1. Oktober 2022

„Schall-Angriffe“ auf US-Personal hatten natürliche Ursachen

Laut einem Bericht des US-amerikanischen Nachrichtendienstes CIA kommt keine ausländische Regierung für das mysteriöse „Havanna-Syndrom“ in Frage, von dem bislang mehrere Hundert Diplomaten betroffen sein sollen. Die erstmals 2016 als „Schall-Angriffe“ berichteten Zwischenfälle hätten vermutlich konventionelle medizinische oder umweltbezogene Ursachen.

Einige Mitarbeiter der US-Botschaft in Havanna begannen im Herbst 2016 über unerklärlichen Hörverlust zu berichten. Zu den weiteren Symptomen zählten Nasenbluten, Migräne und Übelkeit. In einigen Fällen waren die Symptome so schwer, dass die Mitarbeiter in zur medizinischen Behandlung in ihre Heimat ausgeflogen wurden.

Nach einer mehrmonatigen Untersuchung kam die US-Regierung damals zu dem Schluss, dass den Botschaftsmitarbeitern mittels einer „hochentwickelten Schallwaffe, die außerhalb des hörbaren Spektrums operiert und die entweder in- oder außerhalb ihrer Residenzen installiert war,“ bewusst Schaden zugefügt worden sei. US-Präsident Donald Trump veranlasste im September 2017 den Abzug großer Teile des Botschaftspersonals, weswegen die diplomatische Vertretung über Jahre hinweg praktisch dienstunfähig war.

Inzwischen haben rund 1.000 US-Diplomaten auch in Ländern wie China, Russland, der EU und sogar den USA selbst über ähnliche Vorfälle berichtet, die fortan als „Havanna-Syndrom“ bezeichnet wurden. Es wurde spekuliert, dass Russland hinter den Zwischenfällen stecken könnte. CIA-Direktor William Burns formulierte letztes Jahr eine entsprechende Warnung an Moskau. Tatsächlich scheinen die Ursachen jedoch gewöhnlicher Natur zu sein.

„Wir haben festgestellt, dass es unwahrscheinlich ist, dass ein ausländischer Akteur, einschließlich Russland, eine anhaltende weltweite Kampagne durchführt, bei der US-Personal mit einer Waffe oder einem Mechanismus geschädigt wird“, zitiert nun die Nachrichtenagentur AFP aus dem CIA-Bericht. Nahezu alle Fälle lassen sich durch bestehende, zuvor nicht diagnostizierte Erkrankungen der Betroffenen oder durch Umweltfaktoren erklären, so der Bericht. Nur rund zwei Dutzend seien weiterhin Gegenstand von Untersuchungen. In Bezug auf die Vorfälle auf Kuba brachte bereits ein früherer Bericht des US-Außenministerium die von Zikaden ausgehenden Geräusche als mögliche Ursache ins Spiel.

Wie die stellvertretende Generaldirektorin für die USA beim Außenministerium Kubas, Johana Tablada, erklärte, hätten kubanische Experten wiederholt auf die „politische Manipulation dieser Ereignisse und die unbegründeten Theorien über Schallwaffen“ hingewiesen. Die Schließung der Botschaft sei „Teil einer Reihe von Maßnahmen zur Schwächung der Beziehungen zwischen beiden Ländern“ gewesen, mit denen Reisen und Kontakte erschwert worden seien, so Tablada. (Amerika21)

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6 Gedanken zu “„Schall-Angriffe“ auf US-Personal hatten natürliche Ursachen

  1. Gemeinhin lässt sich in der Wissenschaft die Abwesenheit von etwas nicht belegen. So ist das auch in diesem Fall. Es lässt sich nun mal ohne Beleg nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass es einen Schallangriff durch ausländische Mächte gegeben hat. Aber auch das Gegenteil lässt sich ohne Beleg nicht behaupten.
    Egal wie unwahrscheinlich das Eine oder wie wahrscheinlich das Andere auch sei, eine absolute Sicherheit lässt sich für kein Szenario ableiten.
    Hier scheint es eher, dass ein politischer Schlussstrich zur Sache gezogen werden soll, sei es, um zu taktieren, um den Fokus zu ändern oder um nicht mehr im Zugzwang als Reaktion auf die Ereignisse zu stehen. Aber das ist reine Mutmaßung meinerseits.

  2. Wenn die Fakten nicht ins Bild passen, dann wird halt wild herum spekuliert und gemutmaßt. Das da (ausgerechnet) US-Beamte von Grillenzirpen einen Hörsturz, Nasenbluten, Migräne o. Ä. bekommen haben, ist sicher bedauerlich. Wozu man das alles politisch mißbraucht hat, naja, das passt dann doch wieder ins Bild.

    1. Während andere ihre Mutmaßungen wenigstens als solche kennzeichnen und zu diesen wenigstens auch ein plausibles Modell formulieren, meinst du allen Ernstes mit deinem Dampfgeplauder, das völlig frei von sachlicher Argumentation ist, einen gehaltvollen Satz emittiert zu haben?

      Nicht nur Botschaftsangehörige der USA haben dieses Syndrom reklamiert. Kanada scheint sich jedenfalls der Argumentation des CIAs nicht anschließen zu wollen und man scheint dort die Schlussfolgerungen nicht zu teilen. Dort wurde erst gestern das Botschaftspersonal erneut instruiert, auf einen Katalog von Symptomen zu achten. Aber wie auch immer, der Bericht wird sogar im eigenen Haus und in der eigenen Regierung angezweifelt, das Syndrome wird laut Blinken auch weiterhin untersucht werden.
      Dass politische Kommunikation nicht immer die eigentlichen Gründe, Ursachen und Hintergründe für Sachverhalte transparent darstellt, wird dann bei nächstbester Gelegenheit mal eben generalisiert unterstellt, wenn’s der eigenen „Argumentation“ zuträglich ist.
      Da fragt man sich, wer sich hier tatsächlich etwas zusammenreimt, damit es ins eigene Weltbild passt?

  3. Vielleicht hat das Grillenzirpen bei dem ein oder anderen nordamerikanischem Diplomaten ja auch positive Auswirkungen gehabt, z. B. die Potenz gesteigert, der Vernunft nachgegolfen…sollte man auch mal untersuchen. Das würde dann aber sicherlich nicht einer fremden Macht zugeschrieben werden. Und würde natürlich auch nicht ins Weltbild passen. Soviel „Zusammengereimtes“ meinerseits. Das Geschwurbel oben ist einfach unsäglich.

    1. Potenz und Vernunft sind sicher nicht dein Thema. Kommt noch irgendwas Greifbares und Konstruktives, das nicht vom Dunning-Kruger-Effekt zeugt?

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