Kuba begeht 91. Geburtstag Fidel Castros mit neuem Museum

Das „Museum der Anklage“ wurde am 13. August in Anwesenheit von Kubas erstem Vizepräsident sowie Vertretern des Innenministeriums feierlich eröffnet (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Am vergangen Sonntag, dem 13. August ist auf Kuba des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro (1926 – 2016) an dessen 91. Geburtstag gedacht worden. Bereits im Vorfeld fanden auf der Insel Gedenkveranstaltungen zahlreicher Massenorganisationen statt. Viele Menschen legten Blumen an Castros Grabstätte nieder. Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel nahm an der Einweihung eines neuen Museums über terroristische Angriffe gegen Kuba sowie bei der Wiedereröffnung wichtiger Sportstätten in Havanna teil.

Das „Museo de la Denuncia“ (Museum der Anklage) wurde am 13. August in Anwesenheit von Kubas erstem Vizepräsidenten sowie Vertretern des Innenministeriums feierlich eröffnet. Es befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Museums des Ministeriums des Innern, das seit 2011 zu dem neuen Komplex umgebaut wurde. Es soll die zahlreichen terroristischen Angriffe gegen Kuba dokumentieren, die seit Beginn der Revolution im Januar 1959 gegen das sozialistische Land vor allem von Seiten der USA durchgeführt wurden. Auch ein Schlauchboot ist ausgestellt, eines von vielen mit dem Kubaner in mehreren Migrationswellen das Land unter dem Anreiz von US-Visa-Vergünstigungen verließen, was häufig zu Todesfällen auf hoher See geführt hat. Das Museum legt besonderen Wert auf Interaktivität und moderne Präsentationsformen, wobei verstärkt digitale Medien zum Einsatz kommen. Auch ein Internethotspot ist Teil des Gedenkkomplexes.

Das frisch sanierte Hallenschwimmbad der „Villa Panamericana“ in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Ebenfalls wiedereröffnet wurden zahlreiche Gebäude der „Villa Panamericana“, des eigens für die Panamerikanischen Spiele 1991 eingerichteten Sportkomplexes in Havannas Außenbezirk Cojímar. Viele der Gebäude sind stark abgenutzt und teilweise seit vielen Jahren geschlossen. Unter anderem wurden das Hallenschwimmbad „Baraguá“, ein saniertes Kampfsportzentrum sowie neue Unterkünfte für den olympischen Kader eingeweiht. In den Folgetagen kam noch die Einweihung der sanierten nationalen Segelschule hinzu.

Bereits in den Wochen vor dem Jubiläum wurden zahlreiche staatliche Restaurants und Freizeiteinrichtungen in Havannas Lenin-Park zu Ehren des „Comandante en jefe“ wieder eröffnet.

Präsident Raúl Castro legte am Montag Blumen an den Gräbern seines Bruders und des kubanischen Nationalhelden José Martí auf dem Friedhof Santa Ifigenia in Santiago de Cuba nieder. Dabei wurde er vom ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Provinz, Lázaro Expósito Canto, begleitet.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Werbeanzeigen

Tamara Bunke in Kuba – die Geschichte einer Ausstellung

IMG_1783crop

Fernando Gónzalez bei der Eröffnung der Austellung in Santa Clara

11 Uhr Morgens in Santa Clara. Ungeachtet der sengenden Hitze fanden sich dutzende Menschen an den Pforten des Che-Guevara Mausoleums ein, um der Eröffnungszeremonie für die neue Tamara-Bunke Ausstellung beizuwohnen. Prof. Dr. Oliver Rump hat zusammen mit seinem Seminarkurs für Museologie an der Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) in Berlin binnen drei Jahren das Projekt vorbereitet. Begleitet wurde die Ausstellung von Fernando Gónzalez von den »Cuban Five«, der zusammen mit Oliver Rump die Exposition eröffnete.

Ein Leben für die Revolution

Die verbliebenen Habseligkeiten der deutsch-argentinischen Guerillakämpferin Tamara Bunke wurden von Rump und seinem Team gesammelt, archiviert, dokumentiert und sorgfältig digitalisiert. Tamaras noch lebende Freundin Elisabeth, die bei der Eröffnung eine sichtlich gerührte Rede hielt, stimmte anschließend zu, den Nachlass Tamara Bunkes nach Kuba zu überführen. »Weil es hier sicher ist«, wie sie sagt. Die Kubaner wiederum begrüßten die deutsche Initiative, welche unter anderem von der Solidaritätsaktion »Cuba Sí« getragen wurde, schließlich gilt »Tania« in Kuba als Nationalheldin.

