Artemisa bekommt Autobahnanschluss

Seit Februar 2018 laufen die Bauarbeiten für den neuen Autobahnanschluss der Stadt Artemisa (Quelle: Cubadebate)

Wer in die kubanische Stadt Artemisa fahren will, erreicht diese über die Autobahn von Havanna ausgehend nur über einen 15 Kilometer langen Umweg. Das soll sich bald ändern: wie die lokale Zeitung der Provinzhauptstadt meldete, wird die 82.000 Einwohner zählende Stadt künftig über eine direkte Autobahnanbindung verfügen. Damit soll sich die bisher 25-minütige Anfahrt von der Autobahn aus auf 10 Minuten verkürzen, womit sich ein lange gehegter Wunsch vieler Einwohner erfüllen würde.

Im Jahr 2011 wurde im Rahmen einer Provinzreform auf Kuba zwei neue Provinzen aus der alten Provinz Havanna heraus gebildet: Artemisa im Westen und Mayabeque im Osten. Während Mayabeques Hauptstadt San José de las Lajas gut an die Autobahn angeschlossen ist, kann die gleichnamige Provinzhauptstadt Artemisas bisher nur über die Landstraße Carretera Central erreicht werden. Obwohl bereits seit 2012 erste Planungen stattfanden, erfolgte erst sechs Jahre später der erste Spatenstich.

„Die ersten Schritte um diesen Traum zu erfüllen, sind bereits getan“, berichtet die Zeitung El artemiseño. Vom Kreisverkehr der Stadt ausgehend soll die neue Zubringerstraße an den Kilometer 35 der zentralen Autobahn anschließen. Statt knapp 15 Kilomter soll die neue Anbindung nur sieben Kilometer lang sein, die Durchschnittsgeschwindigkeit soll sich zudem von 60 auf 100 Stundenkilometer erhöhen. Neben der Zeitersparnis soll so auch langfristig Treibstoff gespart werden, weshalb sich die Investitionen für die neue Straße in rund drei Jahren amortisieren sollen. Wann die neue Straße fertig wird, ist indes noch nicht bekannt.

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Digital in der Sierra

Campesino mit Empfang: beim Internetausbau versucht Kubas Regierung besonders ländliche Gebiete nicht zu vernachlässigen (Quelle: Cubadebate)

Tief in den Bergen der südöstlichen kubanischen Provinz Granma, zwischen dichtem Regenwald und unberührter Natur mit kristallklaren Flüssen, liegt der kleine Ort Santo Domingo. Wenige Kilometer von hier errichteten 1958 die Revolutionäre um Fidel Castro mit der »Comandancia General de La Plata« die Kommandozentrale der Rebellenarmee, versteckt im dichten Dschungel. Nur wenige Touristen verirren sich in jene Provinz, meist auf den historischen Spuren der Anfangsstunden der kubanischen Revolution in den grünen Gebirgszügen der Sierra Maestra. Die Region, die auch als eine Wiege der Revolution gilt, wo befestigte Straßen auch heute eher die Ausnahme sind, ist jetzt per Internet erreichbar. […]

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Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft

Kubas Telekommunikationsversorger will noch in diesem Jahr mobiles Internet anbieten (Quelle: Cubadebate)

Havanna/Genf. Kuba will die Digitalisierung des Landes massiv vorantreiben. Im Rahmen des Kongresses Informática 2018 treffen seit Anfang der Woche zahlreiche kubanische und internationale Experten in Havanna zusammen, um über die nächsten Schritte auf dem Weg zur Informationsgesellschaft zu beraten. Neben dem flächenmäßigen Ausbau des Internetzugangs standen dabei auch Themen wie E-Governance, E-Learning, freie Software, mobiles Internet und Digitalfernsehen auf der Agenda. Firmen unter anderem aus Japan und China stellen ihre Produkte vor.

Mayra Arevich, Chefin der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft Etecsa, gab am Montag auf dem Kongress einen Überblick über den Stand des Internetausbaus auf der Insel. Demnach gibt es derzeit 1.651 öffentliche Zugangspunkte, davon 673 Wifi-Hotspots, 207 staatliche Internetcafés und 771 Zugänge in Hotels und Postbüros. Bis Ende 2017 hatten sich mehr als 5,3 Millionen Nutzer beim Internetversorger registriert, darüber hinaus wurden 27 Millionen Zugangskarten zum Preis von einem CUC (konvertibler Peso, entspricht rund 81 Euro-Cent) pro Stunde verkauft.

