Präsident Díaz-Canel sagt Korruption den Kampf an

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel (links) bei der ersten Sitzung des Ministerrats seit seiner Wahl am 26. April 2018 (Quelle: Granma)

Havanna. Kubas Ministerrat hat sich unlängst zu seiner ersten Sitzung seit der Wahl des neuen Präsidenten Miguel Díaz-Canel am 19. April getroffen. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung im ersten Quartal dieses Jahres wurden dabei vor allem Probleme im Zusammenhang mit der Kontrolle von Wirtschaft und Finanzen behandelt. So war neben den anhaltenden Unregelmäßigkeiten im Außenhandel und den offenen Rechnungen der Staatsbetriebe auch der Prüfungsbericht des nationalen Rechnungshofs Thema der Sitzung.

Kubas Wirtschaft hat sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres offenbar zufriedenstellend entwickelt, wie die staatliche Tageszeitung Granma berichtet. Produktionszweige die zuletzt Probleme machten, beispielsweise bei der Herstellung von Hygiene- und Kosmetikprodukten, haben sich stabilisiert. Der laufende Investitionsplan des Landes konnte bisher zu 90 Prozent erfüllt werden, allerdings gebe es weiterhin Probleme aufgrund zu geringer Importe und der Abwanderung von Bauarbeitern in andere Sektoren der Wirtschaft.

Wie Kubas Vizeminister für Wirtschaftsplanung, Alejandro Gil Fernández, erklärt, würden „die Probleme bei der Verfügbarkeit von Devisen aufgrund nicht erfüllter Exporte und Schwierigkeiten bei der Treibstoffversorgung“ weiter andauern. Probleme gibt es demnach auch bei den offenen Rechnungen der Staatsbetriebe und der Einhaltung der Verträge. Präsident Miguel Díaz-Canel forderte „mehr Genauigkeit“ bei der Überprüfung der Betriebe sowohl auf Ebene des Ministerrats, als auch bei den lokalen Verwaltungen.

Gegenstand der Sitzung war ebenfalls der Bericht des nationalen Rechnungshofs über die Wirtschaftsprüfungen im letzten Jahr. Insbesondere beim Außenhandel habe es „Unregelmäßigkeiten“ gegeben, die finanzielle Verluste für das Land mit sich gebracht hätten. Díaz-Canel mahnte an, „nachhaltige Ordnung“ in die Vertrags- und Finanzbeziehungen der Betriebe zu bringen. Sanktionen seien bereits in die Wege geleitet worden. Laut Einschätzung des ehemaligen BBC-Korrespondenten Fernando Ravsberg könne die Behandlung zahlreicher Themen, welche direkt mit dem Kampf gegen die Korruption in Verbindung stehen als „Signal für die Prioritäten dieser Regierung“ gewertet werden.

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Havannas Taxifahrer im Streik

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Sammeltaxi in Havanna (Quelle: Havana Times)

Dieser Tage werden wir Zeuge eines Machtkampfs zwischen den Regierungsautoritäten und privaten Sammeltaxifahrern in Havanna. Die Regierung will eine gewisse Order in Kraft setzen, was einen lautlosen Streik provoziert hat. Ohne Poster und Reden, aber sehr effektiv laut dem was wir auf der Straße sehen.

„Ich habe zwei Stunden in Vibora (Stadtteil) auf ein Auto gewartet und konnte nicht ein einziges anhalten. Jedes Mal wenn die Regierung eine neue Resolution gegen private Taxifahrer ausgibt sind es wir Kubaner ohne Auto die den Preis bezahlen müssen“, sagte mir ein genervter Arbeiter.

Die lokale Regierung hat jüngst Preise und Routen für private Taxifahrer eingeführt, die meisten von ihnen fahren alte Autos aus den 1950er Jahren die mit modernen Dieselmotoren ausgestattet sind, da dies der billigste Treibstoff auf dem Schwarzmarkt ist.

Vor einigen Monaten wurden sie angewiesen die Preise zu senken. Die Antwort der Fahrer war es, ihre Routen um die Hälfte abzukürzen so dass sie weiterhin gleich viel Geld verdienen konnten. Es waren vor allem die Fahrgäste die beeinträchtigt wurden, indem sie gezwungen waren das Taxi auf halbem Wege zu wechseln.

