Kuba erhöht Löhne für 440.000 Arbeiter des Gesundheitswesens

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Sitzung des kubanischen Ministerrats, unter Vorsitz von Präsident Raúl Castro, am 21. März 2014, (Quelle: „Cubadebate„).

Der kubanische Ministerrat hat heute eine großflächige Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens beschlossen, meldete die Granma. Der Monatslohn für bestimmte Berufsgruppen erhöht sich teilweise um über 100 Prozent, zugleich wird ein neues Lohnsystem für den Sektor geschaffen. Die Maßnahmen werden ab dem 1. Juni dieses Jahres in Kraft treten. Derzeit arbeiten 440.000 Personen im kubanischen Gesundheitswesen, wobei 50.000 Fachkräfte gegen Bezahlung im Ausland eingesetzt werden.

Die Umsetzung der Lohnsteigerung fußt auf den vom VI. Parteitag beschlossenen „Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Marino Murillo, der für ihre Umsetzung verantwortliche Ökonom im Politbüro, erklärte auf der Sitzung, dass dies ein erster Schritt bei der graduellen Steigerung der Löhne sei. Dabei betonte er, dass von der Lohnerhöhung besonders Ärzte profitieren würden, deren Lohn durchschnittlich um 890 bis 970 Peso (ca. 35 bis 38 US$) aufgestockt wurde (siehe Tabelle). Den geringsten Anstieg gab es bei einfachen Krankenschwestern, die ab Juni immerhin 275 Peso (ca. 11 US$) mehr in der Tasche haben werden. Das Einstiegsgehalt für einen Arzt wird von 425 auf 1100 Peso steigen, von 17 auf 44 US$. Spezialisierten Ärzten, mit mehreren Jahren Berufspraxis, werden künftig statt 500 bis 600 Peso (ca. 20 bis 24 US$) zwischen 1400 und 1600 Peso (ca. 56 bis 64 US$) monatlich ausbezahlt.

Gleichzeitig wurde die Anzahl der Gehaltsgruppen vereinfacht und eine Reihe von Bonuszahlungen gestrichen. Stattdessen wird künftig die Nachtarbeitszeit mit doppeltem Stundenlohn vergütet, das betrifft neben den Ärzten auch die Magenspezialisten, Krankenschwestern, Techniker und andere Arbeiter des Gesundheitswesens. Auch ihre Kollegen im Ausland werden von den Maßnahmen profitieren. Bisher wanderten 80 Prozent der 4.100 US$, die Brasilien für einen kubanischen Arzt bezahlt, direkt an den Staat. Während die kubanischen Ärzte im Ausland monatlich etwa 350 US$ erhalten, werden weitere 500 US$ auf Konton in Kuba für ihre Familie aufbewahrt. Trotz dieses Systems nutzten viele Kubaner die Möglichkeit, sich in die Gastländer abzusetzen, wobei keine genauen Zahlen über das Ausmaß der Fluchtbewegung bekannt sind. Deshalb soll der Monatslohn für kubanische Ärzte im Ausland nun auf 1.200 US$ steigen, wobei das Geld wohl direkt ausbezahlt wird.

Dabei kann sich Kuba die Lohnerhöhungen derzeit gut leisten. Neben einem steigendem Nickelpreis gelten auch die kräftigen Deviseneinnahmen aus dem Tourismus und dem Ärzteexport als positive Indikatoren für 2014. Die 50.000 kubanischen Ärzte, welche in 66 verschiedenen Ländern im Einsatz sind, machen 64 Prozent der Einnahmen aus dem kubanischen Dienstleistungssektor aus, erklärte Murillo. Für die 30.000 Ärzte in Venezuela erhält Kuba 92.000 Barrels Öl pro Jahr, mit einem Wert von jährlich 3,2 Milliarden US$.
Insgesamt rechnet die kubanische Regierung dieses Jahr mit Einnahmen von 8,2 Milliarden US$ aus den Ärztemissionen.

In Kuba selbst wird derweil das Gesundheitswesen umstrukturiert, zwischen 2010 und 2013 reduzierte sich die Zahl der Angestellten im Gesundheitsseektor um 109.000, was für den Staat Einsparungen von jährlich etwa 23,5 Millionen US$ bedeutet. Verteilt man diese Summe auf alle Angestellten die in dem Sektor heute arbeiten, erhält man die Zahl von 5 US$ pro Monat. Man kann also feststellen, dass nicht nur die Einsparungen weitergegeben wurden, sondern der Staat zusätzliche Mittel für die Lohnerhöhungen bereitgestellt hat. Trotz des Stellenabbaus soll Murillo zu Folge die Qualität des Gesundheitswesens erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden. Derzeit investiert das Land zusätzliche Mittel in die Restaurierung seiner Altenheime.

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Tabelle: Ausgewählte Beispiele für die Lohnerhöhungen. Linke Spalte: derzeitiger Lohn, mittlere Spalte: neuer Lohn ab 1. Juni, rechte Spalte: Differenz. 25 Peso Nacional = 1 CUC = 1 US$ (Quelle: „Cubadebate„).

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6 Gedanken zu „Kuba erhöht Löhne für 440.000 Arbeiter des Gesundheitswesens

  1. Diese „Lohnerhöhung“ ist wirklich zum schmunzeln, allerdings wohl weniger für das kubanische Med-Personal. Eine Reisepass kostet $100, also neu nur noch ca. 2 Monatsgehälter für einen Arzt. Die Krankenschwester muss schon ca. 3 Monatsgehälter hinblättern. Meine Freundin musste 5 Monatsgehälter bezahlen. Weil dieser aber nach 2 Jahren einen Weitergültigkeitsstempel braucht muss sie nochmals 1 Monatsgehalt bezahlen. Umgerechnet auf z.B. deutsche Verhältnisse müsste der Bundesbürger ca. EUR 12’500 für einen neuen Reisepass bezahlen.
    Irgendwie gibt es gar keine Beschreibung für diesen Zustand. By the way, mein Freund arbeitet auch mit einem kubanischen Arzt zusammen. Mein Freund verdient zwischen $ 12’000 – 15’000 im Monat was der Kubaner auch weiss. Das schränkt die Motivation schon etwas ein…wenn man weiss die nurse (früher) schon mehr als das fünffache verdient. Naja, jetzt verdient ein kubanischer M.D. immerhin 1/10 des Satzes. Der Liter Milch kostet in Kuba übrigens $ 3.00 .

    • Vielen Dank für deine geistreichen Kommentare. Ansonsten können wir ja in Havanna das Headquater der NATO aufbauen, dann bekommen die Ärzte sicher mehr Geld? Auf jeden Fall mehr Arbeit…

      Ich möchte nur daraufhinweisen: Wenn niemand weiß, wieviel Ärzte aus Kuba, die im Ausland arbeiten, gehen, dann vermutet man auch nicht, welches es natürlicj viele sind. Die Westpresse würde es sicher mit voller antikommunistischer Propaganda quittieren. Nach meinem Wissen sind es sehr wenig…

  2. Lieber Jens, leider kann ich den Zusammenhang von Arztgehältern, der NATO und antikommunistischer Propaganda nicht nachvollziehen. Vielleicht erklärst du das mal etwas näher damit ich es verstehe. Die kubanische Regierung gibt übrigens sehr wohl öffentlich bekannt wieviel Personal im Ausland arbeitet. Egal an was man glaubt, aber für einen amtlichen Verlängerungsstempel für einen nicht abgelaufenen Pass 1 Monatsgehalt zu verlangen ist reine Geldmacherei und hat definitiv nichts mit Sozialismus zu tun.

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