Google verbessert Internet auf Kuba

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Googles CEO Eric Schmidt (links) und ETECSA-Präsidentin Mayra Arevich bei der Unterzeichnung des Abkommens am 12. Dezember in Havanna (Quelle: Granma)

Kubas staatliche Telekommunikationsgesellschaft ETECSA und der US-Konzern Google haben am Montag in Havanna ein Abkommen zur Verbesserung des Internetzugangs auf der Insel unterzeichnet. Kuba erhält im Rahmen des Vertrags Zugang zu Googles „Global Cache“, womit sich die Zugriffszeit für Angebote wie Google Suche, YouTube oder Gmail deutlich verkürzen soll.

Bereits seit einigen Tagen zirkulieren Gerüchte über ein mögliches Abkommen, kurz nach der Unterzeichnung am Montag Vormittag berichtete die „Granma“ bereits darüber. Googles CEO Eric Schmidt ließ es sich nicht nehmen, die Papiere persönlich zu unterzeichnen. „Das Abkommen ermöglicht es ETECSA, eine höhere Geschwindigkeit und Qualität der Dienste anzubieten und die eigenen Kapazitäten im globalen Netz zu optimieren“, berichtet das Webportal „Cubadebate“ über den Inhalt des neuen Vertrags mit Google.

Bei der Nutzung von Google-Produkten auf Kuba, welche etwa 20 bis 40 Prozent des weltweiten Traffics ausmachen, soll es ab sofort zu großen Geschwindigkeitsverbesserungen kommen. Anfragen bei Google-Produkten werden über den „Google Cache“ an den nächstgelegenen Server weitergeleitet, was die Antwortzeit erheblich reduzieren soll. Offenbar unterhält Google in diesem Rahmen ein eigenes Serverzentrum auf Kuba, bei dem die häufig genutzten Daten zwischengespeichert werden.

Die meisten Länder profitieren mittlerweile von dieser Optimierung, welche Google in der Regel zu guten Konditionen anbietet um seine eigenen Dienste bekannter zu machen. Bereits seit 2014 arbeitet Google mit der kubanischen Regierung zusammen und hat seine Produkte trotz bestehender Blockade seitens der US-Regierung schrittweise den kubanischen Benutzern geöffnet. So sind inzwischen der Android App-Store, der Chrome-Store sowie praktisch alle anderen Google-Dienste auf Kuba verfügbar.

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„Google +Kcho“ – freies Internet auf dem Atelier des Künstlers (Quelle: Trabajadores)

Im März dieses Jahres eröffnete Google auf dem Ateliergelände des kubanischen Künstlers „Kcho“ ein „Technologiecenter“ bei dem zusätzlich zum WiFi auch über 20 Chromebooks kostenlos im Netz gesurft werden kann. Bereits 2013 startete der Künstler in seinem Atelier im Barrio „Romerillo“ (Stadtteil Playa) den ersten kostenlosen WiFi-Hotspot Kubas. Mit Unterstützung von Google konnte sich das Angebot in den letzten Monaten weiter verbessern.

Eine Offerte von Google, die kubanische Internetinfrastruktur umfassend und kostenlos auszubauen, schlug man in Havanna bisher aus. Die Unterzeichnung des jetzigen Abkommens fällt jedoch in eine Reihe von neuen Verträgen, die offenbar kurz vor Amtsantritt des designierten US-Präsidenten Trump noch in trockene Tücher gepackt werden sollten. Trump kündigte an, die Lockerungen der Wirtschaftssanktionen von Präsident Obama rückgängig machen zu wollen, sollte Kuba keinen „besseren Deal“ anbieten.

Kubanische und US-amerikanische Wirtschaftsvertreter bemühten sich deshalb in den letzten Wochen Fakten zu schaffen, um die jetzige Politik der Normalisierung irreversibel zu machen. So schloss Kuba vor kurzem ebenfalls einen Vertrag mit General Electric über den Bau eines Wasserkraftwerks und auch zwei neue US-Kreuzfahrtlinien werden in Zukunft Kubas Häfen ansteuern.

Der jetzige Deal mit Google dürfte jedoch das bis dato prominenteste und symbolträchtigste Beispiel für die neuen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kuba und den USA sein. Nur durch eine im vergangenen Jahr von US-Präsident Obama per Dekret geschaffene Ausnahme ist es amerikanischen IT-Unternehmen erlaubt, Geschäfte mit der sozialistischen Regierung zu machen. Andere Sektoren der US-Wirtschaft bleiben von derartigen Verträgen nach wie vor ausgeschlossen.