Jetzt hat ihnen die Regierung neue Preise zusammen mit Routen auferlegt, um zu verhindern dass sie die Maßnahme umgehen. Die Bürger wurden aufgefordert Fahrer zu melden, die gegen die Regeln verstoßen, die dann mindestens ein Bußgeld bezahlen müssen, ihre Lizenz oder sogar ihr Auto verlieren können.

Die Antwort der Taxifahrer war es jetzt diesen Streik zu starten, der die Anzahl der Autos auf den Straßen drastisch reduziert hat und damit Unzufriedenheit bei der Bevölkerung provoziert. Als wäre das nicht schon merkwürdig genug hört man vor allem von Fahrgästen Klagen über die Provinzregierung, weniger von den Fahrern selbst.

Am Ende des Tages sind die Leute irgendwo weise, denn die Regierung hat sich als unfähig erwiesen ihre eigenen Ziele zu erfüllen und es sind die normalen Kubaner die Leiden, denn privater Transport wurde mittlerweile zur Notwendigkeit.

Es gibt manche Extremisten die hier und da erschienen sind und die, um sich politische Sporen zu verdienen, die Massen dazu aufrufen mit dem kindischen Slogan „Nicht einen Schritt zurück!“ gegen die Taxifahrer zu kämpfen, als wären die selbstständigen Taxifahrer die rund um die Uhr arbeiten die Ursache des Problems.

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Leute die im Privatsektor als Transporteure arbeiten, haben weder Zugang zu Großmärkten für Treibstoff noch zu dringend benötigten Ersatzteilen (Quelle: Havana Times)

Die vergessen, oder haben nicht den Mut sich zu erinnern, dass die nationale Krise schon über 50 Jahre andauert, lange bevor Präsident Raúl Castros mehr private Taxis erlaubte. Die „guagas“ (Busse) hatten nicht einmal in den besten Jahren den Bedarf decken können.

Als die Lokalregierung und das Transportministerium (MITRANS) den Markt öffneten, taten sie das ohne Regulierungen für Tarife, Routen, Fahrpläne und Treibstoffversorgung zu verabschieden. Solche Regelungen existieren jedoch in einer großen Anzahl von Ländern, die über kein planwirtschaftliches System verfügen.

Wie dem auch sei, Regierungsfanatiker sind nicht dumm. Es ist einfacher Slogans gegen Taxifahrer zu schreien als gegen das Transportministerium, auch wenn genau diese Institution plant, Versprechungen macht und dafür Millionen von Dollarn verwendet um immer wieder aufs neue zu versagen.

Das einfachste ist es, die Fahrer für all diese Probleme verantwortlich zu machen, sie zu den Leuten zu machen die verantwortlich sind für alles was passiert, so wie es die Rechte in Europa und die USA in Bezug auf Migranten gerade machen. Es ist die uralte Methode einen Sündenbock zu finden und die Massen auf ihn los zu lassen.

Ich versuche nicht diese Fahrer zu verteidigen, deren Preise möglicherweise übertrieben erscheinen, beachtet man den Fakt dass sie all ihren Diesel auf dem Schwarzmarkt für 0,40 US$ pro Liter kaufen. Hinzu kommt: Es gibt verschiedene Klassen von Fahrern, es gibt die Bosse und dann gibt es deren Angestellte.

Ein Boss kann mehrere Autos (von einem bis hin zu 20) besitzen und verschiedene Fahrer anstellen. Die Bosse können zu Hause sitzen und jeden Monat mehr als 1.000 US$ pro Auto verdienen, während die Fahrer lediglich 250 US$ bekommen und gleichzeitig 10 bis 12 Stunden pro Tag mit Arbeit verbringen müssen.

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Auch in anderen Provinzen kam es zu Problemen zwischen der lokalen Regierung und privaten Transportdienstleistern (Quelle: Havana Times)

Wir können also nicht einmal von den Fahrern als solchen sprechen oder sie alle über einen Kamm scheren. Wir müssen analysieren was es sie kostet, ihre teilweise mehr als 60 Jahre alten Autos am laufen zu halten während sie 12 Stunden am Tag fahren. Darüber hinaus muss man in Rechnung stellen wie viel sie für Ersatzteile, Reifen und Batterien ausgeben.

