Fidel Castro übt Kritik an Obama-Rede in Havanna

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Fidel Castro meldete sich kurz nach dem historischen Obama-Besuch zu Wort (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Kubas ehemaliger Staats- und Regierungschef (1959-2008), Fidel Castro, hat den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in Havanna kritisch kommentiert. „Wir haben es nicht nötig, dass das Imperium uns etwas schenkt“, schrieb der 89-Jährige in einem Gastbeitrag für das Zentralorgan der regierenden Kommunistischen Partei, Granma, den amerika21 hier dokumentiert. In dem Essay mit dem Titel „Bruder Obama“ erinnerte Kubas Revolutionsführer an die Konflikte zwischen den USA und dem sozialistischen Karibikstaat.

Obamas versöhnliche Worte wies Castro mit Verweis unter anderem auf die weiterhin bestehende Blockade gegen die Karibiknation entschieden zurück. Manche Kubaner hätten wegen der Differenz zwischen den Ankündigungen und der realen Politik der USA während der Rede Obamas „einen Herzinfarkt erleiden können“, so Castro. Der US-Präsident hatte seine Zuhörer in Kuba dazu aufgerufen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es müsse nun ein neues Kapitel der guten Nachbarschaft mit den USA aufgeschlagen werden.

Castro zitierte Obamas Kommentare zur gemeinsamen Sklavereigeschichte der USA und Kubas. Die Ureinwohner, die in beiden Staaten mehrheitlich oder ganz umgebracht wurden, seien in der Vorstellung Obamas nicht vorgekommen, so Castro: „Er sagt auch nicht, dass die rassische Diskriminierung von der Revolution beseitigt wurde, dass die Rente und der Lohn aller Kubaner in Kuba beschlossen wurde, als Obama gerade zehn Jahre alt war.“ In Kuba sei auch „die verhasste und rassistische bourgeoise Gewohnheit“ abgeschafft worden, Handlanger zu beauftragen, um die schwarzen Landsleute aus den Erholungszentren zu werfen.

Castro verwies auch auf das politische und militärische Engagement Kubas während der antikolonialen Befreiungskämpfe in Afrika: „Das eigentliche Ziel unserer Solidarität war (es), Angola, Mosambik, Guinea Bissau und anderen unter der faschistischen Kolonialherrschaft Portugals stehenden Völkern zu helfen.“

Der Essay Castros ist Teil mehrerer kritischer Kommentare über den Obama-Besuch in Kuba, sowohl von kubanischen Akteuren also auch von ausländischen Beobachtern. So schrieb der uruguayische Journalist und ehemalige BBC-Korrespondent Fernando Ravsberg, Obama habe von einer „gefälligen Presse“ aus Kuba und dem Ausland nichts befürchten müssen: „Keinem Kollegen ist es in den Sinn gekommen, ob er die Finanzierung für die US-Propagandasender Radio und TV Martí einstellt oder die Praxis beendet, jedes Jahr Dutzende Millionen US-Dollar an Dissidenten zu überweisen.“ Zwar habe Obama die Arbeit der kubanischen Ärzte in anderen Staaten gelobt, so Ravsberg weiter: „Aber niemand hat ihn gefragt, ob die USA ihre Programme einstellen, um diese Ärzte mit Express-Visa zur Aufgabe der Arbeit und Emigration in die USA zu ermutigen.“

von Harald Neuber / Amerika21

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