Neue Zugverbindung Havanna-Holguín startet im Sommer, erste Waggonlieferung aus China eingetroffen

Die ersten 56 der insgesamt 240 neuen Waggons trafen am Sonntag aus China ein (Quelle: jlorenzo1956 / Twitter)

Zugfahren wird auf Kuba schon bald deutlich komfortabler. Nach 13 Jahren nimmt auf der Insel erstmals wieder ein klimatisierter Intercity-Zug den regulären Betrieb auf. Die ersten 56 Waggons, welche auf der Strecke Havanna-Holguín eingesetzt werden, sind am Sonntag aus der Volksrepublik China eingetroffen. Die neue Verbindung soll bereits im August starten, doch auch andere Strecken werden profitieren. Derzeit laufen letzte Arbeiten an den Bahnhöfen von Havanna und Holguín, welche mit moderner Informationstechnik ausgestattet werden. In einigen Wochen sollen erste Testfahrten auf der Strecke beginnen, die mit 10 Zwischenhalten den Westen mit dem Osten der Insel verbindet. Der Preis, welcher laut vorläufigen Angaben umgerechnet 4,10€ für die erste Klasse beträgt, dürfte für viele Kubaner attraktiv sein.

Seit dem Jahr 2005 wird die Zugstrecke auf der Ost-West-Achse Kubas kaum noch bedient, die Passagierverbindung musste damals mangels Rollmaterial weitgehend eingestellt werden. Vorher fuhr hier der bekannte „französische Zug“ (span.: „tren francés„), welcher aus ausgemusterten Passagierwaggons aus Frankreich bestand. Doch diese haben inzwischen endgültig ausgedient. Die heutigen Behelfszüge verkehren indes nur unregelmäßig und brauchen dann auch bis zu 30 Stunden, fast doppelt so lange wie der Fernbus, der heute das Hauptverkehrsmittel für die Langstrecke ist. Mit der neuen Injektion an modernen Passagierwaggons, sowie der parallel dazu laufenden Belieferung mit russischen Dieselloks der Jekaterinburger „Sinara Group„, soll sich die Situation nun ändern. Die neuen Waggons wurden von einem Team aus chinesischen und kubanischen Ingenieuren eigens für die Bedingungen auf Kuba entworfen und werden vom chinesischen Hersteller „CRRC Tangshan“ produziert, der sich auch für die Fertigung der neuesten Generation chinesischer Hochgeschwindigkeitszüge verantwortlich zeigt. Es sind die ersten fabrikneuen Passagierwaggons, die seit 1975 auf Kuba eintreffen.

Zunächst ist geplant, die neue Verbindung nach Holguín ab Juli / August alle drei Tage anzubieten. Bis zum Ende des Jahres sollen 24 weitere Waggons folgen. Danach erhält das Land bis 2021 jedes Jahr 80 zusätzliche Passagierwaggons, so dass insgesamt 240 chinesische Waggons Kubas Intercity-Verkehr unterfüttern werden. Spätestens dann soll mindestens einmal pro Tag ein Zug von Havanna nach Holguín sowie in die Gegenrichtung aufbrechen. Auch die Strecken nach Guantánamo, Bayamo-Manzanillo und Santiago de Cuba sollen mit den neuen Zügen nach und nach wieder täglich bedient werden.

Anzahl und Ausstattung der neuen Züge: 130 Waggons zweiter Klasse, 70 erste Klasse, 20 Bordbistros sowie 20 Generator- und Personalwaggons sollen in den kommenden drei Jahren geliefert werden.  (Quelle: Ahora)

Jeder Zug verfügt über 720 Sitzplätze in 11 Waggons, davon ein Teil klimatisiert und mit modernem Unterhaltungssystem. Die 2. Klasse wird per Deckenventilator gekühlt und soll um rund ein Viertel günstiger als die Fahrt im Klima-Waggon sein. Auch ein ebenfalls klimatisiertes Bordbistro gehört zu dem neuen Angebot. Insgesamt soll ein solches Gespann 325 Meter Zuglänge umfassen. „Derzeit arbeiten wir an der Vervollständigung der Leitsysteme und der technischen Kontrolle“, gab ein Sprecher der kubanischen Bahngesellschaft „Unión de Ferrocarriles de Cuba“ bekannt. „Es wird eine gewisse Zeit brauchen, die neuen Züge zu testen und anzupassen. Hierfür befinden sich bereits chinesische Ingenieure vor Ort“, erklärte der Direktor der UFC, Eduardo Jesús Hernández, gegenüber „Radio Holguín“.

