsident Raúl Castro traf am Samstag zusammen mit mehreren Ministern in der östlichen Metropole Santiago de Cuba ein, um die Vorbereitung des Katastrophenschutzes persönlich zu überwachen.

Im Jahr 2012 wurde die Stadt bereits von Hurrikan Sandy schwer verwüstet. Damals starben 11 Menschen, mehr als 600.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Die Sachschäden werden auf über 4 Milliarden US-Dollar beziffert. Auch Matthew droht vor allem in den Provinzen Santiago de Cuba und Guantánamo die schwersten Schäden anzurichten. „Dies ist ein Hurrikan, auf den man sich vorbereiten muss, als ob er doppelt so stark wie Sandy wäre“, sagte Kubas Präsident Raúl Castro am Samstag.

radio-angulo-arreglos

Gebäudeschutz in der Provinz Holguín (Quelle: Cubadebate)

Man müsse aus den Erfahrungen von Sandy lernen und sich gut auf den Sturm vorbereiten, ermahnte Castro, der derzeit auch dem Rat für Zivilschutz von Santiago temporär vorsteht. Die Vorbereitungen laufen unterdessen in allen betroffenen Provinzen auf Hochtouren: Unter Koordinierung des Zivilschutzes werden Wasservorräte angelegt, Notunterkünfte bereitgehalten und Gebäude gesichert. Ziel der Maßnahmen ist es, menschliche Verluste so gering wie möglich zu halten, die wirtschaftlichen Schäden zu minimieren und die Versorgung der Bevölkerung in den Tagen nach dem Sturm zu garantieren.

Freiwillige gehen derzeit in den betroffenen Provinzen von Haus zu Haus, um die Bevölkerung vor dem Sturm zu warnen. „Wir müssen intensiv arbeiten“, betonte Lázaro Expósito, der erste Parteisekretär der Provinz Santiago de Cuba. Alle öffentlichen Einrichtungen, beginnend von Partei- und Regierungsgebäuden stünden als Notunterkünfte zu Verfügung. Die Anwohner werden dazu aufgerufen, Vorräte anzulegen und ihre Häuser baulich zu sichern. Auch der öffentliche Raum wird präpariert: lose Äste werden von den Bäumen entfernt, da diese bei hohen Windgeschwindigkeiten gefährlich werden können. Ampeln, Schilder und andere gefährdete Teile werden demontiert, um sie vor Schäden zu bewahren.

Ein weiterer Vorsorgeschwerpunkt bildet die Landwirtschaft. Durch Sandy waren zuletzt große Teile der Ernte im Osten Kubas zerstört worden, viele Nutztiere verendeten an den Folgen des Sturms. Durch die Evakuierung der Tiere und das frühere Einbringen der Ernte versucht das Landwirtschaftsministerium die erwartbaren Schäden zu minimieren. Durch das Verteilen von Kochgeräten die ohne Strom funktionieren soll zudem die Ernährungssituation stabil gehalten werden. 2012 war die Stromversorgung in Santiago und anderen Städten für mehrere Wochen lang ganz oder teilweise unterbrochen, auch die Wasserpumpen waren davon betroffen.

en-las-tunas-semaforo-768x514

Auch Ampeln werden vorsorglich abmontiert, wie hier in der Provinz Las Tunas (Quelle: Cubadebate)

Um die Erstversorgung nach dem Sturm zu garantieren, werden darüber hinaus zusätzliche Nahrungsrationen ausgegeben und Tanklastwagen vorbereitet, die im Falle eines Zusammenbruchs der Trinkwasserversorgung übernehmen können. Die Schüler und Lehrer der Landschulen wurden unterdessen bereits nach Hause geschickt. Auch der Transport steht still: Der gesamte Zugverkehr wurde heute in den östlichen Provinzen bis auf weiteres unterbrochen, wie die kubanische Bahn FCC heute bekannt gab. Der Zivilschutz rief die Bevölkerung dazu auf, die Medien genau zu verfolgen und sich verantwortungsvoll und diszipliniert zu verhalten.

Auch in anderen Ländern bereitet man sich auf Matthew vor. In Haiti, wo bereits schwere Regenfälle auftreten, wurden bereits erste Gebiete evakuiert. In Jamaica wurden einige Tausend Notunterkünfte von der Regierung bereitgestellt. Die USA evakuierten derweil den Großteil des Personals auf ihrer Marinebasis in Guantánamo Bay. Die wenigen verbliebenen Soldaten finden in speziellen Schutzunterkünften auf der Basis Unterschlupf.

Aktuelle Infos zu Hurrikan Matthew sowie die letzte Prognose finden Sie hier. Die letzten Warnungen des kubanischen Wetterdienstes können auf dieser Seite aufgerufen werden.

Marktversagen in Kuba?

