Kubanische Nachrichtenagentur ACN erhält neue Website

ACNheute

Neue Website der ACN seit dem 5. Februar 2014.

Die staatliche kubanische Nachrichtenagentur „Agencia Cubana de Noticias“, kurz ACN, hat am 5. Februar eine neue Website erhalten. Das Designupdate wurde bereits vor einigen Tagen angekündigt. „Am Ende sehen wir diesen Traum Wirklichkeit werden, der Resultat der Arbeit eines Teams von Journalisten, Designern und Informatikern ist, um einen noch hochwertigeren, dynamischeren und partizipativeren Nachrichtendienst anbieten zu können“, sagte Evelyn García Vasallo, Leiterin der Internetabteilung der Agentur. Ziel sei es, einen Newsservice bereitzustellen, der 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr über die aktuellen Entwicklungen in Kuba informiert, samt Multimediaintegration und Einbindung in die sozialen Netzwerke.

Wesentliche Neuerung ist die Grundlegung der Website auf ein modernes technisches Grundgerüst, den Open-Source Contentmanager „Joomla!„, mit dem auch Nachrichtenwebsites in Europa arbeiten. Seit 1997 betreibt ACN eine Internetseite, das letzte große Designupdate erfolgte 2007. Dennoch war die damals eingerichtete Seite bei weitem nicht auf dem Stand der Technik und bot nur niedrig aufgelöste Grafiken. Funktionen wie eine Kommentarfunktion fehlten völlig. Diese dürfte eine der spannendsten Neuerungen der aktuellen Website sein, neben der stärkeren Einbettung von Videos und anderen Multimediainhalten. Zunächst kam das verbesserte Layout testweise auf der englischssprachigen Seite zum Einsatz, seit dem 5. Februar ist die neue Seite auch in Spanisch, Russisch und Französisch verfügbar.

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Relative Häufigkeit des Suchbegriffs „Wikipedia“ von Kuba aus (Quelle: Google Trends).

Seit Inbetriebnahme des Internetkabels aus Venezuela im vergenenen Jahr entwickelt sich das Internet in Kuba stetig weiter, die kubanische Onlineenzyklopädie EcuRed zählt mittlerweile 114.000 Artikel und ist damit größer als so manche Wikipedia. Das Projekt wurde im Dezember 2010 mit knapp 20.000 Beiträgen gestartet und scheint sich in Kuba wachsender Beliebtheit zu erfreuen. Betrachtet man die relative Anzahl der Suchbegriffe von Kuba aus via Google Trends, kann man sogar von einer regelrechten Verdrängung der Wikipedia durch EcuRed sprechen.

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Relative Häufigkeit des Suchbegriffs „EcuRed“ von Kuba aus im zeitlichen Verlauf (Quelle: Google Trends).

Kubas Umgang mit dem Internet beginnt sich zu verändern, was sich auch anhand der Suchanfragen zeigt. Zu den 10 beliebtesten Suchbegriffen aus Kuba zählen die Wörter Facebook, Gmail, Granma und Fotos. Moderne kubanische Nachrichtenwebseiten wie die der Juventud Rebelde oder Cubadebate gewinnen dabei stetig an Einfluss. Von der Regierung wurde nicht ohne Folge mehrmals das Ziel ausgegben, die ideologische Schlacht im Internet offensiv zu führen – das heißt vor allem auf die Stärke der eigenen Websites, auf die integration sozialer Netze und moderne Methoden der Berichterstattung zu setzen. Mit dem Redesign der ACN-Homepage hat Kuba damit einen Quantensprung erreicht. Bisherige Versuche zur Modernisierung der Website sind dagegen bestenfalls als halbherzig zu bezeichnen. Cuba heute nimmt dies zum Anlass, die bisherigen Layouts der Website mit Hilfe des Internetarchivs zu dokumentieren.

ACN2002

ACN-Website im Februar 2002. So dürfte die Seite seit ihrem Start im Jahr 1997 ausgesehen haben und war bereits damals technisch veraltet.

ACN2004

Im Jahr 2004 erfolgt die erste größere Designänderung, welche die Seite weder moderner noch übersichtlicher machte.

ACN

Nein, dieser Entwurf stammt nicht aus den 90ern, sondern stellt das ACN-Redesign im Jahr 2007 dar. Ein wenig aufgeräumter, aber hoffnunglos veraltet.

