22. Mai 2022

Kuba zählt über 3000 kleine und mittlere Unternehmen

Seit Inkrafttreten der neuen Privatsektorgesetze im letzten September sind inzwischen 3074 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auf Kuba genehmigt worden. Vergangenen Mittwoch bestätigte das Wirtschaftsministerium 89 weitere Anträge, womit die 3000er Marke durchbrochen wurde. Damit hat sich ihre Anzahl seit dem letzten Update auf „Cuba heute“ Ende Januar fast verdoppelt. Technisch gesehen sind inzwischen sogar mehr private KMU als Staatsunternehmen (zuletzt 1867) auf Kuba registriert. In den KMU arbeiten allerdings erst 49.000 Beschäftigte, während der Staatssektor rund drei Millionen Angestellte umfasst.

Neues Leben für stillgelegte Fabriken

Das KMU Hielocaribe in Las Tunas
Humberto Baldoquín Labrada in seiner Eisfabrik (Quelle: Periodico26)

56 Prozent der Betriebe stellen Umwandlungen bestehender Geschäfte in die neuen Rechtsform dar, während es sich bei 44 Prozent um komplette Neugründungen handelt. Von den 3074 KMU sind 2974 reine Privatbetriebe, 51 sind staatlich und 49 Kooperativen. 111 der Unternehmen sind Teil von Lokalentwicklungsprojekten. Die Liste (PDF) der jüngsten Neugründungen fällt wie üblich divers aus und reicht von Restaurants über Möbelfabrikanten, Bauunternehmen und Metallwarenherstellern bis hin zu IT-Firmen.

Einige KMU tragen zur Wiederbelebung brachliegender Anlagen bei. Solche Entwicklungen finden mittlerweile auch jenseits der Stadtgrenzen Havannas statt. Ein Beispiel dafür ist die stillgelegte „Fábrica de Hielo de Las Tunas“, die an ein Privatunternehmen verpachtet wurde. Dieses produziert in der östlichen Provinz unter dem Namen „Hielocaribe“ wieder Speiseeis und Eiswürfel, wie die Lokalzeitung Periodico26 aus Las Tunas berichtet. Die Einfuhr neuer Maschinen aus Vietnam über ein staatliches Importunternehmen zog sich über fast ein Jahr hin, inzwischen sind jedoch alle Hürden genommen und die Produktion hat begonnen.

Gründer Humberto Baldoquín Labrada kommt ursprünglich aus dem Agrarsektor und versucht mit der Eisfabrik als Unternehmer nochmal neu durchzustarten. Neben Orangeneis können derzeit Banane, Schokolade und einige andere Geschmacksrichtungen hergestellt werden. Noch fehlt dem Eis die auf Kuba stets knappe Zutat Milch, umso größer sei die Herausforderung, „gute Cremigkeit, Konsistenz und Ästhetik“ hinzubekommen, so Baldoquín.

Trotz der teilweise veralteten Anlagen werden in der ehemaligen Staatsfabrik heute wieder täglich drei Tonnen Speiseeis produziert. Die mehr als 20 Mitarbeiter ermöglichen einen rund um die Uhr laufenden Werksverkauf, womit vor allem der Eiswürfelnachschub für die örtliche Gastronomie sichergestellt wird. In einem nächsten Expansionsschritt will Baldoquín eine alte Gefrierhalle, die seit 10 Jahren nicht mehr genutzt wird, wieder in Betrieb nehmen. Später soll eine neue Wasseraufbereitungsanlage folgen, welche auch den Anwohnern rund um die Fabrik zu Gute kommen wird.

Erst diese Woche wurde ein neues Gesetz verabschiedet, das die Verpachtung von staatlichen Anlagen & Immobilien an KMU regelt und die dezentrale Erteilung entsprechender Genehmigungen auf Gemeindeebene erlaubt.

Monetäre Herausforderungen

Zu den größten Schwierigkeiten des Privatsektors zählt der fehlende Zugang zu Devisen: Während Waren und Dienstleistungen im Inland gegen Pesos verkauft werden, müssen Importe in harter Währung über den Staat bezahlt werden. Dieser kann den offiziellen Wechselkurs von 24:1 zum US-Dollar aufgrund des akuten Devisenmangels nicht bedienen und verkauft seit 2020 große Teile des ehemaligen CUC-Einzelhandelssortiments ausschließlich gegen Fremdwährung. Den Betrieben bleibt daher nichts anderes übrig, als ihre Einkünfte illegal zu tauschen, um an frische Devisen für neue Waren und Importe zu gelangen. Der schwankende Wechselkurs macht eine langfristige Kostenkalkulation quasi unmöglich, zudem stehen die Unternehmen so immer mit einem Bein im Gefängnis.

Eine Lösung ist derzeit noch nicht in Sicht, das Thema gehört jedoch zu den Prioritäten des Wirtschaftsministeriums. Als erster Schritt auf diesem Weg wurde am Sonntag angekündigt, dass Dienstleistungen staatlicher Importfirmen künftig in Pesos bezahlt werden können. Die Importware selbst muss wie gehabt mit Dollar oder Euro eingekauft werden, allerdings bedeutet die Änderung zumindest eine kleine Erleichterung und kann als Signal gewertet werden, dass versucht wird, weiter in Richtung Peso voranzuschreiten.

KMU können auf Kuba bis zu 100 Personen beschäftigen und arbeiten (sofern sie keine Kooperativen sind) unter der Rechtsform einer „Sociedad de responsabilidad limitada“ (SRL), die in etwa einer deutschen GmbH entspricht. Damit sind neben einem deutlich attraktivieren Steuersystem und Haftung über das Firmeneigentum auch neue Möglichkeiten für Allianzen mit dem Staatssektor und ausländischen Investoren verbunden. Zudem sind erstmals Gründungen in sämtlichen Branchen mit Ausnahme einer 112 Punkte umfassenden Negativliste möglich.

Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.