8-755x490

Die hohen Preise im Großmarkt „El Trigal“ sorgen für Kritik unter der Bevölkerung und den kleinen Händlern (Quelle: Oncuba)

Im Herbst 2013 reformierte Kuba seine Landwirtschaftspolitik im Rahmen eines Pilotprojekts. Kern der Reform, die zunächst in den drei Provinzen Artemisa, Mayabeque und Havanna in Kraft trat, ist die freie Vermarktung von Überschüssen auf den Bauernmärkten und das Ende des staatlichen Abnahmemonopols. Gut ein Jahr später klagen viele Kubaner über steigende Lebensmittelpreise. Die Tageszeitung Granma berichtete jüngst über die ersten Ergebnisse der Reform und ging den Problemen auf den Grund.

Ein Großmarkt ohne Großmarktpreise

Mit Beginn des Experiments eröffnete in Havannas Stadtteil Boyeros vergangenen Dezember der Agrargroßmarkt „El Trigal“, der durch eine Kooperative verwaltet wird und auf Basis von Angebot und Nachfrage arbeitet. Auch andere Verkaufsstellen in den drei für das Experiment ausgewählten Provinzen wurden inzwischen an Genossenschaften verpachtet. Die Kooperativen dürfen nun auch untereinander Handeln und Transportdienstleistungen in Anspruch nehmen. „Cubaheute“ berichtete bereits ausführlich über die Details der Reform.

Steigende Lebensmittelpreise sind keineswegs neu in Kuba. Allein zwischen 2012 und 2013 stiegen sie im Schnitt um 20 Prozent. Danach zog zwar im ersten Halbjahr 2014 die landwirtschaftliche Produktion (ohne Zuckerindustrie) um 17,6 Prozent an, abermals kletterten jedoch die Preise in die Höhe, im Landesdurchschnitt diesmal allerdings nur um vier Prozent.

In den Provinzen mit der neuen Agrarpolitik hat sich das Angebot an Lebensmitteln indes deutlich erweitert, fast alle Agrarprodukte die das Land produziert, werden dort gehandelt. Gerade in Havanna sind dabei einige Lebensmittel empfindlich teurer geworden. Die steigende Zahl privater und genossenschaftlicher Restaurants, die weniger empfindlich gegenüber den hohen Preisen sind, nimmt das Angebot jedoch dankbar an.

„Warum ich teuer verkaufe? Fragen Sie diejenigen, die in El Trigal an mich verkaufen.“ antwortet ein privater Straßenhändler den Granma-Redakteuren. „Stellen Sie sich vor, ein Pfund Zwiebeln kostet dort 34 Pesos [ca. 1,4 US$].“ Auch andere Straßenhändler fragen sich, warum ausgerechnet in einem für Großabnehmer bestimmten Markt die Preise überdurchschnittlich teuer sind.

Carlos Rafael Sablón, der Vorsitzende der Kooperative die den Großmarkt betreibt, erklärte dass man auf Basis von Angebot und Nachfrage arbeite. Jeder dürfe an jeden verkaufen, auch ein Produzent an den anderen, der dann zum Zwischenhändler wird. Die Händler und Produzenten, die in „El Trigal“ ihren Stand haben, erklärten den Journalisten ihre Sicht der Dinge. Vor allem schlechte Wetterbindungen, hohe Transportkosten und die mangelhafte Belieferung mit Düngemitteln würden sie dazu zwingen auf den Schwarzmarkt zurückzugreifen und die Preise anzuheben.

Fehlende Marktkultur

0011415163

„Es gibt weder eine Kultur des An- und Verkaufs noch ein Gefühl für Wettbewerb.“ (Quelle: Infobae)

Andere hingegen halten ihre Produkte bewusst zurück und spekulieren auf steigende Preise. Einige Produzenten warten bis die Saisonbestände ausverkauft sind und bringen dann in Zeiten niedrigen Angebots ihre gehorteten Produkte auf den Markt. „Die Knappheit macht den Preis“, wird ein Händler von der Granma zitiert. Derzeit gibt es kein Gesetz, das die Hortung verbietet. Für andere Produzenten geht es hingegen ums ökonomische Überleben.

Doch es gibt auch positives zu vermelden. Idael Saserio, Handelsspezialistin aus der Provinz Mayabeque, sagte: „Man begrüßt die gestiegene Qualität und Vielfalt im Angebot von Agrarprodukten, die bessere Verwaltung der Verkaufsstellen und die Reduzierung der Verluste.“ Bei der Frage der Preise wurden allerdings die gewünschten Ergebnisse nicht erzielt. Sara del Pilar Vidal, Funktionärin im Ministerium für Binnenhandel, schlussfolgert: „Man hat den Ruf nach Preisen auf Basis von Vereinbarungen missinterpretiert“.

