Corona-Update für Kuba (1): Ausgangssperre in Santiago, keine Quarantäne in Havanna?

Um angesichts der Fülle an Informationen die auch auf Kuba jeden Tag zur Corona-Pandemie entstehen nicht den Überblick zu verlieren, gibt es mit dem „Corona-Update“ auf Cuba heute eine neue Rubrik, in der in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die wichtigsten Entwicklungen zu Covid-19 auf der Insel dokumentiert werden. Das soll für mehr Übersicht bei der Berichterstattung sorgen und die zahlreichen Meldungen einordnen helfen. Den Anfang machen immer die aktuellen Daten zum Stand der Virusbekämpfung und Neuigkeiten über die Lage vor Ort, gefolgt von anderen Themen. In der ersten Ausgabe geht es unter anderem um die Ausgangssperre in Santiago und die Lage in Havanna; ein neues Medikament auf dem Radar der kubanischen Mediziner sowie eine App, mit der kommerzielle Hamsterkäufe verhindert werden sollen.

  • Bis zum 6. April wurden auf Kuba insgesamt 350 Personen positiv auf das neuartige Corona-Virus getestet, (+30 zum Vortag). Inzwischen sind 9 Menschen an den Folgen des Virus verstorben (+1). 1718 Personen stehen unter Quarantäne, 18 gelten als geheilt, zwei wurden in ihre Heimatländer ausgeflogen.
  • Hinweis: Die Zahlen, welche in der täglichen Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums (MINSAP) um 11 Uhr Vormittags gemeldet werden, beziehen sich immer auf den Stand 23:59h des Vortrags. Einen guten Überblick über die regionale Entwicklung auf Kuba sowie die Anzahl der Tests und weitere Daten bietet das offizielle „Covid 19 Dashboard“ für Kuba, welches die Zahlen des MINSAP aufbereitet. Auch das „Proyecto Inventario“ bietet täglich aktualisierte Visualisierungen der veröffentlichten Zahlen an.
  • Noch immer befinden sich 13.495 Besucher auf der Insel, davon 6.424 Ausländer (meist Touristen) und 7.071 Kubaner mit Wohnsitz im Ausland. Die Anzahl der Touristen in Privatunterkünften hat sich in den letzten Tagen auf 1.107 halbiert, die meisten davon befinden sich in Havanna und Santiago de Cuba. Noch im Land befindliche Touristen werden seit Ende März in Hotels umquartiert und stehen dort unter Quarantäne. Seit dem 24. März sind auf Kuba alle Bildungs- und Kultureinrichtungen, der Tourismus, der Fernverkehr sowie zahlreiche Dienstleistungebereiche für 30 Tage geschlossen. Die Industrie läuft weiter, jedoch wurden einige große Fabriken geschlossen. Büroangestellte sollen möglichst in den Home-Office Betrieb wechseln, in Havanna konnte dies allerdings erst für 44.000 Angestellte umgesetzt werden. Nach Ablauf der Frist können die Maßnahmen gegebenenfalls verlängert werden.
  • Was die Entwicklung von neuen Wirkstoffen zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten angeht setzen Kubas Mediziner ihre Hoffnungen derzeit unter anderem auf das antiparasitäre Medikament „Ivermectin“, welches bisher gegen Fadenwürmer und Läuse, aber auch bei Behandlung von Dengue, HIV und dem Zika-Virus eingesetzt wird. Australische Forscher konnten laut einer Meldung der Nachrichtenseite des Pharmaverzeichnis „Gelbe Liste“ nachweisen, dass die Reproduktion von SARS-Cov-2 in der Zellkultur mit dem Wirkstoff gestoppt werden kann. Auf Kuba wird dies mit Interesse verfolgt. Francisco Durán, Leiter der Epidemiologie im MINSAP, wies jedoch darauf hin, dass sich Ivermectin erst noch in klinischen Studien beweisen müsse. Sollte dies erfolgreich sein, könnte das Medikament auch auf der Insel zum Einsatz kommen. Kuba sei imstande das Mittel zu beziehen, so Durán.
  • Präsident Díaz-Canel mahnte zuletzt am Freitag, „mit Entschlossenheit gegen undiszipliniertes Verhalten“ vorzugehen, welches die gegen das Virus eingeleiteten Maßnahmen unterlaufe. Hierfür sei die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum erhöht worden.

