26. Februar 2024

Zuckerindustrie: Die Zafra 2023/24 hat begonnen

In Kuba hat am Montag die diesjährige Zuckerrohrernte („Zafra“) begonnen. Nach massiven Einbrüchen beim einst wichtigsten Exportgut der Insel soll mit einer Restruktierung dieses Jahr eine leichte Erholung des Sektors beginnen. Doch für große Sprünge fehlt das Geld.

Der Präsident der staatlichen Zuckerholding Azcuba, Julio García Pérez, rief zu einer „kürzeren, aber effizienten“ Ernte auf. Während in früheren Jahren über 50 Mühlen („centrales azucareros“) zum Einsatz kamen, werden an der diesjährigen Ernte nur 25 Standorte beteiligt sein, zehn weniger als in der Vorsaison. Damit sollen die vorhandenen Ressourcen auf die modernsten Anlagen konzentriert werden. In vielen kubanischen Zuckermühlen sind noch Gerätschaft aus den 1940er und 1950er Jahren im Einsatz, die mit kreativen Lösungen am Laufen gehalten werden.

Die ersten 23 Mühlen werden bis Ende Dezember hochgefahren, im Januar sollen nach Abschluss von Wartungsarbeiten zwei weitere hinzukommen. Neben 56 Mühlen zählt der Sektor 12 Destillerien, 11 Raffinerien, 114 Anlagen zur Herstellung von Zuckerderivaten und 10 Rumfabriken, die insgesamt 71.203 Personen beschäftigen. Trotz seiner fast vollständigen Abwicklung Anfang der Nullerjahre gilt der Zuckersektor für Kuba inzwischen wieder als strategisch, er soll in den kommenden Jahren zur Diversifizierung der Exporte und zunehmend auch zur Energieerzeugung beitragen. 2020 wurde in einer der größten Investitionen der vergangenen Dekade in der „Central Ciro Redondo“ (Provinz Ciego de Ávila) in Zusammenarbeit mit China und Großbritannien ein 60 Megawatt Biomassekraftwerk in Betrieb genommen, das durch die Verstromung von Bagasse während der Erntesaison jährlich 100.000 Tonnen Erdöl einsparen soll.

Die diesjährige Zuckerernte wird erstmals unter einem neuen Managementmodell stattfinden. Im Rahmen der „93 Maßnahmen zur Rettung des Zuckersektors“, die von der Regierung vergangenes Jahr auf den Weg gebracht wurden, sind erstmals sämtliche Zuckermühlen als eigenständige Unternehmen konstituiert worden. Azcuba verspricht sich von der „Selbstverwaltung der Territorien“ Effizienzgewinne und größere Anreize für die Beschäftigten, da Teile der Gewinne in den Betrieben verbleiben. Im Schnitt sollen 84 Prozent der für die Finanzierung der Ernte erforderlichen Ausgaben von den jeweiligen Zuckermühlen selbst generiert werden können.

Die Umstrukturierung ist die jüngste in einer Reihe von Reformanläufen des schwer angeschlagenen Sektors. 2011 wurde das damalige Zuckerministerium durch die Holding Azcuba ersetzt. Fehlende Investitionen, der Mangel an Düngemitteln und Ersatzteilen sowie große Fluktuation bei den Arbeitskräften ließen die Zuckerproduktion in Kuba in den vergangenen Jahren auf historische Tiefs fallen. Bereits seit Jahren muss der Anbau mangels Devisen fast gänzlich ohne Kunstdünger und Herbizide auskommen, mit Beginn der aktuellen Wirtschaftskrise wurde auch der Treibstoff knapp. Den Tiefpunkt erreichte der Sektor in der Saison 2021/22 mit einem Ergebnis von 474.000 Tonnen, so viel wie auf Kuba zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts produziert worden sind. Am Ende der Zafra 2022/23 lag das Ergebnis bei 820.000 Tonnen, 32 Prozent unter dem Plan von 1,2 Millionen Tonnen. Dieses Jahr dürften ebenfalls wieder über eine Millionen Tonnen angestrebt werden, bislang gab Azcuba die Zielvorgabe nicht bekannt.

In den 1980er Jahren lieferte der einst prestigeträchtige Sektor über acht Millionen Tonnen raffinierten Zucker pro Jahr, womit Kuba zu den größten Zuckerproduzenten der Welt gehörte. Die inländische Nachfrage liegt heute bei rund 700.000 Tonnen, Hauptabnehmer ist China. Vergangenes Jahr wurden rund 400.000 Tonnen für den Binnenmarkt reserviert und weitere 400.000 Tonnen in die Volksrepublik exportiert.

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