Statt auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage würden viele Produzenten pauschal hohe Preise verlangen, ohne die Produktionskosten zu berücksichtigen. „Die Produzenten übernehmen die Preise der Händler, es gibt weder eine Kultur des An- und Verkaufs noch ein Gefühl für Wettbewerb. Wenn alle den selben Preis verlangen, werden die Rotationszyklen für ein Produkt verlängert“, sagte die Funktionärin.

Aus diesen Gründen soll die Reform nach der Evaluierungsphase nochmals überarbeitet werden, bevor sie in der zweiten Jahreshälfte 2015 auf die übrigen Provinzen des Landes ausgeweitet wird. Zu den Aspekten die in der Neufassung berücksichtigt werden, zählen unter anderem die Pachtpreise für die Bauernmärkte. Der eigentliche Kern des Problems ist jedoch die unzureichende Produktion, die noch immer weit hinter dem Bedarf des Landes zurückbleibt.

Die Produktion steigern, aber wie?

Der Output hat zwar von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 17 Prozent zugelegt, jedoch nicht in allen Bereichen. So stieg die Maisproduktion um 67 Prozent, es konnten 55 Prozent mehr Bohnen sowie 9 Prozent mehr Gemüse produziert werden als im ersten Halbjahr 2013. Dennoch wird bei vielen Nahrungsmitteln derzeit nicht einmal die Hälfte des nationalen Bedarfs gedeckt, die Gemüseproduktion hat noch immer nicht den Stand von 2007 erreicht.

Dazu beigetragen haben auch die Folgen zweier fataler Hurrikansaisons 2008 und 2012. In den östlichen Provinzen Santiago de Cuba und Holguín ging die Produktion verschiedener Nahrungsmittel wie Gemüse, Bananen und Knollen in der letzten Saison um bis zu 90 Prozent zurück. Zwar beginnen sich die zerstörten Anbauflächen langsam zu erholen, bis die Landwirtschaft dort vollends wiederhergestellt ist, wird es jedoch noch einige Jahre dauern.

1e8748590ff43484a9f0b21aaa13209194f7ac17

Landwirtschaft ist heute in Kuba vor allem Handarbeit. Trotz niedriger Produktivität sind die Löhne überdurchschnittlich hoch (Quelle: Cubahora)

Was also tun, um die Produktion zu steigern? Silvio Gutiérrez, Funktionär beim Ministerium für Finanzen und Preise, erlärte, dass die graduelle Einführung höherer staatlicher Abnahmepreise wichtigste Voraussetzung für Produktionssteigerungen sei. Eine Rückkehr zu administrativen Mitteln der Preisregulierung schließt er aus, damit habe man schlechte Erfahrungen gemacht.

Nach den Hurrikanschäden 2008 wurden die Preise für viele Nahrungsmittel auch in den freien Märkten staatlich festgesetzt. In der Folge verschwanden immer mehr Produkte aus dem Sortiment, die auf dem Schwarzmarkt zu weitaus höheren Preisen gehandelt wurden. „Deshalb wollen wir den selben Fehler vermeiden“, erlärte Gutiérrez. Andere Funktionäre hoben die Bedeutung einer multisektoralen Politik hervor, die die gesamte Produktionskette vom Bauern bis zum Endkunden betrachtet.

Mit Preisfestsetzungen ließen sich keine Probleme lösen, es würden höchstens neue geschaffen. „Der Markt ist ein schlechter Chef, aber ein guter Angestellter, wenn er richtig eingesetzt wird“, sagt Pablo Fernández, der seit über 40 Jahren in einem Forschungszentrum zur kubanischen Landwirtschaft arbeitet. Für eine Preissenkung müssten auch die Produktionskosten reduziert werden. Der Durchschnittslohn in der Landwirtschaft ist trotz geringer Produktivität weitaus höher als in anderen Sektoren. „Heute keiner mehr für unter 100 Peso am Tag die Erde“, sagt Fernández.

Zu diesem Problem komme die Unterkapitalisierung des Sektors hinzu, der beim Staat hoch verschuldet ist. Aus diesem Grund wurde vergangenes Jahr mit der Umstrukturierung der UBPC-Genossenschaften begonnen, die den Löwenanteil der landwirtschaftlichen Produktion stellen. Jüngst wurde bekannt, dass knapp 300 von ihnen in der Zwischenzeit planmäßig aufgelöst oder fusioniert wurden, da keine Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation bestand. Im kommenden Jahr sollen nun auch die restlichen Kooperativen vom Typ CPA und CCS der Umstrukturierung unterzogen werden.

Perspektiven für ein Ende der Rationierung

1584241

Langfristig soll die Lebensmittelrationierung in Kuba durch niedrige Preise obsolet werden (Quelle: Panoramio)

Die kubanische Landwirtschaftsreform war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zwar zeigten sich bei der Evalutation in den drei Provinzen deutliche Probleme bei den Preisen, mittlerweile ist jedoch zumindest eine Verlangsamung des Preisanstiegs zu beobachten – die Spitze des Eisbergs scheint erreicht. Mit der Überarbeitung und Verallgemeinerung der Reform im kommenden Jahr tun sich neue Möglichkeiten für spürbare Produktionssteigerungen auf. Diese sind auch notwendig, will Kuba in Zukunft ausreichend günstige Lebensmittel für seine Bevölkerung anbieten.

