Neue Zugverbindungen nehmen auf Kuba den Betrieb auf

Bis 2021 sollen 160 weitere Waggons aus China eintreffen, womit wieder mehrmals täglich Langstreckenverbindungen auf Kubas Schienen angeboten werden können (Quelle: Xinhua)

Entlang der Strecke warteten viele Kubaner schon sehnlichst auf das Eintreffen des neuen Zugs, der am Samstagnachmittag von Havanna aus seine erste reguläre Fahrt ins 835 Kilometer entfernte Santiago de Cuba begonnen hat. Binnen weniger Tage waren alle Tickets für die Jungfernfahrt ausverkauft. Kubas erster neuer Zugerwerb seit über 40 Jahren, welcher vollständig aus chinesischen Waggons besteht, soll den Transport auf der Insel drastisch verbessern helfen.

„Dank der freundschaftlichen Beziehungen mit China kann Kubas Transportwesen heute auf neue Zugverbindungen zählen“, sagte Vize-Transportministerin Marta Oramas gegenüber „Xinhua„. Nachdem vor einigen Wochen die erste Lieferung aus 80 fabrikneuen Passagierwaggons eingetroffen war, kann die Strecke zwischen Havanna und Santiago, welche bisher alle vier Tage mit 7 Waggons bedient wurde, heute wieder jeden zweiten Tag mit 12 Waggons angefahren werden. Die Transportkapazitäten entlang der Hauptstrecke werden damit verdreifacht. Auch die seit 2006 stillgelegte Verbindung Havanna – Holguín wurde am Sonntag wieder aufgenommen, ebenso die Verbindung nach Guantánamo, die wieder alle drei Tage stattfindet. In den Jahren 2020 und 2021 sollen je 80 weitere Waggons geliefert werden, womit sich die Frequenz auf allen Strecken weiter erhöhen wird. Auch Investitionen für Wartung und Ersatzteilbeschaffung sind vorgesehen. Kubas Eisenbahngesellschaft will die ersten fabrikneuen Waggons nach über 40 Jahren möglichst pfleglich behandeln.

Viele Kubaner ließen es sich nicht nehmen, den neuen Zug an ihrem Bahnhof persönlich zu begrüßen (Quelle: Cubadebate)

Die Züge der acht neuen interprovinziellen Linien bestehen aus 12 Waggons und bieten Platz für 720 Passagiere. Vier der Waggons sind klimatisiert und mit verstellbaren Sitzen sowie Bordentertainment ausgestattet, hinzu kommt ein Bistrowagen in jedem Zug. Wenige Tage nach Bekanntgabe der Preise und der Eröffnung des Vorverkaufs waren auf Kuba bereits alle Tickets ausverkauft. So kostet die Fahrt von Havanna nach Santiago in einem ventilatorgekühlten Waggon lediglich 70 Pesos (ca. 2,50 Euro), in der klimatisierten ersten Klasse 95 Pesos (3,50 Euro). Eine Mahlzeit samt Getränk im Bordbistro ist mit 20 Pesos (ca. 0,70 Euro) veranschlagt (beim Ticket der ersten Klasse inklusive). Die Preise sind entsprechend der Entfernung gestaffelt (0,08 Pesos pro Kilometer in der zweiten Klasse) und deutlich günstiger als im bisher dominierenden Busverkehr.

Mit 14 Stunden und 40 Minuten ist der Zug zudem knapp zwei Stunden schneller nach Santiago unterwegs als der Fernbus. In den kommenden Jahren soll sich die Fahrzeit mittels neuer Investitionen in das Streckennetz auf rund 10 Stunden verkürzen. Anders als bisher können Tickets für den neuen Zug 30 (statt fünf) Tage im Voraus gebucht werden. Bei Problemen oder Unpünktlichkeit darf der Betreiber „Unión de Ferrocariles de Cuba (UFC)“ jetzt Preisnachlässe geben. Darüber hinaus kann der Stand des Zugs mit einer eigens entwickelten App in Echtzeit, sowie auf Info-Monitoren in den größeren Stationen verfolgt werden. „Ich habe viel Erfahrung mit dieser Strecke, aber das was wir jetzt sehen, ist eine große Sache, die unseren Zugverkehr grundlegend verändern wird“, sagte eine kubanische Zugbegleiterin mit 34-jähriger Diensterfahrung gegenüber „Cubadebate“. Jetzt komme es darauf an, „gemeinsam gut auf die neuen Züge aufzupassen“, wie ein Leser kommentierte.

