Corona-Update für Kuba (9): Lockdown in Havanna verlängert, neue Ausbrüche in Ciego de Ávila

Der ursprünglich bis zum 15. September geplante Lockdown in Havanna ist bis Ende des Monats verlängert worden. Wie Gouverneur García Zapata erklärte, habe man das Virus in der Stadt bisher nicht ausreichend eindämmen können. Rückschläge gab es auch in Zentralkuba: zwei größere Ausbruchsereignisse in Krankenhäusern machten zuletzt die Abriegelung der Provinz Ciego de Ávila erforderlich, am Sonntag wurde auch der übrige Fernverkehr auf Kuba eingestellt. Am 4. September landete indes die erste kanadische Touristenmaschine seit Beginn der Pandemie auf Cayo Coco. Bis der Tourismus im Rest des Landes wieder aufmacht, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

Covid-19 Fälle auf Kuba vom 11. März bis einschließlich 13. September: Akkumuliert (beige), aktive Fälle (rot) und tägliche Neuinfektionen (blau), (Quelle: Covid19-Dashboard Cuba)

    • Bis zum 14. September wurden auf Kuba insgesamt 4726 Personen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet (+42 zum Vortag, darunter 17 in Havanna und 9 in Ciego de Ávila), 108 Personen sind an den Folgen des Virus gestorben. 1769 Personen befinden sich zur Gesundheitsüberwachung in medizinischen Einrichtungen, 4040 gelten als genesen. Die Anzahl der aktiven Fälle liegt damit bei 576 (siehe Grafik oben), die Zahl der akkumulierten Fälle hat sich seit Anfang Juli verdoppelt. Am stärksten betroffen ist die Hauptstadt Havanna mit rund 60 Prozent aller bisher diagnostizierten Erkrankungen (2819 Fälle), gefolgt von Artemisa (356 Fälle) und Ciego de Ávila (276 Fälle). Innerhalb Havannas wurden im Stadtteil Arroyo Naranjo mit 288 Fällen die meisten Infizierten gemeldet, gefolgt von La Lisa (284 Fälle) und Habana del Este (269 Fälle).
    • Die Anzahl der durchgeführten PCR-Tests wurde Anfang des Monats von 6000 auf rund 7500 pro Tag erhöht, die positiv-Rate lag zuletzt zwischen 0,4 und 1,2 Prozent. Ende August wurde aufgrund nicht mehr nachvollziehbarer Ausbruchsereignisse für die Zeit zwischen dem 1. und dem 15. September in Havanna ein erneuter Lockdown angeordnet, der jetzt bis zum 30. September verlängert wurde. Am 8. September wurden aufgrund gestiegener Fallzahlen auch in der Stadt Ciego de Ávila bestehende Lockerungen wieder zurückgenommen. Im Rest des Landes gilt weiterhin Phase III im Lockerungs-Fahrplan, allerdings wurde am Sonntag der Fernverkehr zwischen den Provinzen eingestellt. Der internationale Tourismus bleibt auf die Hotels in den Cayos beschränkt, so lange sich nicht alle Landesteile mindestens in Phase II befinden.
    • Die Studie zur Erprobung des ersten kubanischen Corona-Impfstoffkandidaten „Soberana 01“ schreitet soweit planmäßig voran, erste Ergebnisse sind im Februar zu erwarten.

Lockdown in Havanna geht in die Verlängerung

Ausbruchsereignisse in Havanna zwischen dem 26. August und dem 9. September (Quelle: Cubadebate)