Auch beim Ausbau der Privatanschlüsse gibt es Fortschritte zu verzeichnen. Nach dem erfolgreichen Ende der Pilotphase im letzten Herbst wurden im Rahmen von „Nauta hogar“ bereits mehr als 27.000 kubanische Haushalte ans weltweite Netz angeschlossen, davon 12.700 allein in diesem Jahr. 95 Prozent der Kunden nutzen den günstigsten Tarif mit einem MBit Downstream (entspricht DSL 1.000), der für 15 CUC im Monat angeboten wird. Dieses Jahr sollen weitere 52.000 private Internetanschlüsse sowie 150 neue Wifi-Hotspots hinzukommen.

Als weiteres Ziel nannte Etecsa den Ausbau des mobilen Internets. „Havanna verfügt heute bereits über vollständige 3G-Abdeckung, derzeit wird in anderen Regionen daran gearbeitet zunächst 47 Prozent der Landesfläche damit zu versorgen“, sagte Arevich. Das neue Angebot wird in der ersten Jahreshälfte starten, Informationen zu den Tarifen liegen noch nicht vor. Bis zum Jahr 2020 soll mindestens jeder zweite kubanische Haushalt mit Internet versorgt sein.

Kuba will sich im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie jedoch nicht allein auf den Ausbau des Internetzugangs beschränken, sondern auch eigene Softwaredienstleistungen aufbauen. So werden seit vergangenem Jahr chinesische Laptops nach dem Baukastenprinzip auf der Insel hergestellt, die mit der heimischen Linux-Distribution Nova ausgestattet sind. Staatliche Institutionen wie Banken, der Zoll sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen entwickeln verstärkt eigene Handy-Applikationen. Viele Behördengänge sollen künftig durch digitale Angebote vereinfacht werden oder entfallen, ein entsprechendes Pilotprojekt läuft dazu in der Provinz Pinar del Río. Eine von der Universität Camagüey entwickelte Software zur Verwaltung von Kulturerbestätten wurde jüngst auf dem WSIS, dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft ausgezeichnet, der jedes Jahr von den Vereinten Nationen in Genf abgehalten wird. Kuba war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach für Softwareentwicklungen ausgezeichnet worden.

Auch im Bankensektor soll angesichts der bevorstehenden Währungsreform die Digitalisierung vorangetrieben werden. Im Rahmen der E-Governance-Initiative will die Regierung bargeldloses Bezahlen mittels EC-Karten und Handy-Apps weiter verbreiten. Derzeit stehen den rund vier Millionen Kartenbesitzern lediglich 936 Geldautomaten zu Verfügung, deren Zahl soll jährlich um rund ein Fünftel zulegen.

Die Anfänge von Netzwerken und Internet in Kuba reichen zurück bis ins Jahr 1983: Via Satellitenverbindung nach Moskau hing Kuba am dortigen IASnet. Im selben Jahr wurde das kubanische Netzwerkinstitut Cenia und 1987 die Jugendcomputerklubs gegründet, die zu einer gleichmäßigen Verbreitung von PC- und Internetkenntnissen auf der Insel führen solllten. Bis Mitte der 1990er Jahre entwickelte sich Kuba zu einer der „führenden Kräfte des Netzwerkens in der Karibik“, bestätigt der US-amerikanische Informatiker Larry Page. Die US-Blockade verhinderte jedoch den Anschluss an die Unterseekabel in der Karibik. Kuba war auf teure Satellitenverbindungen angewiesen, die über geringe Bandbreite verfügten und verlor zunehmend den Anschluss an die weltweite Entwicklung. In den 2000er Jahren konzentrierte das Land sich vor allem auf den Ausbau des eigenen Intranets, das mit dem „EcuRed“ über eine eigene Enzyklopädie mit über 100.000 Artikeln verfügt. Der Ausbau des Zugangs zum Internet stagnierte jedoch, und die hohen Preise machten es für die meisten Kubaner unerschwinglich.