Tamara Bunke wurde am 19. November 1937 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Ihre Familie siedelte 1952 in die DDR über, wo sie sich rasch für die beginnende kubanische Revolution begeisterte. 1960 traf Tamara erstmals auf Che Guevara und zog nach Kuba, um dort ein Journalistik-Studium zu beginnen. Zusammen mit Che ging sie wenig später nach Bolivien, wo sie am 31. August 1967 erschossen wurde. Obwohl sie nicht zu den »klassischen« Helden der deutschen Arbeiterbewegung zählte, trugen bis 1989 über 200 Einrichtungen der DDR ihren Namen.

Schwierige Bedingungen in Deutschland

IMG_1778crop

Prof. Oliver Rump von der HTW in Berlin

Angesichts dieses Hintergrundes verwundert es kaum, dass sich die Vorbereitung der Ausstellung in der Bundesrepublik keineswegs als einfach erwies. Oliver Rump wurde von politischen Parteien wie der AfD in Deutschland angefeindet und konnte keinerlei universitäre Mittel zur Finanzierung beanspruchen. »Man muss sich ja rechtfertigen, wenn man zu so einem Thema forscht«, meint Rump.

Doch was bietet die Ausstellung neues gegenüber der bereits erschienenen Literatur? Die deutsche Schwesterausstellung wurde bereits im Juli dieses Jahres an der HTW eröffnet, beide sind laut Rump Arbeiten die mit geläufigen sexistischen Klischees und Stereotypen aufräumen und sich stark an den Fakten orientieren. Auch wenn keine gänzlich neuen Erkenntnisse gewonnen werden konnten führten die zahlreichen geführten Interviews mit Zeitzeugen doch zu einer Vertiefung des Erkenntnisstandes über Tamara Bunke.

Fazit

Im Unterschied zur kubanischen Ausstellung wurde die Frage nach einer Affäre mit Che Guevara jedoch offen gelassen. In Santa Clara ist über dieses Thema nichts zu lesen, da man sich in dieser Hinsicht mit den kubanischen Kollegen nicht habe einigen können, meint Oliver Rump. Diese hätten gerne eine Beziehung zwischen dem Argentinier und der deutschen Guerillera gesehen, die laut Rump aber nicht beweisbar ist. Am Ende einigte man sich darauf, das Thema außen vor zu lassen.

Insgesamt überzeugt die Tamara-Bunke Ausstellung mit soliden Informationen, detailreichen Exponaten und multimedialer Aufbereitung durch deutschsprachige Radiobeiträge. Sie stellt eine zeitgemäße Bereicherung für die manchmal etwas eintönige kubanische Museumslandschaft dar und beweist vor allem, dass Kooperation in Wissenschaft und Forschung auch über Länder- und Systemgrenzen hinweg möglich ist. Jedem Kubareisenden sei daher an dieser Stelle ein Besuch der Ausstellung in Santa Clara ans Herz gelegt – Eintritt kostenfrei.


Eine Frage an…    Fernando Gónzalez

Im Rahmen der Eröffnung der Tamara-Bunke-Ausstellung in Santa Clara trafen wir auch auf den Helden der Republik Kubas, Fernando Gónzalez. Er wurde bereits am 27. Februar 2014, noch vor dem Deal zwischen US-Präsident Obama und Raúl Castro aus der US-Haft entlassen und arbeitet nun als Vizepräsident des kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft (ICAP). Freundlicherweise erklärte er sich bereit, eine Frage unseres Projekts an ihn zu beantworten:

Welche Bedeutung hat für Dich der Austausch zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Kuba?

Ich bin der Meinung, dass der Austausch zwischen jungen Menschen zweier Länder von großer Bedeutung ist. Die heutige Welt ist globalisiert, die Kommunikation findet weltweit statt und die Tatsache, dass junge Menschen verschiedener Länder sich austauschen können ist von größter Wichtigkeit.
Wir bauen in Kuba seit über 55 Jahren ein sozialistisches Projekt auf, das nicht objektiv betrachtet wird. Ich finde es sehr wichtig, dass die deutsche Jugend nach Kuba kommt, die kubanische Realität mit eigenen Augen erlebt, damit sie sich durch persönliche Erfahrungen ein eigenes Bild machen und auch die kubanische Jugend die Erfahrungen aus anderen Ländern mit erleben kann. Man kann von diesem Austausch nur profitieren und wir müssen dies zu einem Ansporn werden lassen.

von Marcel Kunzmann, berichteaushavanna