Kuba will deutschen Pflegenotstand bekämpfen

Kuba könne Pflegekräfte „wie am Fließband produzieren“, so Gesundheitsminister Spahn. Hier: Bild einer Aula mit kubanischen Ärzten (Quelle: Commons)

Im Kampf gegen den Pflegenotstand im deutschen Gesundheitswesen geht die Bundesregierung neue Wege. Wie aus Berichten des Ministeriums hervorgeht, sollen noch bis Ende des Jahres mehr als 20.000 kubanische Pflegekräfte und Ärzte in deutschen Krankenhäusern eingesetzt werden. Die Maßnahme ist Teil des erweiterten „Sofortprogramms Pflege“ von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

„So wie es derzeit aussieht, bekommen wir das Problem nicht mehr ohne externe Hilfe in den Griff“, räumte Spahn laut Medienberichten ein. Nach Angaben der Bundesregierung fehlen derzeit mehr als 25.000 Fachkräfte im Pflegebereich, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht von weitaus höheren Zahlen aus. Trotz des im Januar angelaufenen Sofortprogramms könne der Pflegenotstand nicht mehr aus eigener Kraft gestemmt werden, wie aus einer internen Untersuchung des Ministeriums hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpo zugespielt wurde.

„Aufgrund der schwierigen Situation haben wir uns für den drastischen Schritt entschlossen, und die kubanische Regierung um Hilfe gebeten“, so Spahn. Kuba verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme des Kontinents und könne in mehreren Spezialhochschulen „gut ausgebildetes medizinisches Personal quasi wie am Fließband produzieren.“ Dies sei genau das, was man suche. Zudem verfüge das sozialistische Land über langjährige Erfahrung bei Auslandsmissionen seiner Fachkräfte. Derzeit sind mehrere zehntausend kubanische Ärzte und Pflegekräfte in über 50 verschiedenen Ländern im Einsatz.

Für die Finanzierung der „Leasing-Kräfte“ sowie die notwendigen Deutschkurse sei gesorgt. „Wir haben gerade nochmals 90 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln vom Haushaltsausschuss bekommen“, sagte Spahn gegenüber der „Rheinischen Post“. Damit sei es möglich, die angestrebte Zahl von 20.000 neuen kubanischen Fachkräften noch in diesem Jahr zu erreichen. Die Verträge sind zunächst für drei Jahre angelegt, können jedoch über diesen Zeitraum hinaus verlängert werden.

In Havanna kommt die Nachricht gut an. Kuba ist schon seit längerem auf der Suche nach neuen Kunden für sein Medizin-Exportprogramm. „Wir haben uns die Situation in Deutschland genau angeschaut und bereits alle Vorbereitungen in die Wege geleitet, da wir hier tatsächlich von einer humanitären Krise sprechen“, kommentierte Gesundheitsminister José Ángel Portal Miranda. Mehrere kubanische Expertenteams evaluierten im Vorfeld der Verhandlungen die Situation in den hiesigen Krankenhäusern. „Unsere Leute waren in Angola, Brasilien, Saudi-Arabien… aber so übel wie in Deutschland sah es bisher nirgends aus. Als wir vor 30 Jahren in Ost-Berlin zu Gast waren funktionierte alles noch ganz gut. Man fragt sich, wie man ein Gesundheitssystem so vor die Wand fahren kann“, kommentierte ein Mitarbeiter des Stabs, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Bedenken gibt es allerdings in Bezug auf das gesellschaftliche Klima. „Übergriffe auf kubanisches Medizinpersonal sind leider keine Seltenheit“, erklärte Miranda. „Ob angesichts des zunehmenden Rassismus in Deutschland die Sicherheit unserer Leute gewährleistet werden kann, muss sich erst noch zeigen.“ Sollte es zu vermehrten Zwischenfällen kommen, behalte man sich die Option vor, den Vertrag nicht zu verlängern. In diesem Fall könnte Kuba jedoch die humanitäre Hilfsbrigade „Henry Reeve“ auch ohne Bezahlung entsenden. Diese sei für Extremsituationen entsprechend ausgebildet. „Die Lage ist derart ernst, dass wir die Deutschen jetzt auf keinen Fall im Stich lassen dürfen“, so Miranda.

Update vom 2. April: Bei dem Artikel handelt es sich natürlich um einen Aprilscherz. Dabei ist das Thema gar nicht so abwegig: Tatsächlich werden derzeit Gespräche mit verschiedenen Ländern geführt, um den gezielten Einsatz ausländischer Pflegekräfte in Deutschland zu prüfen, darunter auch mit Kuba. Ob und in welchem Umfang dabei Vereinbarungen mit dem kubanischen Gesundheitsministerium getroffen werden, ist derzeit völlig unklar.