Die Straßen Havannas haben sich geleert. Mittlerweile sind fast alle mit Mundschutz unterwegs, wie am Freitag vor der geschlossenen Eisdiele „Coppelia“ zu beobachten war (Quelle: Privat)

Weitere Entwicklungen:

  • Quarantäne abgesagt? Eigentlich sollte das Viertel „El Carmelo“ in Havannas Stadtteil Vedado ab Freitag Abend unter Quarantäne gestellt werden. Die Abendnachrichten an jenem Tag ruderten jedoch wieder ein Stück zurück: so dürfen die 27.000 Anwohner das Gebiet weiterhin verlassen um zur Arbeit zu gehen – alle anderen sollen jedoch unbedingt zu Hause bleiben. Dafür stehen Checkpoints an entsprechend ausgewiesenen Ein- und Ausgängen bereit. Auch öffentliche Verkehrsmittel werden, anders als zunächst angekündigt, weiterhin halten. Bushaltestellen sollen in der 1,2km² umfassenden Zone jedoch häufiger desinfiziert werden. Statt von „Quarantäne“ wird in den kubanischen Medien in Bezug auf das Gebiet jetzt von „sozialer Isolierung“ gesprochen. Inzwischen wurde auch die Überschrift des Info-Logos in der ursprünglichen Meldung vom 2. April auf Cubadebate von „en cuarentena“ zu „en aislamiento“ ausgetauscht. Die „Granma“ erläuterte am Montag schließlich die Unterschiede zwischen Quarantäne, sozialer Isolierung und sozialer Distanzierung – das Vokabular zu den verschiedenen Maßnahmen – auf Basis der WHO Definitionen. Auf Kuba gilt bisher allgemein eine Abstandsregel von 1,5 Meter im öffentlichen Raum sowie die Vorgabe, die Wohnung nur für dringende Besorgungen zu verlassen.
  • Ausgangssperre in Santiago: wie die Lokalzeitung „Sierra Maestra“ berichtet, wurde in der ostkubanischen Metropole Santiago de Cuba am Freitag eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Alle Geschäfte müssen ab 19 Uhr schließen, danach darf das Haus nur noch „für den Besuch des Arztes oder aus Gründen höherer Gewalt“ verlassen werden, heißt es in dem Beschluss des Verteidigungsrats der Provinz. Die Polizeipräsenz soll verstärkt werden, um die Einhaltung zu überprüfen.
  • Homöopathie für Risikogruppen: Kuba will jetzt das selbst entwickelte homöopathische Präparat „PrevengHo-Viran ältere Personen, die zu den Risikogruppen zählen, ausgeben. Wie der epidemiologische Leiter des Gesundheitsministeriums, Francisco Durán, in der heutigen Pressekonferenz erklärte, handele es sich dabei „wie bei allen homöopathischen Substanzen“ um ein „harmloses Mittel“, welches die Abwehrkräfte des Körpers stärke. Dabei betonte er, dass die Substanz keine Virusinfektionen vorbeuge und auch „kein Ersatz für andere Medikamente“ sei. Die Hygieneregeln müssten strikt beachtet werden. Das Mittel werde „nicht in den Apotheken angeboten, sondern gezielt an die Risikogruppe verteilt“, betonte Durán. Die Wirksamkeit von Homöopathie ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Studien konnten bisher keine Wirkung belegen, die über den Placebo-Effekt hinausgeht.
  • Liste der Höchstabgabemengen pro Person vor einem Laden in Havanna am Samstag (Quelle: Privat)

    Neue App soll Hamsterkäufe und Spekulation verhindern: mit einer neu entwickelten Smartphone-App namens „Porter@“ will Havannas Informatikuniversität (UCI) bei der Organisierung von Warteschlangen helfen und kommerziellen Wiederverkäufern das Leben schwer machen. Der Kontrolleur am Einlass der Geschäfte kann damit den QR-Code auf der Rückseite des Personalausweises scannen um die eintretenden Kunden zu registrieren, alte Ausweise können manuell erfasst werden. Wer zweimal in den selben Laden will, hat dann schlechte Karten. Kubas Regierung versucht derzeit das knappe Warenangebot möglichst gleichmäßig zu verteilen. Für viele Produkte sind bereits Höchstabgabemengen pro Person festgelegt, andere (z.B. Hygieneprodukte) sollen diesen Monat über das staatliche Bezugsheft („Libreta“) verkauft werden. Damit solllen auch die langen Schlangen vor den Supermärkten vermieden werden, welche derzeit als ein Hauptinfektionsrisiko gelten. Trotz der Rationierungsmaßnahmen würden immer wieder größere Mengen zum kommerziellem Weiterverkauf aufgekauft, indem sich einzelne Personen mehrfach in die Schlange einreihen, berichten kubanische Medien.

  • Katholische Kirche bekommt Sendezeit in staatlichen Medien: nach entsprechenden Bitten der kubanischen Bischhofskonferenz wird die katholische Kirche während des derzeitigen Gottesdienstverbots Sendezeit für Messen in staatlichen Fernseh- und Radiosendern erhalten. „Die Erlaubnis betrifft den Palmsonntag, den Gründonnerstag und Karfreitag sowie den Ostersonntag und die darauf folgenden Sonntage. Sie gilt solange, wie öffentliche Gottesdienste wegen der Corona-Krise untersagt sind“, berichtet „Vatican News.

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