Kuba und das Transportwesen

Grafik 1: In Kuba beförderte Personen, 1985-2011. Quelle: ONE und ONE 2012

Der Transportsektor ist in Kuba seit der Periodo Especial ein Problem, während der 1990er Jahre sogar von immensem Ausmaß. Damals wurde allerhand gegen Benzin eingetauscht, da das Land praktisch still stand. Die Importe waren zu gering um die Wirtschaft des Landes am Leben zu erhalten, ein großteil der Exporte blieben mit dem Wegfall der Sowjetunion 1991 praktisch aus. Entsprechend verheerend waren die Auswirkungen auf den Personentransport.

Wurden im Jahr 1989 noch 3,03 Mrd. Menschen transportiert, waren es 1993 nur noch 0,76 Mrd. Den endgültigen Tiefpunkt erlebte der Transportsektor dann im Jahr 1998 mit nur noch 503.000 beförderten Personen pro Jahr. Seitdem begann eine langsame, aber kontinuierliche Erholung bis zum Jahr 2009 als sich mit 1,79 Mrd. Menschen die Transportkapazität innerhalb von nicht einmal 10 Jahren bereits mehr als verdreifacht hatte. Dies war in erster Linie mit subventioniertem Öl aus Venezuela und zahlreichen importieren chinesischen Bussen zu bewerkstelligen. Im Jahr 2009 erfolgte dann die Wirtschaftskrise und eine drastische Sparpolitik, die Anzahl der beförderten Personen reduzierte sich auf 1,59 Mrd. Personen im Jahr 2010, im Jahr 2011 reduzierte sich diese Zahl weiter auf 1,53 Mrd., 3,4% weniger als im Vorjahr.

Eigentlich hat sich das Land wirtschaftlich wieder erholt. Doch warum hinkt der Transportsektor noch hinterher? Um dieser Frage nachzugehen, bedarf es einer detaillierteren Aufschlüsselung. Traditionell spielt die Eisenbahn in Kuba eine große Rolle im Transportwesen (Kuba ist heute übrigens das einzige karibische Land, das noch ein Bahnwesen unterhält). Selbst während der Periodo Especial blieben die Transportzahlen auf der Schiene relativ konstant bei 20 bis 30 Mio. beförderten Personen pro Jahr, erst ab 1998 als sich der Bussektor langsam erholte, begann die Eisenbahn auszutrocknen. Ihren Tiefpunkt erreichte sie im Jahr 2009 mit gerade einmal 7.5 Mio. beförderten Personen.

Doch seit einiger Zeit erfolgen wieder Investitionen in die Schiene, im Jahr 2010 wurden immerhin 8 Mio., im Jahr 2011 sogar 9.7 Mio Personen mit dem Zug transportiert. Das stellt ein Wachstum von immerhin 21% im Vergleich zum Vorjahr dar. Zurückgegangen ist der Transport allerdings bei einer seiner Hauptsäulen: dem Busverkehr. Dieser reduzierte sich 2011 um 6,8%, insbesondere dem signifikanten Rückgang bei den Stadtbussen ist dieser Trend geschuldet.

Wahrscheinlich aufgrund der vielen neuen Lizenzen für Selbstständige nahmen die in Taxis beförderten Personen um 5,2% zu (es sind jetzt 48.2 Mio. pro Jahr, was immer noch wenig ist im Vergleich zu 1989: damals waren es 192 Mio. und im Land gab es praktisch kaum Touristen). Ansonsten blieb im wesentlichen alles beim Alten.

Derzeit befindet sich der Transportsektor scheinbar in einer Umstrukturierung: Weg von der Straße, hin zu mehr Schiene. Auch beim Gütertransport macht sich dieser Trend bemerkbar, dort steigerte sich der Anteil des Schienenverkehrs um 34,3%. Es bleibt abzuwarten, wann sich das Transportwesen weider erholt, allerdings sind mit den Investitionen der vergangenen Jahre und den bald folgenden die Grundlagen für nachhaltige Personenbeförderung gelegt.

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