Díaz-Canel zum ersten kubanischen Präsidenten seit 1976 gewählt

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel nach der Wahl am 10. Oktober (Quelle: Granma)

Havanna. Das kubanische Parlament hat auf einer Sondersitzung am Donnerstag den 59-jährigen Miguel Díaz-Canel zum Staatspräsidenten des Landes gewählt. Das Amt wurde erstmals seit 1976 wieder besetzt. Damit wurde ein wichtiger Zwischenschritt bei der Umsetzung der neuen kubanischen Verfassung erreicht, die am 10. April diesen Jahres offiziell proklamiert wurde. In seiner ersten Rede als Präsident erklärte Díaz-Canel die Entwicklung der Wirtschaft zur Hauptaufgabe seiner Regierung und kündigte das Ende der aktuellen Energiekrise an.

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Was tut Kuba gegen den Klimawandel?

Schwerölkraftwerk in Kuba (Quelle: Granma)

Auf der ganzen Welt ging heute die „Fridays for Future“-Bewegung für mehr Klimaschutz auf die Straße. Auch Kuba spürt die Folgen der vom Menschen verursachten Erderwärmung immer deutlicher in Form von Wetterextremen wie Tropenstürmen und anhaltenden Dürreperioden. In Folge steigender Meeresspiegel wird die Insel künftig noch stärker als heute unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Doch wie steht es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit in dem sozialistischen Land?

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Vier Monate nach dem Tornado in Havanna: die meisten Schäden sind beseitigt

Bis September soll der Wiederaufbau nach dem Tornado abgeschlossen sein, welcher Ende Januar über 8.000 Gebäude in Havanna beschädigte oder zerstörte (Quelle: Prensa Latina)

Gut vier Monate nachdem ein verheerender Tornado in der kubanischen Hauptstadt Havanna wütete, sind heute rund 80 Prozent der beschädigten Gebäude wieder instandgesetzt worden, wie die Nachrichtenagentur „Prensa Latina“ meldet. Die Windhose verwüstete in der Nacht auf den 28. Januar mehr als 1.000 Gebäude im Süden und Osten Havannas. Drei Menschen starben, während 172 Personen verletzt wurden.

Wie Havannas erster Parteisekretär, Luis Antonio Torres Iríbar, erklärte, konnten inzwischen 7.630 der 8.310 beschädigten Objekte, die allermeisten davon Wohnhäuser, repariert werden. Immer mit der Zielvorgabe die Dinge „besser als vorher“ zu hinterlassen, so Iríbar. Von den 1.068 Totalverlusten sind inzwischen 531 wieder aufgebaut worden. Die allermeisten der noch offenen Fälle (497) befinden sich im Stadtteil 10 de Octubre, 112 in der Gemeinde Guanabacoa, 63 in Regla, fünf in Cerro und zwei Gebäude müssen noch in Habana del Este wieder aufgebaut werden.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation in der sich das Land befinde, komme der Wiederaufbau gut voran und könne so planmäßig bis September abgeschlossen werden. Neben staatlichen Bauunternehmen sind auch private Bauarbeiter sowie Kooperativen an den Arbeiten zum Wiederaufbau beteiligt. Unterstützung erhält Havanna dabei aus fünf anderen Provinzen.

Kehrt Kuba zurück in die Sonderperiode? (Analyse)

Die Sonderperiode der 1990er Jahre mit ihren Einschränkungen und Improvisationen ist vielen Kubanern noch in lebendiger Erinnerung (Quelle: Commons)

Angefangen hat es mit der Verknappung von Mehl und Speiseöl. Inzwischen bekommt Kuba auch in anderen Bereichen die Folgen der Krise in Venezuela sowie die jüngste Verschärfung der US-Blockade zu spüren. Während die Zeitungen ihren Umfang reduzieren mussten, haben viele Provinzen bereits mit Einschränkungen beim Transport und im Stromverbrauch zu kämpfen. Raúl Castro warnte Mitte April, dass sich die Lage „in den kommenden Monaten“ weiter verschlechtern könne. Droht Kuba die Rückkehr in die Sonderperiode der 1990er Jahre?