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Müllentsorgung in Havanna: Mission impossible?

Ab dem Spätsommer sollen 100 neue Müllautos aus Japan zusammen mit 12.000 zusätzlichen Containern für mehr Sauberkeit in Havanna sorgen (Quelle: Tribuna)

Seit vielen Jahren schon ist es der Traum der Habaneros, wie die Einwohner der kubanischen Hauptstadt genannt werden, endlich über eine funktionierende Abfallwirtschaft zu verfügen. Noch immer laben sich Katzen und Hunde an Essensresten entlang der Straßen, überfüllte Container liegen umgekippt neben provisorischen Müllhalden mitten im Wohngebiet – weil es bisher keine richtige Müllabfuhr gibt und die Abfälle eher „stoßweise“ von LKWs weggeräumt werden. Doch an diesem Zustand könnte sich bald etwas ändern. Gelingt die „Mission impossible“, wie sie die Lokalzeitungen „Tribuna“ nennt, und erhält Havanna in diesem Jahr eine Müllabfuhr?

Wie der Direktor von Havannas Kommunaldiensten, Onelio Ojeda López, erklärt, fallen in Kubas Hauptstadt jeden Tag 23.800 Kubikmeter Müll an, weggeräumt werden jedoch lediglich rund 19.000 Kubikmeter. Kein Wunder also, dass der Müll in der Stadt in den letzten Jahren gefühlt nicht weniger wurde. Immerhin: 90 Prozent der Haushalte werden mehr oder weniger regelmäßig mit Müllabfuhren versorgt, die täglich 10.500 m³ abholen. Doch all das reicht noch nicht, um der Situation Herr zu werden. So wie es jetzt läuft, kann bestenfalls der Status quo gehalten werden.

„Es ist unser aller Haus“ – mit neuen Schildern wollen die Behörden in Havanna für Bewusstsein beim Umgang mit Müll sorgen (Quelle: Tribuna)

Ab August könnte der Kampf gegen den Müll erstmals zu greifbaren Ergebnissen führen. Dann wird nämlich die letzte Lieferung aus 100  Müllautos eintreffen, welche von der japanischen Regierung anlässlich des 500. Gründungsjubiläums Havannas gestiftet wurden. Die ersten 24 Fahrzeuge sind bereits im Probeeinsatz, wobei noch die optimalen Operationsmodi für jeden Stadtteil gesucht werden. Auch mindestens eine neue Werkstatt pro Gemeinde soll eingerichtet werden, um im Fall der Fälle schnell Reifenwechsel und kleinere Reparaturen durchführen zu können, ohne die Müllentsorgung für Tage zu lähmen.

Mit den 100 neuen Müllautos sollen künftig „alle anfallenden Abfälle Havannas“ abgeholt werden können, wie die Lokalzeitung „Tribuna de La Habana“ berichtet. Doch dabei ist auch die Mithilfe der Bevölkerung gefragt. „Nicht selten werfen Anwohner, direkt nachdem wir den Müll abgeholt haben, wieder neue Säcke auf die Straße“, erklärt Ojeda. Deswegen werden ab sofort feste Zeiten eingeführt, in denen der Müll auf die Straße gestellt werden soll. Diese sind jeden Tag von 18 bis 22 Uhr. Blaue Schilder weisen in den Gemeinden auf die Neuerung hin, welche in die Kommunikationsstrategie für das Stadtjubiläum eingebunden ist.