Ich frage mich ob es irgendwelche Treffen zwischen privaten Fahrern und der Provinzregierung gab, ob es irgendeine Form von Koordinierung zwischen beiden Parteien gibt. Erhalten die Fahrer irgendeine Unterstützung von der Regierung, um benötigte Ersatzteile zu importieren oder um ihre Motoren zu wechseln?

Die Legalisierung neuer Formen von Eigentum an Produktionsmitteln muss von neuen Beziehungen begleitet werden. Dialog und Verhandlung kann mit Selbstständigen zu besseren Erfolgen führen als hartes Durchgreifen.

Der König rät dem kleinen Prinzen „von jedem die Pflicht zu verlangen, die er leisten kann. Akzeptierte Autorität basiert vor allem auf Vernunft. Wenn du deinen Leuten befiehlst sich im Meer zu ertränken, werden sie sich in einer Revolution erheben. Ich habe das Recht Folgsamkeit zu fordern, weil meine Befehle vernünftig sind.“

Dieser Artikel ist von Fernando Ravsberg. Der gebürtige Uruguayaner lebt als ehemaliger BBC-Korrespondent seit vielen Jahren in Havanna. Der Artikel erschien zunächst auf Spanisch und Englisch.


„Wir arbeiten für den Schutz der Mehrheit“

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Tatiana Viera Hernández (Quelle: Tribuna)

Das Interesse der Bevölkerung Havannas in Bezug auf auf die Transportpreise von privaten Dienstleistern in Rechnung stellend, willigte Tatiana Viera Hernández, Vizepräsidentin für Kontrolle und Aufsicht beim Verwaltungsrat der Provinz ein, einige Ausführungen exklusiv gegenüber „Tribuna de La Habana“ (Lokalzeitung der Stadt) zu machen.

Tribuna: Versucht man Maßnahmen anzuwenden, um Änderungen in den (bisher) vorgesehenen Referenzpreisen zu erwirken?

Hernández: Erstens gibt es keine neuen Preise für die privaten Taxifahrer der Hauptstadt. In diesem Moment haben wir lediglich die Preise für die einzelnen Routenabschnitte präzisiert, für jene Routen die am 14. Juli 2016 im Rahmen der Vereinbarung 185 des Rats der Provinzverwaltung bestätigt wurden.

Tribuna: Warum jetzt?

Hernández: Sechs Monate nach Inkrafttreten der Resolution, führte die Provinzverwaltung eine Evaluation der hauptsächlichen Verstöße durch, welche festgestellt wurden. In Übereinstimmung mit dem Stand der öffentlichen Meinung die von der Bevölkerung Havannas ausgedrückt wurde ist bekannt, dass eine Gruppe von Transporteuren nicht-staatlicher Verwaltung die Maximalpreise verletzt haben, die mit jener Resolution eingeführt wurden. Dabei wurde bei Zwischenhalten bis zu zwei oder dreimal kassiert, nämlich die Preise für die gesamte Route.

Tribuna: Warum äußert sich der Rat der Provinzverwaltung?

Hernández: In erster Linie weil unsere staatliche und moralische Aufgabe eben genau im Schutz des Volkes besteht, bei dem auch der Arbeiter auf eigene Rechnung nicht ungeschützt bleibt weil auch er Bürger ist und seine Familie erhält die Leistungen des Staates.

Als man die Höchstpreise festgelegt hat, wurden die Ausgaben dieser Transporteure in Rechnung gestellt. Ohne Zweifel stützen wir unsere Argumente auf eine Studie die ausreichende Informationen in Bezug auf die Gewinne dieser Aktivität bietet.

Wir arbeiten für den Schutz der Mehrheit und des Teils der Bevölkerung, der diese Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen kann, ihnen die Möglichkeit gebend diese Taxis mit der Bezahlung des Tarifs benutzen zu können, je nach zurückgelegter Strecke. In diesen Autos werden unsere Gesundheitstechniker transportiert, Studenten, Facharbeiter, Professoren, Rentner,…

In keinster Weise wird die Bevölkerung im Rahmen der Anstrengungen die wir unternehmen ungeschützt bleiben. In der Tat haben die privaten Transporteure lediglich einen Anteil von 26 Prozent an der Bevölkerung die in der der Hauptstadt transportiert wird, während unsere Busse jeden Tag durchschnittlich 1,3 Millionen Menschen transportieren.

