17. September 2021

Kuba will Stromerzeugung über türkische Kraftwerksschiffe ausweiten

Türkisches Kraftwerksschiff der „Khan“-Klasse (Quelle: Karpowership)

Um die Stromversorgung auf der Insel stabil zu halten, will Kuba seine Kapazitäten mit schwimmenden Kraftwerken aufstocken. Bereits seit letztem Jahr werden rund 10 Prozent der elektrischen Energie des Landes über drei vor Mariel geankerte Kraftwerksschiffe aus der Türkei erzeugt. Wie das Fachportal „Argus“ berichtet, laufen aktuell Gespräche zur Ausweitung der Stromeinkäufe.

„Barış Bey“ und „Esra Sultan“ heißen die beiden „Stromschiffe“, welche seit Mai 2019 im Auftrag des türkischen Herstellers und Betreibers Karpowership für zusätzliche Energie auf Kuba sorgen. Im November des selben Jahres kam ein weiteres Schiff hinzu. Die bisher eingekaufte Leistung von 184 Megawatt soll demnächst weiter erhöht werden. Laut Firmenangaben sind die schwimmenden Generatoren in der Lage, auch das auf Kuba geförderte Schweröl für die Stromerzeugung zu nutzen und werden für einen Zeitraum von mindestens vier Jahren an Kunden vermietet.

Im Zuge der Sanktionierung venezolanischer Ölfrachter durch die Vereinigten Staaten durchlebte das sozialistische Land vergangenen Herbst eine schwere Energiekrise. Sämtliche Treib- und Schmierstoffe wurden zeitweise stark rationiert. Die angespannte Devisensituation machte Einsparungen bei den Dieselimporten notwendig, welche für den Betrieb der ab 2005 im Rahmen der „Energierevolution“ installierten Generatoren wichtig sind. Dies hatte letzten Herbst zu häufigen Stromausfällen sowie langen Schlangen vor den Tankstellen geführt.

Derzeit werden mehr als 60 Prozent der elektrischen Energie auf Kuba, darunter die gesamte Grundlast, über sowjetische Wärmekraftwerke erzeugt. Diese können größtenteils das stark schwefelhaltige kubanische Onshore-Schweröl verfeuern und sind damit relativ günstig im Betrieb. 21 Prozent wird über dezentrale, an das Stromnetz angebundene Dieselgeneratoren beigesteuert, die ab Mitte der Nullerjahre zur Entlastung der großen Kraftwerke angeschafft wurden und deren Treibstoff importiert werden muss. Der Anteil von Gasturbinen liegt bei 11 Prozent. Der Rest entfällt auf Selbstversorger und erneuerbare Energien wie Solarenerige, Wasserkraft, Biomasse und Wind, deren Anteil am Strommix bis Ende 2019 zusammen genommen jedoch erst bei 1,8 Prozent lag.

Kuba hat im vergangenen Jahr 20.700 Gigawattstunden Strom erzeugt, etwa zwei Prozent mehr als 2015 und 0,6 Prozent weniger als noch 2018. Um stabile Netze zu garantieren, muss die Erzeugung jedoch jedes Jahr um einige Prozentpunkte zulegen. Die zunehmende Verbreitung von Haushaltsgeräten wie Tiefkühltruhen, Mikrowellen und Klimaanlagen hat den Stromverbrauch der Privathaushalte auch in Zeiten schlechter Konjunktur weiter ansteigen lassen. Soll sich die heimische Industrie wie geplant in den nächsten Jahren spürbar entwickeln, sind jedoch noch größere Zuwächse bei der Stromerzeugung erforderlich.

In den letzten Jahren hat die Insel versucht, ihre größtenteils aus den 1970er und 1980er Jahren stammenden Schwerölkraftwerke mit russischer Hilfe zu modernisieren. Entsprechende Projekte kamen jedoch, ebenso wie der Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem aufgrund fehlender Finanzierung nur langsam voran. 2018 entstandene Pläne zur Errichtung eines neuen 600-MW Gaskraftwerks mit Investitionen aus Europa liegen inzwischen auf Eis.

Nach den mehrfach verschärften US-Handelssanktionen und aufgrund der durch den Tourismus-Einbruch extrem angespannten Haushaltslage ist es für Kuba derzeit kaum möglich, langfristige Kredite für derart umfangreiche Projekte einzutreiben. Wohl auch aus dieser Überlegung heraus hat man in Havanna den Entschluss gefasst, für die nächsten Jahre zusätzlichen Strom von der türkischen Karpowership einzukaufen. Wie ein europäischer Brancheninsider gegenüber dem Magazin „Cuba Standard“ kommentierte, sei diese Lösung zwar „schnell und einfach“, bringe jedoch mittelfristig höhere Kosten mit sich.

Auf lange Sicht will das Land ohnehin den Anteil fossiler Brennstoffe reduzieren und sich unabhängiger vom Öl machen. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 24 Prozent steigen. Kuba sucht bereits seit Jahren nach Investoren, welche den Ausbau von Solar- und Windparks sowie Biomassekraftwerken für die Zuckerindustrie auf der Insel übernehmen. Als wichtiger Meilenstein konnte in diesem Frühjahr immerhin in der Zuckerraffinerie „Ciro Redondo“ (Ciego de Ávila) im Rahmen eines Joint-Ventures mit dem chinesischen Staatsbetrieb „PowerChina die erste von mehreren geplanten 60-MW Biomasseanlagen in Betrieb genommen werden. Auch der Anfang 2020 gestartete Verkauf von Solarmodulen mit der Möglichkeit, Überschüsse gegen Vergütung ins Netz einzuspeisen, soll zur Beschleunigung der Energiewende beitragen.

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2 Gedanken zu “Kuba will Stromerzeugung über türkische Kraftwerksschiffe ausweiten

  1. Laut Firmenangaben sind die Schiffe in der Lage, Strom auch aus dem auf Kuba produzierten – ????- zu erzeugen und werden für einen Zeitraum von mindestens vier Jahren an Kunden vermietet.
    ?: Das fehlt ein Wort.
    Vielen Dank für diesen informativen Artikel, der vollkommen wäre, würde das fehlende Wort nachgetragen.

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