Kubas Vizepräsident: weniger „Geheimniskrämerei“ in der Presse

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Miguel Díaz-Canel (links) auf dem III. Plenum des Nationalkomitees der UPEC. (Quelle: Cubadebate)

Das Nationalkomitee des kubanischen Journalistenverbandes UPEC hielt jüngst sein III. Plenum in Havanna ab. Dort war auch Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel anwesend, der sich zur Lage der kubanischen Medien äußerte. Wichtigstes Thema der Veranstaltung war die Analyse der aktuellen Probleme der kubanischen Presselandschaft. Die Erarbeitung neuer Wege für Kubas Medien wurde vom letzten Kongress der Organisation im vergangenen Sommer beschlossen.

UPEC-Präsident Antonio Molto eröffnete die Veranstaltung mit einem Zitat Fidel Castros: „Wir werden uns ohne die Presse nicht von der Sonderperiode lösen können“. Kubas Medien müssten sich auf hohem professionellen Niveau bewegen sowie „Einheit und Zuversicht in die Institutionen des Staates und der Partei“ verbreiten. Obwohl die Begleitumstände heute günstig seien, stünden große Aufgabe bevor.

Analyse des Status quo

Um die aktuellen Probleme zu analysieren wurden 140 Publikationen zu verschiedenen Themen befragt, 97% aller in Kuba erscheinenen Medien. Das Ergebnis: Nicht nur bei der wirtschaftlichen Leitung der Medien gibt es gravierende Probleme, auch beim Personalbestand und beim Erreichen der Zielgruppen hat Kubas Presse großen Nachholbedarf.

Isabel Moay, Mitglied des UPEC-Vorstands, kritisierte, dass viele Kulturdebatten die neue politische und ideologische Vorschläge erbringen, keinen Widerhall in der offiziellen Berichterstattung fänden. Auch solle über Investitionen in die Medien nachgedacht werden, damit diese ihrer Aufgabe besser gerecht werden könnten.

Andere Teilnehmer forderten eine stärkere Berücksichtigung der einzelnen Regionen in den Medien, damit diese näher an den Menschen der jeweiligen Provinz sind. Ein anderer Delegierter formulierte drastisch: „Das Leben zieht an unserer Seite vorbei und wir stecken fest“. Um die Glaubwürdigkeit der kubanischen Medien zu erhöhen, müsse ein neues Verwaltungsmodell entwickelt werden. Im Rahmen eines neuen Presserechts solle den Redakteuren mehr Autonomie gegeben werden.

Klare Worte der jungen Generation

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TV-Journalist Yosley Carrero, ebenfalls Mitglied des UPEC-Nationalkomitees (Quelle: Cubadebate)

Die jüngere Generation meldete sich ebenfalls zu Wort. Yosley Carrero, kubanischer TV-Journalist und Mitglied im UPEC-Vorstand, erklärte, dass über 50 Prozent der Journalismus-Studenten in Kuba eine Anstellung in den staatlichen Medien des Landes fänden. Viele erführen aber nach kurzer Zeit die Last der Routine und litten an Resignation. Zunehmend mehr Diskurse würden getrennt von den Medien in inoffiziellen Blogs geführt, was insbesondere für die jungen Journalisten ein Problem darstelle. Ihnen solle in Zukunft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Carrero wurde noch deutlicher: „In Kuba können wir keine perfekte öffentliche Debatte erwarten, da diese nicht exisitert. Das wäre eine Simulation.“ Das Vorstandsmitglied sprach sich gegen Denkverbote beim Entwickeln neuer Methoden zur Verbesserung der Presse aus. Auch andere Wortbeiträge gingen in diese Richtung und riefen zu einer „Änderung der Mentalität“ auf.

Miguel Díaz-Canel: „weniger Gehemniskrämerei“

Auf dem Abschlußplenum übernahm schließlich Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel das Wort: Die heimischen Medien müssten von der Bevölkerung aufgrund ihrer Qualität gegenüber jenen bevorzugt werden, „die in anderen Kanälen zirkulieren“ sagte Díaz-Canel. Damit spielte er auf die USB-Sticks an, die seit einigen Jahren unter Tolerierung des Staates im Land kursieren und die Bevölkerung mit ausländischen TV- und Medieninhalten aus dem Internet versorgen. Die dadurch entstehende Konkurrenz macht dem Staat zunehmend das Informationsmonopol streitig.

Díaz-Canel versicherte, dass die „Geheimniskrämerei“ (span.: secretismo) zurückgegangen sei. Dennoch existiere weiterhin „autosecretismo“ und die Selbstzensur. Es fehle an einer „Kultur der Kommunikation“, die noch geschaffen werden müsse. Ihn beschäftige vor allem die „Entprofessionalisierung“ einiger Journalisten, deren Prämisse Qualität sein müsse. Dennoch dürfe man sich nicht von den Klischees der ausländischen Presse leiten lassen, „wir müssen einen eigenen Vorschlag auf Basis unserer Kultur und Geschichte machen“, schloss Díaz-Canel seine Rede.

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