Quelle: Tribuna de La Habana (Spanisch)

Vietnam und Kuba – ¿Por qué en Cuba no ocurren milagros como los de Vietnam?

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Der Vizepräsident des Staatsrats, Salvador Valdés Mesa, (links) neben Vietnams Präsident Tran Dai Quang mit Ehefrau (Quelle: Granma)

Am gestrigen Donnerstag ging der dreitägige Staaatsbesuch des vietnamesischen Präsidenten Tran Dai Quang auf Kuba zu Ende. Es war der erste Besuch Quangs, der erst seit April 2016 als Staatsoberhaupt des südostasiatischen Landes amtiert. Während seines Aufenthalts absolvierte Quang ein umfangreiches Programm, das auch ein Treffen mit Kubas Revolutionsführer Fidel Castro beinhaltete.

Nicht zuletzt Wirtschaftsfragen standen im Zentrum des ersten Staatsbesuchs von Quang auf Kuba. Kubanische Diplomaten unterstrichen die Bedeutung der bilateralen Wirtschaftskommission, die auf einem Treffen während des Besuchs die Agenda der wirtschaftlichen Zusammenarbeit für den Zeitraum 2017 bis 2021 absteckte. Insbesondere in Fragen der Landwirtschaft, Biotechnologie und auf dem Bausektor wolle man intensiver zusammenarbeiten.

Derzeit finanziert Vietnam ein 2011 gestartetes Programm in Pinar del Río, um die Reisproduktion des Landes anzukurbeln. In diesem Jahr wird mit einer Ernte von 400.000 Tonnen gerechnet, die rund zwei Drittel des heimischen Bedarfs decken könnte, der bei rund 700.000 Tonnen liegt. Quang startete auch der Sonderwirtschaftszone in Mariel (ZEDM) einen Besuch ab, dort sollen künftig auch vietnamesische Firmen Fuß fassen.

Dabei wurden die hervorragenden diplomatischen Beziehungen beider Länder betont, die bis ins Jahr 1960 zurückreichen und mit Kubas Unterstützung im Vietnamkrieg einen ersten Höhepunkt erreichten. Das Treffen endete mit der Veröffentlichung einer gemeinsamen Erklärung beider Länder. Darin wurde bekannt, dass Raúl Castro der Einladung Quangs zum Gegenbesuch in Vietnam gerne folgen will.

Während des Besuchs berichteten die kubanischen Medien ausführlich über die vietnamesischen Wirtschaftserfolge seit Beginn der Reformpolitik „Doi moi“ im Jahr 1986. Dabei wurde die Frage nach dem weg dorthin weitgehend ausgeklammert. Im Folgenden geben wir die Meinung des ehemaligen BBC-Korrespondenten Fernando Ravsberg wieder, der seit über 20 Jahren in Kuba lebt und ein guter Beobachter des politischen Diskurses auf der Insel ist. (Englische Version, siehe hier).

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Fábrica en Vietnam (fuente: cartasdesdecuba)

Gracias a la visita del presidente vietnamita, la prensa cubana presenta los éxitos socio-económicos de ese país. Sin embargo, poco se habla sobre como lo han conseguido, más allá de algunas genéricas menciones a la Doi Moi, su proceso de reformas.

Las exportaciones crecen a un ritmo del 17% anual. Venden teléfonos, computadoras, equipos y maquinarias, madera, textiles, mariscos, arroz y café. Desde que iniciaron las reformas el Producto Bruto Interno ha crecido a un promedio del 7% anual.

Y la vida de la gente mejoró. La pobreza se redujo al 12 %, sacaron de la miseria a 25 millones de personas, tienen muy baja tasa de desempleo y el ingreso de los ciudadanos, que era de 15 y 20 dólares al mes, “ahora oscila entre los 200 y los 300”. El 90 % de la población está alfabetizada y la esperanza de vida es de 72 años.

A pesar de las diferencias culturales y geográficas, mirarse en el espejo de Vietnam parece bastante lógico, teniendo en cuenta que se trata de un pequeño país, de escasos recursos naturales, organizado con un sistema socialista y dirigido por un solo partido. […]

por Fernando Ravsberg

Leer más aquí.
Full english version here.