Das änderte sich nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des venezolanischen Unterseekabels Alba-1 im Jahr 2014. Kuba konnte seinen Zugang zum weltweiten Netz seitdem deutlich verbreitern. Seit 2015 gibt es auf der Insel eine Berufsvereinigung für Informatiker, im Februar 2017 verabschiedete die Regierung ein langfristiges Programm zur Digitalisierung der Gesellschaft.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Varadero bekommt 4G-Datennetz

Mobiles Internet erreicht schon bald auch die Traumstrände in Kubas Badeort Varadero (Quelle: Cubadebate)

Bis zum Ende des Monats soll Kubas Touristen-Hotspot Varadero über mobiles Internet mittels 4G-Technologie verfügen. Dies meldete die Tageszeitung „Juventud Rebelde“ am Dienstag. Derzeit läuft im gesamten Land der Testbetrieb für das mobile Datennetz auf 3G-Basis, welches bis Ende April die über 4,5 Millionen Handynutzer der Insel erreichen soll.

In Kubas wirtschaftsstarker Provinz Matanzas kommt der Ausbau des Internets planmäßig voran. Mehr als 65.000 neue Handykunden kamen allein im vergangenen Jahr hinzu, wie der Telekommunikationsversorger ETECSA bekannt gab. Heute zählt die Provinz 362.000 Handynutzer, fast jeder zweite Einwohner nutzt damit das Mobilfunknetz. Umso erfreulicher, dass die Freigabe des mobilen Internets nicht mehr lange auf sich warten lassen soll.

Bereits im letzten Jahr wurden in allen Provinzhauptstädten des Landes neue Handymasten der dritten Generation aufgestellt, welche mobiles Internet mit Übertragungsraten von theoretisch bis zu 4 Mbit liefern können. Kuba setzt dabei auf das 900 Mhz Frequenzband, welches bessere Übertragungsraten in geschlossenen Räumen und entlegenen Gebieten bieten soll. Die Sendemasten kommen von chinesischen Firmen wie Haier und Huawei, die sich bereits in anderen Ländern der Region für den Ausbau des mobilen Internets verantwortlich zeigten.

Auch in weiteren Teilen der Insel sind bereits die größeren Gemeinden mit 3G-Netz versorgt. In der östlichen Provinz Granma wurden beispielsweise die Hauptstadt Bayamo sowie Manzanillo und Pilón im letzten Jahr versorgt, wobei die älteren Funkmasten der zweiten Generation in gebirgige Gegenden wie Bartomolé Maso, Bueycito und Buey Arriba verlegt wurden, wo bisher oftmals noch gar kein Handyempfang möglich war. Bis zum Ende des Jahres sollen auch kleine Städte wie Yara, Río Cauto und Guisa mit 3G-Datennetz versorgt werden.

Schon heute können Kubaner und Touristen gleichermaßen über den US-amerikanischen Roaminganbieter Digicel Gebrauch vom mobilen Internet machen. Die Preise sind mit 25 US-Dollar für 100 Megabyte jedoch recht happig. Der staatliche Netzbetreiber ETECSA plant indes nach Ende des Testbetriebs im April mit einem eigenen Angebot an den Start zu gehen, dass „weniger schmerzhaft“ für die Kaufkraft der Kubaner sei.

Kubas Regierung treibt die Digitalisierung des Landes seit einigen Jahren massiv voran. 2014 wurde ein Plan zum flächendeckenden Ausbau des Internets genehmigt, im Jahr 2016 begann das erste Pilotprojekt für private Internetanschlüsse zu Hause. Während die schlechte Infrastruktur derzeit nur einige zehntausend Nutzer für „nauta hogar“ zulässt (derzeit zählt das Angebot knapp 12.000 Kunden, die für 0,50 US$  pro Stunde von zu Hause aus surfen), könnte das mobile Internet über die Handynetze bald schon weitaus größere Wellen schlagen. Bis zum Ende des Jahres sollen neben Varadero auch andere dicht besiedelte Gebiete über LTE-Netz verfügen.

Update vom 19. Februar: Inzwischen hat Digicel angekündigt, seinen Roaming-Service am 9. April 2018 einzustellen. Es scheint daher wahrscheinlich, dass spätestens zu diesem Datum ETECSA mit einem eigenen Angebot das Monopol für mobiles Datennetz auf Kuba bekommen wird.

