Russland hilft Kuba bei der Ölförderung und plant neuen Flughafen

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Kubanische Ölfelder im Norden der Provinz Matanzas (Quelle: TheCubanEconomy)

Russische und kubanische Spezialisten arbeiten derzeit an der Modernisierung alter Ölpumpen, um die kubanische Erdölproduktion mit neuer Technik zu verbessern. Im Rahmen eines 2014 geschlossenen Vertrags zwischen der kubanischen Ölgesellschaft CUPET und dem russischen Staatsunternehmen Zarubezhneft, könnte die kubanische Erdölproduktion um bis zu 25.000 Barrel pro Tag gesteigert werden. Gleichzeitig sind russische Unternehmen auf der Suche nach Investoren für einen geplanten Flughafen in der Provinz Artemisa.

Thermische Methode verspricht schnelle Erfolge

Kuba verfügt über einige Ölfelder auf dem Festland und fördert heute ca. 50.000 Barrel pro Tag, was etwa 40 Prozent des Eigenbedarfs entspricht. Den Rest importiert das Land aus Venezuela im Austausch für medizinische Dienstleistungen. Aufgrund seiner schlechten Qualität kann das kubanische Erdöl nicht zu Benzin weiterverarbeitet werden, sondern wird vor allem zur Stromerzeugung sowie zur Herstellung von Zement und Asphalt genutzt.

Im Rahmen des Deals mit Zarubezhneft wird eine neue thermische Fördermethode angewandt, die auf Kuba erstmals zum Einsatz kommt. Sie hat die Senkung der Viskosität des Erdöls mit Hilfe von Wasserdampf zum Ziel, um so das Öl mit einer geringeren Dichte an die Oberfläche zu befördern. Die Technik wird derzeit in einem Testgebiet erprobt. „Im Moment benutzen wir sie um Ölquellen zu aktivieren, die bereits verbraucht waren“, sagte der Direkter der russischen Firma, Andrey Grebenev, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Methode würde Kuba „in kurzer Zeit“ neue Möglichkeiten für seine Ölindustrie eröffnen, meint der Branchenexpoerte Jorge Piñón, von der Universität Austin in Texas. Piñón schätzt, dass Kuba auf diese Weise seine tägliche Ölfördermenge um gut 50 Prozent auf 70.000 bis 75.000 Barrel steigern könnte. Auch die Erkundung der Ölreserven jenseits des Festlands steht auf der Agenda. Vier Offshore-Bohrversuche im Golf von Mexiko gingen in den letzten Jahren leer aus, allerdings ist Kuba an weiteren Bohrungen interessiert.

Russland plant neuen Flughafen für 200 Mio. US$

In Abu Dabi war der russische Handels- und Industrieminister Denis Manturov derweil auf der Suche nach möglichen Investitionspartnern für einen geplanten Flughafenneubau in der kubanischen Provinz Artemisa. „Wir sind tief in diese Verhandlungen eingestiegen“, sagte Manturov gegenüber einer Zeitung in den Emiraten. Kuba über mehrere internationale Flughäfen, der 1930 eröffnete „José Martí“ südlich der Hauptstadt ist die wichtigste Plattform für den Flugverkehr des Landes.

Der Neubau soll nur zehn Kilometer weiter südlich in der Stadt San Antonio de los Baños stattfinden, wo ein ehemaliger Militärflugplatz als Grundlage dient. Kuba will dort eine „große Drehscheibe für den Flugverkehr in Lateinamerika“ errichten, sagte Manturov. Der geplante Flughafen soll über die Schiene mit dem neu eröffneten Containerport von Mariel verbunden werden und ein eigenes Frachtterminal erhalten. Das Projekt wurde bereits beim Besuch Vladimir Putins in Havanna vergangenen Sommer angekündigt. Russland plant mindestens 200 Millionen US$ für den Neubau zu investieren.

Kuba setzt auf ausländische Investitionen in der Erdölindustrie

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Kuba will Ölvorkommen vor seiner Küste mithilfe internationaler Investitionen ausbeuten (Quelle: Granma)

Havanna. Die kubanische Erdölindustrie plant eine Öffnung für ausländische Investitionen in den zentralen und östlichen Meeresgebieten vor der Nordküste des Landes. Dies gab Rafael de Jesús Tenreyro Pérez, Chef der Forschungsgruppe des Verbandes CubaPetróleo (CUPET) auf einer Pressekonferenz unlängst bekannt. Gleichzeitig wurde die Teilnahme Kubas am 21. Welt-Erdöl-Kongress (World Petroleum Congress, WPC) angekündigt, der vom 14. bis zum 19. Juni dieses Jahres in Moskau stattfinden wird,

Wie der Leiter des Forschungsteams berichtete, werden die Bohrarbeiten in der kubanischen Wirtschaftszone im Golf von Mexiko weitergehen, wobei auch Tiefengewässer einbezogen werden. Bisher seien nur vier Bohrlöcher fertig gestellt worden: „Dabei ist es angebracht zu erklären, dass sich unsere gesamten Vorkommen im Meer befinden, die mittels horizontaler Bohrungen zu erreichen sind. Nun kommt es jedoch darauf an, darüber hinaus zu gehen“. Kuba verfüge über das erforderliche Potenzial, so Tenreyro Pérez.

Kuba nehme an dem Kongress teil, um etwas über neue Technologien zu lernen, die die Produktion steigern und zugleich geringere Auswirkungen auf die Umwelt haben. Außerdem sei davon auszugehen, dass sich im Zusammenhang mit einem neuen Auslandsinvestitionsgesetztes neue Geschäftsmöglichkeiten auf Kuba ergäben.

Der Geologe und Berater des Ministeriums für Energie und Bergbau, Manuel Marrero Faz, erklärte seinerseits, dies sei bereits das siebte Mal, dass Kuba an dieser Veranstaltung teilnehme, die als „Olympiade des Erdöls“ eingestuft werde. Die kubanische Delegation setze sich diesmal aus neun Mitgliedern zusammen. „Es wird eine Gelegenheit sein, bilaterale Gespräche mit Erdölfirmen aufzunehmen, ohne dabei irgendjemanden auszuschließen“, betonte Marrero.

Der Welt-Erdöl-Kongress wird alle drei Jahre veranstaltet. Parallel dazu findet eine Technologieausstellung statt, die einen breiten Fächer an Spezialgebieten wie Erkundung, Produktion und Raffinierung umfasst.

von Klaus E. Lehmann / Amerika21