Wie sich Kuba auf Hurrikane vorbereitet

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Bereits Tage vor Eintreffen des Sturms bereiten Freiwillige von der Zivilverteidigung ihre Nachbarschaft darauf vor (Quelle: Cartasdesdecuba)

Ein Beitrag von Fernando Ravsberg. Versión en español, english version.

In den vergangenen 26 Jahren sind schon so manche Tropenstürme über mich hinweggezogen. Jedes Mal kann ich mein Erstaunen über die vor sich gehenden Veränderungen kaum verbergen. Wie aus dem Nichts heraus bekommen diese langsamen Tropen plötzlich Geschwindigkeit, mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks.

Die Menschen gleichen dann kleinen Ameisen, die wie verrückt durch die Gegend zu laufen scheinen, aber jeder erledigt seine Aufgabe. Es ist als würde ihre DNA ihnen sagen, was zu tun ist. Ein Hurrikan mit Kurs auf die Insel organisiert die Kubaner, wie es niemand sonst vermag.

Das Land „militarisiert“ sich und die uniformierten Leiter des Zivilschutzes übernehmen die Kontrolle über alles in ihrem Gebiet und verwenden es zur Erfüllung ihrer Mission. Firmen-Lastwagen, Busse des öffentlichen Verkehrs, Maschinen und Werkzeuge werden ihnen zur Verfügung gestellt.

Die meisten dieser „Comandantes“ haben keine militärische Laufbahn studiert, sondern sind Leute mit einem ganz gewöhnlichen Leben – bis der Hurrikan die kubanische Küstenlinie erreicht. Dann entstauben sie ihre olivgrüne Uniform und führen ihre Nachbarn an vorderster Front.

„Alle, die in dem Gebäude wohnen, müssen raus! Hör mir gut zu, Du musst sie überzeugen, rede mit den Revolutionärsten, damit sie Dir helfen.“ So leitete Saili Cisneros die Evakuierung. In Friedenszeiten ist sie nur eine weitere Nachbarin, in Zeiten des Hurrikans wird sie die Vize-Präsidentin der Verteidigungszone von Prado.

Die Schulen, die Kulturhäuser, die Unternehmen, das Capitolio und jegliches andere Bauwerk, das starken Winden widerstehen kann wird zum Schutzraum, wo wie durch Magie plötzlich Matratzen, Trinkwasser, Lebensmittel und medizinische Unterstützung auftauchen.

Hunderttausende von Menschen werden evakuiert und man kann sich vorstellen, welche große Mobilmachung hierfür erforderlich ist. Trotzdem ist alles organisiert, mehr mit Einfallsreichtum und Solidarität denn mit Ressourcen. Viele der Betroffenen müssen nur wenige Schritte gehen, um sich zu schützen.

In jeder Gemeinde öffnen Kubaner mit stabilen Häusern die Türen für ihre Nachbarn. Sie improvisieren Betten im Wohnzimmer, verwahren ihre Elektrogeräte unter dem Esstisch, kochen ein Gemeinschaftsessen und spielen sogar Domino im Kerzenlicht.

Ich habe noch niemals Kubaner gesehen, die sich vor oder während eines Hurrikans gefürchtet haben. Der tragischste Moment kommt immer anschließend. Kein Wunder, haben doch die schwersten Tropenstürme des 21. Jahrhunderts 40 Tote, 26 Milliarden US-Dollar an wirtschaftlichen Schäden sowie 1,5 Millionen beschädigte Häuser hinterlassen.

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Jeder sichere Ort, sogar das Kapitol, kann in eine Notunterkunft verwandelt werden um Familien Schutz zu bieten (Quelle: cartasdesdecuba)

Eine in Holguín tätige junge Krankenschwester fand ihr Haus komplett zerstört und ihre Großeltern in einer Hütte vor, als sie zurückkehrte. Sie habe „die Nachtschichten im Krankenhaus erledigt, weil ich keinen Ort zum schlafen hatte, ich habe nicht einmal frische Unterwäsche zum wechseln … Ich denke nur an meine Patienten.“

Ich habe schreckliche Bilder in meiner Erinnerung, das eines guten Freundes, der inmitten seines zerstörten Hauses am Strand von Girón weint oder das einer Frau, die in Gibara Holzplatten zusammen sammelt, um einen Raum zu bauen in dem sie ihre zwei kleinen Töchter schützen kann.

