Kuba erlaubt Ausländern die Eröffnung von Konten

Künftig können auch Ausländer ohne festen Wohnsitz auf Kuba in US-Dollar shoppen (Quelle: Directoriocubano)

Vergangenen Oktober haben auf Kuba neue Läden eröffnet, in denen Konsumgüter gegen Fremdwährungen wie Euro und US-Dollar zu konkurrenzfähigen Preisen bezogen werden können. Jetzt wird diese Möglichkeit auch auf Ausländer ohne festen Wohnsitz auf der Insel ausgedehnt. Wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtet, können diese ab sofort Konten auf Kuba eröffnen.

Mit einem neuen Gesetz erlaubt Kubas Zentralbank auf der Insel lebenden Ausländern die Eröffnung von Bankkonten in Euro, US-Dollar, Schweizer Franken, mexikanischen Pesos sowie sechs weiteren Devisenwährungen. Die Einrichtung und Führung des Kontos kostenlos ist, bei der Nutzung des US-Dollars fallen jedoch 10 Prozent Transaktionsgebühren an – für andere Währungen gilt dies nicht. Darüber hinaus lässt sich mit der zugehörigen Girokarte am Geldautomat gebührenfrei CUC zum aktuellen Wechselkurs abheben.

Mit der Karte kann auch in den mehr als 80 neuen Fremdwährungsgeschäften bezahlt werden, in denen Produkte in US-Dollar angeboten werden. Neben Elektroartikeln wie Fernseher und Gefriertruhen können dort auch Autoteile und E-Roller zu Preisen erworben werden, die denen in der Region üblichen entsprechen. Anders als in den CUC-Läden fällt hier die bis zu 240-prozentige Gewinnmarge weg; seit März gibt es außerdem einen Service für individuelle Importwünsche einzelner Produkte, die nicht gelistet sind. Eröffnet werden können die Konten bei der „Banco Metropolitano“ (nur Havanna) sowie der „Banco Popular de Ahorro“ und der „Banco de Crédito y Comercio“.

Darüber hinaus kann mit der Karte auch im CUC-Supermarkt oder in Läden mit Produkten in kubanischen Pesos (CUP) bezahlt werden. Die Beträge werden nach dem offiziellen Wechselkurs in die Landeswährung umgerechnet. Derzeit sind auf Kuba mehr als 12.000 Verkaufsstellen mit Lesegeräten ausgerüstet, die meisten davon in Havanna (siehe Grafik unten). Somit kann inzwischen ein gros der Produkte des kubanischen Einzelhandels mit US-Dollar oder Euro gekauft werden, ohne dass sich die Fremdwährungen in Zirkulation befinden. Die faktische Teil-Dollarisierung des Handels erschließt dem Staat neue Deviseneinnahmen und ermöglicht gleichzeitig eine Verbesserung des Angebots an langlebigen Konsumgütern, was sich auch am Einbruch der Schwarzmarktpreise für diese Produkte seit vergangenem Herbst gezeigt hat.

Anzahl der auf Kuba installierten Kartenterminals (POS) im Juli 2018. Bis zum Sommer 2019 wurden mehr als 5,3 Millionen Girokarten ausgegeben (Quelle: Cubadebate)

Neben den 5,3 Millionen Kubanern, die bereits über eine Girokarte verfügen, können jetzt auch Ausländer mit einem Konto am aufstrebenden Online-Handel der Insel teilnehmen. Schon seit geraumer Zeit wurde dieser von der Regierung gefördert, doch zusammen neuen Lieferdiensten hat sich einiges in diesem Bereich durch die Pandemie-Situation rasch weiterentwickelt. Lieferdienste sind schon heute in Havanna keine Neuigkeit. Künftig sollen die meisten Transaktionen auf Kuba per Smartphone-App abgewickelt werden, so Präsident Miguel Díaz-Canel zuletzt auf einer Tagung des Ministerrats. Dafür stehen die beiden Apps „Transfermóvil“ und „EnZona“ zu Verfügung, die inzwischen mit den ersten Onlineshops der staatlichen Supermärkte verknüpft sind.

Von der Neuerung profitieren werden allerdings nur Ausländer mit temporärer Aufenthaltserlaubnis wie Studenten, Fachkräfte und Geschäftsleute, während Touristen von der Regelung ausgenommen sind. Wann und wie sich Kuba wieder für ausländische Besucher öffnen wird, ist zur Stunde noch unklar. Nachdem der Höhepunkt der Corona-Epidemie auf der Insel Ende April durchschritten wurde, bereitet sich das Land derzeit auf erste Lockerungen der am 24. März eingeführten Corona-Maßnahmen vor. Am 15. Mai gab das Tourismus-Ministerium in einem Statement bekannt, dass Kuba seine Grenzen „noch nicht“ öffnen werde und dementierte damit entsprechende Gerüchte über eine Wiederaufnahme des Tourismus ab Juni.

Update (28.05): Laut Bericht aus einer Bankfiliale in Havanna wurde die Möglichkeit der Kontoeröffnung nur auf Personen mit temporärer Aufenthaltserlaubnis („residencia temporal“) ausgedehnt, mit einem Touristenvisum ist dies weiterhin nicht möglich. Wer diese Voraussetzung erfüllt, kann jedoch ab sofort mit seinem Ausweisdokument ein Konto eröffnen. Bei der „Banco Metropolitano“ soll die Girokarte nach 10 Tagen abholbereit sein. Der Artikel wurde entsprechend korrigiert.

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