In Havanna fehlen heute noch mindestens 12.000 Mülltonnen. Viele der vorhandenen sind in schlechtem Zustand und häufig Opfer von Vandalismus gepaart mit krimineller Energie (Quelle: Tribuna)

„Dennoch müssen wir auch die Qualitätsprobleme in unserer Arbeit sehen, die fehlende Kontrolle durch unsere Verantwortlichen in den Gemeinden“, mahnte Ojeda. Als erster Schritt wurden daher neue Weiterbildungen mit Unterstützung japanischer Ingenieure durchgeführt und das Personal insgesamt aufgestockt. Auch die regelmäßige Wartung der Müllautos gehört zum Plan. Zudem werden die bisher 18.000 Müllcontainer auf 30.000 aufgestockt, was dem berchneten Bedarf für die Stadt entspräche. Nicht selten werden diese jedoch geklaut und teilweise demontiert, die Rollen landen dann auf dem Schwarzmarkt. Um die neue Müllabfuhr nicht zu einem Strohfeuer werden zu lassen, ist deshalb auch die aktive Mithilfe und Achtsamkeit von Seiten der Bevölkerung unerlässlich. Deren Einbindung in das neue Abfallkonzept wird der Prüfstein für den langfristigen Erfolg der neuen Müllabfuhren sein.

EU will Wirtschaftskooperation mit Kuba intensivieren

EU-Kommisar Mimica zu Gast bei Kubas Präsident Díaz-Canel (Quelle: Cubadebate / Estudios Revolución)

Havanna. Die Europäische Union (EU) hat zugesagt, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Kuba angesichts der verschärften US-Sanktionen weiter auszubauen. Der EU-Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung, Neven Mimica, erklärte, die Union werde „weiterhin das Engagement Kubas für ein günstiges Investitionsumfeld für europäische Unternehmen unterstützen und gemeinsame Initiativen in hochkarätigen Sektoren für die Wirtschaft des Landes prüfen.“

Mimica nahm vergangene Woche mit hochrangigen kubanischen Beamten und mehr als 100 Geschäftsleuten am ersten Cuba Business Forum teil. Diese Initiative zielt darauf ab, der karibischen Nation mehr ausländisches Kapital zu bringen und aktuellen und zukünftigen Investoren Sicherheit zu bieten. Der hochrangige EU-Beamte hielt sich zu einem dreitägigen offiziellen Besuch in Kuba auf, um zu prüfen, wie die bilaterale Zusammenarbeit die nachhaltige Entwicklung Kubas und seine wirtschaftliche Modernisierung unterstützt. Dabei kündigte Mimica weitere vier Millionen Euro an, um „ein besonders günstiges Gelegenheitsfenster für Auslandsinvestitionen einzurichten“. Über 35 Prozent des Handels des Inselstaates werden nach offiziellen Angaben Kubas mit EU-Ländern abgewickelt, vor allem mit Spanien, Frankreich und Italien.

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Kuba-Tourismus weiterhin im Aufschwung

Bis Ende Mai konnte Kubas Tourismusministerium einen Anstieg der Besucherzahlen um knapp 6 Prozent vorweisen (Quelle: Eduardo Velazco Guart, CC)

Dieses Jahr könnte für den kubanischen Tourismus ein erfolgreiches sein. Nach Aussagen des kubanischen Tourismusministeriums sollen die Zahlen der touristischen Ankünfte in diesem Jahr die 5-Millionen-Marke überschreiten, bis Ende Mai nahmen konnten sie gegenüber dem Vorjahr um 5,9 Prozent zulegen. 2018 wurden 4,47 Millionen Besucher gezählt, darunter befanden sich 850.000 Kreuzfahrtreisende. Mit den anvisierten 5,1 Millionen Besuchern 2019 würde dies einem Wachstum von über sieben Prozent entsprechen.

