Neustart für Kubas Landwirtschaft: Agrarmonopolist „Acopio“ wird zum Unternehmensverband

„Acopio“ zeichnet sich für die Abholung, Lagerung und Verteilung des Gros der auf der Insel produzierten Lebensmittel verantwortlich (Quelle: Granma)

Ab dem kommenden September wird Kubas staatlicher Monopolist für Agrarprodukte, Acopio, in einen Unternehmensverband (OSDE) umgewandelt werden, wie kubanische Medien berichten. Dies soll der Organisation mehr Anreize und Entscheidungsspielräume für eine effizientere Verteilung von Lebensmitteln auf der Insel ermöglichen.

Bei Acopio handelt es sich um nicht weniger als das zentrale Logistikunternehmen der kubanischen Landwirtschaft, welches in dieser Funktion ein Monopol innehat. Aufgabe der Firma, die bisher der „Unternehmensgruppe Landwirtschaft“ unterstellt war, ist es, für Abholung, Lagerung und Verteilung sämtlicher Landwirtschaftsprodukte im Rahmen der staatlichen Abnahmequote zu sorgen. Dies gelang in der Vergangenheit jedoch mehr schlecht als recht: auch heute noch müssen manche Erzeugnisse durch Missmanagement auf den Feldern verdorren, während das Unternehmen seit Jahren rote Zahlen schreibt.

Das soll sich nun ändern. „Acopio vom landwirtschaftlichen Unternehmensverband zu trennen gibt der Firma größere Flexibilität in ihrer Tätigkeit, und auch größere Teilhabe an den Investitionsplänen der Regierung“, erklärte der technische Direkter von Acopio, Ramón Rosa Martín. Ab September soll Acpio dann selbst zu einem eigenständigen Dachunternehmensverband (Organización Superior de Dirección Empresarial, kurz: OSDE) werden, womit auch die Provinzfilialen der Firma größere Autonomie bekommen. OSDEs wurden auf Kuba im Jahr 2012 eingeführt um staatliche und unternehmerische Funktionen zu entflechten. Die Idee ist, den Betrieben durch größere Autonomie mehr Anreize für Produktivitätssteigerungen zu gewähren, anstatt sich ausschließlich an Plankennziffern zu orientieren.

Mit der neuen Struktur werden die einzelnen Zweigstellen von Acopio erstmals Verträge mit Drittunternehmen abschließen können, was neue Einnahmen generieren und für eine effizientere Verteilung der Produkte sorgen soll. Zudem können sie Kredite bei Banken aufnehmen. Damit sollen bisherige Verzögerungen beim Ausbezahlen der Bauern vermieten werden, die den festgelegten Abnahmepreise bisher erst nach dem vollständigen Verkauf der Ernte durch die Firma erhielten.

Die Reform von Acopio ist Teil von Kubas geplantem Neustart in der Landwirtschaftspolitik. Dieser wurde bereits im Mai 2019 mit dem „Decreto 365“ beschlossen, welches im November in Kraft tritt. Damit soll sich die Autonomie der Acopio unterstellten Landwirtschaftskooperativen deutlich ausweiten. Diese können ihre Produkte künftig ohne Umweg an Drittabnehmer wie private Käufer und Hotels liefern, dürfen sich komplett autonom verwalten sowie selbstständig neue Arbeitskräfte einstellen. Darüber hinaus erhalten die Produzenten besseren Zugang zu Bankkrediten, Dienstleistungen und Arbeitsmaterial.

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