Dass dies kein Ding der Unmöglichkeit ist, zeigen die Erfahrungen in Vietnam. Ähnliche Reformen erzeugten dort in den 1980er Jahren einen landwirtschaftlichen Boom, der mittelfristig die Grundnahrungsmittel für weite Teile der Bevölkerung deutlich verbilligt hat. Heute arbeiten knapp zwanzig Prozent der kubanischen Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die nicht einmal vier Prozent des BIPs ausmacht. Die Arbeitsproduktivität in diesem Sektor liegt 80 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Dabei bietet Kuba in geographischer Hinsicht quasi perfekte Bedingungen für mehrere üppige Ernten pro Jahr.

Die fruchtbaren Felder des Landes beherbergen wahre Schatztruhen, die darauf warten geöffnet zu werden. Dennoch ist Landwirtschaft auf der Insel meist noch immer Handarbeit. Die staatlichen Zuteilungen reichen oft nicht aus, um den Bedarf an Inputgütern zu decken. Kubas Bauern brauchen dafür besseren Zugang zu neuem Kapital und Krediten, um sich auf noch zu schaffenden Großmärkten mit Produktionsmitteln wie Saatgut, Maschinen und Kunstdünger zu versorgen.

All das fehlt im heutigen Kuba noch genauso wie angemessene Ankaufpreise und eine sinnvolle staatliche Regulierung des Markts. Wenn im kommenden Jahr die Neufassung der Reform im ganzen Land Schule machen soll, wird sich zeigen, inwiefern man aus dem Pilotprojekt gelernt hat. Seine rasche Verallgemeinerung wird in jedem Fall Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben, die sich noch nicht völlig abschätzen lassen. Die Zielstellung derweil ist klar: Günstige Lebensmittel für jedermann, um das seit über einem halben Jahrhundert bestehende Rationierungssystem in wenigen Jahren abschaffen zu können.

Kuba stoppt Vermarktung von Chávez- und Che-Parfüm

1411720107070_wps_12_A_man_shows_two_bottles_o

Kubas Regierung hat die Entwicklung von Duftstoffen unter dem Namen Che Guevaras und Hugo Chávez‘ verboten (Quelle: Dailymail)

Kuba hat die Vermarktung zweier Parfüme gestoppt, die den Namen „Ernsto“ und „Hugo“ tragen sollten, in Erinnerung an Che Guevara und den verstorbenen venezolanischen Staatschef Hugo Chávez. Die Produkte wurden vor wenigen Tagen von Vertretern des kubanischen Lebensmittel- und Medizinkonzerns „Labiofarm“ der internationalen Presse vorgestellt und sollten eigentlich 2015 auf den Markt kommen.

Überraschend schnell hat der kubanische Ministerrat jetzt auf die Medienberichte reagiert und in einem knappen Statement in der Granma die Einstellung der Produktion bekanntgegben:

Die Symbole sind unantastbar
Auf einem jüngst von der Firma LABIOFARM organisierten Kongress wurden zwei Parfüme vorgestellt, die den Angaben von Funktionären der Firma gegenüber der internationalen Presse zu Folge die Markennamen „Ernsto“ und „Hugo“ tragen sollten, in angeblicher „Ehrerbietung“ gegenüber den Kommandanten Ernsto „Che“ Guevara und Hugo Chávez Frías.
Die Einzelheiten dieser unverantwortlichen Aktion wurden vergangee Nacht, am Freitag den 26. September, mit dem Leiter der Firma und den Funktionären die das Produkt vorstellten, tiefgründig analyisiert. Obwohl das Produkt sich noch in der Entwicklung befindet, wird es weder vermarktet und noch weniger offiziell registriert werden. Es wurde geklärt, dass weder die Familien von Che noch die von Chávez einer derartigen Verwendung ihres Namens zugestimmt haben, wie einer der Funktionäre gegenüber der nordamerikanischen Nachrichtenagentur AP angab.

Für diesen schweren Fehler werden angemessene disziplinarische Maßnahmen ergriffen werden.
Derartige Initiativen werden niemals von unserem Volk oder seiner revolutionären Regierung akzeptiert werden.
Die Symbole sind gestern, heute und für immer unantastbar.

Labiofarm ist Kubas wichtigster Produzent für Impfstoffe und Medizintechnik und wurde in den letzten Jahren vor allem durch neue Medikamente gegen Krebs bekannt. Den Duftstoff hatte die Firma in Zusammenarbeit mit dem französischen Herstelller „Robertet“ entwickelt. Vorsitzender von Labiofarm ist übrigens José Fraga Castro, ein Neffe von Raúl und Fidel Castro. In den Kommentaren auf den Websites der kubanischen Onlinemedien wurde das Vermarktungsverbot mehrheitlich begrüßt.