Wird dieses Ziel erreicht, handelt es sich um das zwölfte Jahr infolge, in dem der Tourismus in Kuba steigt – trotz der jüngsten Verschärfungen der US-Blockade. Dem Tourismusministerium zufolge werden die Einnahmen aus dem Tourismus für 2019 auf über drei Milliarden Dollar geschätzt. Grund für die hohen Erwartungen an dieses Jahr soll unter anderem die verbesserte Tourismusinfrastruktur sein, mit mehr Auswahlmöglichkeiten im Hotelsektor, darunter sowohl niedrigpreisige Hostels als auch luxuriöse 5-Sterne-Optionen. Hinzukommend wird im November der 500. Geburtstag der Hauptstadt Havanna gefeiert, der zusätzliche Touristen in die karibische Perle locken sollte.

Mehr Auswahl und verbesserte Standards bei den Unterkünften

Ein wichtiger Aspekt, der bei den wachsenden Touristenzahlen in Kuba eine Rolle spielt, ist das steigende Angebot an Hotels und Unterkünften im Land. Erst kürzlich wurde in Havannas Stadtteil Vedado das erste staatliche Hostel des Landes eröffnet, welches Aussagen zufolge als Teil einer „ständigen Erneuerung des kubanischen Tourismus-Angebots“ zu sehen ist. Mit einem Hostel wird die Angebotsbreite in Kuba erweitert. So sollen zukünftig nicht nur die bisher beliebten Hotelanlagen zur Verfügung stehen, sondern auch Backpacker und Niedrigbudget-Reisende angesprochen werden. Mit Hostels werden die günstigen Unterkünfte erweitert, die bisher meist aus den sogenannten „Casas Particulares“ bestanden, die einer Art Home Stay entsprechen. Doch nicht nur in Richtung des Niedrigpreissegments entwickelt es sich, denn auch das Angebot höherpreisiger Einrichtungen soll steigen. Anlässlich des 500. Geburtstags von Havanna wurde kürzlich das 5-Sterne-Hotel Iberostar Grand Packard im Havanna-Stadtzentrum eröffnet, für Ende des Jahres oder Anfang 2020 ist zudem die Eröffnung des AccorHotels SO/ Havana Paseo del Prado, und somit das erste Haus der exklusiven Lifestyle-Marke SO/ Hotels & Resorts auf dem amerikanischen Kontinent vorgesehen. Neben diesen luxuriösen Einrichtungen sollen zehn weitere Hotels über das Jahr verteilt in der kubanischen Hauptstadt entstehen, die letztendlich insgesamt 1.121 zusätzliche Zimmer anbieten werden.

Höhere Auswahl privater Restaurants

Kubas Hauptstadt Havanna feiert dieses Jahr ihr 500. Jubiläum (Quelle: Augustin de Montesquiou, CC)

Nachdem es vor wenigen Jahren möglich wurde, auch als Privatunternehmer unter hohen Auflagen ein Restaurant zu führen, ist das Angebot gewachsen und hat sich seither deutlich verbessert. Während die staatlichen Restaurants weiterhin meist rein kubanische Küche servieren, lassen sich unter den privat geführten Restaurants sowohl lokale als auch internationale Gerichte finden. Die kubanische Küche ist von afrikanischen, asiatischen und europäischen Einflüssen geprägt, vor allem die Spanier haben hier ihren Beitrag geleistet. Neben typisch spanischen Suppen und Bohnen wird in Kuba in erster Linie Reis serviert, den man in Spanien vor allem aus der berühmten Paella kennt. Den Einfluss der Spanier findet man in zahlreichen Gerichten, doch auch rein europäische Restaurants sind inzwischen in der Hauptstadt vertreten. Darunter diverse Tapas Bars, die man sonst aus den Straßen von Barcelona, einer der beliebtesten und heißesten Poker-Destinationen Europas kennt, wo diese hinter jeder Ecke zu finden sind. Selbst Fine-Dining-Optionen haben sich in der Zwischenzeit in Kuba etabliert. Sogar Ex-Präsident Obama speiste im „San Cristóbal“ in einem der ältesten privaten Restaurants in Havanna. Neben hippen Sushibars und amerikanischen Burgerbuden bis hin zur italienischen Pizza und aufregenden Fusion-Küchen lässt sich in der Hauptstadt inzwischen eine große Auswahl internationaler Speisen finden. Diese Restaurants befinden sich in erster Linie in den Touristenzentren von Havanna, Viñales oder Trinidad, wo sie internationale Besucher besonders ansprechen.