China erweitert Hafen von Santiago de Cuba

Santiagos neues Frachtterminal soll 250 Meter lang werden (Quelle: Xinhua)

Kubas ehemalige Hauptstadt Santiago wird bald über den zweitgrößten Hafen der Insel verfügen. Derzeit wird mit chinesischer Hilfe ein neues Containerterminal errichtet, welches mit einer Kapazität von 565.000 TEU pro Jahr nur vom neuen Tiefseehafen in Mariel übertroffen wird. Durch die Erweiterung des Hafens können bald auch größere Containerschiffe in Santiago halt machen, was die Wirtschaft im Osten der Insel beleben soll. Das 120-Millionen-Dollar-Projekt hat im Jahr 2015 begonnen und wird nächsten Sommer in Betrieb gehen.

„Ich habe noch niemals zuvor Arbeit in dieser Geschwindigkeit und Qualität gesehen“, kommentierte der kubanische Ingenieur Carlos Manuel Domínguez gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Domínguez, der bereits seit zwei Jahrzehnten Erfahrungen bei verschiedenen Hotel- und Tourismusprojekten hat, arbeitet derzeit mit Chinas „Communications Construction Company“ und 200 Arbeitern aus beiden Ländern an der Erweiterung des Hafens seiner Heimatstadt Santiago.

Mehr als 200 Chinesen und Kubaner arbeiten an dem Projekt, das bis Mitte 2018 fertig werden soll (Quelle: Xinhua)

Das neue Terminal, welches auf der gegenüberliegenden Uferseite der 600.000-Einwohner-Stadt liegt, soll 250 Meter lang werden und mit fünf modernen Entladekränen ausgestattet werden. Zudem entstehen zwei neue Lagerhäuser mit einer Gesamtkapazität von über 15.000  Tonnen. Durch die Ausbaggerung des Hafenbereichs auf eine Tiefe von 14 Metern sollen bald größere Containerschiffe mit einer Kapazität von bis zu 55.000 Tonnen in Santiago einlaufen können. Das bisherige Limit lag bei 30.000 Tonnen. Die Frachtkapazität soll dabei insgesamt auf 565.000 TEU pro Jahr steigen, mehr als der alte Hafen Havannas. Zum Vergleich: Kubas modernster Hafen in Mariel, der im Jahr 2014 in Betrieb ging, hat eine Kapazität von rund 800.000 TEU.

Um den Hafen möglichst effizient zu nutzen erhält das neue Terminal zusätzlich eine Anbindung an die Schiene. „Dieses Projekt dient der wirtschaftlichen Entwicklung des kubanischen Ostens“, erklärte der chinesische Hafeningenieur Ma Xichao. Neben dem höheren Warenumsatz sollen mit der Erweiterung auch die Transportkosten sinken. In Zukunft könnte neben dem Hafen zudem eine Sonderwirtschaftszone entstehen, ähnlich wie bereits in Mariel realisiert. Die Vorteile des neuen Hafens beschränkten sich dabei nicht nur auf die Stadt Santiago. „Dies wird ganz Ostkuba nützen“, so der Ingenieur. Das Projekt, welches bereits zu zwei Dritteln fertiggestellt ist, soll nächsten Sommer übergeben werden.

Kubas Transportwesen erhält Frischzellenkur

Die erste Charge der 75 neuen russischen Diesellokomotiven vom Typ TGM8KM traf vor kurzem auf Kuba ein (Quelle: livejournal)

Wenige Tage nachdem Havannas erster chinesischer Elektrobus seinen Betrieb aufgenommen hat bekommt Kubas Transportsektor weitere Verstärkung, diesmal jedoch aus Russland. Mit der Lieferung hunderter Ladas, LKWs und Dieselloks soll dem Personen- und Güterverkehr auf der sozialistischen Insel in den nächsten Jahren wieder neues Leben eingehaucht werden. Von der Straße über die Schiene bis hin zur Gepäckausgabe am Flughafen beginnt für Kubas Transportwesen derzeit eine umfassende Frischzellenkur.

Dieselloks mit langer Lebenserwartung

„Mit den Russen läuft es sehr gut, so wie es sein sollte“, kommentierte Kubas Transportminister Adel Rodríguez die Ankunft der ersten Lieferung neuer Diesellokomotiven vom Typ TGM8KM. Die Schwerlast-Dieselloks der Jekaterinburger „Sinara Group“ sind speziell für tropische Witterungsverhältnisse ausgelegt und sollen mindestens ein halbes Jahrhundert ihren Dienst verrichten. Die erste Charge von sieben Loks traf vor wenigen Wochen auf der Insel ein, bis zum Ende des Jahres sollen 14 weitere folgen.

