Exporte und Importe steigen

Langsam sickern immer mehr Zahlen über das kubanische Wirtschaftsjahr 2011 durch. Die nationale Statistikbehörde ONE veröffentlichte erst neulich eine interessante Zusammenfassung der wichtigsten wirtschaftlichen Kennziffern für das vergangene Jahr, darunter auch eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Mir fehlt angesichts der bevorstehenden Reise die Zeit für eine genaue Analyse, allerdings versuche ich sie nach und nach nachzuholen, spätestens wenn das Statistische Jahrbuch für 2011 erschienen ist, sollte dies möglich sein.

Hier allerdings vorab einige Zahlen zum Außenhandel. Der besseren Übersichtlichkeit halber habe ich sie visualisiert:

Grafik 1: Exporte und Importe Kubas, 2000-2011. Quelle: eigene Darstellung, ONE 2010 und ONE 2012.

Grafik 1 zeigt die Exporte des Landes in blau, zusammen mit den Importen in Grün. Beides kumuliert gibt den Gesamtaußenhandel des Landes wieder. Die Einheit ist Millionen Pesos. Das Jahr 1985 dient als Referenzwert für die Zeit vor der Sonderperiode, die Werte vom Jahr 1995 stammen aus Zeiten der tiefsten Wirtschaftskrise.

Ab dem Jahr 2000 begann sich das Land bis etwa 2008 kontinuierlich zu erholen, wobei die Importe unverhältnismäßig stark anwuchsen. Nach den Hurricanes 2008 stagnierten die Exporte, die Importe erreichten allerdings Rekordniveau was zur Liquiditätskrise 2009/2010 beitrug. Damals verordnete die Regierung dem Land einen rigiden Sparkurs, der sich hier insbesondere in der Verringerung der Importe bei gleichzeitiger Förderung von Exporten wiederspiegelt. Seitdem hat sich das Land wieder erholt.

Allerdings setzen sich 80% der Exporte aus 8 verschiedenen Produkten zusammen, weshalb Kuba plant seine Exporte zu diversifizieren. Die Akkumulationsrate für exportrelevante Betriebe soll dabei erhöht werden. Neu ist jetzt allerdings, dass die Rate für Investitionen in die Grundmittel des Betriebes, die früher überall gleich war, nun von den Kosten für Rohmaterial und Ausstattung abhängt. Außerdem wird derzeit ein Projekt aus den 1980er Jahren wieder aufgegriffen, indem eine Karte des Landes mit Exportprodukten der verschiedenen Regionen samt Preisvorhersagen erstellt wird. Außerdem existiert nun für den Zeitraum 2011-2015 erstmals ein integraler Plan um die Exporte zu fördern. Bereits kurzfristig soll dieser Plan die Erhöhung der Deviseneinkünfte und die Erneuerung der industriellen Anlagen zur Folge haben.

Im Jahr 2011 hat Kuba erstmals wieder das Exportniveau von 1985 erreicht und sogar leicht überschritten (vlg: 6002 im Jahr 1985, 6041 im Jahr 2011). Erstmals konnten damit auch wieder die Importe bei gleichzeitiger Reduktion des jährlichen Handelsdefizites hochgefahren werden:

Grafik 2: Handelsdefizit Kuba, 2000-2011. Quelle: siehe Grafik 1.

Wie aus Grafik 2 ersichtlich ist, wurde während der wirtschaftlichen Erholungsphase oft kein Wert auf eine positive Außenhandelsbilanz gelegt, es wurde teilweise über 70% mehr importiert als exportiert wurde. Trotz der saftigen Importsteigerung im Jahr 2011 verringerte sich das Handelsdefizit leicht im Vergleich zu 2010, von 39,68 auf 39,58%. Im Vergleich zu 2009 haben sich die Exporte 2011 mehr als verdoppelt.

Soviel erst einmal für den Moment. Das Papier ist recht umfangreich und es bieten sich zahlreiche Indikatoren für die Auswertung an. Ich habe mir mit dem Außenhandel einen m.E. recht aussagekräftigen herausgegriffen, denn er zeigt die Erfolge der Regierung bei der Importsubstitution in den letzten Jahren, außerdem lässt sich der ungefähre Gesamtzustand der Volkswirtschaft recht gut an ihm ablesen.

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