Kuba arbeitet enger mit der WHO zusammen

WHO-Logo

Kuba leitet erstmals die Weltgesundheitsversammlung WHO.

Genf/Havanna. Erstmals hat Kuba die Weltgesundheitsversammlung (WHA), das Hauptorgan der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in Genf geleitet. Die umfangreiche Tagesordnung beinhaltete unter anderem Themen wie die Umsetzung internationaler Gesundheitsrichtlinien, den Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgungsstrukturen sowie Strategien zur Bekämpfung von Tuberkulose und Hepatitis.

Ziel seines Landes sei es gewesen, so Kubas Gesundheitsminister Roberto Morales Ojeda, möglichst konsensfähige Resolutionen zu formulieren, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, in den 194 Mitgliedsstaaten umgesetzt zu werden. Besondere Beachtung in der Debatte fanden chronische Krankheiten, eine der Haupttodesursachen in Kuba. Hierbei verwies Ojeda auf das seit den sechziger Jahren entwickelte Gesundheitssystem, welches eine medizinische Versorgung in allen Landesteilen erlaubt und damit beispielhaft für andere Staaten sei.

Auch in der Debatte um die Herausforderung einer alternden Gesellschaft für das Gesundheitssystem betonte er die Erfolge der Gesundheitspolitik seines Landes. Einer Studie zufolge wird der Anteil der über 60-jährigen im Jahr 2030 in Kuba 30 Prozent betragen. Dies stelle neue Anforderungen an das Gesundheitssystem, denen das Land nun begegnen will.

Gegenüber der staatlichen Tageszeitung Granma, dem Zentralorgan der regierenden Kommunistischen Partei Kubas, betonte er zudem die Möglichkeiten, die sich durch das kubanische Engagement in der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation ergeben, der lateinamerikanischen Regionalorganisation der WHO. Das medizinische Personal, das Kuba in unterschiedliche Länder entsendet, könne dafür sorgen, dass entsprechende Vorgaben der WHO eingehalten und umgesetzt werden.

Seit 1995 ist Kuba Mitglied der 1948 gegründeten Weltgesundheitsorganisation. Diese versucht durch Impfungen Pandemien einzudämmen. Seit der Ausrottung der Pocken Anfang der achtziger Jahre widmet sich die WHO verstärkt dem Kampf gegen Kinderlähmung. Gemeinsam mit der WHO könne Kuba einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitspolitik in der „Gruppe von Polio-Nationen“ leisten, in denen es zuletzt wiederholt zu Ausbrüchen kam, so Ojeda.

Erfolge kubanischer Arbeit konnten bereits Länder Afrikas wie Nigeria, Angola oder Ghana berichten. Dort engagiert sich die kubanische Organisation „Labiofam“ gegen Malaria. Durch diese Arbeit konnte nach Expertenangaben nicht nur die Infektionsrate der durch Moskitos übertragbaren Krankheit reduziert werden, auch Ansteckungsrate mit Denguefieber habe gesenkt werden können.

Der Verantwortliche für internationale Organisationen im Gesundheitsministerium Kubas, Antonio González, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Prensa Latina, dass Kuba „praktisch alle Milleniumsziele der UNO“ erreicht hat. Diese Ziele zur sozialen und gesundheitspolitischen Entwicklung waren auf dem Millenniumsgipfel im Jahr 2000 in New York definiert worden.

von Julia Ziegler / Amerika21

Was macht eigentlich Fidel Castro?

140328-castro-02_8fa6a48f8f57300dde307759268ab148

Fidel Castro mit Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dung am 26. März 2014 (Quelle: NBC)

Um den ehemaligen kubanischen Präsidenten und „Führer der kubanischen Revolution“, Fidel Castro, ist es in den letzten Monaten ruhig geworden. Indes feierte Bruder Raúl vergangenen Dienstag seinen 83. Geburtstag – im engsten Kreis, ohne Notiz in den Medien. Fidels letzter öffentlicher Auftritt war der Urnengang bei den Parlamentswahlen im Sommer 2013, während des CELAC-Gipfels im Januar traf er sich mit zahlreichen Staatsoberhäuptern der Region. Danach blieb es ruhig um den 87-jährigen.

Kubas Regierung hält sich traditionell mit Informationen über den Gesundheitszustand Castros weitgehend zurück. Eine Ausnahme bildeten jedoch die Aussagen des kubanischen Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel: Nach dem Tod des Schriftstellers Garcia Marquez, einem engen Freund des Revolutionärs, sei Castro „bestürzt“ gewesen, arbeite jedoch mit Konzentration an seinen aktuellen Projekten. „Sein Gesundheitszustand ist sehr gut“, sagte Díaz-Canel Ende April gegenüber kubanischen Medien.