Damit nimmt ein lang verhandelter Deal mit den Russen an Fahrt auf. Das Projekt sieht vor, den kubanischen Schienenverkehr bis zum Jahr 2030 gründlich zu modernisieren. Durch die Erneuerung der Gleise entlang der gesamten Hauptstrecke Havanna – Santiago de Cuba, der Installation digitaler Signalanlagen und Steuerungstechnik sowie der Lieferung von insgesamt 75 neuen Dieselloks und hunderter neuer Waggons soll Kubas Schienennetz in absehbarer Zeit wieder die Hauptlast des Güterverkehrs auf der Insel tragen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der heute völlig überlasteten Züge soll dann von derzeit 80 auf 120 Stundenkilometer steigen, was die Reisezeit der 900 Kilometer langen Strecke von Havanna nach Santiago de Cuba von 20 auf 12 Stunden reduzieren wird. Derzeit bilden noch dutzende chinesische Dieselloks, die vor rund 10 Jahren geliefert wurden, das Rückgrad der kubanischen Zugflotte.

Neue Schienenbusse und Schnellzug nach Varadero

Russischer Schienebus vom Typ DMUS in den Farben der Ferrocarrilles de Cuba (Quelle: railway journal)

Doch bis sich die Situation auf der Schiene spürbar verbessert, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. Zunächst wollen die Russen die notwendige Infrastruktur auf der Insel errichten, wozu neben Reparaturwerkstätten vor allem auch die Beseitigung von Streckenschäden gehört. Im nächsten Schritt wird vor allem der Gütertransport von den neuen Loks profitieren. Die geplante Verdreifachung der Frachtkapazitäten auf der Schiene soll dabei in den nächsten Monaten bereits der laufenden Zuckerrohrernte zu Gute kommen.

In den kommenden 12 Jahren will Kuba jedoch auch die Zahl der beförderten Personen auf der Schiene verdoppeln. Dabei helfen sollen nicht nur schwere Dieselloks für die Hauptstrecke, sondern auch hunderte kleiner Schienebusse vom Typ „DMUS“, von denen in den letzten Jahren 300 Stück geliefert wurden. Zwischen Havanna und Varadero wollen die Kubaner zudem mit russischer Hilfe eine neue Schnellzugstrecke errichten. Die Modernisierung seiner Eisenbahn lässt sich der kubanische Staat insgesamt über eine Milliarde Dollar kosten. Ein guter Teil davon wird mittels russischer Kredite finanziert.

Seit wenigen Tagen fährt Kubas erster Elektrobus durch Havanna (Quelle: Xinhua)

Während Kubas Schienennetz noch immer stark auf russische Technik setzt, sieht es auf der Straße inzwischen gänzlich anders aus. Neben amerikanischen Oldtimern und sowjetischen Fahrzeugen tummeln sich mittlerweile immer mehr chinesische Kleinwagen auf den Straßen der Insel. Kubas Busflotte besteht heute zu 70 Prozent aus Modellen des chinesischen Herstellers Yutong, der für sein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bei guter Qualität bekannt ist. Kubas erster Elektrobus aus dem Reich der Mitte dreht seit wenigen Tagen in Havanna seine Runden im regulären Linienbetrieb.

Lada kehrt nach Kuba zurück

Doch auch auf der Straße wollen die Kubaner nicht alle Eier in einen Korb legen und haben mit dem russischen Hersteller AwtoWAS, der vor allem durch die Marke Lada bekannt ist, die Lieferung neuer Fahrzeuge vereinbart. Bis zum Ende des Jahres sollen 344 Exemplare des neuen Lada Vesta und Lada Vesta Cross auf Kuba eintreffen, die vor allem im Tourismussektor sowie für staatliche Taxibetriebe eingesetzt werden. Im nächsten Jahr sollen hunderte weitere Folgen, so dass der neu entworfene Lada bald einen fest Platz im kubanischen Straßenbild einnehmen dürfte.