Kuba setzt bereits seit einigen Jahren verstärkt auf den Tourismus. In diesem Jahr soll dies zur Feier des 500. Geburtstag der kubanischen Hauptstadt Havanna einen weiteren Höhenflug aufnehmen. Mit einer angepeilten Zahl von 5,1 Millionen Besuchern für 2019 steht dem Tourismus hierzulande Großes bevor. Mit zahlreichen neuen Hotels verschiedenster Preiskategorien und der wachsenden Auswahl hochwertiger und internationaler Restaurants soll das Tourismus-Angebot auf Kuba stetig wachsen und mehr Besucher auf die Karibikinsel locken.

Lohnreform verdoppelt die Gehälter in Kubas Staatssektor

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel im Gespräch mit Arbeitern im Staatssektor (Quelle: Granma)

Die lang ersehnte Neuigkeit erreichte die Kubaner gestern mit Vorankündigung: um 20 Uhr sollen in den Abendnachrichten Details zu „neuen Wirtschaftsmaßnahmen und der Lohnerhöhung im Staatssektor“ bekannt gegeben werden, kündigte Präsident Díaz-Canel am Freitagnachmittag auf Twitter an. Und die Nachricht ließ in der Tat aufhorchen: So soll sich der Durchschnittslohn der kubanischen Staatsangestellten auf 1.067 Pesos (ca. 40 Euro) erhöhen, was praktisch einer Verdopplung gleichkommt. Auch mehr als 1,2 Millionen Rentner werden von den neuen Maßnahmen profitieren, welche ab Juli in Kraft treten.

Wie Wirtschaftsminister Alejandro Gil erklärte, soll mit der Lohnreform „eine bessere Antwort auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft“ gegeben werden. „Es ist noch nicht die endgültige Lohnerhöhung, die wir haben werden, aber gemessen an den Umständen in denen wir uns befinden, ist sie durchaus signifikant“, sagte Präsident Díaz-Canel über die Reform, welche den rund 2,75 Millionen Kubanerinnen und Kubaner zu Gute kommt, die direkt für den Staat arbeiten – also Lehrer, Universitätsdozenten, Verwaltungs- und Kommunalangestellte, und Rentner, deren Einkommen schon seit Jahren hinter denen der staatlichen Industrie hinterherhinken. So lag der Durchschnittslohn von Lehrern und Kommunalangestellten zuletzt 2017 bei rund 530 Pesos (ca. 19 Euro). Ein Industriearbeiter hat hingegen im Schnitt gut 1.200 Pesos (ca. 50 Euro) verdient. Die Rente beträgt auf Kuba in der Regel 60 Prozent des letzten Gehalts.

Während sich die Löhne in der Industrie in den letzten Jahren im Zuge der Unternehmensreform durch die Entwicklung betrieblicher Lohnfonds deutlich verbessert haben, waren die Gehaltszuwächse im direkt aus dem Haushalt bezahlten Staatsapparat deutlich schmaler. Einzige Ausnahme bildet das Gesundheitswesen, welches 2014 einen kräftigen Gehaltsschub erhielt. Mit der jüngsten Lohnreform soll diese Lücke zwischen den Sektoren deutlich verkleinert werden. So wird der Mindestlohn im Staatssektor auf 400 Pesos angehoben, während der Durchschnittslohn der 1,47 Millionen Staatsangestellten auf 1.067 Pesos (ca. 40 Euro), und damit auf das Niveau der Industrie ansteigen soll. Ebenfalls profitieren werden 1,28 Millionen Rentner, deren Pension weniger als 500 Pesos beträgt deren Rente aufgestockt werden soll.