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11 Gedanken zu „Kubanische Nachrichtenagentur ACN erhält neue Website

  1. Hallo

    Zwei Sachen:

    – Der Link zur acn stimmt nicht, müsste so aussehen: http://www.cubanews.ain.cu
    – Von einer rasanten Entwicklung des Internets hierzulande zu sprechen halte ich, gelinde gesagt, für sehr übertrieben. Der Zugang für Privatleute bleibt weiterhin verschlossen, es sei denn via Internetcafé zu überteuerten Tarifen und mit totaler Kontrolle. Bei Geschwindigkeiten von 512KB von rasant zu sprechen, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Von dem Glasfaserkabel profitieren nur Behörden, Unis, Empresas und Ausgewählte. Der Rest (Hotels, Internetcafés etc.) teilt sich die „lahmen“ Satellitenverbindungen…

    Ab April soll angeblich 3G angeboten werden. Soweit man hört für Preise, die denen der jetzt erwerbbaren Autos nahekommen: 5’000USD für 1GB Datenvolumen.

  2. Hallo,
    danke für Deinen Kommentar, dem ich im wesentlichen zustimme. Rasant ist hier vielleicht nicht das Wort der Wahl, ich habe es mal durch „stetig“ ersetzt, was mir im Nachhinein auch besser gefällt. „Rasant“ könnte man in Relation sagen: Die Entwicklung 2011–2014 verlief rasant im Vergleich zu den Jahren 2008–2011. Zwar sind die Preise noch immer horrend, allerdings werden nun erstmals grundsätzliche Angebote geschaffen: Dieses Jahr soll, wie du schon sagtest, mobiles Internet kommen, ebenso wie Privatanschlüsse zu Hause. Wer hätte das noch vor 3 Jahren für möglich gehalten? Wenn das Angeobt erstmal verfügbar ist, ist es meiner Einschätzung nach nur eine Frage von wenigen Jahren, bis sich die Preise eingermaßen eingependelt haben. Das mag vielen zu langsam gehen, ist angesichts knapper Ressourcen allerdings der vernünftigste Weg. Ich sehe es daher auch vollkommen ein, dass derzeit Bildungseinrichtungen und Behörden bevorzugt vom Unterseekabel profitieren: es ist vernünftig, Studenten und Ärzte die sich sonst keinen Internetzugang leisten könnten, diesen aber für die richtige Ausübung ihres Beruf oder ihre Ausbildung benötigen, in dieser Hinsicht gegenüber neureichen CUC-Empfängern zu privilegieren. Mittelfristig sollte Internetzugang keine Geldfrage mehr sein, aber in der derzeitigen Lage halte ich es für die beste Lösung, den Netzausbau poco a poco durch die Einnahmen von Touristen und CUC-Surfern zu refinanzieren. Allerdings ist auch klar, dass extreme Preise selbst wohlhabendere Kubaner vergraulen dürften. Deshalb werden die Leute bei ETECSA sich sicherlich Gedanken über die Korrelation von Anzahl der Internetbenutzer und Preisgestaltung machen, da sie ja ein interesse daran haben, die Internetcafés maximal auszulasten.

    Beide Links sind übrigens korrekt, während ain.cu auf die spanischsprachige Originalseite führt, gelangt man via cubanews.ain.cu auf die englischsprachige Website.

  3. Hallo again

    Bei mir landet die URL http://www.ain.cu nur auf dem Etecsa-Server…

    Was die Frage der Finanzierung der Infrastruktur durch die, wie du sie nennst, neureichen CUC-Kubaner betrifft, so kann man dem zustimmen oder auch nicht. Jedenfalls sind es zum einen die Exilkubaner, die schätzungsweise 2Mia Dollar jährlich ins Land pumpen – davon „profitieren“ rund 80% der ansässigen Kubaner/innen. Zum anderen läuft die geduldete illegale Parallelwirtschaft auf CUC-Basis wie geschmiert. Ärzte, Wissenschaftler, Professoren, Handwerker, Physiotherapeuten oder Studenten/innen sind alle nebenher mit ihren Nebenjobs hinter der noch „harten“ Währung her, um sich ein Stück vom wie auch immer gearteten Kuchen abzuschneiden. Es sind dann eben auch diese Leute, die aufgrund der horrenden Preise vom Zugang zum Kommunikationsmarkt ausgeschlossen sind. Das schafft inzwischen böse Spannungen zwischen den tatsächlichen Neureichen, die dies zur Schau stellen und denjenigen, die einfach Zugang zum Web, Mail und Social Media suchen oder gar damit beruflich etwas auf die Beine stellen könnten, wie die Partikulares z.B.

    Wie dem auch sei, an sinkende Preise wird man erst denken können, wenn das duale Währungssystem gekippt wird, woran man ebenfalls arbeitet.

    Buenas noches.

  4. USD 5’000 fuer 1 GB! So kann man die Leute vom privaten Internet auch fern halten und braucht es nicht mehr verbieten wie bisher. Das nenne ich wahren Sozialismus.