Der neue Lada Vesta setzt auf Motoren von Renault. Im kommenden Jahr sollen hunderte weitere Fahrzeuge nach Kuba geliefert werden (Quelle: cmhw.cu)

Seitdem AwtoWAS im Jahr 2008 Anteile an die französische Renault-Nissan-Gruppe verkaufte, arbeitet man in Toljatti an der Neuauflage der Marke Lada. Vergangenes Jahr stellten die Russen eine mit französischer Hilfe neu konzipierte Limousine vor, die viele Elemente von Dacia übernimmt, so auch die Motorisierung und die Inneneinrichtung. Der Vesta kostet in Europa rund 12.000€ und hat standardmäßig eine Klimaanlage an Bord. Die jetzigen Käufe werden für Kuba die ersten neuen Lada-Lieferungen aus Russland seit über 10 Jahren sein.

Weniger Wartezeit auf Gepäckstücke

Doch auch in anderen Bereichen des Transportsektors konnte Fachminister Adel Izquierdo einem Bericht der Zeitung „Granma“ zu Folge Fortschritte verkünden. So sei die Ausgabezeit von Gepäck für ankommende Touristen in den Flughäfen des Landes aufgrund von Investitionen in neue Anlagen deutlich reduziert worden: „90 Prozent der ankommenden Touristen erhalten ihr Gepäck in weniger als 45 Minuten, vorher dauerte dies bis zu drei Stunden.“

Russisch-chinesisch-kubanische Co-Produktion: der Kleinbus „Diana“ (Quelle: Flickr)

Für den Transport in ländlichen Gegenden haben die Diana-Busse (eine russisch-chinesisch-kubanische Co-Produktion) in den letzten Jahren einige Erleichterung gebracht. Seit Produktionsbeginn des ersten Modells im Jahr 2013 haben über 1.300 Stück das Werk in Artemisa verlassen, welche nun in allen Provinzen des Landes ihren Dienst verrichten. In diesem Jahr ist erstmals eine zweitürige Version nach Santiago de Cuba ausgeliefert worden. Verstärkung bekommen die Kleinbusse durch Motorrad-Taxis aus China, die vor allem in den Provinzstädten eingesetzt werden sollen.

Mit der Lieferung von 200 LKWs der Marke „Kamaz“ bekommt Kubas darüber hinaus wieder neue Fahrzeuge für die chronisch unterversorgte Logistik des Landes. Die russischen LKWs sind auf Kuba weit verbreitet, was die Versorgung mit Ersatzteilen vereinfacht. In den kommenden Jahren will die Insel eine weitere Charge von 200 Stück für den Personentransport in gebirgigen Regionen erwerben.

Fazit

Aktueller Kamaz-LKW (Quelle: kamazexport)

Kubas Transportsektor befindet sich derzeit in einem Prozess der Erneuerung. Russland hat seine Beteiligung an Kubas langfristigem Entwicklungsplan mit Blick auf das Jahr 2030 durch die umfassende Modernisierung des Schienenverkehrs der Insel versichert, will dabei jedoch nicht stehen bleiben und auch auf der Straße wieder an Präsenz gewinnen. Dort dominieren bei den neuen Modellen vor allem chinesische Busse und Kleinwagen, die bald von hunderten neuer Ladas flankiert werden dürften. Kubas Regierung fährt bei den laufenden Millioneninvestitionen bewusst eine mehrgleisige Strategie und will nicht den Fehler machen, alle Investitionen von einem Handelspartner abhängig zu machen.

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation der Insel scheinen die unter Raúl Castro angelegten strategischen Pläne weiter zu laufen. Erst vor wenigen Tagen traf eine weitere Flotte aus dutzenden neuen Yutong-Dieselbussen in Havanna ein (siehe Video unten). Gute Neuigkeiten für Millionen von Kubanern, die nach dem vollständigen Kollaps des Transportsektors Anfang der 1990er Jahre (gefolgt von vielen Improvisationslösungen) endlich ein Licht am Ende des Tunnels sehen können.


