110 neue Müllautos für Havanna

Havannas Kommunaldienste wollen sich anlässlich des anstehenden Stadtjubiläums neu aufstellen (Quelle: Cubadebate)

Wie kubanische Medien berichten ist am Samstag die dritte und vorerst letzte Lieferung neuer Müllautos in Havanna eingetroffen. Anlässlich des kommenden 500. Gründungsjubiläums der kubanischen Hauptstadt am 16. November soll die karibische Metropole eine neue Abfallwirtschaft erhalten. Hilfe erhält sie hierfür aus Japan, Österreich und China.

Weiterlesen

Werbeanzeigen

Müllentsorgung in Havanna: Mission impossible?

Ab dem Spätsommer sollen 100 neue Müllautos aus Japan zusammen mit 12.000 zusätzlichen Containern für mehr Sauberkeit in Havanna sorgen (Quelle: Tribuna)

Seit vielen Jahren schon ist es der Traum der Habaneros, wie die Einwohner der kubanischen Hauptstadt genannt werden, endlich über eine funktionierende Abfallwirtschaft zu verfügen. Noch immer laben sich Katzen und Hunde an Essensresten entlang der Straßen, überfüllte Container liegen umgekippt neben provisorischen Müllhalden mitten im Wohngebiet – weil es bisher keine richtige Müllabfuhr gibt und die Abfälle eher „stoßweise“ von LKWs weggeräumt werden. Doch an diesem Zustand könnte sich bald etwas ändern. Gelingt die „Mission impossible“, wie sie die Lokalzeitungen „Tribuna“ nennt, und erhält Havanna in diesem Jahr eine Müllabfuhr?

Weiterlesen

Kuba im Fokus der Investoren

NYMariel

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo (3. von links) in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Voice of America)

Zahlreiche internationale Handelsdelegationen waren in den vergangenen Wochen in Kuba zu Gast. Vor allem Russland, Spanien, Großbritannien und Japan wollen die Zusammenarbeit mit der sozialistischen Insel in den kommenden Jahren massiv ausbauen – aber auch Unternehmer aus den USA möchten nicht länger außen vor bleiben. Gut ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) scheinen die ausländischen Investoren in großer Zahl nach Kuba zurückzukehren.

Delegationen aus New York und Texas zu Gast in Havanna

Ende April stattete der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, der Insel einen Besuch ab. Begleitet wurde er von 20 amerikanischen Unternehmern, darunter Vertreter von Mastercard, der Fluggesellschaft JetBlue sowie des Pharmakonzerns Pfitzer. Trotz der weiterhin bestehenden US-Blockade konnten bereits erste Geschäftsabschlüsse verkündet werden. So will das New Yorker Roswell Park Cancer Institute zusammen mit dem kubanischen Zentrum für Molekularimmonulogie (CIM) einen Impfstoff gegen Lungenkrebs entwickeln, der auch in den USA zum Einsatz kommen soll.

Die amerikanische Softwarefirma Infor schloss einen Vertrag mit dem kubanischen Informatikunternehmen Desoft ab, der den Aufbau einer Medizindatenbank zum Ziel hat. Zudem will Infor die kubanischen Universitäten mit Fortbildungskursen und neuer Software ausstatten. „Wir waren vom Stand ihrer Gesundheitstechnologie überrascht und beeindruckt“, kommentierte der Infor-Geschäftsführer, Charles Philipps, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch eine texanische Unternehmerdelegation war Ende April in Havanna zu Gast, allerdings ging es für die Südstaatler zunächst vor allem um Informationen, konkrete Verträge wurden nicht abgeschlossen. Texas exportiert jährlich Lebensmittel im Wert von ca. 25 Mio. US$ nach Kuba. Kurz nach der Rückkehr der Handelsdelegationen, genehmigten die amerikanischen Behörden zum ersten Mal seit 1959 die Aufnahme von regulären Fährverbindungen nach Kuba.

Großbritannien will Golfplatz bei Varadero errichten

Fast zeitgleich mit den Amerikanern war auch eine Geschäftsdelegation in Vertretung von 32 britischen Unternehmern in Kuba, wobei Verträge im Wert von über 400 Millionen US$ unterzeichnet wurden. „Es war eine sehr erfolgreiche Mission, ich denke es gibt gute Möglichkeiten in Kuba“, kommentierte der Leiter der Delegation, Lord Hutton. Während ihres dreitägigen Besuchs trafen die britischen Unternehmer unter anderem auf Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca, sowie den Minister für Energie und Bergbau, Alfredo Lopez.