  • Wie Havannas Gouverneur Reinaldo García Zapata am Freitag erklärte, sei es „nicht gelungen, die Verbreitung der Epidemie in der Stadt einzudämmen“, weshalb die Anfang des Monats in Kraft getretenen Lockdown-Maßnahmen bis zum 30. September verlängert wurden. Am 9. September erlebte Kuba mit 92 Neuinfektionen eine der höchsten Infektionsraten seit März. Verantwortlich hierfür waren vor allem zwei Ausbrüche in Krankenhäusern der Provinz Ciego de Ávila, während die Fallzahlen in Havanna zuletzt leicht rückläufig waren. In der Hauptstadt gibt es derzeit 10 laufende Übertragungsereignisse in 5 verschiedenen Stadtteilen, die epidemiologisch komplizierteste Situation herrscht derzeit in den Gemeinden Marianao, Boyeros und La Lisa.
  • Die Mobilität der Bevölkerung konnte durch die nächtliche Ausgangssperre zwischen 19 und 5 Uhr Morgens für Privatpersonen und Fahrzeugverkehr signifikant reduziert werden, weshalb diese Maßnahme ebenso wie alle übrigen weitergeführt wird, bekräftigte Gouverneur García Zapata. Insgesamt habe sich der Verkehr von und nach Havanna seit dem Lockdown um rund die Hälfte reduziert.
  • Um die angespannte Lebensmittelversorgung zu verbessern, hat Havannas erster Parteisekretär Luis Antonio Torres Iríbar eine Ausnahme für Lebensmitteltransporteure erlassen. Diese gilt sowohl für staatliche als auch private Fahrzeuge: wenn Lebensmittel in kommerziellen Mengen geladen sind, wird bei einfahrenden PKWs und Lastwagen nicht mehr auf Vignetten oder Sondergenehmigungen überprüft und es gilt keine Beschränkung bei der Uhrzeit. Bauernmärkte können nachts operieren, um sich mit neuer Ware zu versorgen. Auch fliegende Lebensmittelhändler („carretilleros“) dürfen in Havanna jetzt tagsüber ohne Beschränkungen arbeiten. Die Maßnahmen seien im Ergebnis eines Dialogs mit Kooperativen und anderen Verkaufsstellen über die Probleme der Bauernmärkte in Havanna entstanden.
  • Größere Rolle von Bußgeldern: Bis zum 8. September wurden in Havanna 175.353 Kontrollaktionen durchgeführt, bei denen 8063 Bußen verhängt wurden. Der Anfang September angepasste Bußgeldkatalog sieht deutlich höhere Summen vor, die sich ab einer Säumnis von 10 Tagen verdoppeln. Mit Abstand am häufigsten wurde die Nichtbenutzung oder die unsachgemäße Benutzung des Mund-Nasenschutzes geahndet. Hierfür wurden 4788 Bußgeldbescheide á 2000 Pesos (ca. 70 Euro) ausgestellt. 82 Geschäfte wurden mit 3000 Pesos (ca. 105 Euro) wegen unzureichendem Hygienekonzept sanktioniert. 44 Mal musste aufgrund der Missachtung der Ausgangssperre die Fahrzeugzulassung entzogen werden. Insgesamt wurden Bußgelder in Höhe von über 10 Millionen Pesos (ca. 352.000 Euro) verhängt. Havannas Gerichte haben im Rahmen der Pandemie bisher 995 Personen verurteilt, davon 655 zu Freiheitsstrafen. Die häufigsten Delikte waren Gehorsamsverweigerung und illegale ökonomische Aktivitäten.
  • Mehr Abstand in Schlangen: Wie Parteisekretär Torres Iríbar erklärte, zeige der Kampf gegen Hamsterkäufer erste Erfolge. 534 Einkaufszentren der Hauptstadt stünden dabei besonders im Fokus. Die Bevölkerung ist darüber hinaus dazu aufgerufen, beim Schlangestehen noch mehr Abstand zu halten – ein epidemiologisches Problem, das seit Beginn der Pandemie existiert. Für Banken und Wechselstuben soll ein neues Hygienekonzept erarbeitet werden, um Personenkonzentrationen in geschlossenen Räumen zu vermeiden.