Nach dem CELAC-Gipfel traf sich Fidel noch mit dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Tan Dung Ende März, mit dem chinesische Außenminister Wang Yi im April und mit Russlands Außenminister Sergei Lavrov im Mai. Es kann davon ausgegangen werden, dass in der Zwischenzeit auch zahlreiche informelle Treffen mit befreundeten Staatsoberhäuptern wie Nicolas Maduro stattgefunden haben. Fidel scheint seinen Einfluss gekonnt hinter den Kulissen geltend zu machen, hält sich dabei jedoch seit 2012 mit öffentlichen Äußerungen bewusst zurück. Erst kürzlich ereignete sich allerdings ein kleiner Skandal, als vergangenen Samstag bei der Trauerzeremonie für den kubanischen Sportler und Trainer Eugenio George der Blumenkranz des Commandante fehlte.

Am 3. Juni, dem Geburtstag seines Bruders, meldete sich dieser daher in der Granma zu Wort: „Mehrere Genossen wunderten sich über das Fehlen eines Kranzes von mir in Begleitung seines Sarges“, schrieb Castro in der kurzen Notiz, die auf Seite eins der Granma erschien „Ich, der ihn immer sehr bewundert habe, erfuhr von seinem Ableben erst mehrere Stunden später“, entschuldigte sich Fidel gegenüber den Kubanern, die sich in den Kommentaren zu der Nachricht oftmals enttäuscht über das Ausbleiben einer Blumenspende zeigten.

Was war also geschehen? Hat Fidel keine Informationen vom Tod Georges erhalten, oder hat er zu spät reagiert? Hat der Personenkreis versagt, der Fidel auf dem aktuellen Stand halten soll? – wir wissen es nicht. Etwas Klarheit könnte eine Aussage von Evo Morals bringen: „Fidel hatte in letzter Zeit nur noch seine Reden vorzubereiten, aber wusste nicht mehr, was vor sich geht. Das zumindest hat man mir gesagt“, erklärte das bolivianische Staatsoberhaupt im Mai gegenüber der Zeitschrift „Vanity Fair“.

Das wiederum steht im Gegensatz zur Aussage des russischen Außenministers Lavrov, der über sein Treffen mit Fidel viel über die Informiertheit des Ex-Präsidenten zu berichten wusste: „Seine Augen brennen, sie sind glühend. Er folgt praktisch allen Ereignissen auf der Welt: Den Begebenheiten auf der Krim, in der Ukraine; er wusste über die Entdeckung einer neuen Bakterie bescheid, deren korrekte Ausbreitung zur Bekämpfung der globalen Erwärmung beitragen kann“, sagte Lavrov am 18. Mai im russischen Fernsehen.
Dennoch fügte er hinzu: „Körperlich wurde er schwächer. Er ist jemand, der mehrere schwerere Eingriffe hinter sich hat und sich körperlich derzeit definitiv nicht in bester Verfassung befindet.“ Damit widerspricht Lavrov der Aussage des kubanischen Vizepräsidenten Ende April, wonach Fidels Gesundheitszustand „sehr gut“ sei. Was aber nun ist dran, an all den widersprüchlichen Behauptungen?

Zunächst einmal scheint Lavrovs Statement plausibel zu sein, Fidels Interesse an globalen Problemen konnte auch Ignacio Ramonet bei seinem letzten Treffen mit Castro im Dezember 2013 feststellen, was sich mit den Aussagen vieler weiterer Besucher in letzter Zeit deckt. Dass der körperliche Zustand des alternden Revolutionärs dabei nicht besser wird ist durchaus logisch, hier dürften Lavrovs Beobachtungen ebenfalls nicht ganz falsch sein.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt jedoch die Aussage von Evo Morales, die durch die jüngsten Ereignisse bestätigt scheint. In den Gesprächen Fidels mit seinen Gästen geht es meist um Weltpolitik und globale Probleme, die aktuelle Lage in Kuba scheint keine Rolle zu spielen. Nun verursachte Castros mangelnde Informiertheit einen politischen Fehler, der zu seiner erster schriftlicher Äußerung seit Jahren führte. Die Situation lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder Fidel – oder sein Informationsapparat haben versagt, was beides in dieser Form noch nicht vorgekommen ist. Es scheint jedoch die These zu bestätigen, dass der Comandante en jefe mit zunehmendem Alter zumindest teilweise vom kubanischen Tagesgeschehen abgeschnitten wird, mit Sicherheit erhält er nicht mehr alle Informationen so zeitnah wie früher. Über die Ursachen dafür lässt sich jedoch keine Aussage treffen.

Kubanischer Peso wird Zahlungsmittel in Devisenläden

La Puntilla

„La Puntilla“ in Havanna, eines der größten kubanischen Einkaufszentren, akzeptiert seit März auch kubanische Pesos für Devisenprodukte (Quelle: Panoramio).