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Wiederaufbau nach Tornado in Kuba schreitet voran

Rund 10.000 Personen wurden in Folge des Tornados aus den betroffenen Gebieten evakuiert, die meisten von ihnen sollen bis zum Ende des Jahres in ihre Häuser zurückkehren können (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Rund drei Wochen nach dem verheerenden Tornado, der Ende Januar mehrere Stadtteile im Süden der kubanischen Hauptstadt verwüstete und dabei sieben Todesopfer forderte, kommt der Wiederaufbau in Havanna zügig voran. Rund die Hälfte der betroffenen Familien verfügen inzwischen über Materialien zur Instandsetzung ihrer Häuser, während der Ersatz der 730 völlig zerstörten Gebäude mit staatlichen Bautrupps unter Hilfe der Nachbarprovinzen organisiert wird. „Jetzt stehen die größten Herausforderungen an“, sagte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel.

Dieser Tage kommt Kubas Ministerrat fast täglich zusammen, um über den Fortschritt des Wiederaufbaus zu beraten. Die abendliche Fernsehsendung „Mesa Redonda“ (Runder Tisch) fand zu diesem Anlass jüngst sogar in den Räumlichkeiten des selbigen statt, wobei neben Präsident Díaz-Canel auch zahlreiche Fachminister und Vertreter der Staatsorgane anwesend waren, um über den letzten Stand der Wiederherstellungsmaßnahmen Rede und Antwort zu stehen. Nach letzten Angaben beläuft sich die Anzahl der beschädigten Gebäude auf rund 7.700, darunter 730 Totalverluste. Wie kubanische Medien berichteten, verstarb einer der noch in Behandlung befindlichen Patienten am Samstag, womit sich die Anzahl der Todesopfer auf sieben erhöhte. Die Schäden an den Gebäuden betreffen meist teilweise oder ganz zerstörte Dächer. Unter den betroffenen Gebäuden befinden sich 78 Bildungseinrichtungen, von denen bereits 49 wieder in Betrieb sind. Von den 19 beschädigten Einrichtungen des Gesundheitswesens sind inzwischen zwei Drittel wieder instandgesetzt, ähnlich verhält es sich bei den 31 betroffenen Industrieanlagen. Die größten Schäden sind im Stadtteil Diez de Octubre zu verzeichnen, wo der Sturm 4.063 Häuser beschädigte und 439 zerstörte.

Verlauf des Tornados vom 27. Januar (Quelle: INSMET)

Der Tornado der Stärke EF4 bewegte sich am Abend des 27. Januar bei Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern auf einer Strecke von 11,5 Kilometern über Havannas Stadtteile Cerro, Diez de Octubre, Regla, Guabanaboa sowie Habana del Este hinweg. Bereits wenige Tage nach dem Sturm konnte die Strom-, Wasser- und Gasinfrastruktur in den betroffenen Gebieten wiederhergestellt werden. Binnen dreier Tage wurde der Schulbetrieb wiederaufgenommen. Inzwischen sind mehr als 9.000 Schadensfälle bei den Behörden eingegangen, wovon inzwischen rund 60 Prozent bearbeitet, aber erst rund zehn Prozent gelöst werden konnten. Um schnellstmöglich neuen Wohnraum zu schaffen, plant die Regierung, leerstehende staatliche Einrichtungen in Wohngebäude umzuwidmen. „Wenn wir in diesem Tempo weiterarbeiten, können wir die Mehrzahl der Fälle bis zum Ende dieses Jahres lösen“, sagte Díaz-Canel.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag Havannas, der im November dieses Jahres begangenen wird, ist es ein erklärtes Ziel der Regierung, beim Wiederaufbau der Infrastruktur signifikante Verbesserungen zu erreichen. Dies soll nicht zuletzt in den Katastrophengebieten erfolgen: neue Glasfaserleitungen, die verlegt werden, können künftig rund 4.000 zusätzliche Haushalte mit Internet versorgen. Die alte Straßenbeleuchtung wird durch energiesparende LEDs ersetzt. Díaz-Canel forderte mehrfach, beim Wiederaufbau darauf zu achten, die Dinge „besser als vorher“ zu machen.