Zur Finanzierung dieser Maßnahmen werden im Staatshaushalt 7,7 Milliarden Pesos (ca. 282 Millionen Euro) bereitgestellt. Um die Nachhaltigkeit der Lohn- und Rentenentwicklung garantieren zu können, wird zusammen mit der Reform das im Jahr 2013 zunächst für den Privatsektor etablierte Steuer- und Sozialabgabesystem auf die Staatsangestellten ausgedehnt: so werden künftig für Löhne bis 500 Pesos Sätze von 2,5 Prozent, für Löhne darüber 5 Prozent fällig, erklärte Finanzministerin Meisi Bolaños Weiss. Wie die Tageszeitung „Granma“ berichtet, wird die Lohnreform von Maßnahmen zur Förderung „einer Kultur des Sparens, der Diversifizierung der Exporte, der Substituierung von Importen und zur Kontrolle der Inflation“ sowie weiteren neuen Policys flankiert. Die Details dieser Reformen sollen in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Erst vor wenigen Wochen gab Kubas Wirtschaftsminister Alejandro Gil bekannt, dass Kubas Planwirtschaft im kommenden Jahr stärker dezentralisiert werden soll.

Mit der Lohnreform läutet Kubas Regierung einen ersten, aber bedeutsamen Schritt hin zur spürbaren Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung im Rahmen des 2011 gestarteten Reformprozesses ein. Damit soll nicht zuletzt die „umgekehrte Lohnpyramide“, wonach die Einkommen mit steigender Verantwortung sinken, korrigiert werden. So verdient ein Universitätsprofessor ab Juli 1.700 Pesos (vorher ca. 500), das Einstiegsgehalt eines Journalisten hat sich von 385 auf 1.100 Pesos erhöht und liegt ebenfalls über dem neuen Durchschnitt. Gleichzeitig ist die Maßnahme eine wichtige Voraussetzung für die anstehende Währungsreform, welche das System der Doppelwährung in den kommenden Jahren überwinden und die Devisenwährung CUC abschaffen soll. Möglich wurde der Schritt trotz der schwierigen externen Situation im Kontext der jüngsten Verschärfung der US-Blockade vor allem aufgrund der schrittweisen Reform der staatlichen Industrie in den letzten Jahren, welche ab 2020 weiter vertieft werden soll.

Kuba erlaubt mit neuem Gesetz freie Filmschaffende

Ab dem 24. September dürfen Kubas Filmschaffende auf eigene Rechnung arbeiten und Verträge abschließen (Quelle: Cubadebate)

Mit dem am Donnerstag veröffentlichten „Decreto Ley 373“ hat Kubas Regierung jüngst die Tätigkeit von freien Filmschaffenden als neue Option der „Arbeit auf eigene Rechnung“ eingeführt. Hierzu werden drei neue Berufskategorien in die Liste der erlaubten Berufe des Privatsektors aufgenommen, wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ meldet. Die unabhängigen Produzenten können künftig sowohl von kubanischen als auch durch ausländische Unternehmen unter Vertrag genommen werden.

„Auf diesem Weg wollen wir den Künstlern einen legalen Raum schaffen und ihre Arbeit anerkennen“, erklärte der Präsident des kubanischen Instituts für Kino und Filmindustrie (ICAIC), Ramón Samada, gegenüber dem Portal. Diese werden zudem aufgefordert, ihre Verträge über Bankkonten zu unterhalten sowie sich beim Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit (MTSS) eine der drei neuen Lizenzen zu besorgen: Neben dem weit gefassten „Betreiber und Vermieter von Equipment für die künstlerische Produktion“ und dem Casting-Agent kam auch der Beruf des Produzenten und Hilfskraft beim Film hinzu.