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12 Gedanken zu „Kuba will deutschen Pflegenotstand bekämpfen

  1. Ein zweischneidiges Pferd!
    Was hier euphemistisch Leiharbeit genannt wird, ist eigentlich moderne Sklaverei. Möglicherweise sehen die kubanischen Fachkräfte es als Sprungbrett, aber man kann sich vorstellen, was bei Ihnen finanziell am Ende noch ankommt und welche Teilhabe sie hier in der Gesellschaft haben können, wenn die den größten Teil des Einkommens an den kubanischen Staat abführen müssen.

  2. GERECHTE LÖHNE:
    Warum verdienen in Deutschland Kopfarbeiter mehr als Körperarbeiter?
    …Versicherungsmitarbeiter zählen zu den Gutverdienern ca. 5.874 Euro Brutto/Monat…
    …Physiotherapeuten verdienen ca. 2.630 Euro Brutto/Monat…
    Ist das soziale Gerechtigkeit?
    ————————————————————————————————————–
    Fachkräfte- und Pflegepersonalmangel
    Anregung: Es besteht nur die staatliche Krankenversicherung und die überflüssigen Versicherungsmitarbeiter werden für die
    Gesundheitsberufe umgeschult…
    …und stehen dann selbst einmal an den Behandlungsbänken und Betten…

  3. Eine “erhebliche Gehaltserhöhung” ist eine wichtige Maßnahme, um den Gesundheitsberuf attraktiver zu machen und das derzeitige Personal zu binden.

  4. Es wäre einfacher die Patienten nach kuba zu schaffen und dort Die notwendige Infrastruktur zu errichten, als die hiesige überlastete Infrastruktur zu überfordern.

    Es reicht nicht aus, Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Die Pflege ist in Deutschland nicht finanzierbar. Auf Kuba dagegen schon.

  5. Ich finde es traurig, dass sich im eigenen Land keine Leute zur Pflege bereitstellen und nur an das eigene Wohl denken. Oder werden diese Schulungen nicht richtig finanziert?? Woran liegt es wirklich, dass man ausländische Pflegekräfte einstellt, die unserer Sprache mitunter nicht mächtig sind ?? Jede deutsche Frau, sollte sich auch der Pflicht bewusst sein, Pflege dort zu leisten, wo sie gebraucht wird und nicht einfach die Eltern in Heime abschieben. Ich habe, beide Elternteile, 8 Jahre gepflegt , obwohl ich selber krank war und bin stolz darauf; würde es heute , wieder tun. Sie haben die ewige Ruhe verdient. Respekt, haben viele Menschen verlernt und auch die Fähigkeit, andere Menschen, so anzunehmen, wie sie sind.

    • Niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen – weil das Gesundheitswesen jahrelang kaputtgespart und nach Gewinnstandards durchrationalisiert wurde. Das sind die entscheidenden Gründe, warum so wenige diesen Beruf ergreifen wollen. Aber nicht „jede deutsche Frau“ (warum deutsch? warum gerade die Frauen?) kann einfach mal schnell zur professionellen Pflegekraft werden und die Angehörigen adäquat zu Hause pflegen. Nicht umsonst ist das ein Beruf, der mit einer mehrjährigen Ausbildung verbunden ist – und nicht jeder kann das, auch wenn er oder sie noch so sehr davon überzeugt ist. Nicht selten kommen Patienten dann mit Pflegefehlern von hausgebackenen „Fachkräften“ ins Krankenhaus. Es geht darum, dass die Profis wieder gescheite Arbeitsbedingungen haben.

  6. Habe gut gelacht! Leider nicht über die Vorstellung das ein kleines (aber starkes!) Land wie Kuba dem Wirtschaftsriesen Deutschland zu Hilfe kommen muss, sondern dass sich die Bundesregierung die Blöße geben muss zuzugeben dass sie sozialistischen Support brauchen. Ein Kollege hat das echt geglaubt, bis ich ihn aufgeklärt hab…

    Weiter so Kuba!

  7. Habe gut gelacht! Leider nicht über die Vorstellung das ein kleines (aber starkes!) Land wie Kuba dem Wirtschaftsriesen Deutschland zu Hilfe kommen muss, sondern dass sich die Bundesregierung die Blöße geben muss zuzugeben dass sie sozialistischen Support brauchen. Ein Kollege hat das echt geglaubt, bis ich ihn aufgeklärt hab…

    Weiter so Kuba!
    Hoch die internationale Solidarität!

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