In Holguín wurden in den letzten Monaten extra neue Wartungsschächte für den Zug ausgehoben. Auch in beiden Endbahnhöfen laufen Modernisierungen. So wird die Station im Osten künftig mit Unterstützung für das elektronische Zugsicherungssystem samt Informationsbildschirmen und interaktiver Karte ausgestattet werden, um Verspätungen zeitnah zu kommunizieren. Die Wartebereiche werden über drahtlosen Internetzugang und ein erneuertes gastronomisches Angebot verfügen. Kubanische Medien mahnten bereits die künftigen Passagiere, „gut auf die neuen Züge acht zu geben“, die eine teure Investition für das Land darstellten.

Von Holguín ausgehend wird der Zug Halt in den Orten Cacocum, Las Tunas, Camagüey, Ciego de Ávila, Guayos, Santa Clara, Colón, Matanzas und Jaruco einlegen. Auf dem Rückweg wird es darüber hinaus Stops in Florida und Camagüey geben. Die Strecke nach Santiago soll der neue Zug in rund 14 Stunden zurücklegen und wird damit zu einer echten Alternative zur Busverbindung, mit der man heute 16 unterwegs ist. Wie lokale Medien berichten, sollen entsprechend geschulte Zugbegleiter Kubas Bahn wieder zu einem Transportdienstleister von „hohem Komfort“ werden lassen. Das Gepäck für die Fahrgäste soll auf 20 Kilogramm in Gepäckstücken von 70x45x30 cm limitiert sein. Nach Angaben lokaler Medien könnten die Ticketpreise deutlich günstiger als die der Busverbindung ausfallen. So soll die Strecke von der Hauptstadt nach Holguín 110 Pesos (ca. 4,10 €) für die erste bzw. 82 Pesos (ca. 3 €) in der zweiten Klasse kosten. Die Preise sind jedoch noch nicht endgültig bestätigt und könnten sich bis zum Sommer ändern.

Kuba arbeitet bereits seit mehreren Jahren an der Modernisierung des Schienenverkehrs, welcher günstiger und effizienter als der Fracht- und Passagiertransport auf der Straße ist. Entsprechende Verträge wurden bereits vor einigen Jahren mit Russland und China unterzeichnet. Bis 2021 werden alle der 240 chinesischen Passagierwaggons geliefert werden. Finanziert wird das Vorhaben über einen langfristigen Kredit in Höhe von 148 Millionen US$ bei 15 Jahren Laufzeit. Die Hauptstrecke wird bereits seit einiger Zeit mit russischer Hilfe modernisiert, um die Reisegeschwindigkeit auf durchschnittlich 120 Stundenkilometer zu erhöhen. Neben dem Austausch alter Gleise wird auch moderne Signaltechnik samt Mobilfunkantennen entlang der Strecke installiert. Erst im Januar traf eine Lieferung von 43 der 75 georderten russischen Dieslloks in Havanna ein, welche bereits für den Gütertransport im Rahmen der laufenden Zuckerrohrernte eingesetzt werden.

Die Waggons erster Klasse sind mit Klimaanlage und Bordunterhaltung ausgestattet (Quelle: JT/MT)

Bis 2021 wird Kuba jedes Jahr 80 neue Passagierwaggons erhalten (Quelle: Twitter)

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9 Gedanken zu „Neue Zugverbindung Havanna-Holguín startet im Sommer, erste Waggonlieferung aus China eingetroffen

  1. Super Idee mit dem Zug. Das einzige was mich irritiert sind die Klassen im Zug. Sollte es in der klassenlosen Gesellschaft nicht geben.

    • Naja, das ist wohl die einzige Möglichkeit günstige Tickets zu garantieren und trotzdem den Kredit abzahlen zu können, indem man für die komfortableren Waggons etwas mehr Geld verlangt. Übrigens: auch in der DDR gab’s Beförderungsklassen in Zügen und auf Flügen. Sozialismus ist halt noch kein Kommunismus ;-)

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  5. Mit dem Bus von Holguin nach Varadero habe ich 38 CUC bezahlt .Vor 2 Jahren. Da sind doch 5 CUC nach Havanna mit Klimaanlage und Bistro geschenkt. 1 CUC gleich 1 Dollar .

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