Weitere Entwicklungen:

  • Zwei Krankenhäuser in Ciego de Ávila haben mit Corona-Ausbrüchen zu kämpfen (Quelle: Invasor)

    Corona-Ausbruch in Zentralkuba: Am 8. September sind für die Hauptstadt der Provinz Ciego de Ávila sämtliche Lockerungen wieder aufgehoben worden, der Verkehr aus und nach der Provinz wurde eingestellt. Seit dem darauffolgenden Tag steht die Stadt unter Quarantäne, es gilt eine Ausgangssperre zwischen 16 Uhr und 5 Uhr Morgens. Hauptursache ist ein größerer Ausbruch im Provinzkrankenhaus „Antonio Luaces Iraola“, welches bereits isoliert wurde. Das Personal soll PCR getestet werden und versucht derzeit unter verschärften Hygienebedingungen den Betrieb aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Infektionskette zu unterbrechen. Auch im Krankenhaus „Roberto Rodríguez“ in Morón gab es einen Ausbruch. In Ciego de Ávila befinden sich mehr als 900 Personen zur Gesundheitsüberwachung in medizinischen Einrichtungen, aus anderen Gemeinden wurden ebenfalls Fälle gemeldet. Insgesamt zählt die Provinz 150 aktive Fälle, darunter die meisten schweren und kritischen Verläufe des Landes, wie Präsident Miguel Díaz-Canel in einer Sitzung zur Pandemielage betonte. Die Nachbarprovinzen Sancti Spíritus und Camagüey, wo in den letzten Tagen neue Fälle gemeldet wurden, befinden sich in Alarmbereitschaft.

  • Einstellung des Fernverkehrs: Seit Sonntag ist der Fernverkehr auf Kuba eingestellt, dies gilt sowohl für staatliche als auch private Transportdienstleister.  Die Maßnahme gilt bis zum 30. September. Wer bereits ein Ticket hat, kann sich bis Ende des Monats noch den vollen Kaufpreises zurückerstatten lassen.
  • Rückkehr der Kanadier: Wie die Nachrichtenagentur „Prensa Latina“ meldet, ist am 4. September die erste Touristen-Maschine aus dem kanadischen Montreal auf der kubanischen Insel Cayo Coco eingetroffen. Unter Beachtung strenger Hygienemaßnahmen hat der Tourismus auf den vorgelagerten Inseln mit vollständiger All-inclusive-Hotelinfrastruktur seit Juli wieder begonnen, allerdings ist die Anzahl der Besucher derzeit noch überschaubar.
  • Neues Labor in Holguín: In der östlichen Provinz Holguín wird derzeit an der Errichtung eines neuen mikrobiologischen Laboratoriums gearbeitet, in welchem auch Corona-Tests durchgeführt werden sollen, berichtet das Nachrichtenportal „Cubadebate“. Auch in Ciego de Ávila und Matanzas sollen die Laborkapazitäten ausgebaut werden.
  • Zurück in die Aulas: Seit dem 14. September hat die Universität von Pinar del Río den Lehrbetrieb als eine der letzten des Landes wieder aufgenommen. In Havanna wird die Eröffnung sämtlicher Bildungseinrichtungen noch mindestens bis zum 30. September auf sich warten lassen. Auch die zentralkubanische Universität „Marta Abreu“ in Santa Clara (welche ebenfalls Studenten aus den Nachbarprovinzen empfängt) bleibt geschlossen.
  • Gerardo Hernández wird neuer CDR-Koordinator: Der kubanische Nationalheld Gerardo Hernández wurde am 5. September zum Koordinator der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDRs) gewählt, nachdem er bereits im April zu deren Vizeleiter aufstieg. Im Kontext der Pandemie komme den 1960 gegründeten Nachbarschaftsorganisationen insbesondere die Umsetzung und Förderung der Hygienemaßnahmen zu, wie Hernández betonte.

3 Gedanken zu „Corona-Update für Kuba (9): Lockdown in Havanna verlängert, neue Ausbrüche in Ciego de Ávila

  1. über santiago und umgebung wird gar nicht berichtet. ist dort kein corona? mir wird berichtet banken etc. sind geschloßen? gibt es benzin dort?

  2. Ich habe heute ein Video über fb erhalten. Darin ist zu sehen, wie sich Hunderte vor einem Geschäft drängeln, bei dem es 5 Stück Seife pro Person gibt. Ich halte es für unmöglich, dass es bei dem krassen Mangel an Hygieneartikeln und Lebensmitteln gelingt, Corona aus Havanna zu vertreiben. Offenbar denken viele: lieber anstecken lassen als verhungern…. entsetzliche Zustände.

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