    • Lieber Max,

      wenn der Sozialismus nicht schon am ersten Tag das Heilland erreicht, wenden sie die meisten Menschen ab. Was du hier forderst ist für ein Entwicklungsland einfach totaler Unsinn. Es gibt sicher andere Prioritäten für die kub. Wirtschaft als Internetverbindungen für private Haushlte.
      Poste mal die Ermangelung an privaten Internetverbindungen in anderen Blogs, zuzuordnen anderer Länder anderer Kontinente. Wir werden keinen Eintrag finden…

      • Zu den beiden Kommentaren fallen mir spontan ein paar Sachen ein:

        – Der Sozialismus werkelt schon seit beträchtlicher Zeit ihn diesem Lande, von einem ersten Tag kann also nicht die Rede sein. Um ihm trotzdem eine Lanze zu brechen, behaupte ich, dass Kuba kein „Entwicklungsland“ ist (ein ohnehin furchtbarer Begriff), jedenfalls erfüllt es dafür etliche Parameter nicht. Es gibt Bildung und Zugang zu medizinischer Versorgung für praktisch alle. Das Land ist in grossem und ganzen hinsichtlich Wasserversorgung und Elektrifizierung erschlossen. Niemand stirbt hungernd auf der Strasse usw.
        – Jedoch, die Produktivität ist niedrig, Eigenverantwortung und Engagement sind schwach ausgebildet (auch die privaten Unternehmer/innen, cuentas propistas, zeichnen sich in der Regel durch ausserordentlich niedrige Produktivität aus).
        – Ob man nun hier als „Privatperson“ eine günstige Internetverbindung haben soll oder nicht, sei dahin gestellt. Freier, ungehinderter und unüberwachter Zugang jedoch wäre schon ein Fortschritt. Allerdings würden gerade viele der Kleinunternehmer/innen von einem erleichterten und erschwinglichen Zugang profitieren, v.a. im Tourismus denke ich (casas particulares z.B.).
        Immerhin liegt die Kabelverbindung zum Kontinent dank des „Bruderstaats“ Venezuela schon 2011 betriebsbereit in der Karibik; die Verlegung des terrestrischen Glasfaserkabels findet angeblich schon seit langer Zeit statt. Ich vermute schlichtweg, dass es wiederum um mindestens 2 Dinge geht: das Abschöpfen der sog. CUC-Neureichen und der paar Ausländer, die bereit sind, solche Preise zu bezahlen; und zweitens um simple Machterhaltung des Greisenregimes, dass sich einfach nicht von totaler Kontrolle verabschieden will. Immerhin, die Menschen sind inzwischen angstfreier und kritisieren offen und unverblümt viele Missstände und Probleme, ohne unbedingt das ganze System in Frage zu stellen!

  5. Georg Meyer,

    ich interessiere mich nicht für deine Vermutungen!

    Die Bedingungen für einen höhere Entwicklungsstufe des Sozialismus sind in Kuba aus objektiven Gründen nicht gerade rosig, aber lassen sie mal die Kubaner machen…

    • Nun, ich vertraue ganz auf die Kubanerinnen und Kubaner, ich sehe und spreche sie jeden Tag! Allerdings entgeht mir, genauso wie in den Kommentaren von Max, der Wunsch nach einer „höheren Stufe“ des Sozialismus… Was meine Vermutungen betrifft, so wünschte ich mir mehr Transparenz seitens der privilegierten Nomenklatura, die ja nicht einmal bereit ist, die globalen Daten des Jahresplans öffentlich zu machen!

      • Lieber Georg,

        genau wie der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura haben Sie keine Ahnung von Ökonomie. Wenn ich Padura zu diesem Thema ertragen muss, dann seine moralischen Abschweife. Ökonomie hat nichts mit Moral zu tun.
        Wer Jahrzehnte ein relativ gutes Leben hatte, uznd nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Su zum ersten Mal auf eigenen Beinen stehen muss, der hat es eben schwer. Eine völlig neue Situation.
        Es ging in den Vorjahren leider sehr langsam voran, aber jetzt die gleichen Fehler der spontanen Eingebung weiterzuverfolgen ist völliger Unsinn!
        Es gibt viel zu tun in Kuba, aber die Richtung stimmt.

  6. Ich kenne persönlich keinen einzigen Kubaner der von einer höheren Entwicklungsstufe des Sozialismus träumt. Die meisten fühlen schon das Ende.
    In meinem Land hat das schnelle Internet mittlerweile jeden Kraal erreicht und Smartphones funktionieren in der Regel auch problemlos. Das Wasser ist im Gegensatz zu Cuba immer trinkbar und unsere Krankenhäuser sind auch top. Wer keine Krankenkasse oder kein Geld hat wird im Staatshospital umsonst verarztet.
    Unsere Strassen haben keine Löcher und verfallene Häuser gibt es auch nicht, obwohl wir eigentlich ein Entwicklungsland sind. Das alles, obwohl uns die Kubaner bildungsmässig und kulturell überlegen sind. Wer macht jetzt also was falsch?

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