Mehr als 20 neue Yutong-Busse aus China treffen Ende November in Havanna ein:

FIHAV 2017 bringt Aufschwung bei den ausländischen Investitionen

Die 35. Edition der Handelsmesse FIHAV ging vergangenen Freitag in Havanna zu Ende (Quelle: Cubadebate)

Am Freitag ging in Kubas Hauptstadt Havanna die 35. Ausgabe der internationalen Handelsmesse (FIHAV) zu Ende. Zu dem einwöchigen Event waren wieder mehr als 3.400 Aussteller aus 180 Ländern angereist. Kubas Werben um ausländische Investitionen zeigte dabei erstmals Früchte. So konnte die Insel inzwischen ihr selbst gestecktes Ziel erreichen, mindestens zwei Milliarden Dollar an Direktinvestitionen pro Jahr zu gewinnen. Zudem brachte die Messe einige wichtige Geschäftsabschlüsse zu Tage, unter anderem mit US-amerikanischen und deutschen Unternehmen. Ein Überblick:

Der neue Investitionskatalog

Am zweiten Tag der FIHAV stellte Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca den neuen Katalog über ausländische Direktinvestitionen vor. Die diesjährige Ausgabe konnte nochmals an Umfang zulegen. Die 30 Projekte welche seit der
letzten Messe auf den Weg gebracht wurden, sind entsprechend gestrichen worden. Allerdings kamen 156 neue Projektvorschläge hinzu (29 allein in der Sonderwirtschaftszone Mariel), so dass die gesamte zu Verfügung stehende Investitionssumme nun 10,7 Mrd. US-Dollar verteilt auf 456 Projektvorschläge umfasst. Schwerpunkte sind unter anderem Landwirtschaft, Tourismus, Nahrungsmittelindustrie, Zuckersektor und erneuerbare Energien. Als Novum dieser Ausgabe sollen die Projekte stärker im Rahmen des „Entwicklungsplans 2030“ miteinander verzahnt sein.

Sonderwirtschaftszone in Mariel

  • Kubas Sonderwirtschaftszone in Mariel (ZEDM) konnte in den letzten Jahren neue Investoren gewinnen. So wurden dort insgesamt 31 Projekte aus 13 verschiedenen Ländern bestätigt. Die gesamte Investitionssumme beträgt 1,1 Mrd. US-Dollar. Neben einer runderneuerten Homepage konnte die ZEDM auch die Fertigstellung wichtiger Lager- und Logistikbereiche verkünden. Die ersten Firmen, u.a. das  brasilianisch-kubanische Joint-Venture „Brascuba“ (Zigarettenherstellung), der mexikanische Fleischproduzent Richmeat sowie die französische Baufirma Bouyges haben bereits ihren Betrieb aufgenommen bzw. planen dies bis zum Ende des Jahres zu tun.
  • Zu den jüngst bestätigten Projekten zählt unter anderem die spanisch-kubanische Hotel-Logistikgruppe Logística Hotelera del Caribe S.A., die Firma El Salado S.A. welche sich um die Errichtung von Golfplätzen kümmern wird sowie die spanische TOT Color S.A., welche Farben und Anstriche herstellen will.
  • Die italienische Firma „ARTHIS“ will im Rahmen eines Joint-Ventures eine Fabrik für Einweg-Windeln in der Zone errichten, welche zu günstigen Preisen für den heimischen Markt produzieren wird und im Jahr 2019 eröffnen soll.
  • Weitere bestätigte Firmen werden sich der Herstellung von Hygieneartikeln, der Erdölerkundung, der Vermietung und Reparatur von Industriemaschinen sowie der Lebensmittelherstellung widmen. Auch internationale Multis wie Nestlé (Fabrik für Kaffeepulver, Kekse und andere Produkte) sowie Unilever (Shampoo- und Parfümartikel) sind dabei.
  • Aufgrund der bestehenden Lockerungen des US-Embargos unter der Obama-Administration konnte in diesem Jahr zum ersten Mal ein Geschäftsabschluss mit einem US-amerikanischen Konzern gemeldet werden: Die „Rimco“-Gruppe, welche sich für die Vermarktung von Caterpillar-Produkten in Puerto Rico verantwortlich zeichnet, wird ab 2018 auch in Kuba mit einem Waren- und Logistikzentrum in Mariel vertreten sein. Damit werden Caterpillar-Baumaschinen auch auf der sozialistischen Insel verfügbar gemacht.
  • Das französisch-britische Konsortium „Mariel Solar“ will bis 2018 ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von 50 Megawatt in der Sonderwirtschaftszone installieren. Die Kosten für das aus 100 Prozent ausländischem Kapital finanzierte Projekt sollen sich auf schätzungsweise 100 Millionen US-Dollar belaufen.
  • Der niederländische Kran- und Baumaschinenverleiher „Womy Equipment“ hat bereits seine Niederlassung in der Zone eröffnet.