Diese ersten Momente sind schrecklich, wenn die Freude darüber, dass man noch am Leben ist, der Realisierung von all dem was man verloren hat weicht und man bei Null anfangen muss. „Ich habe mich nicht umgebracht wegen meiner beiden kleinen Mädchen“, sagte mir die Frau, die in Gibara einen Raum improvisierte, voller Hoffnungslosigkeit.

Dieses Mal wird der Schock nicht so groß sein, ein großer Teil der Hilfe wurde bereits in die östlichen Provinzen gebracht, bevor der Hurrikan auf Land traf, darunter auch Strommasten. Währenddessen warteten die LKW der Stromgesellschaften auf halber Strecke.

Alles wurde minutiös vorbereitet, aber das ändert nichts daran, dass zehntausende betroffene Kubaner die Solidarität ihrer Mitbürger und der Welt benötigen, um wieder auf die Beine zu kommen und eben nicht von Null anfangen zu müssen.

Die Kubaner hätten das Recht, Solidarität einzufordern. Sie haben sie bereits der halben Welt gegeben. An Pakistan nach dem Erdbeben, im Kampf gegen Ebola in Afrika und sie gaben hunderttausenden Menschen das Augenlicht zurück. Jetzt ist es an der Zeit, ihnen etwas zurückzugeben, ohne darauf zu warten, dass sie danach fragen werden. Sie werden es nicht tun. Sie sind nicht die Sorte von Leuten, die umhergehen und Rechnungen verschicken.

Fernando Ravsberg, Journalist aus Uruguay, lebt seit vielen Jahren als Korrespondent in Kuba

Übersetzung: Marcel Kunzmann / Amerika21

Interview mit René Gonzalez

Rene is considered a hero in Cuba. As we were preparing to do our interview, we could not go a block without someone stopping him to pay their respects. Photo: Raquel Perez

HAVANA TIMES  (Fernando Ravsberg) — On September 12, 1998, the FBI dismantled a network of Cuban spies who had been monitoring anti-Castro groups based in Miami. A number of these spies negotiated with the prosecution to have their sentences reduced, but five refused to do so. Their convictions, which included life sentences, were the most severe.

One of these five Cuban men was pilot Rene Gonzalez, recently released from a US prison, following nearly 13 years of incarceration and another nearly two years on parole. Now back living in Cuba, he agreed to talk to me about his life as an agent, his activities in the United States and his time in prison.

Why did you agree to go the United States and act as a spy there?

I am part of a generation of Cubans who grew up under the threat of terrorist actions against the country. I’ve never forgotten the hijacking of Cuban fishing vessels and the murder of their crews, which were often perpetrated by terrorist groups based in Miami. I was one of the millions of people who attended the massive gathering held in honor of those who were killed off the coast of Barbados, in the terrorist bombing of a Cuban airliner. So, when I was asked to do this, I didn’t hesitate. I felt it was my duty as a patriot.

Is it ethical to spy on another country?

I believe it is ethical to defend yourself when you are being attacked and that was what I set out to do. The most powerful nation in the world has attacked us for many years and we have the right to defend ourselves, provided we do no harm to the American people.  At no point was it our intention to do anyone any harm, we merely exercised our right to defend ourselves.

When you lead that kind of double-life, you probably also meet good people along the way. Did you feel you were betraying those people at any point?

The human element can complicate things. In all of these groups, you find good people who actually believe in what they’re doing, or people who are manipulated or harbor prejudices. You learn to recognize them, to identify those who are good people and those who are not. You realize that many of these people would have stayed on board (with the Revolution) under different circumstances and you begin to treat them with the kindness that they deserve.

I don’t want to mention any names, so as not to cause anyone any trouble over there, but I met people who had been officials in Batista’s army, elderly people, and I’m still like a son to them, just as they are like parents to me.

What kind of information were you after? It’s my understanding some of you were operating in a military base.

One of us was at a military base. He was divulging public information, he never had access to anything classified and never looked for it. His job was to compile as much publicly available information about the Cayo Hueso base as he could, because the base is a place where you can pick up signs of a possible terrorist attack against Cuba.

What did the others do?