Der kubanische Peso (CUP) wird in den Devisenläden des Landes schrittweise als reguläres Zahlungsmittel eingeführt. Die Regierung hat 2011 die Abschaffung des dualen Währungssystems beschlossen, die jetzige Maßnahme ist die erste auf diesem Weg mit direkten Auswirkung für die Bevölkerung. Bis Ende Mai werden die Kunden der 28 größten Geschäfte des Landes ihre Zahlungen nicht nur in konvertiblen Pesos, sondern auch in nationaler Währung oder über eine Kundenkarte tätigen können. In jeder Provinz soll dann mindestens ein Devisenladen diese Optionen anbieten – doch das ist erst der Anfang.

Experimente „ohne Traumata“

Bereits Anfang März begannen in Havanna die beiden Geschäfte „La Copa“ und „La Puntilla“ auf experimenteller Basis nach dem neuen Modell zu arbeiten. Die Läden unterstehen den staatlichen Handelskonzernen „TRD Caribe“ und „CIMEX“, die zu den größten Unternehmen des Landes zählen. Sie halten de facto das Einzelhandelsmonopol in Kuba und generieren jährliche Deviseneinnahmen im Milliardenbereich. Ihre Einkaufszentren bieten importierte Produkte für konvertible Pesos (CUC) an. Seit Beginn des Experiments können die Preise zum offiziellen Wechselkurs von 25:1 nun auch in kubanischen Pesos bezahlt werden, wobei jede einzelne Rechnung auch mit einer Kombination beider Währungen beglichen werden kann, das Wechselgeld wird in CUC ausbezahlt.

„Der Prozess macht Fortschritte ohne irgendwelche Traumata zu erzeugen. Unser Arbeitsplan erlaubt uns, dieses System graduell zu etablieren: zuerst im Lebensmittelbereich, dann für die gesamte Produktpalette des Ladens, um die Leute langsam damit vertraut zu machen“, sagte der Vize-Handelsdirektor von CIMEX, Arturo Kautzmann, gegenüber der Zeitung „Juventud Rebelde„. CIMEX-Vizechefin Barbara Soto Sánchez erklärte gegenüber dem Medium, dass die Maßnahmen schrittweise auf alle Devisengeschäfte des Landes ausgedehnt werden sollen. Der Prozess wird von der Wirtschaftskommission der Regierung überwacht, die für die Durchsetzung der 2011 verabschiedeten Leitlinien verantwortlich ist.

Die Buchführung und die Konten der Geschäfte sollen weiterhin in CUC betrieben werden, während die kubanischen Pesos gesondert abgerechnet werden, um damit auch die Löhne der Angestellten zu begleichen. Dies sei Kautzmann zu Folge lediglich eine „technische und praktische Lösung“, man wolle nicht in teure Buchhaltungssysteme und Gerätschaften investieren, wenn das Land in Kürze über eine einzige Währung verfügen werde. Dennoch erfordere die Umstellung verstärkte Aufmerksamkeit und Kontrolle, um Korruption und Diebstahl vorzubeugen. Als neue Sicherheitsmaßnahme wird das Bargeld in den Geschäften nun häufiger aus den Kassen entnommen. Zusätzlich werden ab sofort auch Kundenkarten sowie internationale Kreditkarten verstärkt als Zahlungsmittel akzeptiert. Die ersten Resultate des Experiments sind bereits positiv: „La Puntilla“ hat im März etwa 50.000 kubanische Peso (ca. 2.000 US$) eingenommen, in der ersten Aprilwoche allein waren es 25.000. Kubanischen Medienberichten zu Folge wird das neue Zahlungsmodell gut angenommen. Abgesehen von anfänglichen Verwirrungen, wie fehlenden Preisschildern für den CUP, verlief die Umstellung reibungslos.

Im Oktober 2013 hat die Parteizeitung „Granma“ angekündigt, dass der kubanische Peso als einziges Zahlungsmittel beibehalten wird, sein Wert und seine Kaufkraft sollen gestärkt werden. Seitdem sind zahlreiche Kubaner dabei, ihre gesparten CUC in Peso oder eine andere Währung wie Dollar oder Euro umzutauschen, was zu langen Schlangen und Ausfällen bei den Wechselstuben in allen Teilen des Landes geführt hat. Viele von ihnen sind schon seit Tagen geschlossen, da nicht genügend Pesos auf Vorrat lagern. Eine generelle Knappheit des kubanischen Peso zeichnet sich ab, was seinen Wert steigen lässt. Aus diesem Grund sind zahlreiche inoffizielle Währungshändler entstanden, die CUCs zu besseren Konditionen umtauschen. Und auch einige Hotels in Havanna sollen unter der Hand konvertible Pesos jenseits der offiziellen Wechselkurse aufgekauft haben. Ein langsamer aber stetiger Wert- und Bedeutungsverlust der Devisenwährung ist eingeleitet.