Bisherige Investoren in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: ZEDM)

Weitere Projekte

  • Zum ersten Mal seit über 50 Jahren exportiert Kuba wieder Waren in die USA. Die staatliche CubaExport hat ihren Vertrag zum Export von Holzkohle an die US-amerikanische Coaba Trading LLC im Rahmen der FIHAV erneuert. Die Holzkohle wird vor allem aus dem wild wuchernden Marabú gewonnen, der ein großes Problem für die Landwirtschaft darstellt.
  • Der US-amerikanische Traktorenhersteller John Deere wird noch im November anfangen, Traktoren nach Kuba zu liefern. Die nötigen Exportlizenzen konnte der Hersteller aufgrund erfolgter Embargolockerungen Seitens der US-Administration erhalten, die Verhandlungen für den Deal dauerten über ein Jahr. John Deere ist damit neben Caterpillar das zweite US-Unternehmen, welches in jüngster Zeit neue Verträge mit Kuba abschließen konnte. Caterpillar wird jedoch die erste US-Firma mit einer eigenen Präsenz auf der Insel sein. Die Distributionsfirma RIMCO wird ab 2018 Caterpillar-Produkte in der Sonderwirtschaftszone Mariel anbieten.
  • Spaniens Handelssekretärin Maria Luisa Poncela betonte den „guten Stand“ der bilateralen Handelsbeziehungen. Spanien hat einen Teil der vom Pariser Club erlassenen Schulden Kubas in einen 415 Millionen Euro schweren Investitionsfond umgewandelt. Trotz der laut dem kubanischen Außenhandelsminister Cabrisas „schwierigen finanziellen Situation“ der Insel, hat Kuba seine letzten Raten beim Club von Paris rechtzeitig überwiesen. Allerdings gibt es noch Probleme mit den laufenden Konten, Kuba muss noch Zahlungen von rund 60 Millionen US-Dollar an einige Einzelunternehmen begleichen. Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage und den Hurrikanschäden durch „Irma“ hat die kubanische Seite in diesem Jahr um die Aufschiebung einiger offener Posten gebeten. Im ersten Halbjahr 2017 konnten Kubas Exporte nach Spanien um 29 Prozent zulegen, die Importe gingen jedoch um 7 Prozent zurück. Das iberische Land ist nach China und Venezuela der wichtigste Handelspartner der Insel.
  • Die spanische Firma  Assyce Yield Energía S.A. sowie die deutsche EFF Solar wollen insgesamt 100 Megawatt an Solarkapazitäten auf der Insel installieren. Beide Projekte werden vollständig aus ausländischem Kapital finanziert und verkaufen den Strom im Rahmen eines Vertrags mit 25 Jahren Laufzeit an Kubas staatlichen Energieversorger UNE. Die Solarparks sollen in den Provinzen Pinar del Río, Artemisa, Mayabeque und Matanzas errichtet werden. Die ersten Anlagen sollen bereits 2018 ans Netz gehen.
  • Der chinesische Omnibushersteller Yutong hat auf der Messe seine neuesten Hybridmodelle vorgestellt. Die Elektrobusse, die Yutong im letzten Jahr mitbrachte, haben sich als zu teuer in der Anschaffung erwiesen. Mit den neuen Hybridbussen will die Firma Havannas Busflotte modernisieren, die größtenteils aus älteren Modellen der Firma besteht. 70 Prozent aller Busse in Kuba stammen von Yutong.
  • Die russische Firma „Ormeto-YUMZ“ will die 30 Mio. US-Dollar-teure Modernisierung einer Stahlfabrik in der Provinz Las Tunas durchführen. Die Anlage hat eine jährliche Kapazität von 177.000 Tonnen. Mit Hilfe der Modernisierung soll eine neue Linie für die Stahlwalzung entstehen, was unter anderem die Importe von Walzdraht verringern soll. Die Erweiterung soll 2020 abgeschlossen sein. Auch die schon vor einigen Jahren angekündigte Modernsierierung des Stahlwerks „Antillana de Acero“ in Havanna war wieder im Gespräch.

Ab diesem Monat importiert Kuba wieder Ladas (Quelle: Cubadebate)