Gerardo was in charge of coordinating the network’s activities. I had infiltrated several organizations: Brothers to the Rescue (Hermanos al Rescate), Democracy (Democracia), United Liberation Command (Comando de Liberación Unido) and others. I went through quite a number of different groups, because anyone who needs a small plane for their operations also needs a pilot and I was available.

On the subject of Brothers to Rescue, Gerardo is accused of causing the deaths of its four pilots. Did you actually have anything to do with that?

We had nothing to do with that. I would say that the most audacious thing the prosecution did to politicize the trial was to present the charges of the Brothers to the Rescue incident. Gerardo can’t even be accused of murder; he can only be accused of conspiracy to commit murder, that is, working with others, the government of Cuba, in this case, to commit murder, which would lead to the illicit death of a person not living in Cuba. Neither of the two charges could be substantiated.

Why were the sentences so severe then?

It’s something that goes beyond these incidents; it’s the profound hatred towards Cuba they feel. I would go as far as saying it’s an act of revenge, for Cuba’s endurance. The US government has an unhealthy obsession with Cuba, an obsession that is responsible for the irrational policies of the last 50 years.

The sentences are irrational. They reveal that the prosecution is subservient to the terrorists who run Miami. The FBI chief himself boasted of having ties to those individuals.

If this is the case, why did the Cuban government provide the FBI with the information that led to your capture?

In 1998, Gabriel Garcia Marquez acted as a kind of liaison [for President Fidel Castro] to approach two FBI officials and offer them our cooperation in the fight against terrorism. These officials were given a folder containing evidence. But it wasn’t the information Cuba offered them which led to our capture. The evidence suggests that we were already under investigation at the time.

I also think that, ethically speaking, the fight against terrorism ought to unite our governments, over and above our ideological differences. I am for cooperation with other governments in this sense.

Were you given an opportunity to negotiate? Why did you refuse to?

Yes, of course. They also offered us good deals. One had his sentence reduced to 5 years, and he was being charged with the same crime as Antonio Guerrero, that is, they would have sentenced him to life in prison. It’s hard for some people to turn down an offer like.

You have to debase yourself as a person. When you’re offered a deal, the US prosecutors tell you that, if you don’t lie in court and if you refuse to do what you’re told, you’re going to rot in jail. You have to decide whether to lie or not.

And you know you’re being used to accuse your country of espionage and attack it, to gather false evidence against Cuba. A Cuban agent confirming everything the prosecutors claim about Fidel, about the Cuban government, about Raul, would have been used to put together such evidence.

So, we’re talking about two very important factors, your dignity as a human being and Cuba’s defense. We went on a mission knowing it could cost us our lives, not just a prison term, and we did it to protect the Cuban people.

How were you treated in prison?

While on trial, they put us in solitary confinement, in the prison’s punishment ward, and kept us there for 17 months. They were very rough with us, our families were mistreated, I wasn’t allowed to see my daughters, the medical attention we got was lousy. They tried to break us, but we had enough moral fortitude to resist.

Outside Miami, the political aspects of the case aren’t as determining, you’re just another inmate. It also depends on the prison’s security level. It’s crime that Gerardo should be kept in a maximum security prison, because these are very violent places, where very dangerous confrontations between gangs take place.

I was lucky, because I was put in a medium security prison, in the Eastern United States, where there aren’t as many gangs and violent acts are less frequent.

Do you believe that exchanging your comrades for Alan Gross is a fair proposal?

I don’t know whether “exchanging” is the right word. No one wants to us it, politicians are complicated people. But I think it is, yes. I think all six families would benefit from it. I don’t think any side should have to make a unilateral gesture, it seems absurd, an arrogant suggestion.

I have nothing against Mr. Gross. I believe that politically-motivated crimes should be dealt with a certain degree of benevolence, provided it’s not an atrocious crime, because these are prompted by convictions that deserve respect, whatever these are. I would be pleased to see this matter resolved and above all to see the two governments settle all of the problems they have.

Why do you think the US government doesn’t exchange the Five, as they did with Russian spies?

Wayne Smith, a former top US diplomat in Cuba, says that Cuba has the same effect on the US government that the full moon has on a werewolf.

Cuba breaks with an entire tradition of domination in the continent, a history which had known no exception until the Cuban revolution, hence their contempt. They hate Cuba for the Bay of Pigs, for the Missile Crisis, for existing and serving as an example for others.