Telekommunikation in Kuba wächst – Pläne für kommendes Jahr

Seit dem am 4. Juni im ganzen Land 118 neue Internetcafés eröffneten, haben in den ersten 15 Tagen bereits über 11.000 Kubaner von dieser Option gebrauch gemacht. Das waren durchschnittlich über 5.500 pro Woche. Mit dem neuen Geschäftsmodell Nauta, bietet der staatliche Telekomunikationsdienstleister ETECSA für den Preis von 4,50 CUC eine Stunde Internetzugang sowie die Einrichtung eines eMail-Accounts an. Die selbe Zeit im kubanischen Intranet kosten 0,60 CUC. Obwohl diese Preise sehr hoch sind, plant man durch die Einnahmen langfristig dringend notwendige Investitionen zu tätigen.

Hierzu gehört beispielsweise die Eröffnung von zehn weiteren Nauta-Zugangspunkten in den Provinzen Pinar del Río, Ciego de Ávila, Camagüey und Havanna bis zum Ende des laufenden Jahres. Derzeit haben rund 1,7 Millionen Kubaner Zugang zum Internet, das entspricht etwa 15 Prozent der Bevölkerung. In den letzten Jahren war jedoch ein stetes Wachstum zu verzeichnen, zwischen 2010 und 2011 lag es bei über 31 Prozent.
Jorge Legrá, Direktor des strategischen Programms von ETECSA erklärte neulich gegenüber Juventud Rebelde, dass künftig auf (für Kuba) neue Technologien wie WiFi gesetzt werde, und man die Modemnetze des Landes durch moderne ADSL-Verbindungen ersetzen wird. Ende 2013 wird es seinen Angaben zu Folge über drei Millionen Telefonleitungen in Kuba geben, davon werden über zwei Millionen auf Mobiltelefone entfallen (2012: 1,79 Millionen).

Wachstum und Kostensenkung bei der Telefonie

Dies ist ein gewaltiger Anstieg wenn man bedenkt, dass kurz nach der Legalisierung von Mobilfunkverträgen 2008 gerade einmal 223.000 Kubaner ein Handy angemeldet hatten, 2010 wurde erstmals die Zahl von einer Million Kunden erreicht. Während die Eröffnung eines Handyvertrags vor fünf Jahren noch 111 CUC kostete, belaufen sich die Kosten heute auf 30 CUC, betonte Legrá. Daneben wurden im Laufe der Jahre viele weitere diversifizierte Angebote wie z.B. R-Gespräche sowie starke Senkunden der Gesprächskosten eingeführt. Derzeit deckt das kubanische Handynetz mit seinen über 400 Sendemasten gut 75 Prozent der Landesfläche ab. In einigen ländlichen Gegenden mit niederiger Netzauslastung im Westen und Osten der Insel läuft derzeit ein Versuchsprogramm mit reduzierten Gebühren für Gesprächsminuten. Dieses soll 2014 auch auf andere Gegenden mit ähnlichen Bedingungen ausgedehnt werden, um die Nutzung der Mobiltelefonie zu stärken.

Auch in Zukunft soll der jährliche Zuwachs von 300.000 neuen Nutzern bei der Mobiltelefonie gehalten werden. Dennoch sei die derzeitige Telefonabdeckung mit etwa 25 Prozent der Bevölkerung noch unzureichend, räumte der Vertreter von ETECSA ein. Der Ausbau und die schnelle Modernisierung des kubanischen Telefon- und Internetnetzes sei mit hohen Kosten verbunden, betonte der Ingenieur. Die Grundlage für das schnelle Aufholen bildet nun das ALBA-1 Unterseekabel aus Venezuela, das 2012 in Betrieb ging und seitdem die Internetkapazität der Insel um mehrere tausend Prozent gesteigert hat. Auch bei der Telefonie macht sich dies positiv bemerkbar: Statt 19.000 können nun bis zu 32.000 gleichzeitige Telefongespräche von der Insel ausgehen, 97% aller Munizipios werden dabei vom Kabel profitieren können.

Private Internetanschlüsse ab 2014

Mit einer spektakulären Ankündigung sorgte Legrá zudem erst neulich für Aufsehen: Die für den „langfristigen“ Zeitraum angekündigten privaten Internetanschlüsse für kubanische Haushalt könnten nun doch schneller als gedacht kommen: Bis zum Ende des Jahres 2014 soll das Angebot in den dafür ausgerüsteten Gegenden verfügbar sein. Das mobile Datennetz für Handys wird voraussichtlich ebenfalls im kommenden Jahr starten.

Das Jahr 2014 verspricht wichtige Akzente für den Internetzugang der Kubaner zu setzen. Zwar werden die neuen Möglichkeiten erst einmal nur wenigen, zahlungskräftigen Kubanern zu Verfügung stehen – wenn man jedoch die Preissenkungen bei den Handyverträgen von über 80 Prozent in fünf Jahren mit in Rechnung stellt, könnte sich hier eine analoge Entwicklung anbahnen. Schließlich bedeuten mehr Kunden für ETECSA auch immer neue Investitionsmöglichkeiten und zudem schaffen die neuen Kunden die nötigen Amortisationen für Preissenkungen um noch mehr Kunden anzulocken.

Trotz der hohen Startpreise dürfte nun kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die massenweise Ausdehnung des Internets in der kommenden Dekade für Kuba ein ernstes Projekt ist. Die oft unterstellten politischen Motive für eine Vorenthaltung des Internetzugangs scheinen nun ein mehr als fadenscheiniger Vorwurf zu sein. Für private Internetanschlüsse, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären, existiert jetzt zumindest ein ungefährer Termin in naher Zukunft. In wenigen Jahren könnte so eine kleine Revolution in der Telekommunikation der Insel beginnen, die einem gigantischen und schnellen Aufholakt auf diesem Gebiet gleichkäme.

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