Die Kubaner begrüßen indes die Kooperation mit Google. Die Reaktionen und Kommentare auf kubanischen Nachrichtenportalen fielen äußerst positiv aus. Mit umgerechnet rund 2 € pro Stunde ist das Internet auf Kuba eines der teuersten der Welt, die gebotene Geschwindigkeit lässt dabei zu wünschen übrig und erreicht selten DSL 2.000 Niveau. Das Streaming von YouTube-Videos ist so bisher praktisch unmöglich.

Jahrelang war Kuba aufgrund des US-Embargos nur über Satellitenschüsseln mit dem weltweiten Netz verbunden, erst im Januar 2013 konnte ein Unterseekabel aus Venezuela in Betrieb gehen. Nach wie vor fehlt die nötige Infrastruktur, um dessen Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können. Bis heute gibt es kaum Privatanschlüsse auf der Insel, der Zugang zum Internet erfolgt meist innerhalb staatlicher Institutionen sowie über öffentliche WiFi-Hotspots. Nach den Plänen der Regierung soll bis 2020 jeder zweite kubanische Haushalt über einen Internetanschluss verfügen. „Gute Neuigkeiten! Ich hoffe das ist erst der Anfang der Zusammenarbeit mit Google“, kommentierte ein Nutzer auf „Cubadebate.“

Havannas erster WiFi-Hotspot mit kostenlosem Internetzugang

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Vor den Eingangstoren zum „Kcho Estudio“ im Barrio Romerillo, Playa (Quelle: am.com.mx)

In Havanna eröffnete vor kurzem der erste kostenlose und öffentliche Internetzugangspunkt Kubas. Nach Berichten der Washington Post begann der Betrieb des WiFi-Hotspots vor wenigen Wochen in einem Kulturzentrum des Stadtteils Playa. Dutzende Kubaner pilgern seitdem regelmäßig dorthin, um den freien Zugang zum weltweiten Netz zu nutzen. Der Künstler Alexis Leyva hatte zuvor von der staatlichen Telekom ETECSA die Genehmigung erhalten, seinen privaten Anschluss öffentlich zugänglich zu machen.

„Ich komme so oft ich kann“, sagte ein 20-jähriger Kubaner gegenüber der Zeitung. Er nutzt den Zugangspunkt vor allem zur Videotelefonie mit seinem Vater, der in den Vereinigten Staaten lebt. Facebook, Google und Yahoo gehören zu den beliebtesten Seiten. Die Leitungskapazität von lediglich 2 Mbps wird tagsüber von dutzenden Nutzern gleichzeitig beansprucht, was die Verbindung oftmals quälend langsam werden lässt. Dennoch erfreut sich der Hotspot großer Beliebtheit, auch weil er 24 Stunden am Tag verfügbar ist. Manche Kubaner nutzen daher die Nachtstunden, um in den Genuss einer schnelleren Verbindung zu gelangen.

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Viele Gäste gehen mit ihren Smartphones oder Tablets online (Quelle: Miami Herald)

„Das ist eine ungewöhnliche Sache, und sie ist nur möglich durch die Bereitschaft so zu handeln und auch die Kosten zu tragen“, sagte Layva, der unter dem Künstlernamen „Kcho“ bekannt ist. Er betreibt die Kunstgallerie, in der die Habaneros zum freien surfen und verweilen eingeladen sind. Eine Wand am Eingang des Gebäudes gibt das Passwort des Netzwerks bekannt: „aquinoserindenadie“, in Anspielung auf die berühmten Worte des Comandante Juan Almeida aus dem Jahr 1956: „Hier ergibt sich niemand!“ Fidel Castro besuchte die Eröffnungsfeier der Einrichtung bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Januar 2014.

Das einzigartige Projekt ist für Kuba absolutes Neuland und könnte als Versuchsballon für den weiteren Ausbau des Internets auf der Insel dienen. Netzzugang gibt es bisher nur an wenigen staatlichen Arbeitsplätzen und Bildungseinrichtungen, während Privatanschlüsse Berufsgruppen wie Ärzten, Künstlern und Journalisten vorbehalten sind. Öffentlicher Internetzugang kostet in den 155 staatlichen Internetcafés 4,50 US$ pro Stunde, was etwa einem Viertel des durchschnittlichen Monatsgehalts entspricht. Den meisten bleiben daher nur die offline verfügbaren Inhalte auf USB-Sticks, die in wöchentlich aktualisierter Form getauscht werden.

Kubas Regierung hat in den vergangenen Monaten mehrfach angekündigt, den Internetzugang auf der Insel ausbauen zu wollen. Für dieses Jahr plant ETECSA die Anzahl der Internetcafés landesweit zu verdoppeln. Das Unternehmen will dabei verstärkt auf WiFi-Hotspots setzen, zu den langfristigen Plänen gehören auch Privatanschlüsse. Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel forderte zuletzt auf einem Informatikkongress im Januar, das Internet müsse „verfügbar, erreichbar und für alle erschwinglich“ gemacht werden.