Während vielerorts die Normalität zurückgekehrt ist, die Straßen nach dem freiwilligen Einsatz tausender Studenten wieder passierbar sind, nimmt auch die Politik wieder Kurs auf die nächsten Aufgaben. Wie Kubas Wahlkommission (CEN) jüngst bekannt gab, sind in den vom Tornado betroffenen Gebieten sowie in den Notunterkünften „alle Bedingungen zur Umsetzung des Referendums“ gegeben, das am 24. Februar stattfindet. Mehr als acht Millionen wahlberechtigte kubanische Bürger sind aufgerufen, über die neue Verfassung des Landes abzustimmen, die im letzten Herbst im Rahmen breiter Volksaussprachen diskutiert wurde. (A21)

Havanna nach dem Tornado: Grundversorgung kehrt zurück

Auf der Sitzung des kubanischen Ministerrats vom 2. Februar wurde der Stand des Wiederaufbaus diskutiert (Quelle: Cubadebate)

Eine Woche nach dem Tornado, welcher mehrere Stadtteile im Süden und Osten der kubanischen Hauptstadt Havanna verwüstet hat, konnte in den betroffenen Gebieten die Grundversorgung weitgehend wiederhergestellt werden. Der Wiederaufbau der 2.699 beschädigten und zerstörten Gebäude wird auf Weisung von Kubas Präsidenten indes schnellstmöglich angegangen. Inzwischen wurden auch nähere Informationen über offizielle Spendenkanäle veröffentlicht.

Nach jüngsten Berichten des kubanischen Ministerrats, der in letzter Zeit unter Leitung seines Präsidenten Miguel Díaz-Canel fast täglich zusammenkommt, konnte die Stromversorgung nach den schweren Schäden des Tornados vom letzten Sonntag fast vollständig wiederhergestellt werden. Während in Diez de Octubre bereits 98 Prozent der Haushalte wieder am Stromnetz hängen, sind es in Regla und Guanabacoa jeweils 95 bzw. 99 Prozent. Um alle Schäden am Netz schnellstmöglich beseitigen zu können sind seit Sonntag mehr als 1.000 Techniker aufgeteilt in über 200 Brigaden rund um die Uhr im Einsatz, darunter zahlreiche Kräfte aus den Nachbarprovinzen.

Die Zahl der Todesopfer bleibt weiterhin bei vier, sie wurden inzwischen alle identifiziert. Noch immer werden die 195 Verletzten in diversen Krankenhäusern Havannas behandelt.Zur Stunde sind noch immer rund 4.800 Personen evakuiert. Fast alle konnten bei Freunden oder Familienmitgliedern unterkommen, lediglich 164 befinden sich in staatlichen Notunterkünften. Bei den ersten 144 Gebäuden wurde bereits mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Zahl der beschädigten Gebäude hat sich indes von den ursprünglich geschätzten 1.238 auf 2.699 erhöht, darunter 78 Schulen und 23 Kinderkrippen. Während die meisten der betroffenen Häuser lediglich das Dach verloren wurden 342 Gebäude wurden vom Tornado quasi dem Erdboden gleichgemacht. Mehrere Architekten haben in der vergangenen Woche mit Unterstützung von Studenten der technischen Hochschule Havannas (CUJAE) an der Feststellung der genauen Schäden gearbeitet.

Havannas Studenten helfen beim Freiräumen der Straßen in den betroffenen Gebieten (Quelle: Twitter)

Auch beim Freischaufeln der Straßen und der Beseitigung von Trümmern waren zuletzt hunderte Stundeten der Hochschulen Havannas auf freiwilligen Arbeitseinsätzen im Katastrophengebiet. Inzwischen sind fast alle Straßen wieder passierbar, was die Reparatur der Infrastruktur beschleunigen dürfte. Hier gibt es auch noch einiges zu tun. Noch immer sind tausende Bewohner ohne Wasser und müssen per Tankwagen versorgt werden. Festnetz und Telekommunikation sind erst zur Hälfte wiederhergestellt.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel lobte indes die „arbeitsame Atmosphäre“ in den betroffenen Wohnvierteln. Er hielt seine Kader an, regelmäßig vor Ort vorbeizuschauen und mit „größtmöglicher Sensibilität“ zu agieren. Hierzu wurden auch Ärzte- und Psychologenteams entsandt, während der Verkauf von Baumaterialien bereits begonnen hat. Ziel sei es, alle Schäden zu beseitigen, damit die verwüsteten Gebiete „besser als vorher“ aussähen. Zu den bereits umgesetzten Sofortmaßnahme zählt neben der Abgabe subventionierter Lebensmittel auch eine 50-prozentige Reduktion des Kaufpreises für Baumaterialien. In besonders schwerwiegenden Fällen übernimmt der Staat die komplette Finanzierung. Betroffene können ihre Anträge in mehreren Büros direkt vor Ort stellen.