Darüber hinaus sieht das neue Gesetz, welches die Wiederbelebung der kubanischen Filmproduktion zum Ziel hat, die Schaffung eines Fonds zur Entwicklung des kubanischen Kinos sowie eines Registers für unabhängige Filmschaffende vor. Dem ICAIC wird weiterhin die zentrale Aufsicht über die kubanische Filmbranche vorkommen, neu ist jedoch, dass natürliche und juristische Personen, auch außerhalb Kubas, die unabhängigen Filmcrews unter Vertrag nehmen dürfen. Die Legalisierung unabhängiger Filmproduzenten wurde auf Kuba seit dem Jahr 2013 diskutiert, als eine Reihe neu entstandener privater Kinos wieder geschlossen wurden. „Die neuen Gesetze werden binnen 60 Tagen, also am 24. September in Kraft treten“, bestätigte ICAIC-Präsident Samada.

Unión Eléctrica: stabile Stromversorgung im Sommer gewährleistet

Kuba generiert rund 90 Prozent seiner elektrischen Energie aus fossilen Brennstoffen, plant jedoch in den kommenden Jahren den Anteil der erneuerbaren Auszubauen (Quelle: Cubadebate)

Wie Kubas staatlicher Stromversorger Unión Eléctrica (UNE) bekannt gab, wird es diesen Sommer auf der Insel trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation keine Stromabschaltungen geben. „Dennoch rufen wir die Bevölkerung zum Sparen auf“, erklärte UNE-Vertreterin Elaine Moreno Carnet im kubanischen Fernsehen. Der Sommer ist auf Kuba die Jahreszeit mit dem höchsten Stromverbrauch, da die Klimaanlagen dann auf Hochtouren laufen.

„Es können natürlich Ausfälle aufgrund unvorhergesehener Katastrophen wie Gewitter und Naturereignissen auftreten, jedoch nicht aufgrund fehlender Stromproduktion“, so Moreno Carnet. Man sei auf die verbrauchsintensiven Sommermonate gut vorbereitet. Kubas Stromversorgung basiert zu rund 90 Prozent auf der Verbrennung von Schweröl und Diesel. Aufgrund zurückgehender Öllieferungen aus Venezuela musste das Land zuletzt im Somer 2016 zeitweise den Stromverbrauch im öffentlichen Sektor einschränken, Privathaushalte waren jedoch auch damals nicht betroffen.

Die Einsparmaßnahmen riefen damals bei vielen Kubanern Erinnerungen an die im wahrsten Sinne des Wortes dunklen Tage der Sonderperiode Anfang der 1990er Jahre hervor, als nach dem Wegfall des Handels mit der Sowjetunion die Stromversorgung teilweise nur noch für wenige Stunden am Tag gewährleistet werden konnte. In einem tropischen Land wie Kuba bedeutet das natürlich starke Einschränkungen für die Bevölkerung, nicht zuletzt auch mit Blick auf die Lagerung von Lebensmitteln.

Doch eine Rückkehr in diese Zeiten scheint derzeit erstmal ausgeschlossen. Erst vor wenigen Tagen meldete die Unión Eléctrica einen Allzeit-Rekord bei der Stromerzeugung, der 4 Prozent über dem geplanten Wert für diesen Frühsommer lag.  „Wir haben ein neues Programm zur Überwachung des Stromverbrauchs entwickelt, aber appellieren weiter an die Bevölkerung, sparsam mit der Energie umzugehen“, erklärte Moreno Carnet. 56 Prozent der elektrischen Energie auf Kuba wird von den Privathaushalten verbraucht. Bis zum Jahr 2030 will Kuba rund ein Drittel des elektrischen Stroms mittels erneuerbarer Energien produzieren, um die Abhängigkeit von importierten Energieträgern zu reduzieren.