Neue Realitäten für Kubas Staatsunternehmen

Damit erreicht die Währungsreform den ersten kritischen Punkt, an dem über die weitere Vorgehensweise entschieden werden muss. Zu den größten Schwierigkeiten gehört dabei die Reformierung der Staatsunternehmen, die derzeit noch größtenteils am Subventionstropf des Staates hängen. Sie verrechnen intern beide Währungen 1:1, was ihre Importe vergünstigt und gleichzeitig Exportanreize mindert. Bei einer schlagartigen Umstellung würden sie allerdings womöglich nicht mehr in der Lage sein, die Gehälter ihrer Angestellten zu bezahlen. Auch eine Neubewertung des Anlagevermögens steht den Betrieben bevor, was zahlreiche schmerzlichen Mängel und Defizite offenlegen wird die derzeit noch erfolgreich kaschiert werden können.

Die Grenzen des bisherigen Modells wurden neulich von Ulises Guilarte, Vorsitzender des kubanischen Gewerkschaftsbundes (CTC), an einem konkreten Beispiel anschaulich illustriert: Die Managerin eines Staatsbetriebes benötigte einen 50.000 US$-Kredit zum Import einer Maschine für die Keksproduktion in der Tourismusindustrie. Da ihr der direkte Weg zu einer kubanischen Bank versperrt blieb, stellte sie eine Anfrage beim zuständigen Ministerium. Aufgrund von Budgetengpässen wurde ihr allerdings nicht entsprochen – währenddessen gab das Land 1 Millionen US$ für den Import ausländischer Kekse aus.
Um mit diesen Absurditäten Schluss zu machen, sollen die Staatsunternehmen ab diesem Jahr rekapitalisiert werden, dürfen 50 Prozent der Nettoeinnahmen behalten und erhalten mehr Autonomie bei der Unternehmensführung.

Keine Schocktherapie, sondern graduelle Reform

Ein weiterer wichtiger Schritt der Unternehmensreform ist die Übertragung der Planungshoheit von den Ministerien auf die zentrale Unternehmensaufsicht (OSDE). Hinzu kommt eine schrittweise Abwertung des Peso für die Unternehmen, so dass der Wechselkurs für diese statt 1:1 nun 5:1 oder 10:1 (CUP in CUC) beträgt. Dies verteuert die Importe für die Betriebe, vergrößert aber gleichzeitig ihre Exporteinnahmen. Auch die Zuckerindustrie arbeitet bereits seit einigen Jahren mit verschiedenen Wechselkursen: 12:1 für Exporte, 7:1 für Importe und 4:1 für Ölimporte aus Venezuela. 2015 sollen die Ergebnisse der Reform evaluiert und anschließend in ein allgemeines Gesetz gegossen werden. Während profitable Unternehmen von den neuen Wechselkurse profitieren werden, stellen sie für unrentable Betriebe eine zusätzliche Bürde dar, da sich die Lohnsumme drastisch erhöhen wird – vielen von ihnen droht die Fusion, einigen sogar die Schließung. Ausländische Investitionen sollen diese Effekte abschwächen, indem neue, produktive Arbeitsplätze geschaffen werden. Derzeit werden 70% der Gewinne von nur 4% der Unternehmen erwirtschaftet – die meisten davon Joint-Ventures.

Mit der Einführung des Peso als Zahlungsmittel in den Devisenläden wird der Beginn der Währungsreform nun erstmals auch für die Masse der Bevölkerung sichtbar, in naher Zukunft soll die Produktpalette für Waren in Peso deutlich ausgeweitet werden. Dabei ist eine langsame Annährung beider Währungen das Ziel, von „Schocktherapien“ wie in Argentinien oder Brasilien will man in Havanna nichts wissen. Die Ergebnisse anderer Währungsreformen hat man deshalb sorgsam studiert, um mögliche Fehler zu vermeiden. Während der Peso für die Staatsbetriebe abgewertet wird, steht für die Bevölkerung eine Aufwertung als Zwischenschritt bevor – um sich dann in der Mitte zu treffen. Diese Aufwertung soll rechtzeitig angekündigt werden, der genaue Zeitpunkt ist jedoch unklar. Sicher ist, dass es einen „Tag X“ geben wird, an dem der CUC endgültig aus der Zirkulation verschwinden wird. Nach Einschätzung einiger kubanischer Ökonomen könnte dieses Datum frühestens – aber nicht unwahrscheinlich – der 1. Januar 2016 sein. Bis dahin wird der Peso noch in vielen weiteren Bereichen der Wirtschaft Fuß gefasst haben.

 

36727-fotografia-g

„In diesem Einkaufszentrum wird nationale Währung akzeptiert“, Hinweisschild am Eingang von „La Copa“ in Havanna (Quelle: Juventud Rebelde).