Auch internationale Hilfe kam inzwischen an. Venezuela lieferte mehr als 100 Tonnen Baumaterialien sowie chinesische Baustellenfahrzeuge nach Kuba. Bolivien hat ebenfalls seine Bereitschaft zu helfen bekräftigt. Darüber hinaus wurden inzwischen offizielle Spendenkanäle geschaltet: „Für materielle Spenden aus dem Ausland, sei es von Regierungen, Unternehmen, Nicht-Regierungsorganisationen oder natürlichen Personen kann man sich mit den Botschaften Kubas in dem Land in Verbindung setzen, in dem sich der Spender befindet“, berichtet die Tageszeitung „Granma„. Und weiter: „Die kubanische Regierung übernimmt die Ankunft, die zollfreie Einfuhr und die Verteilung. Im Fall der Spenden von finanziellen Ressourcen in Devisen hat die Banco Financiero Internacional ein Konto mit der Nummer 0300000005093523 eingerichtet.“

UPDATE (12h Ortszeit):

  • Wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ meldete, sind zwei der Verletzten am Samstag ihren Verletzungen erlegen, die Zahl der Todesopfer stieg damit auf 6.
  • Nach letzten Angaben sind 3.513 Gebäude betroffen.
  • Die Wiederherstellung der Telekommunikationsinfrastruktur liegt bei 65 Prozent, die Arbeiten am Stromnetz sollen diesen Sonntag abgeschlossen werden.

Meteorit explodiert über Viñales

Fragmente des Meteoriten, welche gestern über Viñales niedergegangen waren (Quelle: Cubadebate)

Es ist noch nicht einmal eine Woche her, als ein Tornado durch Havanna zog – schon wird Kuba vom nächsten Naturereignis überrascht: am Freitag Mittag explodierte ein Meteorit über dem Örtchen Viñales in Westkuba. Was für viele Bewohner zunächst nach einem Flugzeugabstuz klang, entpuppte sich glücklicherweise als ein Naturphänomen, bei dem nach letzten Berichten weder Schäden noch Verletzte zu beklagen sind.

„Wie ein Feuerball“ beschreiben Anwohner in Viñales den Niedergang des unbekannten Meteoriten über der Tabaklandschaft, welche ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen auf der Insel ist. Eine Dumpfe Explosion ging damit einher. Was zunächst nach einem Flugzeugabsturz klang, entpuppte sich glücklicherweise schon bald als Naturphänomen ohne zerstörerische Wirkung: die größten gefundenen Trümmerteile waren 11 Zentimeter groß, wie es in einer offiziellen Pressemitteilung über das Ereignis heißt.

Die meisten Trümmerteile wurden in den Gebieten Los Jazmines, Dos Hermanas, Palmarito und El Cuajaní gefunden, alle in der Nähe des Dorfes Viñales. Auch beim „Mural de la Prehistoria“ einem beliebten Touristen-Hotspot, konnten Meteoritentrümmer entdeckt werden. Bereits wenige Stunden nach den Berichten reisten Meteorologen, Geologen und Geophysiker an, um das Ereignis zu untersuchen. Laut ersten Ergebnissen enthält das Gestein des Meteoriten vor allem Eisen, Nickel und Magnesiumsilikate und zerbrach nach dem Eintritt in die Atmosphäre in tausende Fragmente verschiedener Größen.

Etwa zur selben Zeit berichteten Bewohner der Küstenstadt Matanzas von der Sichtung eines Objekts von etwa einem Meter Durchmesser, welches unweit des Ufers ins Meer stürzte. Weitere Untersuchungen zu dem Ereignis stehen noch aus.

Video von Anwohnern in Viñales, welches die Rauchschwaden des Meteoriten zeigt: