Chinesisch wird Fremdsprache an Kubas Schulen

Kubas weiterführende Schulen werden im Rahmen eines neuen Abkommens mit der Volksrepublik China künftig verstärkt Mandarinunterricht anbieten können (Quelle: Granma)

Das kubanische Bildungsministerium hat Ende Oktober ein Abkommen mit der Volksrepublik China geschlossen, welches den Aufbau von Kursen für den Mandarinunterricht an weiterführenden Schulen auf Kuba vorsieht. Bereits im Januar soll der Unterricht probeweise beginnen.

Bis in die 1990er Jahre war Russisch die meistgelehrte Fremdsprache auf Kuba, in Folge der Auflösung der Sowjetunion wurde sie von Englisch abgelöst. Mit dem neuen Abkommen soll jetzt der Unterricht von Mandarin als weitere Option an immer mehr Schulen hinzukommen, welches mit knapp 900 Millionen Muttersprachlern nach Englisch am meisten gesprochene Sprache der Welt ist. „Die materielle Unterstützung Chinas beim Sprachunterricht ist entscheidend für die Stärkung der Beziehungen zwischen beiden Ländern“ kommentierte Kubas Vizeministerin für Bildung, Cira Piñeiro, gegenüber der Nachrichtenagentur „Xinhua“:

Der Vertrag wurde unter Beisein des chinesischen Botschafters, Chen Xi, in Havanna unterzeichnet und wird zunächst Kapazitäten für 200 Schüler pro Jahr ermöglichenWie der Botschafter erklärte, gäbe es im Ergebnis der guten Beziehungen „einen steigenden Bedarf, chinesisch in Kuba zu lernen und Spanisch in China zu unterrichten“. Den Anfang wird im Januar die weiterführende Schule „Fructuoso Rodríguez“ in Havanna machen. Das 2009 eröffnete Konfuzius-Institut an der Universität von Havanna (UH), an dem ebenfalls Sprachkurse angeboten werden, wurde erst vergangenes Jahr um weitere Räumlichkeiten und eine öffentliche Bibliothek in der Altstadt erweitert

Kuba und China verbinden enge historische Bande. Im 19. Jahrhundert wanderten mehr als 600.000 Chinesen als Tagelöhner auf die Insel aus, wovon Havannas chinesisches Viertel (span.: „barrio chino“) zeugt. Dort erscheint seit 1928 eine kleine Zeitung auf Mandarin, die noch heute existiert. 1960 war Kuba das erste Land in Lateinamerika, welches die Volksrepublik China diplomatisch anerkannte. In den vergangenen Jahren stieg China zeitweise noch vor Venezuela zum wichtigsten Handelspartner Kubas auf. Beide KPs pflegen freundschaftliche Beziehungen und tauschen sich in regelmäßigen Seminaren aus. Kuba hatte 2017 eine Absichtserklärung unterzeichnet, der chinesischen „Belt and Road Initiative“ (Neue Seidenstraße) beizutreten, was die Bedingungen für die Umsetzung von Projekten zwischen den beiden Staaten verbessert hat.

7 Gedanken zu „Chinesisch wird Fremdsprache an Kubas Schulen

  1. Besser wäre es, endlich mal eine echte ökonomische Ausbildung anzubieten. Kubas Misere ist vor allem darauf zurückzuführen, daß es eine solche Ausbildung überhaupt nicht gibt. China ist ebenfalls ‚kommunistisch‘, ökonomisch aber hochgebildet…deshalb gehts China gut.

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  2. Ich glaube, man kann das ruhig so verstehen, wie es da steht: 200 Schüler pro Jahr. Wahrscheinlich mit freiwilliger Beteiligung. Das sieht nicht nach einer Entwicklung zu Chinesisch als Zweitsprache aus. Internationalisierung und Erweiterung der Sprachwelt sind immer eine gute Sache. Auch aus wirtschaftlichen Gründen und erst recht für ein Land in Insellage.
    Im Übrigen gibt es nicht nur chinesische, sondern auch koreanische (mit Ausrichtung nach Südkorea) und japanische Sprach-Communities und Kuturprojekte auf Kuba.
    Warum auch nicht. Ich sehe das, bei allen Vorbehalten gegenüber möglichen geopolitischen chinesischen Intentionen, erstmal als kulturelle Öffnung und Erweiterung.
    Dem von @Auggie Wren behaupteten ‚Phlegma vieler Kubaner‘ setze ich meine Erfahrung mit der außergewöhnlichen Bildungsbereitschaft vieler, besonderes junger, Kubaner und Kubanerinnen entgegen.

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    • Wenn man mit Akademikern zu tun hat, hast du sicherlich Recht. Aber sonst habe ich einfach zu Viele getroffen, die keinen Grund sahen, ihr Schul-Englisch trotz der Nähe zu den USA oder den Möglichkeiten im Tourismus stärker zu verinnerlichen oder sogar auszubauen. Im Allgemeinen interessieren sich viele Kubaner relativ selten für Dinge, die über ihren eigenen persönlichen und direkten Ereignishorizont hinaus gehen. So sieht es beim Interesse für Politik und auch für das Leben in anderen Ländern aus. Das spiegelt meine Erfahrungen wieder.

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  3. Was erhofft sich Cuba? Das der „große Bruder“ das marode Schiff an Land zieht, wenn man die Sprache lehrt, mit der ein Cubanaer kaum etwas anfangen kann? China ist eine Wirtschaftsdikatur. Geschenke sind von dort nicht zu erwarten.

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    • Menschen die Chinesisch sprechen (und wenn es nur das Basispaket ist) werden und Zukunft (egal wo in der Welt) ohne Zweifel eine gefragte Personengruppe sein. Grundsätzlich ist das Erlernen von fremden Sprachen eine positive und der Bildung förderliche Sache. Ebenfalls egal wo 😉

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