Die britische Firma Esencia Hotels gab indes bekannt, einen Golfplatz mit zugehörigem Luxusresort in Kuba errichten zu wollen. Das Projekt soll bei Varadero, etwa 140 Kilometer östlich von Havanna, entstehen und 350 Millionen US-Dollar kosten. Allein in diesem Jahr besuchten bereits über 40.000 britische Touristen die Insel, womit das Vereinigte Königreich nach Deutschland und Frankreich an dritter Stelle des europäischen Besucheraufkommens steht.

Kuba als neues Zentrum für russische Technik in Amerika

cabrisas-lavrov1-685x342

Treffen der russisch-kubanischen Geschäftsdelegation am 23. April in Kazan (Quelle: Progreso Weekly)

In Kazan, der Hauptstadt der russischen Republik Tatarstan, trafen am 23. April Vertreter von Russland und Kuba zusammen, um die gemeinsame Entwicklungsstrategie bis 2020 zu besprechen. Russland will sich unter anderem bei der Modernisierung der kubanischen Streitkräfte einbringen und die Insel mit Ansat-Leichthubschraubern versorgen. Der Hersteller Kazan Helicopters will in Kuba zudem ein Servicezentrum für den Export nach Lateinamerika errichten.

Die russischen Vertreter bestätigten, Kuba weiterhin mit Kamaz-LKWs sowie Baufahrzeugen und Zügen zu versorgen, wobei auch in diesem Bereich die sozialistische Insel zu einer Service- und Distributionszentrale für den amerikanischen Kontinent ausgebaut werden soll. Kuba wiederum plant den Export von pharmazeutischen Produkten in die Russische Föderation. Neben der weiteren Zusammenarbeit beim Transportsektor, der Industrie und der Energieversorgung wurde auch die Eröffnung einer GLONASS-Bodenstation in Kuba besprochen.

Nach Angaben des kubanischen Wirtschaftsministeriums benötigt Kuba jährlich mindestens 2 Milliarden US$ an ausländischen Direktinvestitionen, um die Wirtschaftsreformen umzusetzen und das geplante Wachstumsziel von 5 bis 7 Prozent pro Jahr zu erreichen. Insbesondere der Sonderwirtschaftszone von Mariel kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Nach unbestätigten Angaben aus Ministeriumskreisen stehen dort bereits über 100 Projekte kurz vor der Umsetzung.

Fidel Castro trifft Japans Außenminister

Fidel Castro und Fumio Kishida

Fidel Castro und Fumio Kishida (Quelle: EFE)

Havanna. Japans Außenminister Fumio Kishida ist im Rahmen eines Arbeitsbesuchs in Kuba auch mit dem ehemaligen Staats- und Regierungschef Fidel Castro zusammengekommen. Zuvor hatte er sich mit dem amtierenden Präsidenten Raúl Castro getroffen. Der erste Besuch eines japanischen Außenministers in Kuba endete am Sonntag.

Nach Angaben der kubanischen Tageszeitung Juventud Rebelde war Kishido am Samstagnachmittag in Fidel Castros Privathaus im Osten der Hauptstadt Havanna zu Gast. Japans Chefdiplomat war am Mittwoch zu einem mehrtägigen Besuch in Kuba eingetroffen. Zuvor war er in den USA, wo er unter anderem vor dem Kongress in Washington eine Rede hielt. In beiden Staaten wurde Kishido von rund zwei Dutzend Unternehmern begleitet, vor allem aus der Automobilindustrie und dem Finanzsektor.

Das Interesse Japans an Kuba hängt auch mit der Annäherung zwischen den USA und dem sozialistischen Inselstaat zusammen. „Der Fortschritt in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba ist sehr wichtig“, sagte Ken Okinawa, der Pressesprecher des japanischen Außenministers. Der Delegation gehe es darum, in der neuen Situation die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Kuba voranzubringen.

Nach Berichten internationaler Medien sind japanische Industrieunternehmen vor allem an Investitionen in die Nickel- und Kobaltförderung in Kuba interessiert. Auch der Tourismus scheint für Japan ein interessantes Investitionsfeld zu sein.

von Christian Kliver / Amerika21